Island: Neues Wasserkraftwerk oder Naturschutz?

Island. Am kommenden Samstag, 26. Mai. sind auf Island Kommunalwahlen. In der kleinen Gemeinde Árneshreppur mit nur 46 Einwohnern geht es dabei um das ganz große Ding: ein neues Wasserkraftwerk aus drei Flüssen mit fünf Dämmen. Das Projekt ist extrem umstritten – und kurz vor der Wahl bekam die Gemeinde plötzlich Neubürger.

Arneshreppur

Árneshreppur liegt abseits der üblichen Touristenziele. Karte mit Hilfe von stepmap.

Nach Árneshreppur kommen nur selten Touristen: Es liegt weit abseits der Ringstraße, in Nordwesten, den Westfjorden. Die kleine Gemeinde hat Probleme, ihre Einwohner zu halten. Die Schule ist zurzeit geschlossen, nachdem die letzte Familie mit Kindern in dem Alter weggezogen war. Im Winter ist die einzige Straße zum nächstgrößeren Ort oft nicht nutzbar.

Arbeitsplätze würde auch das geplante Kraftwerk, Hvalárvirkjun, auf Dauer nicht bringen, denn, einmal fertig, soll es automatisch laufen. Die Gemeinde würde allerdings mehr Steuern einnehmen. Versprochen wird auch eine stabilere Stromversorgung.

So soll das geplante Kraftwerk funktionieren: Bisher fließen die Flüsse Rjúkandi, Hvalá und Eyvindarfjarðará unabhängig voneinander von ihrem Ursprung in der Hochebene Ófeigsfjarðarheiði hinab in den Ófeigsfjörður. Das Wasser dieser drei soll nun mit Hilfe von insgesamt fünf Staudämmen zusammengeführt und dann durch die Turbine geschickt werden. Statt der bisherigen kleinen Seen würden drei neue, größere entstehen. Die bisherigen Flussläufe hatten dann deutlich weniger Wasser. Das Werk soll eine Leistung von 55 Megawatt haben und im Jahr 320 Gigawattstunden Strom produzieren.

Westfjorde

In den Westfjorden. Foto Zairon/Wikimedia, CC BY-SA 3.0

Das Projekt ist im Land und in der Gemeinde selbst wegen des Eingriffs in die Natur  höchst umstritten. Eine erste Entscheidung fiel mit knappestmöglicher Mehrheit, wie Islandsbloggen angesichts aktueller Ereignisse noch einmal erinnerte. Denn einige wurden besonders aufmerksam, als sich rechtzeitig vor den Kommunalwahlen 18 Neubürger in Árneshreppur anmeldeten. Ein Journalist und früherer Parlamentsabgeordneter veröffentlichte die Namen der Zuzügler und identifizierte einige als Teil der Widerstandsbewegung gegen Hvalárvirkjun. Die Meldebehörde hat begonnen, die Namen der „Neuen“ zu überprüfen.  Zwölf sind inzwischen wieder aus dem Wählerverzeichnis gestrichen. Allerdings sind auch unter den bisher akzeptierten 46 Einwohnern solche, die im Winter anderswo wohnen.

Das sind jedoch nicht die einzigen Schlagzeilen, die Árneshreppur gerade macht. Pfingstsonntag machte der Vorsitzende der Umweltbewegung Rjúkandi, die gegen das Kraftwerk kämpft, in einem Facebook-Beitrag öffentlich, dass die Vorsitzende und die Mehrheit des Gemeinderates  bei Fragen der Genehmigungsbehörde enger mit der Kraftwerksgesellschaft zusammenarbeitete als üblich.  RÚV, mbl.is und Vísir nahmen das auf.

Die Diskussion um den Kárahnjúkar-Staudamm, der 2006 in Betrieb genommen wurde, hatte Island gespalten und bei vielen das Bewusstsein dafür geschärft, dass Energieerzeugung auf der Insel ihren Preis hat. Im Oktober 2017 gab es eine Artikelserie in Morgunblaðið zum Thema Energieerzeugung auf Island. Zu Hvalárvirkjun wurde Guðmundur Ingi Guðbrandsson interviewt, damals Geschäftsführer von Islands Naturschutzverband (Landvernd).  Der  meinte damals, die Einrichtung eines Nationalparks inklusive Personal würde Árneshreppur mehr helfen. Der nördlichste Teil der Westfjorde, die Hornstrandir, steht bereits unter Naturschutz. Guðmundur Ingi Guðbrandsson ist inzwischen Umweltminister der neuen Regierung. Allerdings hat seine Partei, die Links-Grünen, nicht die Mehrheit in der Koalition.

