Forscher widmen sich Grönlands Schlittenhunde-Kultur

Grönland. Ohne ihre Schlittenhunde wäre es den Vorgängern der heutigen Bewohner nie möglich gewesen, Grönland zu besiedeln. Der Schlittenhund ist zentraler Teil der grönländischen Kultur. Doch der Bestand nimmt ab – aus verschiedenen Gründen. Das Forschungsprojekt Qimmeq will nun die Schlittenhundekultur dokumentieren und gleichzeitig ermitteln, wie sich der Tierbestand gesund erhalten lässt.

Schlittenhund

Schlittenhunde-Welpen. Foto Pixabay

Noch vor 20 Jahren gab es rund 30 000 Schlittenhunde in Grönland. Inzwischen sind es weniger als 15 000. Die Ursache sehen die Wissenschaftler zum einen in den veränderten Lebensumständen – mehr Menschen leben dort in der Stadt und der Schneescooter hat das Hundegespann teilweise abgelöst.  Das schrumpfende Meereis aufgrund der Klimaerwärmung beschränkt außerdem die Einsatzmöglichkeiten. Außerdem haben Krankheiten zu Verlusten geführt. Im Rahmen des Projektes Qimmeq werden Forscher unterschiedlicher Disziplinen zusammenarbeiten. Dahinter stehen die Universität Kopenhagen, ihr naturhistorisches Museum und die Universität Grönland (Ilisimaturarfik).

Schlitten

Warten auf den Schnee: Schlitten und Hund im Sommer.
Foto Thomas Christiansen

Der grönländische Schlittenhund oder Grönlandhund ist eine eigene Rasse und zählt zu den Polarspitzen. Er ist an das kalte Klima angepasst und wurde für seine traditionelle Aufgabe gezüchtet – Forscher Morten Meldgaard nennt ihn im Radiointerview einen der „energieeffizientesten Hunde, die es gibt“. Der Schlittenhund darf auf Grönland nur nördlich des Polarkreises gehalten werden – aus klimatischen Gründen,  um die Rasse rein zu halten und Konflikte zu vermeiden. Andere Hunderassen dürfen südlich des Polarkreises gehalten werden, aber nicht in den Norden mitgenommen werden. Kampfhunde sind gar nicht erlaubt. Neben der traditionellen Nutzung für Jagd und Transport werden Fahrten mit Hundegespannen heute auch für Touristen angeboten.

Das Projekt Qimmeq will die verschiedenen Aspekte der Schlittenhundekultur erforschen, dokumentieren und auch weiter vermitteln – von der  genetischen Untersuchung der Hunde bis zu den verschiedenen Schlittenformen und der kulturellen Funktion. Auch Material aus den Museen wird dabei einbezogen.  Im Rahmen des Forschungsprojektes soll unter dem Motto Qimmeq Health aber auch der Gesundheitszustand der heutigen Tiere und ihre Krankheitsgeschichte untersucht werden. Dies soll dazu beitragen, den Bestand gesund zu erhalten und auch das Wissen der Tierärzte erweitern.

Die Ergebnisse der des Forschungsprojektes könnten auch dazu beitragen, so Meldgaard, für diese besondere Gebrauchshundekultur den UNESCO-Welterbestatus zu beantragen. 

Mehr zu Grönland:

Veröffentlicht unter Uncategorized | Hinterlasse einen Kommentar

Kimmo Pohjonen – Ultra-Akkordeon in Hamburg

Finnland/Hamburg. „Akkordeon spielen“ sind Worte, die nur sehr unzureichend beschreibt, was Kimmo Pohjonen tut. Hamburg hat nun drei Tage lang die Gelegenheit, sich den 53-jährigen Finnen genauer anzusehen: im Film „Soundbreaker“ im Abaton-Kino oder live in der Elbphilharmonie.

