Neue Zeiten in Südgrönland: Flughafeneröffnung in Qaqortoq

Qaqortoq/Narsarsuaq (Grönland). Für Südgrönlands größten Ort Qaqortoq sind gestern neue Zeiten angebrochen: Statt eines Heliports ist nun der neue Regionalflughafen in Betrieb. Während Qaqortoq jubelt, müssen die Einwohner von Narsarsuaq sich damit abfinden, dass sie künftig nur noch mit dem Helikopter wegkommen. Die Änderungen bei Südgrönlands Flughafenstruktur haben auch Auswirkungen auf den Schiffsverkehr. Darüber berichtete Sermitsiaq.

Gebäude vor schneebedecktem Berg

Flughafen Qaqortoq. Foto Greenland Airports

Nach Nuuk ist Qaqortoq der zweite von drei neuen Flughäfen in Grönland innerhalb weniger Jahre. Mit diesem 2018 beschlossenen Gesamtpaket sollte die Flug-Infrastruktur besser auf die Bedürfnisse der Menschen ausgerichtet werden. Die Standorte der ehemaligen amerikanischen Militärflughäfen Kangerlussuaq (Sondrestrom Air Base) und Narsarsuaq (Bluie West One) waren nach Wetter- und strategischen Geseichtspunkten ausgewählt worden, befinden sich aber abseits der Siedlungsschwerpunkte.

Luftweg die wichtigste Infrastruktur

Flugzeuge und Helikopter sind das wichtigste regionale und überregionale Verkehrsmittel in Grönland, da es keine Straßen zwischen den Orten (außer der Piste zwischen Sisimiut und Kangerlussuaq) und erst recht keine Bahn gibt. Lediglich per Schiff, im Winter auch per Schneemobil/Hundeschlitten kommt man sonst noch von Ort zu Ort.

Freude in Qaqortoq, Frust in Narsarsuaq

Blick von Hügel auf Ort und Fjord

Blick auf Narsarsuaq, 2024. Foto Stefan Beck

Die gut 3000 Einwohner von Qaqortoq haben nun fast täglich die Möglichkeit, die Hauptstadt per Direktflug in einer Stunde und 25 Minuten zu erreichen. In die kleineren Orte Südgrönlands geht es dann von Qaqortoq weiter per Helikopter, darunter nach Narsarsuaq. Was mit dem 130-Einwohner-Ort Narsarsuaq nach Abzug des Flugzeugbetriebs geschieht, ist noch unklar. Wie Sermitsiaq berichtet, hat beispielsweise ein Touranbieter schon sein Hauptquartier nach Qaqortoq verlegt. Es habe zwar viele Seminare über die Zukunft gegeben, so der Unternehmer, aber es sei nichts Konstruktives dabei herausgekommen. Das US-Militär zeigte jüngst Interesse daran, wieder mehr Basen in Grönland einzurichten, aber auf die USA ist man gerade nicht so gut zu sprechen. 

Küstenschifffahrt bekam Vertrag für zwei Jahre

Unklar ist auch, welche Auswirkungen die neue Flugverbindung nach Qaqortoq auf die Küstenschifffahrt haben wird. Ende 2025 erhielt die Arctic Umiaq Line noch einmal einen Vertrag für zwei Jahre und wird mit dem Schiff Sarfaq Ittuk wie bisher zwischen Ilulissat im Norden, Nuuk und Qaqortoq im Süden verkehren. Der Vertrag nur über zwei Jahre war der Reederei aber nicht sicher genug, um in ein neues Schiff zu investieren. Sarfaq Ittuk hat Platz für gut 200 Passagiere.

Modernes Hybridschiff soll verkauft werden

Ein anderes Schiff wird dagegen jetzt schon ausgemustert: Maliina Ittuk, das neue Hybridschiff der Disko Line mit Platz für 113 Passagiere, war nur wenige Monate in Betrieb und fuhr zwischen Qaqortoq und Narsarsuaq. Diese Verbindung ist mit der Eröffnung des Flughafens überflüssig. Eigentlich war geplant, dass es dann in der Disko-Bucht zwischen Ilulissat und Qeqertarsuaq eingesetzt werden sollte. Disko Line hatte viel Geld in den Bau des Hybridschiffs investiert, hat in Ilulissat aber keinen Hafenplatz bekommen, wo sich die Batterien laden ließen. Deshalb soll das Schiff nun verkauft werden.

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Schweden: Wallenberg-Geld rettet fossilfreies Stahlwerk Stegra

Boden (Schweden). Zuletzt sah es so aus, als würde dem Unternehmen Stegra das Geld ausgehen, bevor die erste Tonne fossilfreien Stahls im Lichtbogenofen produziert wurde. Diese Sorgen sind vorbei: Ein Konsortium, zu dem Wallenberg Investment gehört, ist bei Stegra mit 1,4 Milliarden Euro eingestiegen. Darüber berichtete unter anderem SVT.