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Norwegen: Wandern auf historischen Pfaden

Norwegen. Wer in Norwegen wandern will, hat die Qual der Wahl. Für historisch Interessierte gibt es seit 2015 noch eine Variante mehr: Historische Wanderwege, die der Tourismusverein DNT gemeinsam mit Riksantikvaren ausarbeitet. In diesem Jahr sollen vier weitere eröffnet werden.

Saltfjellet

Lønstinden, Saltfjellet. Foto Frankemann/Wikimedia, CC BY-SA 3.0

Die Fortbewegung zu Fuß war lange die einzige Möglichkeit, in unwegsamen Gegenden voranzukommen. Diese Nutzung hat Spuren hinterlassen, auch wenn sie für das ungeübte Auge nicht immer einfach zu erkennen sind. Manche historischen Wege sind heute noch in Gebrauch, andere gerieten in Vergessenheit. Im Projekt „Historische Wanderwege“ („Historiske Vandreruter„) arbeiten der norwegische Tourismusvereins (DNT) und die Denkmalschutzbehörde (Riksantikvaren) zusammen: Alte Wege werden rekonstruiert, markiert und entsprechend beschildert. Wegbeschreibungen und die jeweilige Geschichte sind auch im Internet nachzulesen (nur auf Norwegisch – notfalls den Google Übersetzer benutzen). Dabei handelt es sich nicht nur um Pfade aus ganz alten Zeiten, sondern auch um Wege, die aus verschiedenen Gründen kulturhistorisch interessant sind.

Zu den ersten historischen Wegen, die eröffnet wurden, gehörte der „Turistvegen over Folgefonna“ , eine 25 Kilometer lange Gletschertour in Hardanger, die 120 Kilometer lange „Flykningeruta„, einer der Pfade, den Kuriere und Flüchtlinge während der deutschen Besatzung nahmen, um ungesehen von Oslo nach Schweden zu kommen, und die nordnorwegische „Telegrafruta“ (45 Kilometer) über Saltfjellet. Dieser Weg entstand, als dort 1860 die Telegrafenlinie aufgebaut wurde, deren Reste dort nun zu finden sind. Er etablierte sich als sicherer Weg über den Berg, auch wegen der Hütten unterwegs.

Reisadalen

Reisadalen. Foto Judisa/Wikimedia, CC BY-SA 4.0

In diesem Jahr ist die Markierung und Beschilderung von vier weiteren Routen geplant: die klassische Hochgebirgsroute Jotunheimen (Eröffnung 30. Juni), die „Stølsrute“ in Valdres (Eröffnung Herbst) mit Sennhütten, die noch genutzt werden, die historische Wanderroute im Aurlandsdalen, früher der schnellsten Verbindung zwischen West- und Ostnorwegen (Eröffnung Herbst Herbst) und die historische Wanderroute im Reisadalen in Nordnorwegen, mit Spuren aus der jüngeren Steinzeit. Dort passierten die unterschiedlichsten Gruppen – Samen, Kvenen, Norweger und die ersten Touristen. Der Weg geht größtenteils durch den Reisa Nationalpark. Der Weg ist auch Teil der Nordkalottruta (siehe auch Reisen/zu Fuß). Die offizielle Eröffnung mit vollständiger Beschilderung ist für 15. September vorgesehen.

Unter dem Hashtag #historiskevandreruter gibt es auch Bilder von Wanderer auf Instagram.

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Nationalpark Russische Arktis soll erweitert werden

Russland. Die nur zehn Quadratkilometer große unbewohnte Insel Viktoria liegt zwischen Spitzbergen und Franz-Josef-Land und gehört zu Russland. Sie könnte künftig auch in den Nationalpark Russische Arktis (Русская Арктика) integriert werden, der bereits Franz-Josef-Land und den Norden von Nowaja Semlja umfasst. Darüber berichtete der Barents Observer mit Verweis auf die Nachrichtenagentur TASS.