Kimmo Pohjonen

Kimmo Pohjonen. Foto Kalle Björklid, CC BY-SA 3.0

Kimmo Pohjonen wuchs mit finnischer Volksmusik auf, lernte Akkordeon spielen  und studierte Folk und Klassische Musik an der Sibelius Akademie. Er begann, die Möglichkeiten des Instruments zu erforschen und die Grenzen zu auszudehnen – in der Zusammenarbeit mit Künstlern über alle Genres hinweg, aber auch mit Hilfe technischer Modifikationen an seinen Instrumenten. Bei „Ultra Organ„, dem Programm, das am Sonnabend in der Elbphilharmonie zu hören ist, hat er sein Akkordeon mit Orgel-Samples gespickt, die er im Duett mit der „echten Orgel“ zur Lightshow hören lässt.

Mit einem besonderen Projekt kam der Mann aus Südfinnland auch in den hohen Norden: 2011 eröffnete er mit der Wrestling-Show Arctic Score ( Video, ab min. 16.10) das damalige Barents Spektakel in Kirkenes (das gerade wieder stattfindet). Die Geschichte hinter der Show: Pohjonen hatte erfahren, dass früher zu den in Finnland und im ganzen Norden beliebten Ringkämpfen live auf dem Akkordeon gespielt wurde. An diese Tradition knüpfte er mit seinem damaligen Programm an und trat zusammen mit Kämpfern auf. Damit überzeugte er die Norweger offenbar: Zur Feier des 20-jährigen Bestehens der Barentskooperation 2013 luden sie ihn wieder nach Kirkenes ein, wo er mit Sportlern aus allen beteiligten Ländern zusammenarbeitete.

Livemusik und Dokumentarfilm

Neben seinem unkonventionellen musikalischen Ansatz pflegt er auch echt nordische Hobbys wie Eistauchen – zu sehen in dem Dokumentarfilm „Soundbreaker“ seines Landsmannes Kimmo Koskela. Dieser war in Deutschland bereits 2014 schon einmal zu sehen, wird nun aber anlässlich des Konzerts noch einmal in drei Vorstellungen vom Abaton gezeigt. Bei der ersten, heute Abend, 18.30 Uhr, werden Pohjonen, Koskela und Produzent Gernot Steinweg selbst anwesend sein. Am Samstag (24.2.)  und Sonntag (25.2.) läuft der Film noch einmal, jeweils ab 11 Uhr.

Hier der Trailer für „Soundbreaker“ – inzwischen gibt es den Film auch als DVD.

Veröffentlicht unter Film, Finnland, Musik | Hinterlasse einen Kommentar

Schweden: Girjas-Fall kommt vor das Höchste Gericht

Schweden. Wer hat das Recht, über die Vergabe von Jagd- und Fischereirechten in einem Rentierhaltungsgebiet zu entscheiden? Die Musterklage von Girjas Sameby, die dieses Recht vom Staat zurückholen sollte, muss nun in der obersten Instanz (Högsta Domstolen) entschieden werden. Sowohl Girjas Sameby als auch Vertreter des Staates hatten gegen das jüngste Urteil Berufung eingelegt. Darin hattes es geheißen, die Samengemeinschaft hätte zwar ältere Rechte als der Staat, bekomme aber nicht das alleinige Recht. Mehr zum Fall hier.

Veröffentlicht unter Sápmi, Schweden | Hinterlasse einen Kommentar

Erster Nationalpark auf der Kola-Halbinsel beschlossen

Russland. Lange hatten Umweltverbände dafür gekämpft – nun ist es unterschrieben: Das Gebiet um die Gebirge Chibiny (Хибины)  und Lovosero (Ловозеро) auf der russischen Kola-Halbinsel wird der Nationalpark Chibiny. Geschützt wird damit eine Fläche von 848 Quadratkilometern. Darüber berichtete der Barents Observer.

Nationalpark

Kola-Halbinsel mit dem neuen Nationalpark Chibiny (Kreis).
Karte mit Hilfe von stepmap

Das Gebiet liegt zwischen den Orten Apatity und Kirovsk im Südwesten und Lovosero im Nordosten. Ziel sei es, die praktisch ursprünglichen natürlichen Lebensräume von Bergtundra und nördliche Taiga in den Gebirgsmassiven von Chibiny und Lovosero zu erhalten, die sowohl für die Ökologie, für die Wissenschaft und zu Erholungszwecken bedeutsam seien, so die offizielle Mitteilung der russischen Regierung. Auch historische Zeugnisse sollen bewahrt werden – Siedlungen aus dem Neolithikum und Funde aus der samischen Geschichte. Die heute dort lebenden Samen können dort weiter  Rentierzucht betreiben.  

