Rekord-frühes Tauwetter auf Spitzbergen

Spitzbergen (Norwegen). Die norwegischen Meteorologen posteten gestern zwei Satellitenbilder von Longyearbyen und Adventdalen auf Spitzbergen. Eins ist vom 4. April, da ist das Tal noch schneebedeckt. Eins ist vom 20. April. Da sind die tieferen Lagen dunkel. Svalbardposten zeigte Adventdalen gestern aus der Fußgängerperspektive. Viel ist nicht mehr übrig vom Schnee. Die Inselgruppe auf 78° Nord hat beispiellos warme Tage erlebt.

zwei Satellitenfotos, das untere dunkler

Adventdalen, Spitzbergen, oben: 4. April, unten: 20. April 2026. Quelle; Meteorologisk Institutt

Es war nicht nur ein einzelner Tag, sondern eine Periode von etwa zwei Wochen, in der die Temperaturen fast täglich in den Plusbereich gingen. Am 19. April verzeichnete die Messstation am Flughafen sogar +7 °C. Der Referenzwert für diesen Tag aus der Periode 1991-2020 liegt bei -8,3°C. Gleichzeitig regnete es an dem Tag kräftig. Svalbardposten berichtet vom geschlossenen Skilift und viel Wasser und Schneematsch in den Tälern, die Wege unpassierbar machen. 

Das warme Wetter hatte nicht nur auf und über dem Boden Folgen. Die Permafrost-Messstation auf Janssonhaugen, einem Ort auf 275 Meter Höhe, verzeichnete zum ersten Mal überhaupt im April 0°C in 0,2 Meter Tiefe.

Erstmals 0°C im Boden schon im April

Messkurven

Temperaturen der Permafrost- Messstaion Janssonhaugen, Spitzbergen, auf 0,2 Meter Tiefe. Blaue Kurve: 2026

Die Permafrost-Messstation ist seit 1998 in Betrieb und wird von der Universität Oslo, dem Unizentrum Svalbard und dem Norwegischen Polarinstitut betreut. In den vergangenen Jahren war der Permafrost in den Sommermonaten immer tiefer aufgetaut. Im September 2025 lag die 0°C-Grenze tiefer als 2,30 Meter. Dass die 0°C-Grenze zumindest zeitweise schon im April erreicht wird, kam noch nie vor.

Als eine Folge der problematischen Wetter- und Bodenverhältnisse wurde der Tag der Offenen Tür am 25. April in der historischen Trapperhütte Villa Fredheim am Tempelfjord abgesagt. 

Zwar sind die kommenden Tage noch einmal Minusgrade angesagt. Doch die Spuren dieser frühen Wärmephase am Boden und in der Statistik werden bleiben. 

Früherer Artikel zum Thema:

Spitzbergen: Warmer Sommer taute Permafrost rekord-tief auf

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Schweden: Ministerin will weniger Rücksicht auf Rentierhaltung

Schweden.  Bergbau und Energiewirtschaft sollten weniger Rücksicht nehmen müssen auf die Rentierhaltung. Die Zahl der Rentiere und damit deren Platzbedarf sollte sinken. Das fordert die schwedische Ministerin für Wirtschaft und Energie, Ebba Busch von den Christdemokraten. Dagegen protestierten Rentierhalterorganisationen und verwiesen auf bestehende Gesetze. Darüber berichtete unter anderem SVT.

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Tanafluss bleibt auch 2026 für den Lachsfang gesperrt

Norwegen/Finnland. Trotz positiver Signale im vergangenen Jahr bleibt der Tanafluss auch in diesem Jahr für den Lachsfang gesperrt. Das meldete Yle. Der Bestand im einst wichtigsten Lachsfluss Europas ist kollabiert und erholt sich nur langsam. Forscher nennen mehrere Ursachen: Zum einen sind junge Lachse eine Leibspeise der Hechte. Zum anderen kommen von denen, die es bis ins Meer schaffen, zu wenige zurück. 

