Kontroverse um geplanten Grundstücksverkauf auf Spitzbergen

Spitzbergen (Norwegen). Auf Spitzbergen steht ein riesiges Stück Land zum Verkauf – Søre Fagerfjord, 60 Quadratkilometer mit Küste, Flusstal, Berggipfeln, Gletscher und Insel. Das Maklerbüro wirbt mit der letzten Chance, auf Spitzbergen Fuß zu fassen, für alle Bürger von Vertragsstaaten des Spitzbergenvertrags. Das sieht die norwegische Regierung ganz anders – und hat das Büro nun gebeten, die Anzeige zu entfernen. Darüber berichtete unter anderem NRK.

Genau genommen steht nicht eine Immobilie zum Verkauf, sondern die Aktiengesellschaft AS Kulspids, deren einzige Tätigkeit allerdings der Besitz dieses Stücks Spitzbergen ist. Die Gesellschaft gibt es seit mehr als 100 Jahren, nun soll sie für die aktuellen Aktieninhaber zu Geld gemacht werden: 300 Millionen Euro sind dafür angesetzt. Als Makler fungieren das Maklerbüro Knight Frank LLP  und King und Spalding LLP. Die digitale Infobroschüre erwähnt allerdings nicht, dass dieses Stück Land Teil des 1973 eingerichteten Sør-Spitsbergen Nationalparks ist, was eine wirtschaftliche Nutzung praktisch ausschließen sollte. Den Spitzbergenvertrag, verfasst 1920 und fünf Jahre später in Kraft getreten, haben mehr als 40 Länder unterschrieben, darunter die USA, Russland und China.

Brennpunkt Spitzbergen – aber militärische Nutzung ausgeschlossen

Spitzbergen ist aufgrund seiner strategischen Lage höchst interessant angesichts der neu entflammten Großmachtsrivalitäten und dem mitfolgenden gestiegenen Interesse für die immer zugänglichere Arktis. Der Spitzbergenvertrag verbietet allerdings eine militärische Nutzung. Gleichzeitig räumt er allen Unterzeichnerstaaten die Chance ein, dort gleichberechtigt ökonomisch tätig zu sein. Dieses Recht nutzt vor allem Russland traditionell, das auch geografisch am nächsten liegt.

Verkauf an den Höchstbietenden

Der Anwalt der Verkäufer stellte gegenüber Børsen klar, dass man an den Höchstbietenden verkaufen werde – gerne an nicht-kontroversielle Käufer, aber im Prinzip an jeden, auch an China. Die Immobilie war bereits dem norwegischen Staat angeboten worden. Dessen Gebot traf allerdings offenbar nicht die Preisvorstellungen der Verkäufer. In einem früheren Fall hatte der norwegische Staat auf Spitzbergen eine private Immobilie gekauft.

Staatliches Mitspracherecht oder nicht?

Auch wenn der Staat Søre Fagerfjord nicht selbst kaufen will, beansprucht er doch, dass ein Verkauf vom Staat genehmigt werden müsse. Das sagte Wirtschaftsministerin Cecilie Myrseth zu NRK. Dabei verwies sie auch auf eine Belastung im Grundbuch. AS Kulspids hatte diese 2007 streichen lasten, doch ein Gericht kam 2021 zu dem Schuss, dass die Streichung fälschlicherweise geschehen sei, und setzte die Belastung wieder ein. Der Regierungsanwalt verlangte inzwischen sogar, die Anzeige müsse entfernt und der Verkaufsprozess eingestellt werden. Die Anwälte der Verkäufer interpretieren das allerdings anders, der Staat habe kein Mitspracherecht.

Mehr zum Spitzbergenvertrag: 100 Jahre Spitzbergenvertrag: Ärger zum Jubiläum

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Neues Fischereigesetz in Grönland – zielführend?

Grönland. Nach mehr als 20 Jahren Anlauf hat Grönland ein neues Fischereigesetz. Es wurde mit der Mehrheit der beiden Regierungsparteien verabschiedet. Kritik dagegen kommt seit Wochen von vielen Seiten. Während Fischereiminister Kim Kielsen das Gesetz für ein Instrument hält, der den Fischreichtum für die grönländische Bevölkerung sichert, kritisieren andere, die Dörfer würden so verarmen. Darüber berichteten  KNR und Sermitsiaq.

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Nach 74 Tagen Wartungspause: Olkiluoto 3 wieder am Netz

Finnland. Die erste jährliche Wartung des neuen Atomkraftwerks Olkiluoto 3 ist vollbracht. Das meldete der Betreiber TVO. Seit gestern wird es langsam wieder hochgefahren. Die Wartungspause dauerte allerdings mehr als zwei Monate und fast doppelt so lange wie ursprünglich geplant. Ursache waren mehrere unvorhergesehene Probleme.

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Wie viele Kreuzfahrtschiffe verträgt Spitzbergen?

Spitzbergen (Norwegen). Wie viele Kreuzfahrtschiffe verträgt Spitzbergen? Eine gerade veröffentlichte Zusammenstellung von Vestlandsforsking nennt dazu zwar nur wenige konkrete Zahlen, aber eine ganze Reihe von Aspekten, die dabei bedacht werden sollten. Zentral sei dabei nicht mehr „wie viele sind möglich“, sondern eher “ was für ein Reiseziel möchte man sein“. Die Studie wurde beauftragt von Visit Svalbard und finanziert aus dem Svalbard Umweltfonds.

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Island: Canyon Fjaðrárgljúfur jetzt unter Naturschutz

Island. Der populäre Canyon Fjaðrárgljúfur ist nun unter Naturschutz gestellt. Das meldete die isländische Regierung. Damit ist ein weiterer Schritt getan, um den bildschönen Canyon einerseits für Besucher zugänglich zu machen, andererseits als beeindruckendes Naturphänomen zu erhalten. Fjaðrárgljúfur ist in privatem Besitz. Die Eigentümer haben einen Vertrag mit dem Staat Island geschlossen.

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Sonnensturm störte Vulkanüberwachung auf Island

Bis in die Alpen gab es in der Nacht zu Samstag Nordlichter zu sehen. An manchen Orten gab es Nebenwirkungen dieses größten Sonnensturms seit rund 20 Jahren: So sollen Landwirte in den USA Probleme gehabt haben, mit Satellitenunterstützung effizient zu säen. Und auf Island haben die Daten zur Überwachung der Landhebung bei Svartsengi eine Delle. Es sah aus, als hätte die Landhebung aufgehört – doch es handelte sich lediglich um einen vom Sonnensturm hervorgerufenen Messfehler.

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Neue Gruben für Europa in Schweden und Norwegen;

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Winter 23/24: Das fennoskandische Kälteloch

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Wenn das Nordlicht bis in den Süden reicht

Die vergangene Nacht machte viele Menschen in „südlichen“ Regionen glücklich: Dank einer extrem starken Sonnenaktivität zuvor gab bis zu den Alpen Nordlichter zu sehen. Auch in den nächsten Tagen könnte man noch Glück haben. Hintergrund dieser außergewöhnlichen Aktivität ist, dass sich der aktuelle Sonnenzyklus auf sein Maximum zubewegt. Oder es gerade erreicht hat – das weiß man immer erst hinterher. Update zur vergangenen Nacht.

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Reykjanes (Island). Die jüngste Eruption auf Reykjanes, die am 16. März begonnen hatte, ist gestern offiziell für beendet erklärt worden. Doch ein neuer Ausbruch dort wird praktisch täglich erwartet – unter Svartsengi haben sich Modellrechnungen zufolge schon wieder 13 Millionen Kubikmeter Lava angesammelt.

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