Viktoria

Die Inseln der nördlichen Barentssee. Der rote Kreis markiert Viktoria.Karte mit Hilfe von stepmap.

„Viktoria ist fast komplett von einer Eiskappe bedeckt, die in der Mitte bis zu 100 m über das Meer aufragt“ – so beschreibt Andreas Umbreit die Insel auf seiner Seite Franz-Josef-Land.info . Im Süden reicht der Gletscher bis ins Meer. In Norden ist die Spitze dagegen inzwischen eisfrei. Während des Kalten Krieges gab es dort eine Wetter- und Funkstation, die aber inzwischen wieder aufgegeben wurde. Ein Besuch der Insel knapp oberhalb des 80. Breitengrades ist laut Umbreit nicht ganz einfach: Zum einen sei sie oft von Treibeisfeldern umgeben, zum anderen müsse man sich vor Eisbären hüten. Ansonsten leben auf der Insel noch Vögel und Walrosse.

Die östlichste Spitzbergen-Insel, Kvitøya, liegt näher an Viktoria als Franz-Josef-Land. Wie die anderen arktischen Inseln der Barentssee war auch Viktoria lange staatenlos. Seit 1925 gilt der Spitzbergen-Vertrag, der diese Inselgruppe unter norwegische Hoheit stellte, aber unter bestimmten Auflagen. Dort gab es damals bereits feste Siedlungen und es wurde Bergbau betrieben. Die Sowjetunion erklärte das unbewohnte Franz-Josef-Land 1926 zu ihrem Gebiet und hisste 1929 die Flagge auf Viktoria. Eine norwegische Gruppe von Geschäftleuten proklamierte Viktoria 1930 ebenfalls für sich. 1932 stand jedoch fest, dass die Insel bei der Sowjetunion bleiben würde.

Franz-Josef-Land

Franz-Josef-Land bei Kap Flora. Foto Christopher Michel, CC BY 2.0

Der Nationalpark Russische Arktis wurde 2009 gegründet und umfasste ursprünglich nur den Norden von Nowaja Semlja. 2016 wurde der Park um Franz-Josef-Land erweitert, das zuvor einen geringeren Schutzstatus gehabt hatte. Nun bereitet das zuständige Ministerium den Einschluss von Viktoria vor. Noch in diesem Jahr könnte alles umgesetzt werden.

Während in den kommenden Jahren zunehmend mehr Reisen nach Franz-Josef-Land angeboten werden, dürfte Viktoria weiterhin nur selten angelaufen werden.

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Schwimmendes Atomkraftwerk in Murmansk angekommen

Akademik Lomonosow Murmansk

Ankunft der Akademik Lomonosov in Murmansk. Foto Rosatom

Murmansk. Die Akademik Lomonosow, am 28. April in St. Petersburg gestartet, ist heute in Murmansk angekommen, wie Betreiber Rosatom mitteilte. Das schwimmende Atomkraftwerk, bisher noch ohne Brennstäbe an Bord unterwegs,  soll dort betriebsfertig gemacht und nächstes Jahr durch die Nordostpassage zum Einsatzort in Pewek (Tschuktschen-Halbinsel) geschleppt werden. Auf dem Weg von St. Petersburg nach Murmansk gab es Protestaktionen gegen das Vorhaben. Auf der Strecke entlang der norwegischen Küste wurden norwegische Journalisten und auch ein Vertreter der norwegischen Umweltorganisation Bellona an Bord gelassen. Insbesondere Norwegen hatte gegen den unsprünglichen Plan protestiert, das Atomkraftwerk im betriebsfertigen Zustand in den Norden zu schleppen. Mehr zum Thema unter Schwimmendes Atomkraftwerk unterwegs nach Murmansk.

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Nextjet-Pleite: Sommer ohne Flüge nach Gällivare und Arvidsjaur

Schweden. Um die Flughäfen Gällivare (Lapland Airport) und Arvidsjaur wird es diesen Sommer sehr ruhig sein. Denn bis zum September wird es keine Flüge dorthin geben. Die Orte wurden bisher von der Gesellschaft Nextjet angeflogen, die am Mittwoch Konkurs angemeldet hat. Neue Interessenten gäbe es möglicherweise – doch das von der EU vorgeschriebene Verfahren dauert so lange. Darüber berichteten SVT und Sveriges Radio.

