Der Meteoriten-Krater unter dem Hiawatha-Gletscher

Grönland. Ein Meteorit stürzt auf die Erde zu, zerbricht beim Eintritt in die Atmosphäre. Ein Teil von gut einem Kilometer Durchmesser landet in Nordwest-Grönland. Der Einschlag verursacht einen Krater mit einem Durchmesser von 31 Kilometern, und niemand hat ihn je gesehen, denn darüber liegt inzwischen der Eispanzer. Doch Wissenschaftler haben ihn gefunden – dank neuer Radartechnik.

Gletscher Eisradar

Das Eisradar entdeckt auch gestörte Strukturen in der Eisschicht. Quelle: Naturhistorisches Museum Kopenhagen

Um zu sehen, wie das Land unter dem grönländischen Eispanzer geformt ist, muss man nicht warten, bis er abgetaut ist. Radarmessungen können dies sichtbar machen,  die NASA überwacht den Eisschild mit immer besseren Möglichkeiten. Ein internationales Team schuf vor einigen Jahren aus bis dahin vorhandenen Aufnahmen eine Karte von „Grönland ohne Eis“ (Studie dazu in Geophysical Research Letters 2017).

Darauf entdeckten die dänischen Forscher Kurt H. Kjær (Zentrum für GeoGenetics am Nauturhistorischen Museum Dänemarks, Universität Kopenhagen) und Nicolaj K. Larsen (Abteilung Geowissenschaften, Universität Aarhus/Zentrum für GeoGenetics, Kopenhagen) bereits 2015 die kreisrunde Form unter dem Hiawatha-Gletscher, die der Einschlagkrater eines Meteoriten sein könnte. Mit einem internationalen Team suchten sie nach Beweisen dafür.  Ein Forschungsflugzeug des deutschen Alfred-Wegener -Instituts untersuchte die Stelle mit einem neuen, starken Eisradar: „Ein deutlicher kreisrunder Rand, zentrale Erhebungen, beeinträchtigte und unbeeinträchtigte Eisschichten, Trümmer auf dem Grund. Es ist alles da“, so  Kurt H. Kjær in der Pressemitteilung des Instituts.Trotz des Gletschers sei der Krater extrem gut erhalten.

Sedimente im Gletscher-Fluss bestätigen die Meteorit-Theorie

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Zwei Mal sammelte das Team außerdem vor Ort Sedimente, die ein Schmelzwasserfluss unter dem Hiawatha-Gletscher herausspülte. Dabei fanden sie Spuren von genau jener deformierten Form von Quarz, wie sie einem solchen Meteoriteneinschlag zu erwarten ist. Sämtliche Ergebnisse sind nun in Science Advances veröffentlicht worden.

Für die Forscher sind noch eine Reihe Fragen offen geblieben. Zum Beispiel die zeitliche Einordnung: Das Ereignis könnte schon drei Millionen, aber auch erst 12 000 Jahre her sein. Dazu bräuchte man Bodenproben. Und ob der Urheber des Kraters vielleicht einmal zu dem Meteoritenstück Agpalilik gehört, das aus Grönland stammt und seit Jahrzehnten vor dem Institut in Kopenhagen liegt, ist auch noch nicht bewiesen.

Kleinerer Meteoriteneinschlag aus dem vergangenen Jahr:

Spektakulärer Feuerball über Nord-Finnland

Video zur Entdeckung des Kraters unter dem Gletscher auf Englisch:

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Vulkaninsel Surtsey ist jetzt 55 Jahre alt

Island. Als normaler Tourist hat man keine Chance, Surtsey zu betreten. Das ist nur Wissenschaftlern vorbehalten. Die Vulkaninsel, die bei einem Ausbruch vor 55 Jahren über die Meeresoberfläche wuchs, bietet einmalige Möglichkeiten, die schrittweise Besiedelung durch Pflanzen und Tiere zu studieren.

