Wilderei-Prozess sorgt in Schweden für Diskussionen

Luleå. Vier Bären, drei Luchse und ein Vielfraß wurden illegal geschossen oder mit illegalen Schlingen und Fallen gefangen und getötet. Einige davon wurden zuvor noch gequält. Dafür standen vergangene Woche fünf Männer vor Gericht in Luleå in Nordschweden.  Der Fall gilt als einer der größten Jagdverbrechen in Schweden überhaupt und weckte Aufmerksamkeit im ganzen Land – auch deshalb, weil  Bilder und Videos der Quälereien vom Handy eines Angeklagten öffentlich und auch im Fernsehen (SVT) gezeigt wurden.

Luchs. Foto Bernard Landgraf/Wikimedia

“ Das hier hat nichts mit Jagd zu tun. Das ist qualifizierte Tierquälerei“ sagte beispielsweise Leif GW Persson zu dem im Handyvideo sichtbaren Vorgehen. Persson, 72, ist in Deutschland vor allem als Krimiautor bekannt. Er war jedoch nicht nur schriftstellerisch mit Verbrechen beschäftigt, sondern beriet als Professor für Kriminologie die schwedische Polizei. Heute hat er eine Fernsehsendung names „Veckans brott„,  Verbrechen der Woche, in der nun auch der Wilderei-Prozess behandelt wurde. Persson ist selbst als Jäger bekannt. “ Das hier sind keine typischen Jäger, sondern waffen- und todesfixierte Verrückte. Solche gibt es leider auch“, so Persson. In Schweden gibt es rund 300 000 registrierte Jäger.

Ein Nebenaspekt in der Berichterstattung galt der Tatsache, dass vier der fünf Angeklagten Samen sind, die Rentierhaltung betreiben. Samenorganisationen befürchteten, dass davon nun auf alle Rentierhalter geschlossen wird. Thematisiert wurde aber auch deren Unzufriedenheit mit den aktuellen Regelungen zu Raubtieren, da offenbar immer mehr Rene solchen zum Opfer fallen.

Ende August 2016 hatten rund 40 Polizisten gleichzeitig in einer konzertierten Aktion bei verschiedenen Verdächtigen zugeschlagen. Bei der Hausdurchsuchung wurden unter anderem unzulässige Fallen und Tierhäute gefunden. Die Anklage enhält 22 Punkte, darunter schwerer Verstoß gegen das Jagdgesetz, schwerer Verstoß gegen das Waffengesetz und Verstoß gegen den Artenschutz.

Hauptangeklagter ist ein 46-Jähriger, sein 73-jähriger Vater und ein 37-jähriger Verwandter waren nach Ansicht der Staatsanwaltschaft an der Tötung von Tieren beteiligt.

Während die Staatsanwältin die Vorwürfe als bewiesen ansieht, halten die Verteidiger die Beweise für zu dünn. Die Handybilder könnten auch von jemandem anderen stammen. Keiner der Angeklagten hat die Tötung der Tiere zugegeben. Das Urteil soll am 10. November verkündet werden.

 

 

 

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Gebührenschulden: Air-Berlin-Flugzeug auf Island festgesetzt

Keflavik. Air Berlin hat viele Schulden – unter anderem bei der isländischen Flugsicherungsgesellschaft Isavia, die auch die Flughäfen auf der Insel betreibt.

Airbus A320. Foto Andreas Wiese/Air Berlin

Als letztes Mittel setzte die Gesellschaft nun den am Donnerstag kurz vor Mitternacht in Keflavik gelandeten A 320 von Air Berlin aus Düsseldorf fest. Die Maschine bekam keine Starterlaubnis für den Rückweg. Die 70 Passagiere mussten einen anderen Flug nach Deutschland nehmen.

Die ausstehenden Gebühren stammten aus der Zeit vor der Insolvenzanmeldung von Air Berlin, so Isavia in einer Pressemitteilung. Das Vorgehen von Isavia sei rechtswidrig. Der Flughafen müsse seine Forderungen zur Insolvenztabelle anmelden, wird ein Sprecher von Air Berlin in deutschen Medien zitiert. Isavia wiederum sieht sich im Einklang mit dem isländischen Recht.

Isavia betont, die Aktion betreffe lediglich ein Flugzeug und werde nicht auf andere Maschinen ausgeweitet. Darauf wollte Air Berlin offenbar nicht vertrauen: Der für Freitagabend geplante Flug von Berlin nach Reykjavik (Keflavik) wurde gestrichen.

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Europas größte Batteriefabrik soll nach Skellefteå

Skellefteå. Das Elektroauto soll das Klima retten. In vielen Ländern wird der Kauf staatlich gefördert. Das Wichtigste dabei: die Batterie. Das schwedische Unternehmen Northvolt plant nun den Bau von Europas größter Batteriefabrik im nordschwedischen Skellefteå.