Zu dem Gebiet gehört auch der Judytschwumtschorr (Юдычвумчорр) mit 1200 Metern über dem Meeresspiegel, die höchste Erhebung auf der Kola-Halbinsel überhaupt. Die Gegend ist ein beliebtes Urlaubsziel russischer Touristen, es gibt aber auch Veranstalter, die dort Wandern, Ski- oder Kayakfahren für internationale Interessenten anbieten.

Chibiny

Das Chibiny-Gebirge. Foto Konstantin Malanchev, CC BY 2.0

„Wir freuen uns, dass dieses Gebiet endlich einen geschützten Status erhält – 101 Jahre, nachdem die Idee erstmals geäußert wurde“ so Oleg Sutkajtis vom WWF Russland. Die Umweltverbände hatten sich eigentlich eine größere Fläche gewünscht, doch dies scheiterte daran, dass dort bereits Bergbau betrieben wird. Diese Gebiete sind nun ausgespart.

Chibiny ist zwar der erste Nationalpark der Kola-Halbinsel, es gibt in der Region aber bereits eine Reihe von teilweise sehr großen Gebieten mit verschieden strengen Schutzebenen (alle hier): Das größte ist mit 2950 Quadratkilometern Murmanskij Tundrowij Sakasnik (vergleichsweise niedriger Schutzstatus), das Biosphärenreservat Laplandskij Sapovednik (höchster Schutzstatus) umfasst 2784 Quadratkilometer und liegt nahe dem neuen Nationalpark. Über zwei Ländergrenzen hinweg reicht der Pasvik-Inari-Trilateral Park, der Gebiete in Finnland, Norwegen und Russland umfasst, insgesamt 1889 Quadratkilometer.

Unberührte Natur, Industrie und Atommüll

Neben unberührter Natur finden sich in Russlands nordwestlichem Ausläufer allerdings auch schmutzige Ecken, die in der Vergangenheit Schlagzeilen gemacht haben:  Berüchtigt sind die Luftverschmutzung durch die Nickelproduktion in Nikel, nur sieben Kilometer  Luftlinie zu Norwegen, und die Andrejewa Bucht (губа Андреева), wo alte U-Boot-Brennstäbe entsorgt wurden.

Andrejewa Bucht

Nikel und die Andrejewa Bucht. Karte mit Hilfe von stepmap

In beiden Fällen zeichnet sich Bewegung ab: Nornickel hat zumindest  angekündigt, zwei von drei Öfen zu schließen und damit die Luftverschmutzung deutlich zu reduzieren. Die alten U-Boot-Brennstäbe in der Andrejewa Bucht sind zunächst gesichert worden, mit Geld aus Norwegen, aber auch aus Deutschland und anderen Ländern. Sie werden nun seit Sommer abtransportiert ins nicht weniger berüchtigte Mayak – dem einzigen Ort in Russland zur Aufarbeitung solcher Brennstäbe. Das Verfahren ist wegen des Transportrisikos und wegen der Anlage in Mayak selbst umstritten – für Norwegen und Organisationen wie Bellona gilt es jedoch als das kleinere Übel.

Nördlichster Nationalpark: Franz-Josef-Land

Weitere russische Nationalparks im hohen Norden: Direkt an der Grenze zu Finnland liegen Paanajarvi und Kalevala. Der nördlichste und zugleich größte ist der Nationalpark Russische Arktis. Dieser umfasste früher nur die Nordspitze von Nowaja Semlja. 2016 fiel jedoch der Beschluss, diesem um Franz-Josef-Land zu erweitern. Die Inselgruppe war schon zuvor geschützt, aber mit einem niedrigeren Status (Sakasnik).