Große Baustelle von oben

Stegra-Baustelle bei Boden, März 2026. Foto Stegra

Stegra in Boden ist eins von zwei Projekten in Nordschweden, die auf fossilfreie Stahlerzeugung setzen. Das andere ist SSAB in Luleå und Oxelösund. Während SSAB seine neuen Öfen parallel zum bisherigen, konventionellen Stahl- Business hochzieht und vorher zunächst in einer Pilotanlage die Technik getestet hat, ist Stegra eine völlig neue Firma an einem neuen Standort und setzt von Anfang an auf Größe. Das Geld kommt von privaten Investoren. Aber man brauchte mehr davon als geplant: Stegra brauche 10, besser noch 20 Milliarden Kronen, hieß es zuletzt in den Medien – und die sollten zwar bis Ende März gefunden worden sein, waren es aber nicht. Es gibt in dieser Geschichte einige Parallelen zum gescheiterten Batterieriesen Northvolt, was die Befürchtungen vor Ort verstärkte, dass Stegra den selben Weg nehmen könnte wie Northvolt.

Name Wallenberg allein ist viel wert

So kommt es wohl nicht: Die 15 Milliarden SEK des Konsortiums, umgerechnet rund 1,4 Milliarden Euro, decken zunächst den Bedarf. Und sie sind laut SVT-Kommentator Johan Zachrisson Winberg mehr wert durch den Namen Wallenberg, einer traditionsreichen schwedischen Finanzdynastie. Zwar bestehe der Anteil von Wallenberg Investment nur aus drei der 15 Milliarden SEK des Konsortiums. Aber der Name Wallenberg stehe für eine langfristige Ausrichtung und gute Möglichkeiten, bei Bedarf noch mehr hervorzuholen.

Modernes Stahlwerk auf der grünen Wiese

Die heranwachsende Industrieanlage in Svartbyn bei Boden ist komplett auf die neue, fossilfreie Methode der Stahlproduktion ausgerichtet. Etwas abseits soll der Wasserstoff selbst erzeugt werden, der dann für die Direktreduktion benötigt wird. Mithilfe der Lichtbogentechnologie entsteht dann der Stahl. Im Gegensatz zur konventionellen Stahlerzeugung wird Kohle für den Prozess nicht mehr gebraucht, was den CO2-Ausstoss zum größten Teil verschwinden lässt. Allerdings werden enorme Mengen Energie benötigt, die aus Wind und Wasserkraft kommen soll. 

Abkommen für das Erz fehlt noch

Wind und Wasserkraft gibt es reichlich in Nordschweden, und den Rohstoff Erz eigentlich auch. Bisher ist Nordschwedens größter Erzlieferant LKAB aber kein Abkommen mit Stegra eingegangen. Zum einen ist LKAB finanziell bei der „Konkurrenz“ SSAB involviert. Zum anderen sind die Gleise Richtung Boden laut LKAB so voll, dass man keine Lieferungen versprechen könne. Nachdem die Finanzierungsfrage nun vom Tisch ist, ist ein Erz-Abkommen mit LKAB  laut PT allerdings das nächste Ziel für Stegra.

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Norwegen: Weitere Flüsse nach Gyro-Befall wieder nutzbar

Norwegen. Lichtblick für Angler in Nordnorwegen: In zwei Flüssen in Troms, Signaldalselva und Skibotnelva, dürfen diesen Sommer wieder begrenzt Lachse gefangen werden. Die Flüsse waren zuvor gegen den Parasiten Gyrodactylus salaris behandelt worden. Jølstra in Vestland wird dagegen wegen eines schwachen Lachsbestandes komplett gesperrt. Darüber berichtete NRK nach einer Mitteilung der Umweltbehörde.

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US-Gesellschaft hofft auf grönländisches Öl – realistisch?

Grönland. 2021 beschloss das damalige grönländische Parlament mehrheitlich, die Ölsuche in Grönland zu verbieten. Es gibt allerdings eine US-Firma, die eine noch gültige Lizenz übernommen hat und glaubt, auf Jameson Land  (Ostgrönland) 13 Milliarden Fass Öl herausholen zu können. Wie ist das möglich – und ist das realistisch? Darüber berichtete KNR.

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Island: Vorübergehend weniger Steuern auf Treibstoff

Island. Eigentlich sollten mit der Einführung der neuen „Kilometergebühr“ auf Island die Treibstoffpreise sinken, da ja gleichzeitig die Treibstoffsteuer abgeschafft wurde. Inzwischen sind die Preise aufgrund des Irankriegs jedoch gestiegen. Die isländische Regierung kündigte nun eine befristete Senkung der Mehrwertsteuer auf Benzin und Diesel an. Gleichzeitig wird die Infrastruktur für Elektrofahrzeuge ausgebaut. Darüber berichteten auch RÚV und mbl.is.

