Grönland. Während neue US-Militärbasen in Grönland im Gespräch sind, hat sich ein Team der dänischen Zeitung Politiken angesehen, was mit den früheren passierte. Sie fanden Halden mit rostigem Gerät und eine enorme Verschmutzung mit Öl und anderen Giftstoffen. Für die Entsorgung haben die USA nie einen Cent gezahlt.

Hinterlassene Schlitten bei Camp Tuto nahe Pituffik, benutzt für den Aufbau von Camp Century. Foto Henrik Thomsen/ Wikimedia, CC BY-SA 3.0
Dass es diese Verschmutzung gibt, ist selbstverständlich bekannt. Im Zweiten Weltkrieg hatten die USA dort insgesamt 17 Stützpunkte mit zwei Flughäfen errichtet und blieben auch während des Kalten Krieges mit drei Basen präsent. Das Abkommen von 1951 zwischen den USA und Dänemark verpflichtet die USA nicht zum Aufräumen der Hinterlassenschaften. Dabei handelt es sich beispielsweise um Tausende von Ölfässern in Marraq und im ostgrönländischen Ikkatteq, eine umfangreise Ölverschmutzung, Schrott, Ölreste und ein ehemaliges Militärkrankenhaus aus Asbest in Narsarsuaq oder das ehemalige Camp Century in Nordgrönland, das mit all seinen umweltgefährlichen Abfällen im Eis versunken ist.
USA sprechen von Lastenteilung
In einem neuen Abkommen 1991 wurde zwar festgelegt, dass die USA die umweltgefährlichen Reste ihrer früheren Basen entsorgen würden. Daraus folgten jedoch nie Taten. Politiken nennt dazu mehrere Erklärungsansätze: Zum einen sei die Formulierung zweideutig, da das neue nicht das alte Abkommen von 1951 ersetze. Zum anderen wollten die USA keinen Präzedezfall für andere verlassene Basen schaffen. Die Logik der US-Position wird als „Lastenteilung“ wiedergegeben: Man habe mit seiner Militärpräsenz für die Verteidigung der freien Welt gesorgt, andere könnten durch Aufräumen beitragen.
Statt den USA zahlt Dänemark
Die Unzufriedenheit der Grönländer mit der Situation richtete sich dabei nicht nur gegen die USA, sondern auch gegen Dänemark. das sich nach Ansicht vieler Grönländer in dieser Frage nicht genug für Grönland einsetzte. Der ehemalige grönländische Minister Vittus Qujaukitsoq verklagte Dänemark 2017 deshalb sogar bei Menschenrechtsrat der UN. 2018 stellte die dänische Regierung 180 Millionen DKK (nach aktuellem Kurs 24 Millionen Euro) für Aufräumarbeiten zur Verfügung.
Aufräumarbeiten
Von diesen Millionen, die Dänemark für Aufräumarbeiten zur Verfügung gestellt hat, wurde bisher nur ein kleiner Teil benutzt. Sermitsiaq schrieb jüngst über die Aufräumarbeiten: So wurde bei Camp Corbett in Narsarsuaq , auf der Insel Simiutaq vor Sisimiut und in der ehemaligen Loran-Station auf Kap Atholl bei Pituffik Schrott gesammelt und entsorgt.
Die englische Version des Politiken-Artikels ist gratis zugänglich:
Frühere Artikel zum Thema:
- Camp Century: Keine radioaktive Verunreinigung durch Reaktor gefunden
- Camp Century: Kalter Krieg im Eis