Veröffentlicht unter Biologie, Russland | Verschlagwortet mit | Hinterlasse einen Kommentar

Heute beginnt das „Barents Spektakel“ in Kirkenes

Kirkenes. Kunst, Musik, persönliche Begegnungen und Politik: Aus diesen Zutaten wird seit 2004 das Barents Spektakel in Kirkenes geschaffen. In diesem Jahr und mit Blick auf die kommende Fußball-Weltmeisterschaft in Russland liegt der Fokus auf dem Spannungsverhältnis zwischen  Fußball und Politik: „Trade Low – Score High“.

Kirkenes

Kirkenes hat eine Werft – und das Barents Spektakel.

Das fünftägige Festival ist ein praktisches Beispiel dafür, wie der Gedanke einer grenzüberschreitenden Zusammenarbeit in der Barentsregion ( siehe auch 25 Jahre Barentskooperation) mit Leben erfüllt werden kann. Die organisatorischen Fäden laufen zusammen bei der Kulturorganisation Pikene på Broen aus der Grenzstadt Kirkenes, die aber mit Künstlern und Helfern von beiden Seiten der norwegisch-russischen Grenze (und weiteren) zusammenarbeiten. Ermöglicht wird die Veranstaltung durch private Sponsoren und Zuschüsse staatlicher Stellen, darunter auch dem norwegischen Barents-Sekretariat.

Die Eröffnungsveranstaltung am Mittwochabend wird Kunst, Musik und Fußball auf eine ganz eigene Weise verbinden: Auf einer eigens dafür geschaffenen Eisbühne auf dem zentralen Platz von Kirkenes wird Laibach spielen – schon seit der Gründung 1980 im früheren Jugoslawien Teil eines Künstlerkollektivs mit politischem Anspruch. Mädchen aus Fußballmannschaften aus Sør-Varanger und Murmansk tanzen dazu eine speziell choreografierte Spiel-Show. Weiter geht es danach im Warmen mit der Nordic Brass Band, dem Schulmusikkorps Kirkenes, den jungen Fußballerinnen und anderen beim Konzert „A Score for Brass and Ball„.

Laibach

Laibach. Foto Laibach, CC BY-SA 30

Das Fußballthema wird in Diskussionen über Fankultur und Korruption, aber auch bei Spielen auf einem Hexagon-förmigen Freiluft-Feld erneut aufgegriffen. Die preisgekrönte russische Künstlergruppe ZIP aus Krasnodar hat für den Drink danach die “ KransoBAR“ gestaltet. Auch wer sich nicht für Fußball interessiert, wird im Programm fündig: Bei Knut Åsdams Film über die Grenzregion zwischen Kirkenes und Murmansk, beispielsweise, bei der Installation „Undercurrents“ von Voldemars Johansons (Riga) mit Bildern von Spitzbergen, Musik, Theater und mehr.

Politische Themen des Nordens bei der Kirkenes Konferenz

Politische Prominenz ist vertreten bei der bereits gestern gestarteten dreitägigen Kirkenes Konferenz mit Diskussionen zu diversen Themen rund um die Entwicklung im hohen Norden. Veranstalter ist das Außenministerium und das norwegische Barentssekretariat.  Dabei geht es unter anderem um die angedachte Bahn Rovaniemi-Kirkenes, aber auch um Sicherheitspolitik sowie Öl und Gas.

Ine Eriksen Søreide

Ine Eriksen Søreide. Foto Stortinget

Das Barents Spektakel entstand aus der Idee heraus, dass die Menschen sich über die Grenzen hinweg persönlich begegnen sollten – als  Friedensprojekt. Für die Organisatoren und Unterstützer in Kirkenes ist es deshalb ein besonderer Schlag, dass einer ihrer Mitstreiter, Frode Berg, seit Anfang Dezember in Moskau im Gefängnis sitzt, angeklagt wegen Spionage für Norwegen. NRK meldete gestern morgen, dass Außenministerin Ine Eriksen Søreide, die zur Kirkenes-Konferenz kommt, auch die Unterstützergruppe für Frode Berg treffen wird. Mit „Frodes grense“ erinnert eine Kunstaktion an ihn.

