Stefan Löfven ist erneut Schwedens Ministerpräsident

Stefan Löfven

Schwedens alter und neuer Ministerpräsident Stefan Löfven. Foto Kristian Pohl/ Regeringskansliet

Schweden. Bei zweiten Anlauf hat es geklappt: Der Sozialdemokrat Stefan Löfven ist erneut Ministerpräsident in Schweden. Er wird eine Regierung gemeinsam mit Miljöpartiet de gröna bilden, hat sich allerdings zuvor inhaltlich auch mit Centerpartiet und Liberalerna verständigt. Die Linkspartei (Vänsterpartiet) soll diesmal außen vor bleiben. Deren Stimmen – oder zumindest Enthaltungen – wurden jedoch auch benötigt, um Löfven zum Posten zu verhelfen. Welche Zugeständnisse Löfven den Linken genau machte, ist nicht bekannt.

Stefan Löfven geht nicht mit einer stabilen Basis in die nächste Wahlperiode: Für ihn stimmten nur 115 (Sozialdemokraten und Miljöpartiet, einer fehlte), es enthielten sich Centerpartiet, Liberalerna und Vänsterpartiet, gegen sich hatte er 153 Stimmen von den konservativen Moderaterna, Kristdemokraterna und Sverigedemokraterna (einer fehlte). Doch es gehört zu den Eigentümlichkeiten des schwedischen Systems, dass es die Nein-Stimmen bloß nicht die Hälfte der insgesamt 349 Sitze überschreiten dürfen.

Mit der neuen Konstellation, de facto eine Ampel, sind die alten Blöcke aufgelöst. Was das für die Zukunft bedeutet, wird sich zeigen.

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Schneemobil-Safaris sollen sicherer werden

Finnland. Der Winter des Nordens lädt zu Aktivitäten in der Natur ein. Manche davon sind in Mitteleuropa und südlichen Ländern gar nicht möglich. Umso ungeübter sind die, die sich bei ihrem Urlaub begeistert daran probieren – nicht immer unfallfrei. Ein Vertreter der finnischen Behörde für Produktsicherheit (tukes) ermahnte nun die Anbieter von Schneemobil-Touren, besser auf die Fähigkeiten ihrer Kunden zu achten. Darüber berichtete Yle.

Schneemobil See

Beliebt: Mit dem Schneemobil über den See, hier Ounasjärvi.

Das Wort  „Safari“  weckt die Assoziation des bequemen Dahingleitens und Geführt-Werdens.  Mit „Safari“ bezeichnen auch viele Schneemobil-Anbieter ihre Touren. Gut Informierte wissen, was auf sie zukommt und wählen das Angebot gerade deswegen. Doch es gebe auch solche, denen bei der Anmeldung nicht klar sei, dass sie das Schneemobil selbst steuern müssen, berichtet der Behördenvertreter bei Yle. Die Kundschaft auf solchen Ausflügen habe sich verändert: Früher seien es hauptsächlich motoraffine europäische Männer gewesen. Heute versuchten sich alle daran – auch Touristen aus Ländern, die Schnee nicht gewohnt sind und Eis nur aus dem Drink kennen. Und bei manchen reiche eine halbe Stunde Einführung einfach nicht.

Hintergrund seiner Kritik: Allein im Krankenhaus von Rovaniemi wurden 2017 rund 170 Menschen wegen Verletzungen aufgrund von Schneemobil-Unfällen behandelt. Ungefähr hundert von ihnen waren Touristen. Dies sei zwar wenig angesichts der Zehntausend, die an solchen Touren teilnehmen – aber dem Behördenvertreter doch zu viel. In dieser Saison waren es bisher bereits rund 30 verletzte Touristen.

Schneemobil: Allzweck-Fahrzeug des Nordens

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Schneemobile sind im Nord-Winter das Verkehrsmittel überhaupt. Wenn das Eis auf Flüssen, Seen und Sümpfen trägt und zugeschneit ist, ermöglichen sie ein vergleichsweise müheloses Vorankommen und Abkürzungen, die im Sommer gar nicht möglich sind. Rentierhalter nutzen sie, um ihre Tiere zu beaufsichtigen. Für andere ist es Freizeit-Spaß.   Natürlich darf man nicht überall damit fahren – und Skitourengänger, die die Natur genießen wollen, sind genervt von Lärm und Gestank. Geführte Schneemobil-Touren für Touristen durch die Winterlandschaft sind aber äußerst beliebt – in Finnland wie auch in Schweden oder Norwegen.

Schneemobil

Schneemobil: Allzweck-Fahrzeug auch mit Anhänger.