Die Fabrik soll in Skellefteå im Norden stehen, nach Västerås kommt die Entwicklungsabteilung. Karte Google Earth

Die Begründung für die Standortwahl: saubere und günstige Energie, Nähe zu Rohstoffen und eine industrielle Tradition, so das Unternehmen in einer Pressemitteilung. In Skellefteå könnten 2000 bis 2500 Arbeitsplätze entstehen. Ab 2023 sollen dort Batterien für eine halbe Million Elektroautos, eine Kapazität von 32 Gigawattstunden pro Jahr, vom Band rollen. Eine eigene Entwicklungsabteilung mit 300-400 Angestellten ist im südschwedischen Västerås geplant.

Hinter Northvolt stecken zwei Männer, die mit dem Elektroauto-Geschäft gut vertraut sind: Peter Carlsson und Paolo Cerruti haben beide für Tesla in Führungspositionen gearbeitet.  Ihr Ziel ist „die grünste Batterie der Welt“  – deshalb die  Nähe zu den nordschwedischen Wasserkraftwerken. Im nahen Finnland werden außerdem die Rohstoffe Kobalt und Nickel abgebaut. Sie wollen damit aber auch den asiatischen Herstellern rechtzeitig Paroli bieten, wie die Financial Times berichtet, die Carlsson zitiert: Da es sich um einen automatisierten Prozess handele, werde nicht die billige Arbeitskraft gesucht, sondern gute Ingenieure. Energie mache einen großen Teil der Kosten aus.

So soll die Anlage von Northvolt in Skellefteå aussehen. Grafik Northvolt

Carlsson verriet dort aber auch, was der schwierigste Teil sei: Das notwendige Geld zusammenzubekommen. 4,1 Milliarden Euro werden dafür laut SVT benötigt. Bereits mit im Boot seien bisher unter anderem der staatliche schwedische Energiekonzern Vattenfall, der Mischkonzern Stena und ABB.

Die Abteilung in Västerås soll bereits 2019 fertig sein, der erste Teil der Fabrik in Skellefteå 2020. 2023 soll die volle Kapazität erreicht sein.

Gemessen an den Marktanteilen ist Norwegen mit Abstand Spitzenreiter beim Elektroauto. 29 Prozents der Neuwagen 2016 fahren mit Strom. In absoluten Zahlen heißt der Sieger allerdings China: Dort wurden 2016 rund neue 350 000 Elektroautos auf die Straße gebracht. Insgesamt sind inzwischen laut International Energy Agency rund zwei Millionen Elektroautos unterwegs.

 

 

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Klimawandel: Walfänger-Gräber auf Spitzbergen erodieren

Spitzbergen. 400 Jahre lang lagen die toten Walfänger auf Spitzbergen ungestört in ihren eisigen Gräbern. Doch auf der Insel ist es wärmer geworden, der Permafrost beginnt zu tauen, der Boden erodiert, das Meer beginnt, die Särge samt Inhalt wegzuspülen.

Auch die Forscher müssen sich auf Spitzbergen vor Eisbären schützen. Foto: Thomas Christiansen

Schon drei Mal hat der Sysselmann (Inselverwalter) deshalb inzwischen bestimmte Gräber  ausgraben und bergen lassen. Für Archäologen sind die sterblichen Überreste der auf der Insel gebliebenen Walfänger wertvolles Quellenmaterial. Über die diesjährigen Ausgrabungsarbeiten und die Auswertung berichtete NRK.

Im 17. und 18. Jahrhundert war die Inselgruppe knapp unter dem 80. Breitengrad praktisch ein internationaler Stützpunkt für Walfänger.  Niederländer, Briten und andere jagten in der Gegend. Smeerenburg, der Hauptort der Niederländer im nordwestlichen Teil der Insel Spitzbergen, war die größte der Niederlassungen. Dort wurde der Blubber auch gleich zum in Europa begehrten Öl verarbeitet.

Nicht alle Walfänger überlebten bei den harten Bedingungen. Rund 800 Gräber gibt es auf Spitzbergen, allein 130 bei Smeerenburg. Bei den ersten Ausgrabungen in den 1980er Jahren fand man die bestatteten Walfänger noch sehr gut erhalten vor – der Permafrost hatte wie ein Kühlschrank gewirkt.

Spitzbergen liegt knapp unterhalb des 80. Breitengrades. Karte: Google Earth

„Das Material aus diesen Ausgrabungen gilt weltweit als einzigartig“, heißt es in der Pressemitteilung des Inselverwalters. An wenigen Orten gebe es so gut erhaltene Überreste, die Einblick in die Epoche, die Seemannskultur und die Walfangaktivitäten geben. Teile davon sind im Museum auf Spitzbergen zu besichtigen.