Unten zwei Videos mit einem Rückblick auf das Barents Spektakel im vergangenen Jahr. Im ersten sieht man Kirkenes teilweise aus ganz neuer Perspektive. In Teil zwei geht es unter anderem um den „Prozess des Jahrhunderts“, Greenpeace und und Natur og Ungdom gegen den norwegischen Staat wegen der Ausbeutung arktischen Öls. Dieser hat inzwischen stattgefunden. Die Umweltorganisationen haben verloren, wollen aber in Berufung gehen.


Veröffentlicht unter Film, Kunst, Musik, Norwegen, Politik, Russland | Hinterlasse einen Kommentar

Norwegen: DNT-Hütten jetzt auch mit Vorbuchung

Norwegen. Keine bösen Überraschungen mehr am Ende des Tages: Immer mehr Ortsgruppen der norwegischen Tourismusorganisation DNT (Den Norske Turistforening) akzeptieren die Vorbuchung von Betten in ihren Hütten. Darüber berichtete NRK. Bisher galt: „Wer zuerst kommt, mahlt zuerst.“

Hütte DNT

Selbstbedienungshütte Marenvollen.
Foto Monica Hägglund Langen/DNT

DNT feierte Anfang dieses Jahres seinen 150-jähriges Bestehen und betreibt gut 500 Übernachtungshütten in ganz Norwegen – einige mit Personal und Bewirtschaftung, einige ohne Personal, aber mit einem gewissen Selbstbedienungs-Vorratslager und kleine, in denen es lediglich Herd und Betten gibt. Die Hütten ohne Personal können mit einem Standardschlüssel geöffnet werden, den jedes DNT-Mitglied erhalten kann. Auch Ausländer können dem Verein beitreten. Mitglieder von STF (Svenska Turistföreningen), Suomen Latu oder Ferðalag Íslands erhalten den Schlüssel gegen Pfand.

„Wir wissen, dass es einige unheimlich finden, nicht zu wissen, ob man am Ende des Tages ein Bett hat. Wir hoffen, dass mehr Familien mit Kindern und auch andere wandern gehen, wenn sie ihr Bett vorher reservieren können“, erklärte eine DNT-Ortsgruppenleiterin bei NRK. Die Möglichkeit der Vorbuchung wurde zunächst im Raum Oslo und bei Stavanger getestet. Familien mit Kindern wurden zwar zuletzt schon bevorzugt behandelt bei der Bettenverteilung. Zukünftig können sie ganz sicher gehen.

Hütte DNT

Die Finsehytta ist bewirtschaftet.
Foto Marius Dalseg Sætre/DNT

Das spontane Wandern und Einkehren soll aber auch weiterhin möglich sein. Maximal die Hälfte der Betten soll vorab verteilt werden. Für die Übrigen gilt streng: Wer zuerst kommt…“ – was auf Norwegisch „førstemann til mølla“ heißt.

DNT gibt auf seiner Internetseite Tipps zum Wandern in jeder Jahreszeit sowie einen Überblick über die aktuellen Bedingungen. Alle Hütten findet man über ut.no. Wo Vorbuchungen möglich sind, kann man dies unter booking.dnt.no erledigen. Die Wettervorhersage gibt es unter yr.no. In einigen Gebieten ist es wichtig, sich auch über die Lawinengefahr vorab zu informieren, unter varsom.no (Siehe auch Vorsicht Lawinen – Prognosen werden ausgeweitet).

Wie benutzt man Hütten ohne Personal? Dieses Video von DNT gibt Antwort -auf Norwegisch mit englischen Untertiteln.