Entstehung Surtsey

Die Entstehung von Surtsey. Foto NOAA

Der Kapitän des Fischkutters Ísleifur II soll an ein brennendes Schiff gedacht haben, als er am 14. November 1963 Rauch sah und darauf zuhielt, um zu helfen. Doch der Rauch stammte vom Ausbruch eines Unterwasser-Vulkans, der gerade die Oberfläche erreichte. Und als dann kein Wasser darüber mehr die Wucht dämpfte, stiegen Asche und Dampf hoch in die Luft. Alte Bilder zeigen eine beeindruckende Eruptionssäule. Es ist nicht überliefert, ob ein Flugzeug dadurch Probleme bekam, ein Flugverbot scheint es nicht gegeben zu haben. Allerdings waren 1963 auch noch nicht so viele unterwegs wie 2010, als der Eyjafjallajökull für unfreiwillig verlängerte Urlaube und verpasste Termine sorgte.

Erosion lässt Surtsey schrumpfen

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Die neue Insel ist benannt nach Surtur, dem Feuerriesen der altnordischen Mythologie. Die vulkanische Aktivität in der Region hielt bis Anfang 1967 an, veränderte sich jedoch immer wieder. Als Surtsey zwischenzeitlich „fertig“ schien, entstanden nacheinander zwei weitere Inseln daneben, Syrtlingur und Jólnir, die aber schnell der Erosion durch See und Wind zum Opfer fielen. Surtsey hielt sich, durch die Lava, die das erste lose Material festhielt, und durch die in hartes Palagonitgestein umgewandelte Asche. Doch auch Surtsey schrumpft: Am Ende der Eruptionen war sie 2,7 Quadratkilometer groß, vor einigen Jahren wurde sie nun nur noch mit 1,3 Quadratkilometern gemessen. Die höchste Bergspitze war einmal 174 Meter hoch, die jüngste Angabe dazu ist 154 Meter.

Surtsey heute

Surtsey heute. Foto Feo Pitciarn, CC BY 2.0

Die Insel war schon 1965 unter Naturschutz gestellt worden. Die wissenschaftlichen Ergebnisse sammelt die Surtsey-Forschungsgesellschaft. Der Abstand zur Insel Heimaey beträgt 18 Kilometer, Islands Südküste ist 32 Kilometer entfernt. Wind, Meer und Vögel waren also gefragt, als es darum ging, Leben auf die leere Insel zu bringen. Als die Unesco Surtsey auf die Welterbe-Liste aufnahm, wurden bereits 60 verschiedene Gefäßpflanzen, 75 Moosarten, 71 Flechten und 24 verschiedene Pilze gezählt. Dazu kommen 89 Vogelarten und 335 Wirbellose. Auch Seehunde nutzen die Insel gern.

Es gibt eine Reihe von Anekdoten zu Surtsey: So sollen als erstes drei französische Journalisten ihren Fuß auf die Insel gesetzt haben. Daraufhin beeilte sich Island offenbar, das neue Land für sich zu proklamieren. An das Betretungsverbot hielten sich auch nicht alle: Einmal sollen ein paar Jungs dort versucht haben, Kartoffeln anzupflanzen. Und dann war da noch die Tomate, die aus den Hinterlassenschaften eines Wissenschaftlers wuchs und beseitigt wurde. Neue Arten per Kot auf die Insel zu schleppen, ist nur Vögeln erlaubt.

Mehr zu Vulkanen auf Island:

Vulkan Katla schläft nicht – er produziert CO2

Das Video zeigt die zweite Phase der Entstehung von Surtsey samt der beiden Nachbarinseln, die es nicht mehr gibt.

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Kristersson wird nicht schwedischer Ministerpräsident

Schweden Wahl

Wohin steuert Schweden nach der Wahl am 9. September?

Schweden. Schweden bekommt keine Rechts-Regierung – soviel ist zumindest klar nach der Abstimmung im Parlament am heutigen Mittwoch. Mit dem Linksblock stimmten auch die beiden kleinen liberalen Parteien gegen den Konservativen Ulf Kristersson als neuen Ministerpräsidenten, weil sie sich nicht von den nationalistischen Schwedendemokraten abhängig machen wollten. Auch zwei Monate nach der Wahl ist deshalb völlig ungewiss, wer künftig Schweden regieren wird.