Nextjet

Nextjet bleibt am Boden.

Den Flughafen Arvidsjaur nutzten im vergangenen Jahr  57 760 Menschen. Über Gällivare flogen 26 706, dort gab es vergangenen Sommer einige Wochen lang nur eingeschränkten Verkehr wegen einer Landebahn-Erneuerung. Ohne die beiden Flughäfen wird der Weg ins Landesinnere Nordschwedens weit. Die Verkehrsbehörde versucht nun , als Ersatz zunächst den Busverkehr nach Kiruna, Luleå und Skellefteå zu organisieren, wo andere Fluglinien verkehren.

Vertreter der Kommunen und der Unternehmen sind damit nicht zufrieden. Zum einen steht die Tourismus-Hochsaison bevor. Und nach Gällivare kommen gerade viele Arbeitskräfte zusätzlich, weil dort im Zuge der Abwicklung von Malmberget extrem viel gebaut wird (siehe: Malmberget und Gällivare: Aus zwei mach eins). Das Bergbauunternehmen LKAB hatte in Malmberget außerdem eine große Maßnahme mit 600 zusätzlichen Kräften seit langem geplant, wie SVT berichtet. Gällivare hat zumindest noch eine Bahnverbindung nach Kiruna und Luleå, wenn auch nicht sehr häufig. Nach Arvidsjaur fährt nur die Inlandsbanan (siehe Reisen/mit der Bahn) aber auch erst im Hochsommer. 

Flughäfen

Flughäfen in Nordschweden und der finnischen Grenze. Karte mit Hilfe von stepmap

Insgesamt sind von Nextjets Pleite 21 Orte betroffen. Doch nicht alle trifft es so hart  wie Arvidsjaur und Gällivare. Für einige gab es bereits Ersatz durch andere Fluggesellschaften. Außer Arvidsjaur und Gällivare stehen zur Zeit auch die kleinen Inlandsflughäfen von Vilhelmina, Hemavan und Lycksele, etwas weiter südlich, still. Bei diesen könnte der Einsatz einer neuen Fluggesellschaft jedoch schneller gehen, da dies ohnehin Orte waren, die nur dank öffentlichen Zuschusses überhaupt angeflogen wurden. Ursprünglich hatte die Verkehrsbehörde auch die Verbindungen von Stockholm nach Arvidsjaur und Gällivare als so wichtig eingestuft, dass sie bezuschusst worden wären, wenn sich kein kommerzieller Betreiber gefunden hätte. Nextjet hatte sie jedoch ohne Zuschuss betrieben. Deshalb legt die EU hier strenge Regeln für die neue Vergabe des Auftrags an.

Mit dem Ende von Nextjet kam auch das Aus für Arctic Airlink. Diese Verbindung war die einzige, die die länderübergreifend die Zentren am Polarkreis direkt verband – Tromsø, Luleå und Oulu.

Mehr zu Flughäfen im Norden:

Ab in den Norden – gerne mit dem Flugzeug

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Kvarken: Wo Schweden und Finnland zueinander kommen

Umeå/Vaasa. Schweden und Finnland kommen sich immer näher. Zum einen geologisch: Weil das Land sich hebt, entstehen an der engsten Stelle, bei „Kvarken“, immer neue Inseln und Uferbereiche.  Dort betreiben die Städte Umeå und Vaasa aber auch gemeinsam eine Fährverbindung, die so gut läuft, dass man jetzt ein neues, umweltfreundliches Schiff bestellen will.

Kvarken

Kvarken. Foto Pixabay

Zwischen Umeå und Vaasa liegen keine 80 Kilometer Luftlinie. Die heutige Fähre, MS Wasa Express, braucht dafür viereinhalb Stunden. Zwischen der östlichsten schwedischen und der westlichsten finnischen Insel liegt aber nur noch ein 25 Kilometer breiter Streifen tiefes Wasser. Geologen rechnen damit, dass sich das Land noch weiter hebt.  In etwa 2500 Jahren, so schätzen sie, könnte es  zu einer festen Landverbindung an dieser Stelle kommen. Die Bottenwiek, heute das nördlichste Ende der Ostsee, würde dann zu einem riesigen Süßwasser-Binnensee.