Veröffentlicht unter Norwegen, Tourismus | Hinterlasse einen Kommentar

Erdbeben auf Grímsey bis Stärke 5,2

Island. Der Erdbebenschwarm um die isländische Insel Grímsey setzt sich fort. Ein Stoß der Stärke 5,2 heute Morgen um 5.38 Uhr war der bisher heftigste dieser Serie. Die rund 90 Inselbewohner bekamen aber auch schon vorher nicht viel Schlaf, denn Erdbeben stärker als 3 gab es die ganze Nacht. Um 3.04 Uhr kam der bis dahin heftigste Stoß mit 4,6. Der Erdbebenschwarm begann am Mittwoch. Grímsey liegt in der Tjörnes-Bruchzone, mehr dazu hier. Über größere Schäden wurde bisher nicht berichtet.

Veröffentlicht unter Island, Vulkanismus/ Erdbeben | Hinterlasse einen Kommentar

Weltcup Winterschwimmen – im eisbedeckten Fluss

Skellefteå. Bei der Winterolympiade dürfen sie nicht mitmachen. Schwimmen gilt nämlich als Sommer-Sportart. Damit die Skandinavischen Meisterschaften im Winterschwimmen  in Skellefteå (Nordschweden) am vergangenen Wochenende überhaupt stattfinden konnten, musste allerdings erst einmal ein ausreichend großes Loch in das Eis des Flusses gesägt werden.

Winterschwimmen

Schwimmbecken im Fluss – bereit für den Wettbewerb.
Archivbild Olaf Schneider/Dark&Cold

Für die 370 Teilnehmer war der Wettkampf gleichzeitig Teil des Weltcups im Winterschwimmen. Der Start in Skellefteå war allerdings der nördlichste der diesjährigen Serie. Null Grad hatte das Wasser des Skellefte älv, den ersten Test übernahmen zwei deutsche Schwimmerinnen und wurden dabei gleich vom schwedischen Fernsehen gefilmt. Veranstalter waren die International Winter Swimming Association gemeinsam mit Dark&Cold, dem Verein Skelleftesim, der Kommune Skellefteå und das Lokalmedium Norran.

Nicht nur bei den Wassertemperaturen unterscheiden sich die Regeln von Sommersport und Winterschwimmen: Beim Brustschwimmen im kalten Wasser  wird der Kopf nicht ins Wasser getaucht, man hat auch eine Kopfbedeckung zu tragen. Neopren und überhaupt lange Ärmel oder Hosenbeine sind aber verboten. Gestartet wird im Wasser, nicht mit einem Sprung vom Startblock aus. Die Strecken liegen zwischen 25 und 100 Metern (25-Meter-Bahn). Warme Duschen und Sauna gibt es gleich nebenan am Ufer.

Winterschwimmen

Beim Hut-Wettbewerb geht Optik vor Schnelligkeit.
Archivbild Olaf Schneider/ Dark&Cold.

Das Rahmenprogramm war dem Szenario angepasst: Zur Eröffnung gab es einen Gedichtwettbewerb, bei dem vier Finalisten ihre vorab eingesandten Werke zu Kälte und Dunkelheit vortragen durften – im Wasser. Bewertet wurde auch die Performance. Erlaubt waren maximal 30 Sekunden. Jenseits der sportlichen Wettbewerbe gab es außerdem einen Start, wo die besonders ausgefallene Kopfbedeckung zählte.

Unter den Teilnehmern in Skellefteå dominierten zwar die schwedischen Namen. Wettbewerbe gibt es jedoch weltweit – mit so unterschiedlichen Austragungsorten wie Wladiwostok (Russland), Zaozhuang (China), Ushuaia (Argentinien) und Sydney (Australien).  Alexander Jakovlev aus Lettland, nicht nur Teilnehmer, sondern auch Vizepräsident der International Winter Swimming Association plädierte im Interview mit SVT dafür, dass die Sportart olympisch wird – natürlich im Winter. Null Grad kaltes Wasser sei schließlich wie flüssiges Eis.