Talman Anders Norén hatte selbst Kristersson dem Parlament als neuen Ministerpräsidenten vorgeschlagen, nachdem die vorherigen Gespräche keine Ergebnisse gebracht hatten. Kristersson hatte eine Minderheitsregierung von Moderaterna und Kristdemokraterna vorgestellt und auch die anderen beiden Allianzparteien dazu eingeladen.  Doch Centerpartiet und Liberalerna blieben bei ihrem „Nein“ zu einer Regierungkonstellation, die auf die Schwedendemokraten angewiesen wäre. Hätten sie sich nur enthalten, wäre Kristersson sogar durchgekommen – eine Spezialität des schwedischen Systems. Anders Norén darf nun noch drei Mal Kandidaten zur Wahl stellen – scheitern sie, gibt es Neuwahlen. Mehr zur Situation unter Regierungen: Bewegung in Norwegen, Stillstand in Schweden

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Energie vom Gezeiten-Drachen für die Färöer

Färöer. Es sieht aus wie eine Art Unterwasser-Kite mit Turbine und ist eine der zukünftigen Stromquellen der Färöer. Das erste Exemplar soll voraussichtlich Ende kommenden Jahres im Vestmannasund installiert werden. Das gaben nun der färöische Energieversorger SEV und der schwedische Entwickler Minesto bekannt.

Färöer

Welches Wetter auch immer herrscht: Die Gezeiten könnten die Färöer zuverlässig mit Strom versorgen. Im Bild Gøtuvik, Eysturoy. Foto Jan Steffen

Die Energie für die rund 51 000 Färinger auf 17 Inseln muss vor Ort erzeugt werden – eine Leitung zum Kontinent gibt es nicht. Der aktuelle Energiemix besteht laut SEV aus 17 Prozent Wasserkraft (sechs Anlagen), 26 Prozent Windkraft und 58 Prozent Öl (nach Tagesbedingung veränderlich). SEV will die Versorgung bis 2030 komplett aus erneuerbaren Quellen sicherstellen können. Ein Baustein dazu ist der Deal mit dem Minesto, ein Spin-Off von Saab. Die Firma hat ihre Entwicklung „Deep Green“ bisher mit fünf Prototypen verschiedener Größe getestet. Das erste kommerzielle Projekt entsteht gerade vor Wales im Holyhead Deep, der erste Test mit dem Modell wurde erfolgreich abgeschlossen.

Gezeiten sind zuverlässig berechenbar

Und so soll es funktionieren: Das Kite-förmige Objekt mit eine Spannweite bis zu sechs Metern ist am Meeresboden befestigt. Durch seine Form steigt es in der Strömung auf und bewegt sich im Wasser, soweit das Verbindungskabel es zulässt. Es beschreibt eine Art Acht um seinen Fixpunkt – ähnlich wie ein moderner Drachen um seinen Besitzer. Die Bewegung durchs Wasser verstärkt noch die Strömung, die schließlich die Turbine unter der Tragfläche antreibt und Strom produziert. Dieser wird dann über das Kabel abgegeben und kann ins Netz eingespeist werden. Gezeitenströmungen wechseln zwar täglich zweimal die Richtung, sind aber zuverlässig berechenbar – und damit auch die Ausbeute des Unterwasser-Drachens. Der soll so tief unter Wasser fliegen, dass er den Bootsverkehr nicht stört. SEV hat zunächst zwei Einheiten des Typs DG100 bestellt, die bis 2020 installiert sein sollen. Das Projekt wird von Minesto, SEV sowie durch einen öffentlichen Zuschuss finanziert.

So sieht Deep Green aus:

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Fregatte Helge Ingstad gesunken

Helge Ingstad

Die Fregatte KNM Helge Ingstad ist in der Nacht zu Dienstag weiter gesunken. Foto Jakob Østheim/ Forsvaret

Øygarden (Norwegen). Die norwegische Fregatte KNM Helge Ingstad, die vergangenen Donnerstag mit einem Tanker kollidiert war, ist in der Nacht weiter gesunken. Das berichtet NRK nach der Pressekonferenz der Marine. Sie lag zuletzt auf der Seite an einem Abhang und war mit Stahlseilen gesichert worden. Bereits am Montagabend war der Bug einen Meter tiefer gesunken. Am Dienstagmorgen hatten die Stahlseile dann nicht mehr gehalten und das Schiff liegt nun ein Stück tiefer im Wasser.  Zur Vorgeschichte und den Erklärungsversuchen (aktualisiert):Kollision mit Tanker: War norwegische Fregatte unsichtbar?

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