Kurz und zu wenig Schnee: Schlechter Winter für Saimaa-Robben

Finnland. Der vergangene Winter war kein guter für die Ringelrobben im Saimaa-See: Er war zu kurz, und es gab zu wenig Schnee. Von den jungen Robben – immerhin 101 – kamen 90 Prozent in von Menschen aus Schnee aufgehäuften oder komplett künstlichen Höhlen zur Welt. Zwölf von ihnen wurden bereits tot gefunden. Das meldete die finnische Forstbehörde Metsähallitus. 

Ufer, Schneereste im Wasser

Weggetaute Schneehöhle am Saimaa-See. Foto Miina Auttila/Metsähallitus

Zwar gab es im zurückliegenden Winter einige sehr kalte Wochen mit guter Eisbildung auch auf dem Saimaa-See. Es gab allerdings wenig Schnee und damit auch einen Mangel an Schneewehen, worin Saimaa-Robben normalerweise ihre Höhlen bauen und Junge zur Welt bringen. Zahlreiche Freiwillige kratzen deshalb Schnee zusammen und häuften mehr als zusätzliche 400 „Schneewehen“ auf. Außerdem wurden noch 47 komplett künstliche Höhlen auf Flößen ausgelegt. Beim Schutz der Saimaa-Robben arbeitet Metsähallitus mit dem WWF Finnland, der Universität Ostfinnland, dem finnischen Naturschutzbund und Hunderten von Ortsansässigen zusammen.

Kältephase zu früh vorbei

Mit der Kälte war es aber schon Ende Februar wieder vorbei. Obwohl die Inspektion der Bruthöhlen auf den Monatswechsel März/ April vorverlegt wurde, sei das Eis schon sehr schlecht gewesen, wie Metsähallitus berichtet. Deshalb wurde der Großteil allein von den Luftkissenbooten von Metsähallitus und WWF aus gezählt. Am mildesten waren die Bedingungen im südliche Teil des Sees, und dort seien zum Zeitpunkt der Zählung schon viele Schneehöhlen weggeschmolzen gewesen, so der Koordinator der WWF, Ismo Marttinen. Deshalb seien die Zahlen von dort ungenau. Später wurden die bekannten Plätze noch einmal aus dem Wasser von Tauchern und Schnorchlern überprüft. 

Hohe Sterblichkeit ohne Höhlen

Insgesamt zwölf neugeborene Robben wurden bei den Zählungen und Tauchgängen bereits tot aufgefunden. Wie Miina Auttila von Metsähallitus erklärt, ist die Sterblichkeit vermutlich noch viel höher. Robbenwelpen, die ohne Höhle auf dem Eis geboren wurden, und solche, deren Höhle zu früh wegschmolz, würden schnell von Raubtieren erbeutet.  Die von Menschen aufgehäuften und die künstlichen Geburtshöhlen seien deshalb entscheidend für das Überleben des Nachwuchses, betont auch Auttilas Kollegin Riikka Alakoski. Doch langfristig stelle der Klimawandel eine ernsthafte Bedrohung für den Fortbestand der Saimaa-Robbe dar, so die Metsähallitus-Expertinnen.

Bei der Zählung im Herbst wurde ein Bestand von 530 erwachsenen Saimaa-Ringelrobben ermittelt.

Mit etwas Glück kann man in der aktuellen Livesendung von WWF Finnland einen Blick auf eine Ringelrobbe im nun eisfreien Saimaa-See werfen. Außerdem live: Eulennest, Adlernest und Igel.

Überblick über die Situation im vergangenen Jahr:

Rekord-Nachwuchs bei Saimaa-Robben – dank Schneeschaufeln

 

Veröffentlicht unter Biologie, Finnland, Klima | Schreib einen Kommentar

Wartung und Schäden: Zurzeit wenig Atomkraft in Schweden

Schweden. Das Atomkraftwerk Ringhals 4 an Schwedens Westküste läuft seit Pfingsten nur mit halber Kraft. Ursache ist ein Schaden an einem Generator. Dies kommt insofern ungelegen, da aktuell von den anderen fünf Reaktoren auch nur noch zwei laufen. Ringhals 3, Oskarshamn 3 und Forsmark 2 sind für umfangreiche Wartungsarbeiten vom Netz genommen. Darüber berichtete auch SVT.

