Versunkener Trawler vor Grönland bleibt in der Tiefe

Qasigiannguit (Grönland). Vor knapp einem Jahr sank der grönländische Trawler Polar Aassik nach einem Brand. Alle Besatzungsmitglieder wurden gerettet, aber das Schiff auf 300 Metern Tiefe hat vermutlich noch rund 52 000 Liter Treibstoff an Bord. Das Schiff muss weg, so zunächst die Forderung des Umweltministeriums. Doch es scheint aktuell keine risikofreie technische Lösung dafür zu geben. Darüber berichtete Sermitsiaq.

Pola Aassik

Letzte bekannte Position der Polar Aassik bei Marine Traffic. Karte Marine Traffic/sel

Der Fall Polar Aassik vom März 2021 zeigt, was alles schief gehen kann bei einer Havarie in arktischen Gewässern. Anfangs schien es, als kämen die lokalen Rettungskräfte mit dem Brand zurecht. Doch der flammte wieder auf. Das Arktische Kommando kam schließlich von Nuuk, was über Wasser mehr als 600 Kilometer sind, außerdem störte das Treibeis. Das brennende Schiff sank vorher, und aufgrund der Eisschollen konnte man nicht einmal das ausgetretene Diesel auffangen.

Austretender Treibstoff schadet der Natur, unter anderem dem Fisch-Nachwuchs. Für die grönländische Umweltbehörde war deshalb klar, dass das Schiff schnellstmöglichst gehoben werden musste – alternativ der verbliebene Treibstoff irgendwie entfernt werden sollte. Zuletzt wurde im Juni 2021 eine Verschmutzung auf dem Wasser gesichtet. Wie viel noch im Schiff ist, ist nicht festzustellen, die Schätzung beruht auf dem Stand vor dem Sinken. Es liegen allerdings Unterwasseraufnahmen einer Drohne vor, anhand derer der Plan zur Bergung entwickelt werden sollte.

Zu teuer und zu riskant

Das Ergebnis, laut Sermitsiaq: Sowohl ein Abpumpen des Treibstoffs als auch dass  Heben dieses 33 Meter langen Trawlers ist extrem teuer und mit zu viel Risiko für Mensch und Natur verbunden. Es könne nicht ausgeschlossen werden, dass das Schiff noch weiter kaputt geht und Treibstoff austritt. Die Reederei hatte sich deshalb gegen die Pflicht zur Entfernung gewehrt. Das Ministerium hat nun eingelenkt – weil die Maßnahmen offenbar tatsächlich nicht risikolos umzusetzen sind. Es behält sich allerdings vor, später erneut Forderungen zu erheben.

Wrack-Beseitigungen und Dauer-Lecks

Es gab in den vergangenen Jahren einige spektakuläre Wrack-Beseitigungen: Man denke an den Fall der norwegischen Fregatte Helge Ingstad oder, besser vergleichbar, des Trawlers Northguider in Spitzbergen. Beide lagen allerdings in relativ flachem Wasser, die Northguider konnte sogar betreten werden. Vor Seyðisfjörður, Island, befindet sich aber immer noch das Wrack des britischen Tankers El Grillo, der durch deutsche Bomben 1944 schwer beschädigt wurde. Trotz mehrfachen Abpumpens und Abdichtens tritt dort immer noch Öl aus. Gegen den Tanker ist der Trawler Polar Aassik allerdings ein „kleiner Fisch“.

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