Die Ursache für diese Entwicklung ist die letzte Eiszeit: Damals drückte das Gewicht des Eispanzers die Landmassen des Nordens tief in den Erdmantel. Am dicksten war der Panzer über dem Gebiet zwischen Örnskoldsvik und Härnösand, das heute als Höga Kusten bekannt ist, und der heutigen Inselgruppe Kvarken – rund 3000 Meter.

Karte Kvarken

Das nördlichste Ende der Ostsee: Kvarken und Bottenwiek. Karte mit Hilfe von Stepmap.

Nach dem Abschmelzen von rund 10 000 Jahren sah die Küste auf schwedischer und finnischer Seite noch ganz anders aus. Doch dann begann das Land, sich im Tempo der Geologie zu heben – anfangs bis zu zehn Zentimetern im Jahr, inzwischen noch acht Millimeter im Jahr. Der Gipfel des Skuleberget an der schwedischen Höga Kusten liegt heute 286 Meter über dem Meer, das Gebiet gilt als die größte isostatische Bodenerhebung weltweit seit der letzten Eiszeit. Die hohe Höga Kusten und der noch junge, flache Kvarken-Archipel (finnisch Merenkurkku) sind zwei Varianten dieses Landhebungs-Phänomens. Deshalb sind sie seit 2006 auch als ein gemeinsames Natur-Welterbe-Gebiet bei der UNESCO eingetragen.

Die Menschen westlich und östlich Kvarken haben die Engstelle schon immer genutzt, um miteinander in Verbindung zu kommen –  per Schiff und im Winter auch über das Eis. Daran erinnert der Kvarken-Rat auf seiner Internetseite. Der Weg um die Bottenwiek herum ist schließlich viel länger, gut 800 Kilometer. In den 1980er und 1990er Jahren boomte die Fährverbindung zwischen Umeå und Vaasa – mehr Leute fuhren Auto, und an Bord konnte man steuerfrei einkaufen. Mit dem Ende des „taxfree“- Handels auf der Strecke galt die Linie als nicht mehr wirtschaftlich. Mehrere Betreiber versuchten sich vergeblich daran.

Kvarken Färja

So soll die neue Fähre zwischen Umeå und Vaasa aussehen. Bild midwayalignment.eu

Seit Januar 2013 betreiben die Städte Umeå und Vaasa die Fährverbindung in Eigenregie und treffen mit ihren Angeboten offenbar die Bedürfnisse der Kunden. 2017 war laut Pressemitteilung erneut ein Jahr mit steigenden Fahrgastzahlen und Frachtraten und der Gewinn verdoppelte sich. Besonders stolz ist man darauf, auf der ganzen Strecke schnelles Internet anbieten zu können. Angesichts dieses Erfolgs plant man nun den Bau einer neuen Fähre, die 2021 in Betrieb genommen werden soll: Ungefähr so lang wie die jetzige, rund 150 Meter, aber mit Flüssiggas/Batterie-Hybridantrieb und höchster Eisklasse, entworfen von Wärtsilä.  Beide Städte stellen dafür je 25 Millionen Euro bereit, der Rest  soll von der EU geliehen werden. Mit der festen Landverbindung dauert es schließlich noch etwa 2500 Jahre.

Kurzes Video (auf Schwedisch) über die Landhebung, Höga Kusten und Kvarken

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Norwegen feiert heute seinen Nationaltag

norwegische FlaggeNorwegen. Im ganzen Land wird heute mit Paraden und Flaggen gefeiert.  Das Datum geht zurück auf die Unterzeichnung der norwegischen Verfassung in Eidsvoll am 17. Mai 1814.  Das norwegische Fernsehen (NRK)  berichtet direkt – wegen des seit Dienstag andauernden Journalistenstreiks bei dem Sender allerdings nur eingeschränkt. Gratulerer med dagen!

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Anti-Uran-Demos zum Neustart in Grönland

Grönland. Die neue Regierung (Naalakkersuisut) von Kim Kielsen ist im Amt. Demonstranten erinnerten deshalb in Nuuk und Narsaq an das Thema, über das das neue Parlament zu entscheiden haben wird: die geplante Mine Kvanefjeld in Südgrönland, wo neben Seltenen Erden auch Uran abgebaut werden soll. Darüber berichteten Sermitsiaq.AG und KNR.

