Grönland/Dänemark. Vor einem Jahr entschuldigte sich Premierministerin Mette Frederiksen im Namen Dänemarks bei den Opfern der Spiralenkampagne in Grönland. Nun haben die ersten auch eine finanzielle Entschädigung erhalten: Jede Betroffene bekommt 300 000 DKK, umgerechnet etwa 40 000 Euro vom Dänischen Staat. Gut 350 Frauen haben diese bereits beantragt. Darüber berichteten KNR und Sermitsiaq.
Zwischen der Ankündigung der Entschädigung im Dezember 2025 und dem entsprechenden Gesetzesbeschluss am 27. August liegen eine Wahl und eine langwierige neue Regierungsbildung in Dänemark. Allerdings konnten Frauen bereits seit dem 1. Juli ihre Anträge stellen, deshalb sind die ersten auch schon bewilligt. Diese Woche soll es außerdem Informationsveranstaltungen in Odense, Aalborg, Aarhus und Kopenhagen geben, für jene Betroffenen, die inzwischen in Dänemark wohnen. Ab Ende September wird dann ein Team dreieinhalb Wochen lang durch insgesamt sieben Orte in Westgrönland reisen und für Fragen zur Verfügung stehen. Im kommenden Frühjahr soll es dann nach Südwest- und Südgrönland sowie nach Ostgrönland gehen.
Späte Anerkennung
Für die Frauen bedeutet dies eine späte Anerkennung, dass ihnen Unrecht getan wurde. Nach den bisher vorliegenden Daten bekamen etwa 4500 Mädchen und Frauen in den 1960er und 1970er Jahren eine Spirale eingesetzt. Darunter waren auch junge Mädchen, die weder darüber aufgeklärt noch um ihr Einverständnis gefragt wurden. Das verwendete Modell war für diese gar nicht geeignet. Die Folge waren Unterleibsprobleme, viele konnten auch später keine Kinder bekommen.
Alles erreicht?
„Ich bin natürlich sehr glücklich. Unser gemeinsamer Kampf ist vorbei. Wir haben eine Entschuldigung erhalten und haben nun die Möglichkeit auf Entschädigung. Dafür haben wir gekämpft, besser könnte es nicht sein“, so Naja Lyberth gegenüber Sermitsiaq, die selbst als 14-Jährige die Spirale bekam und Jahrzehnte später mit ihrem Bericht darüber die Sache ins Rollen brachte. In ganz Dänemark wurde das Thema bekannt durch einen Podcast des dänischen Radios.
Die Nachwirkungen in der grönländischen Gesellschaft zu den Enthüllungen halten aber an, wie man unter anderem an der Diskussion um zwei Expertengutachten sehen kann, die klären sollten, ob es sich um einen Genozid gehandelt habe. Eins sagte Nein, eins hatte keine eindeutige Antwort .
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