Die Tradition des Kaltwasserbadens in der Luxusvariante – als Tourismus-Destination:

Spa im Fluss: Der exotische Reiz des kalten Wassers

 

Veröffentlicht unter Schweden, Sport | Hinterlasse einen Kommentar

Die Entstehung der pulsierenden Aurora – erstmals dokumentiert

Polarlichter erscheinen in verschiedenen Formen – mal als schnell veränderliche Bögen, mal als großflächige, pulsierende Areale. Japanische Wissenschaftler konnten nun erstmals die Entstehung einer solchen pulsierenden Aurora-Erscheinung direkt verfolgen und dokumentieren – und somit die bisherige Theorie dazu bestätigen. Darüber berichteten sie in Nature.

Aurora Borealis

Aurora Borealis. Foto Pixabay

„Schuld“ an den Polarlichtern ist bekanntlich die Sonne: Sie schickt uns mit dem Sonnenwind energiereiche Teilchen, die auf das Magnetfeld der Erde stoßen und entlang der Feldlinien zu den Polen geleitet werden. Erst dort geraten sie in die Atmosphäre. Sie verhelfen Sauerstoffmolekülen und -atomen vorübergehend zu einem höheren Energiezustand. Wenn diese in ihren Grundzustand zurückfalllen, setzen sie das dekorative Licht frei.

Dass die pulsierenden, flächigen Polarlichter etwas mit den sogenannten Chorwellen zu tun haben, zeigten bereits 2010 veröffentliche Forschungsergebnisse der Gruppe um Yukitoshi Nishimura (University of California/ Nagoya University). „Chorwellen“ sind vom Sonnenwind erzeugte natürliche Radiowellen der Magnetosphäre, die, über Lautsprecher abgespielt, wie zwitschernde Vögel anhören sollen. Sie „schubsen“ Elektronen Richtung Atmosphäre. Die Forscher hatten Satellitendaten der Chorwellen und die Aufzeichnungen der „All Sky Imager„(ASI), über ganz Nordamerka verteilte Kameras die Polarlichter aufnahmen, verglichen. Je intensiver die Chorwellen, desto stärker auch die pulsierenden Polarlichter (mehr auf Deutsch dazu hier).

Die Arbeitsgruppe um Satoshi Kasahara von der Universität Tokio hatte nun den japanischen Satelliten Arase am 27. März 2017 in der Nähe des Äquators auf einer Feldlinie positioniert. Seine speziell darauf ausgerichteten Instrumente entdeckten regelmäßige Pulse beschleunigter Elektronen. Bisher hatte man diese nicht von anderen Teilchen im Plasma unterscheiden können. Und das entworfene Modell erwies sich als richtig: Dort, wo man es erwartet hatte, endete die Feldlinie in der Atmosphäre und die ASI-Kamera zeichnete die Aurora auf, die im selben Takt pulsierte wie die Chorwellen, die die Elektronen losgeschickt hatten (Artikel dazu auf Deutsch auf Spektrum.de).

Zur Beobachtung von Polarlichtern siehe Tag und Nacht.

Und hier noch ein Echtzeit-Video aus Island…

Veröffentlicht unter Himmel | 1 Kommentar

Island: Erdbeben-Schwarm bei Grímsey

Grimsey Erdbeben

Erdbebenschwarm bei Grimsey. Grüne Sterne bedeuten
Stöße stärker als 3. Quelle: Veðurstofa Íslands

Grímsey. Rund um die Insel Grímsey im Norden von Island hat es seit Mittwoch Mittag mehr als 2000 Erdbeben gegeben. Der heftigste Stoß wurde am Donnerstagabend mit Stärke 4,1 gemessen. Insgesamt waren bis Samstag Mittag 28 Beben stärker als Klasse 3. Die Serie dauert an. Grímsey, die Insel, durch die auch der Polarkreis verläuft, liegt in der Tjörnes-Bruchzone. Das Isländische Meteorologische Institut (Veðurstofa Ìslands), das auch Vulkanismus und Erdbeben überwacht, sieht den Erdbebenschwarm deshalb in Zusammenhang mit Bewegungen der Erdplatte. Erdbebenschwärme können in Nordisland die Vorboten für ein stärkeres Beben sein, müssen aber nicht. Die Serie dauert an und ist hier zu verfolgen.

Veröffentlicht unter Island, Vulkanismus/ Erdbeben | Hinterlasse einen Kommentar