Zu den häufigsten Anfängerfehlern im Umgang mit dem Schneemobil gehört, in der Linkskurve aus Versehen mit der rechten Hand zuviel Gas zu geben – und dann landet man am nächsten Baum.  Tukes empfiehlt, die Teilnehmer einer Tour nach ihren Fähigkeiten einzuteilen.  Es gibt auch bereits technische Lösungen, die verhindern, dass Anfänger unabsichtlich extrem beschleunigen.

Tödliche Unfälle im Rahmen solcher geführten Touren seien aber selten, so ein Polizist aus Lappland bei Svenka Yle am Ende der vergangenen Saison. Schlecht endet häufig, wenn ein Fahrer mit seinem Gerät im Eis einbricht. Bei der Hälfte der jährlich fünf bis acht tödlichen Schneemobil-Unfälle war auch noch Alkohol im Spiel. Zumindest diesen Fehler können Anfänger ganz leicht vermeiden. Die Grenze liegt auch auf dem Schneemobil bei 0,5 Promille.

Mehr Wintersport: Eiszeit in Luleå

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50 Jahre Norwegen-Öl – und es geht weiter

Norwegen. Vor 50 Jahren entdeckte die amerikanische Phillips Petroleum Company, heute fusioniert mit Conoco, das Ekofisk-Feld – das erste große Ölvorkommen auf dem norwegischen Sockel. Das Öl machte Norwegen reich. Und geht es nach der Regierung, soll diese Quelle auch nicht so schnell versiegen: In der neuen Konzessionsrunde wurden mehr Lizenzen vergeben als jemals zuvor.

Johan Castberg

Zukunft der Ölförderung in der Barentssee: So soll die schwimmende Produktion im Johan-Castberg-Feld aussehen. Quelle Kåre Spanne/Grafisk geologi +print/Statoil

Der norwegische Staat verdient über verschiedene Steuern am Öl mit. Das Geld wird in einem Staatsfonds verwaltet, der inzwischen als der weltgrößte seiner Art gilt. Aktueller Wert auf dem Markt: Rund 8400 Milliarden norwegische Kronen, umgerechnet aktuell rund 862 Milliarden Euro. Darüber soll die gesamte Gesellschaft am Reichtum teilhaben, und es soll auch für kommende Generationen reichen, wenn das Öl verbraucht ist. Aus den Erträgen darf ein kleiner Teil für den Staatshaushalt entnommen werden. 2019 werden vom zuständigen Ministerium 289 Milliarden Kronen Nettoeinnahmen aus der Ölindustrie erwartet.

Das Ende der bekannten Vorkommen ist allerdings bereits in Sicht: Ölminister Kjell-Børge Freiberg sagte jüngst auf einem Seminar, auf dem norwegischen Sockel werde nur noch halb so viel produziert wie noch um die Jahrtausendwende. Er betonte aber die hohen norwegischen Umwelt- und Sicherheitsstandards. Das rechtfertige, dass Norwegen auch weiter Öl fördere – würde Norwegen verzichten, würden nur andere Lieferanten nachrücken. Und norwegisches Gas sei ein guter Ersatz für alte Kohlekraftwerke. In der jüngsten Konzessionsrunde für die bereits bekannten und gut erschlossenen Gebiete  wurden 83 Produktionslizenzen erteilt – so viele wie noch nie. 37 davon sind für die Nordsee, 32 für die Norwegische See und 14 für die Barentssee.

Riksrevisjonen kritisiert Aufsichtsbehörde

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Ganz unfallfrei sind die 50 Jahre Ölzeitalter in Norwegen allerdings nicht abgegangen, wie eine eigene Wikipedia-Seite dazu zeigt. Und es gäbe weiter Potenzial zur Verbesserung: Riksrevisjonen, das Kontrollorgan des norwegischen Parlaments, hat in seinem neuen Bericht heftige Kritik an der Aufsichtsbehörde der Öl- und Gasindustrie geübt (Petroleumtilsynet). Das thematisierten der Barents Observer und NRK. Zu den besonderen Problemfällen gehört dabei die Bohrinsel Goliat, die erste Ölbohrinsel in der Barentssee.

Nach Ersatz für die langsam versiegenden Vorkommen wird schon länger gesucht. Johan Sverdrup in der Nordsee könnte das letzte „einfache“ Projekt sein. Die Gasförderung mit Aasta Hansteen in der Norwegischen See ist schon sehr aufwendig. Und auch für Johan Castberg in der Barentssee  sind wieder neue Lösungen gefragt.

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Eisbrecher-Saison auf der Ostsee hat begonnen – auch für Touristen

Schweden/ Finnland. Nun friert das nördlichste Ende der Ostsee langsam zu. Der dritte finnische Eisbrecher ist auf dem Weg von Helsinki in den Norden, auf der schwedischen Seite sind bereits alle fünf in Luleå versammelt. Extra für Touristen starten kleinere Eisbrecher von Kalix, Kemi und Piteå aus – Bad inklusive.