Mit dem Kühlschrank ist es nun aber offenbar vorbei. Die Temperaturen sind in den vergangenen Jahren überdurchschnittlich gestiegen. Zum einen erodiert die Küstenlinie, seit der Permafrost weicht und der Fjord seltener gefriert. Die 2015 auf der Bäreninsel und 2016 auf der Landspitze Likneset geborgenen Gräber samt Inhalt seien in deutlich schlechterem Zustand gewesen, so die Berichte der Forscher.  Inzwischen werden im Labor des Museums auf Spitzbergen drei Särge untersucht, die in diesem Jahr ausgegraben wurden. Geborgen werden allerdings jeweils nur ausgesuchte Gräber.

 

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Neues Atomkraftwerk für Finnland?

Pyhäjoki. Finnland setzt weiter auf Atomkraft. Der Reaktor von Olkiluoto 3 in Südfinnland ist zwar immer noch nicht ans Netz gegangen.

Pyhäjoki. Karte Google Earth.

Doch im Norden hat das extra dafür gegründete Energieunternehmen Fennovoima nun damit begonnen, das Gelände für das geplante Kernkraftwerk Hanhikivi auf der gleichnamigen Halbinsel bei Pyhäjoki im Norden des bottnischen Meerbusens vorzubereiten.  Davon berichtete das finnische Fernsehen (Yle). Die Straße dorthin ist bereits fertig. Die Baugenehmigung für das Kraftwerk erwartet Fennovoima nach eigenen Angaben 2019.

Das Vorhaben hat eine lange Vorgeschichte, die Yle noch einmal zusammengestellt hat. Die Mehrheit an Fennovoima hält ein Konsortium aus finnischen Unternehmen,Voimaosakeyhtiö SF. 34 Prozent gehören RAOS Voima Oy, eine Tochterfirma der staatlichen russischen  Rosatom, die auch den Reaktor liefern soll. Anfangs waren noch andere Beteiligte mit im Boot. 2012, nach dem Unglück in Fukushima,  stieg die deutsche EON aus, auch andere waren zwischenzeitlich abgesprungen. Als der neue Partner Rosatom erschien, gab die Regierung nur unter der Bedingung grünes Licht, dass mindestens 60 Prozent des Unternehmens in finnischer Hand bleiben müssen.

Zurzeit laufen in Finnland vier Atomkraftwerke, alle im Süden des Landes. Die beiden Reaktoren in Loviisa sind sowjetischer Bauart, die in Olkiluoto Siedewasserreaktoren. In Olkiluoto 3 wurden in diesem Sommer zwar schon Kalttests durchgeführt, mit einer Inbetriebnahme wird aber offenbar erst 2019 gerechnet. Der Bau unter der Regie von Siemens und der französischen Areva hat eine Serie von Pannen hinter sich und wird mehr als doppelt so teuer wie ursprünglich geplant.

Halbinsel Hanhikivi mit geplantem Kraftwerk. Grafik Fennovoima

Den geplanten Reaktor in Hanhikivi beschreibt Fennovoima selbst als „dritte Generation der Weiterentwicklung von Druckwasserreaktoren aus der Basis der russischen WWER-Kraftwerke“. Er soll 1200 Megawatt Strom erzeugen können.

In Pyhäjoki mit seinen 3200 Einwohnern ist die Bevölkerung nach den Presseberichten gespalten – wie in vielen Orten im Norden fehlen Arbeitsplätze, die Menschen wandern ab. Die Landspitze, wo das Kraftwerk stehen soll,  war bisher Naherholungsgebiet. Proteste gegen das Vorhaben gab es nicht nur in Finnland, sondern auch in Schweden. Von Pyhäjoki ins schwedische Skellefteå auf der anderen Seite des bottnischen Meerbusens sind es nicht einmal 200 Kilometer.

 

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Neues Kunstbuch: Kiruna in den Augen Benny Ekmans

Benny Ekmans Kiruna

Kiruna. Der schwedische Künstler Benny Ekman kam 2005 zum ersten Mal nach Kiruna. Er sollte im Eishotel im nahen Jukkasjärvi ein Zimmer gestalten. Seitdem hat ihn die Stadt nicht mehr losgelassen. Nun hat er ein Buch mit Bildern aus Kiruna veröffentlicht, in dem auch der Umzug der Stadt eine Rolle spielt.

Benny Ekman wurde 1955 in Stockholm geboren. Seine Familie wanderte nach Australien aus, als er vier Jahre alt war,  und blieb dortbis 1969. Heute lebt er in Västervik. Ekman malt hauptsächlich in Acryl, verwendet aber auch andere Techniken. Bekannt wurde er unter anderem durch seine Kuh-Skulpturen und Bühnendekorationen. Er hat außerdem an internationalen Workshops in Indien, Lettland und den USA teilgenommen. Im Eishotel hat er über viele Jahre Räume gestaltet und schon drei Mal Schneeskulpturen beim Wettbewerb in Kiruna geschaffen.

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