Weiterlesen

Veröffentlicht unter Energie, Schweden | Schreib einen Kommentar

Von Eis bis Fjord: Neuer Nationalpark Westgrönland

Grönland. Vom Inlandeis bis zu den tiefen Fjorden der Westküste reicht der neue Nationalpark Westgrönland – erst der zweite in Grönland überhaupt. Auf einem Areal von 22 250 Quadratkilometern zwischen Kangerlussuaq und der Diskobucht soll einerseits die vielfältige Natur geschützt werden, andererseits traditionelle Nutzung weiter möglich sein. Die neuen Regeln für den Nationalpark treten am 1. Juni in Kraft. Das meldete die grönländische Regierung. 

Weiterlesen

Veröffentlicht unter Biologie, EU, Gesellschaft, Grönland, Outdoor, Tourismus | Schreib einen Kommentar

Schweden: Kaum noch Raucher – Weißer Snus immer beliebter

Schweden. Weniger als fünf Prozent der Menschen in Schweden rauchen noch täglich, meldet der schwedische Zentralverbund für Alkohol- und Narkotikaaufklärung (CAN) in seinem neuen Bericht mit Zahlen zum Jahr 2025. Damit gilt Schweden als „praktisch rauchfrei“ und ist schon seit längerem das EU-Land mit dem geringsten Raucheranteil. Ein anderes Nikotinprodukt ist jedoch umso beliebter: Snus. Dazu trägt auch das neue Produkt „weißer Snus“ bei. Darüber berichtete unter anderem  SVT.

Weiterlesen

Veröffentlicht unter Gesellschaft, Schweden | Schreib einen Kommentar

Island aktuell eins der teuersten Länder weltweit

Island. Island ist aktuell eins der teuersten Länder der Welt – jedenfalls nach der Berechnung der isländischen Gewerkschaft Viska. Die Preise seien höher als in der Schweiz und deutlich höher als in den anderen nordischen Ländern. Preise in Island lägen 84 Prozent über dem europäischen Durchschnitt und stiegen schneller als in anderen europäischen Ländern. Darüber berichtete auch mbl.is (englisch).

Grafil

Preisniveau 2025 und 2026 auf Basis von Zahlen von Eurostat und der isländischen Zentralbank. Berechnet von Viska anhand harmonisierter Preisindizes und Euro-Umtauschraten in dem jeweiligen Land. Von links nach rechts: Island, Schweiz, Luxemburg, Norwegen, USA, Irland, Dänemark, Schweden, Finnland, Niederlande. Quelle Viska

Viska ist die isländische Gewerkschaft für Akademiker. In den Berechnungen stützt sie sich auf Zahlen von Eurostat und der isländischen Zentralbank. Hauptsächlich wird Island mit den anderen nordischen Ländern verglichen. In Bezug dazu kosteten Lebensmittel auf Island 44% mehr, Milchprodukte sogar 75%. Restaurantbesuche seien 31% teurer, der Kauf eines Fahrzeugs 40%. 

Die höheren Löhne allein könnten diese Abstände nicht erklären, so Viska, und sieht die Ursache auch in hohen Importzöllen und Oligopolen. Doch die Preise seien „zu hoch“ . Viska warnt vor sinkenden Exporten und einer Abwertung der Krone, wenn es nicht gelinge, die Inflation zu stoppen. 

  • Die Gewerkschaft fordert die Unternehmen auf, die Preise um zehn Prozent zu senken. Schließlich seien die Preise einheimischer Produkte in den vergangenen drei Jahren um 20% gestiegen, die Produktivität aber nur um 12%.
  • Sie empfiehlt den Privathaushalten, preisbewusster zu einzukaufen. Bisher scheinen sich die Haushalte nicht einzuschränken.
  • Vor allem aber wird die Regierung aufgefordert, die ihr zur Verfügung stehenden Mittel gegen Inflation einzusetzen.

Tatsächlich hatte Island im April eine Inflationsrate von 5,2% und damit deutlich mehr als Norwegen (3,4%), Österreich (3,4%), Deutschland (2,9%), Finnland (1,5%), Schweden (0,8%) und die Schweiz (0,6%).  Im März lag Island bei 5,4% – auch da höher als die anderen.