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Überraschung für Archäologen nach dem Kirchenbrand

Övertorneå (Schweden). Im September 2023 brannte die Kirche von Hietaniemi bei Övertorneå in einer Nacht komplett ab.  Bevor nun mit dem Ersatzbau begonnen wird, untersuchen Archäologen den Boden, auf dem die Kirche einst stand. Und erlebten schon eine Überraschung: Mehr als 100 Menschen waren darunter begraben worden. Für die Archäologen ist das ein wichtiger Fund, der noch mehr Aufschluss über das frühere Leben im Tal des Torneflusses geben kann. Darüber berichtete SVT.

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Finnlands neue längste Brücke ist nicht für Autos

Helsinki (Finnland). Die Replotbrücke in Korsholm ist ihren Titel los: Gestern wurde in Helsinki eine neue Brücke eingeweiht, die mit rund 1200 Metern jetzt Finnlands längste Brücke ist. Das Besondere an Kruunuvuorensilta/ Kronbergsbron: Diese neue Landmarke der Hauptstadt ist allein für Fußgänger, Radfahrer und die Straßenbahn konzipiert. Während Fußgänger und Radfahrer schon gestern auf die Brücke durften, wird es mit der regulären Straßenbahnverkehr aber noch bis nächstes Jahr dauern. Darüber berichtete Yle.

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„Die große Elchwanderung 2026“ ist gestartet

Schweden. Seit Mitternacht laufen die Kameras im Wald bei Kullberg am Ångermanälven – und mit etwas Glück kann man schon einen Elch sehen. Das Slow-TV-Programm „Den stora älgvandringen“ des schwedischen Fernsehens (SVT) begann wieder vorzeitig, nachdem auch der Frühling in Schweden schon etwas früher gekommen ist. Zu den Neuheiten dieses Jahr gehört die Kameraposition „Utkiken“. 

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Neue Zeiten in Südgrönland: Flughafeneröffnung in Qaqortoq

Qaqortoq/Narsarsuaq (Grönland). Für Südgrönlands größten Ort Qaqortoq sind gestern neue Zeiten angebrochen: Statt eines Heliports ist nun der neue Regionalflughafen in Betrieb. Während Qaqortoq jubelt, müssen die Einwohner von Narsarsuaq sich damit abfinden, dass sie künftig nur noch mit dem Helikopter wegkommen. Die Änderungen bei Südgrönlands Flughafenstruktur haben auch Auswirkungen auf den Schiffsverkehr. Darüber berichtete Sermitsiaq.

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Schweden: Wallenberg-Geld rettet fossilfreies Stahlwerk Stegra

Boden (Schweden). Zuletzt sah es so aus, als würde dem Unternehmen Stegra das Geld ausgehen, bevor die erste Tonne fossilfreien Stahls im Lichtbogenofen produziert wurde. Diese Sorgen sind vorbei: Ein Konsortium, zu dem Wallenberg Investment gehört, ist bei Stegra mit 1,4 Milliarden Euro eingestiegen. Darüber berichtete unter anderem SVT.

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Norwegen: Weitere Flüsse nach Gyro-Befall wieder nutzbar

Norwegen. Lichtblick für Angler in Nordnorwegen: In zwei Flüssen in Troms, Signaldalselva und Skibotnelva, dürfen diesen Sommer wieder begrenzt Lachse gefangen werden. Die Flüsse waren zuvor gegen den Parasiten Gyrodactylus salaris behandelt worden. Jølstra in Vestland wird dagegen wegen eines schwachen Lachsbestandes komplett gesperrt. Darüber berichtete NRK nach einer Mitteilung der Umweltbehörde.

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US-Gesellschaft hofft auf grönländisches Öl – realistisch?

Grönland. 2021 beschloss das damalige grönländische Parlament mehrheitlich, die Ölsuche in Grönland zu verbieten. Es gibt allerdings eine US-Firma, die eine noch gültige Lizenz übernommen hat und glaubt, auf Jameson Land  (Ostgrönland) 13 Milliarden Fass Öl herausholen zu können. Wie ist das möglich – und ist das realistisch? Darüber berichtete KNR.

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