Kvanefjeld

Lage von Kvanefjeld in Südgrönland. Karte mit Hilfe von stepmap

Dass in Kvanefjeld (grönländisch Kuannersuit) in der Nähe von Narsaq in Südgrönland Uran liegt, ist schon lange bekannt. Auch Dänemark träumte einmal den Atom-Traum, entschied sich aber dagegen. 1988 wurde beschlossen, dass das Uran dort bleiben soll, wo es ist.

Als Grönland 2009 einen neuen Selbstverwaltungs-Status bekam, war das Thema wieder auf der Tagesordnung. Denn Grönland durfte nun selbst über die Verwendung seiner Rohstoffe entscheiden. Bergbau sollte und soll dem Land Arbeitsplätze und Einnahmen bringen. Zu den Rohstoffen zählen Edelsteine, die sogenannten Metalle Seltener Erden – und eben auch Uran.  Kvanefjeld zählt zu den ganz großen Vorkommen für Seltene Erden, besonders begehrt in der High-Tech-Industrie, und auch für Uran.

2013 kippte das grönländische Parlament mit Ein-Stimmen-Mehrheit das Abbauverbot für Uran. Die Frage spaltete nicht nur die grönländische Gesellschaft, sondern weckte auch Dänemark. Denn für Außenpolitik und Verteidigung Grönlands sind immer noch die Dänen zuständig – und der Export von Uran in die falschen Hände höchst unerwünscht. 2016 einigten sich Grönland und Dänemark auf ein Verfahren dafür.

Kvanefjeld

Seltenes Gestein aus Kvanefjeld – Villiaumitic lujavrite. Foto James St. John, CC BY 2.0

Für Kvanefjeld gibt es einen konkreten Interessenten, der dort auch schon viel investiert hat: die australische Greenland Minerals and Energy Ltd. Ein Entwurf ihres noch vertraulichen Umweltverträglichkeitsplanes wurde vor einem Jahr von grönländischen und dänischen Umweltverbänden veröffentlicht und als unzureichend kritisiert – unter anderem die Lagerung der Abfälle in einem nahen See, der zusätzlich eingedämmt werden soll. Später verlangte auch die grönländische Regierung selbst Nachbesserungen. Auch eine Studie zu den sozialen Folgen soll es geben. Weil es in Grönland praktisch keine Fachleute für Bergbau gibt, werden diese aus dem Ausland kommen müssen. In dem geleakten Entwurf, über den auch Danmarks Radio berichtete, war die Rede von 800 Arbeitsplätzen, darunter 325 für Grönländer.

Was in Dänemark zusätzlich für Stirnrunzeln sorgen dürfte, sind die Partner, die Greenland Minerals and Energy eingestiegen sind: die chinesische Shenghe Ressources Holding. Die zunehmende Präsenz chinesischer Unternehmen im für die NATO strategisch wichtigen Grönland wird nicht nur in Kopenhagen kritisch gesehen.

Uran-Abbau-Gegner wollen Volksabstimmung

Der vollständige Antrag für den Betrieb der Mine wird irgendwann demnächst vorliegen. Gegner des Projektes sind deshalb höchst beunruhigt, was dazu im Koalitionsvertrag steht: Die neue Regierung aus der sozialdemokratischen Siumut und drei kleinen Parteien zeigt sich darin offen für „Uranbbau als Nebenprodukt“ – wie in Kvanefjeld geplant. Die Demonstranten fordern eine Volksabstimmung zum Thema. Der neue Minister für Rohstoffe, Vittus Qujaukitsoq, sagte zu ihnen laut KNR, man werde nichts über die Köpfe hinweg entscheiden, wollte auf Nachfrage der Reporterin aber keine Garantien für irgendetwas abgeben. Der Antrag läge noch nicht vor.

Dass Vittus Qujaukitsoq, Gründer der neuen Partei Nunatta Qitornai, nun Minister wurde und seinen Sitz im Parlament aufgegeben hat, machte übrigens den Weg frei für Ex-Premier Aleqa Hammond, doch noch dort einzuziehen. Sie hatte 2013 mit dem Versprechen auf gutes Einkommen durch Rohstoffabbau die Wahl gewonnen. Sie wurde zur neuen Vorsitzenden des Außenpolitik- und Sicherheitsausschusses gewählt. Aleqa Hammond sitzt außerdem als Vertreterin Grönlands im dänischen Folketing.