Vor kurzem hat die isländische Regierung deshalb bereits die Mehrwertsteuer auf Kraftstoffe gesenkt. 

 

Veröffentlicht unter Island, Wirtschaft | Schreib einen Kommentar

Aus Furcht vor Spionage: Preisgekrönte Toilette geschlossen

Andøya (Norwegen). Die Nationale Touristenstraße Andøya verläuft an der Grenze zwischen Meer und Land und bietet spektakuläre Ausblicke. Auf dem Rastplatz Bukkekjerka kann man innehalten und genießen. Auf die Toilette gehen kann man aber nicht mehr: Das preisgekrönte Sanitärgebäude mit Aussicht aufs Meer wurde geschlossen – „aufgrund der aktuellen sicherheitspolitischen Situation“. Von dort aus kann man den Raketenstartplatz Andøya Space sehen. Darüber berichtete NRK.

Weiterlesen

Veröffentlicht unter Militär, Norwegen, Tourismus, Verkehr | Schreib einen Kommentar

Finnische Gewerkschaft warnt von Job bei Nordic Unique Travels

Rovaniemi (Finnland). Die finnische Dienstleistungsgewerkschaft PAM hat eine Bewerbungsblockade gegen das Tourismusunternehmen Nordic Unique Travels in Rovaniemi ausgerufen. Anlass sind laut Gewerkschaft „wiederholte und absichtliche Verletzungen der Tarifverträge“ und „ein Geschäftsmodell, das auf Ausbeutung der Mitarbeiter beruht“. 2024 starb ein Tourguide bei einem Unfall mit dem Schneemobil. Darüber berichtete auch Yle.

Weiterlesen

Veröffentlicht unter Finnland, Gesellschaft, Tourismus | Schreib einen Kommentar

Grönländer demonstrieren vor Konsulat-Eröffnung

Nuuk (Grönland). Der Sondergesandte des US-Präsidenten ist abgeflogen. Das neue Konsulat der USA in Nuuk ist eingeweiht, ohne Mitglieder der grönländischen Regierung. Davor haben rund 500 Menschen demonstriert. Über die ereignisreichen Tage in Nuuk berichteten unter anderem Sermitsiaq, KNR und DR. Das Thema wird weiter köcheln, denn die Absicht von Seiten der USA hat sich nicht geändert: “ Das Ziel ist, dieses Land unter die Monroe-Doktrin zu bringen, auf eine für Grönland  positive Weise“, so der Sondergesandte Jeff Landry zu DR.

Weiterlesen

Veröffentlicht unter Grönland, Politik, USA | Schreib einen Kommentar

Steinschlag: Zufahrtsstraße zur Trolltunga bis 8. Juni gesperrt

Ullensvang (Norwegen). Die Fellsformation Trolltunga, eines der beliebtesten Touristenziele Norwegens, ist bis zum 8. Juni nicht zugänglich. Wie die Kommune Ullensvang mitteilte, musste die Zuwegung, die Straße Skjeggedalsvegen geperrt werden, weil dort mehrfach Felsbrocken herunterkamen. Damit die Sicherungsarbeiten am Hang darüber durchgeführt werden können, darf sich niemand darunter bewegen. Darüber berichteten auch Hardanger Folkeblad und NRK.

Weiterlesen

Veröffentlicht unter Norwegen, Outdoor, Tourismus | Schreib einen Kommentar

Spitzbergen: Vogelgrippevirus bei totem Eisbären nachgewiesen

Spitzbergen (Norwegen). Bei einem toten Eisbären und einem toten Walross auf Spitzbergen wurde das Vogelgrippevirus nachgewiesen. Es ist das erste Mal, dass das Vogelgrippevirus bei einem Eisbären in Europa gefunden wurde. Das meldete das norwegische Veterinärinstitut. Das erste Vogelgrippevirus bei einem Eisbären wurde 2023 in Alaska entdeckt. Ein Walross mit dem Virus wurde schon 2023 auf der Insel Hopen südlich von Spitzbergen gefunden.

Weiterlesen

Veröffentlicht unter Biologie, Norwegen, Spitzbergen | Schreib einen Kommentar