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Vermisster Skiläufer auf Spitzbergen tot gefunden

Spitzbergen (Norwegen). Mehrere Tage lang wurde auf Spitzbergen nach einem vermissten Skifahrer gesucht. Am vergangenen Donnerstag wurde er tot in einer Gletscherspalte des Skilfonna gefunden. Es handelt sich um den 75-jährigen bekannten Polarfahrer Miroslav Jakeš aus Tschechien. Das meldeten Sysselmesteren, Svalbardposten und Radio Prague International.

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2026: Wärmster März in Finnland, Norwegen und Schweden

Finnland/Schweden/Norwegen. Schnee weg, schlechtes Eis und Terrainbrandgefahr: Die drei nordischen Länder erlebten alle einen frühen Frühling.  Außerdem haben sie den wärmsten je gemessenen März hinter sich. Das meldeten die jeweiligen meteorologischen Institute. Dabei erreichten selbst langjährige Messstationen neue Monatsdurchschnitt-Rekordwerte.

Finnland

Krokusse

Frühling

Den höchsten statistischen Unterschied landesweit im Vergleich zu früheren Jahren gab es in Finnland: Dort errechneten die Wissenschaftler des finnischen meteorologischen Instituts eine landesweite Durchschnittstemperatur von 1,1 °C. Zuletzt lag der Rekord bei 0,0°C, gemessen in 2007. 

Beispiele:

  • Helsinki Kaisaniemi, Messserie seit 1900.  März 2026: + 3 °C. Zuletzt: +2,8°C (2025). Referenzwert März (1991-2020): -0,7 °C
  • Sodankylä Tähtelä, Messserie seit 1908, März 2026  -0,7 °C.  Zuletzt: -2,3 °C (2015). Referenzwert März (1991-2020):  -7,1°C.

Norwegen

In Norwegen beträgt der Unterschied zwischen dem alten und dem neuen landesweiten Rekord 0,6°C – so steht es im neuen Report der norwegischen Meteorologen. Speziell die mittleren und nördlichen Landesteile gelten als im Vergleich „extrem warm“. Der März 2012 lag 3,3°C über dem Referenzwert, der März 2026 3,9 °C. Wie NRK berichtet, ist die Natur in Nordnorwegen ihrer Zeit deutlich voraus. 

Beispiele:

  • Nordøyan fyr, Messserie seit 1890. März 2026: +5,6 °C. Zuletzt: +4,8 °C  (2022). Referenzwert März (1991-2020): +2,3 °C 
  • Kautokeino, Messserie seit 1889. März 2026: -2,4 °C. Zuletzt: -3,8 °C in den Jahren 2007 und 2015. Referenzwert März (1991-2020): – 9,2°C

Schweden

Auch in Schweden kamen die Meteorologen des SMHI zu dem Schluss, dass es sich beim März 2026 um den wärmsten je gemessenen Monat handele. Dies betreffe besonders den nördlichen Teil. 

Beispiele: 

  • Stockholm Observatoriekullen, Messserie seit 1756. März 2026: +5,5 °C. Zuletzt: +4,9 °C (2025). Referenzwert März (1991-2020): +1,6 °C
  • Piteå, Messserie seit 1860. März 2026: 1,6 °C. Zuletzt: 0,6 °C.  (2015). Referenzwert März (1991-2020): -3,5 °C

Früherer Artikel:

Früher Frühling im Norden

 

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Neue Regierung auf den Färöer – blockübergreifend

Färöer. Die neue Regierung der Färöer steht – und sie ist blockübergreifend. Neuer Premierminister ist wie erwartet der 29-jährige Beinir Johannesen von der konservativen Partei Fólkaflokkurin. Er ist der jüngste „Løgman“ in der Geschichte der Färöer. Regierungspartner sind die sozialliberale Sambandsflokkurin und die sozialdemokratische Javnaðarflokkurin. “ Die Blockpolitik ist Geschichte“, sagte Beinir Johannesen.

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Neuer Versuch für deutsche Trägerrakete: Ab Andøya ins All

Andøya (Norwegen). Schafft es heute die erste Orbital-Trägerrakete aus Europa bis ins All? Heute um 22 Uhr soll erneut eine Trägerrakete des deutschen Entwicklers Isar Aerospace von Andøya Spaceport aus starten. Auch die erste Payload ist an Bord. Der Start kann ab 21 Uhr live auf YouTube verfolgt werden. Darüber berichtete auch NRK.Update 21.40 Uhr: Der Countdown wurde wegen eines Lecks in einem Druckbehälter abgebrochen.

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Arbeiter krank: Baustopp beim neuen Stahlwerk in Luleå

Luleå (Schweden). Es herrscht Baustopp auf dem Gelände von SSAB in Luleå, wo das neue fossilfreie Stahlwerk entstehen soll. Mehrere Personen waren bei der Arbeit erkrankt. Die Ursache ist bisher unklar, möglicherweise gibt es einen Zusammenhang mit dem Abfall, der bei der Ausschachtung aufgetaucht ist. Nun weigerten sich auch die Forensiker der Polizei, das Grundstück für eine Untersuchung zu betreten. Darüber berichtete SVT.

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