Mehr zum Wahlergebnis auf Grönland:

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Schweden: Fluggesellschaft Nextjet meldet Konkurs an

Nextjet

Nextjet bleibt am Boden.

Schweden. Die schwedische Fluggesellschaft Nextjet hat Konkurs angemeldet und alle Flüge ab 13 Uhr eingestellt. Das meldete SVT. Die Internetseite der Gesellschaft ist nicht mehr erreichbar.

Die Fluggesellschaft bediente vor allem Ziele innerhalb Schwedens und in Finnland. Vergangenes Jahr hatte es bereits wirtschaftliche Probleme gegeben, sodass die Lizenz zeitweise in Gefahr war. Damals waren vier neue Teilhaber mit eingestiegen (siehe NextJet darf weiter fliegen) Das hat offenbar nicht gereicht.

Erst vor wenigen Monaten hatte im Nachbarland Norwegen FlyViking aufgegeben und Widerøe hatte sein Angebot eingeschränkt. In beiden Ländern werden Flugverbindungen auf ausgewählten Strecken bezuschusst, um auch in den dünn besiedelten Gebieten im Norden die Mobilität zu ermöglichen. Beide Länder erhaben aber inzwischen auch eine Passagiersteuer bei Flugreisen.

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Norwegen: Klimaforscher bitten Bergwanderer um Hilfe

Norwegen. Die Natur in den norwegischen Bergen verändert sich mit dem wärmeren Klima: Die Waldgrenze rückt immer mehr nach oben. Weil eine Handvoll Forscher nicht alles allein neu vermessen kann, sind nun Wanderer aufgerufen, mit Hilfe einer App ihre Beobachtungen unterwegs festzuhalten und an die Wissenschaftler weiterzuleiten. Darüber berichtete Aftenposten.

Waldgrenze

Stadt, Wald, Fjell in Narvik

Natur i endring“ ist ein Forschungsprojekt, für das das naturhistorische Museum (NHM) der Universität Oslo eine Kooperation mit dem Norwegischen Tourismusverein (Den Norske Turistforening, DNT) eingegangen ist. Mit Hilfe der vielen Menschen, die in den Bergen unterwegs sind, sollen die Daten zusammenkommen, die es der Geo-Ökologischen Forschungsgruppe des NHM ermöglichen, die aktuellen Grenzen für Wald und für einzelne Bäume zu ermitteln. Worauf zu achten ist, wird in der App erklärt. Umfangreiche Vorkenntnisse sind nicht notwendig: „Die meisten kennen den Unterschied zwischen Tanne, Kiefer und Fjellbirke“, so Peter Horvath aus der Forschungsgruppe zu Aftenposten.

Der Wald rückt höher – und nördlicher

Die Forscher hatten festgestellt, dass die höchste registrierte Waldgrenze inzwischen bei 1334 Metern über dem Meer liegt – etwa  131 Meter höher als noch vor hundert Jahren. Und der Wald rückt nach Norden vor. Nun wollen sie es genau wissen. Auf der Internetseite des Projekts „Natur i endring“ werden alte Landschaftsbilder aktuellen gegenübergestellt: Der Vormarsch der Bäume ist dort gut zu erkennen. Zwar gibt es auch noch weitere Gründe für den zunehmenden Waldwuchs: In den Bergen wird weniger geweidet und abgeholzt als früher. Doch der Hauptgrund, so Horvath, seien die wärmeren Sommer. Auf den Bildern ist im Hintergrund auch der Rückzug der Gletscher zu erkennen. Die Beobachtungen sollen auch helfen, bessere Klimamodelle zu entwickeln.

DNT feiert in diesem Jahr sein 150-jähriges Bestehen. Mit der Teilnahme am Projekt will der Verein auch zu größerer Aufmerksamkeit für die Veränderungen beitragen. Für die fleißigen Datensammler gibt es verschiedene Preise zu gewinnen. Projektleiter Anders Bryn hofft aber, dass die Aktion auch bewusst macht, wie die Klimaveränderungen auch Norwegen betreffen –  es handle sich um mehr als „nur“ schmelzendes Eis in der Arktis.

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