Eisbrecher

Der finnische Eisbrecher Otso. Foto Arctia Ltd

Die Eiskarte zeigt es: Das offene Wasser in der Bottenwiek schrumpft, insbesondere auf der finnischen Seite. „In den kommenden Tagen Zuwachs und südliche Eisdrift“ lautet die Prognose – angesagt sind Temperaturen bis zu minus 20 Grad. Das Eis friert auch deshalb so schnell zu, weil die Ostsee dort kaum noch salzig ist – die großen Flüsse verdünnen sie mit viel Süßwasser.

Inselbewohner in den Schären können bereits mit Schneescootern übers Eis fahren. Doch die Industriehäfen in Luleå, Tornio, Kemi und Oulu sollen ja weiter bedient werden – Erz, Stahl, Edelstahl, Holz und Papier aus dem Norden müssen zum Kunden. Dafür sorgen die Eisbrecher, die in Abstimmung miteinander operieren. Auf der schwedischen Seite war bisher vor allem Ale im Einsatz, der kleinste der fünf schwedischen Eisbrecher. Seit heute ist auch Ymer unterwegs, und die übrigen drei  großen, inklusive des Forschungseisbrechers Oden, liegen in Luleå bereit. Das finnische Depot ist in Helsinki. Von dort ist nun Polaris unterwegs in den Norden, der weltweit erste Eisbrecher, der sowohl mit schwefelarmem Diesel als auch mit Flüssiggas fahren kann. Für ihn ist es es erst die dritte Saison. Er wurde aus dem Verkehrsprogramm TEN-T der EU kofinanziert. Bereits vor Ort sind Otso (Bereich Kemi-Tornio) und Kontio (Oulu-Raahe).

Eisspaziergang und Bad für Touristen

Während diese sich um die Berufsschifffahrt kümmern, bieten der finnische Eisbrecher-Senior Sampo (Abfahrt von Ajos/Kemi, Finnland), die 1976 in Deutschland gebaute Polar Explorer (Axelsvik/Kalix, Schweden) und die kleinere Arctic Explorer (Piteå, Schweden) Eisvergnügen für Touristen an. Auf diesen zwei-bis vierstündigen Touren kann man erleben, wie das „Eisbrechen“ funktioniert, man darf aussteigen und auf dem Eis herumlaufen, und wer will, kann sich im Überlebensanzug in das frisch aufgebrochene Wasser stürzen. Das ist zurzeit immerhin wärmer als die Luft.

Mehr zu Eisbrechern: Schwedischer Eisbrecher für einen Monat am Nordpol

Eiskarte vom 16.1.2019 des schwedischen und des finnischen Meteorologischen Instituts (SMHI/FMI, aktuellere Versionen hier). Grau bedeutet festes Eis, hellrosa neues Eis, hellgrün offenes Eis. (Letztes Update 16.1. 14.20 Uhr)

Eiskarte

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Spitzbergen: 332 000 Liter Diesel aus dem Havaristen entfernt

Spitzbergen. Der auf Grund gelaufene Krabbenfänger Northguider in der Hinlopenstraße bei Spitzbergen ist keine große Gefahr mehr für die Umwelt. Die 332 000 Liter Diesel sind komplett abgepumpt worden. Das meldete nun die norwegische Küstenschutzbehörde (Kystverket).

Northguider

Seit dem 28. Dezember liegt die „Northguider“ vor Nordaustlandet in der Hinlopenstraße auf Grund. Foto: Kystverket/Küstenwache

Das Fischereifahrzeug war am 28. Dezember vor Nordaustlandet im Spitzbergen-Archipel auf Grund gelaufen. Die 14-köpfige Mannschaft konnte mit Hubschraubern aus Longyearbyen von Bord geholt werden. Doch der Diesel an Bord des Schiffes galt als Umweltgefahr in dem sensiblen Gebiet. Und das Abpumpen war nicht einfach. Denn das eisgängige Küstenwachschiff KV Svalbard konnte dazu nicht einfach neben dem am Ufer liegenden Havaristen längsseits gehen.  Mit Polarcirkel-Booten, ausgeliehen von Hurtigruten Svalbard und im Sommer für Touristen im Einsatz, darin jeweils zwei 1000-Liter-Tanks, näherten sich die Helferteams abwechselnd dem Havaristen und pumpten den Diesel ab. Dann ging es damit zurück zur KV Svalbard im tiefen Wasser, wo wieder umgefüllt wurde.

Schlagseite, Kälte, Dunkelheit, Eisbären

Tanks

Mit Polarcirkel-Booten wurden die Tanks zum Havaristen gebracht. Foto Kystverket/Küstenwache

Die Bedingungen dabei waren nicht einfach: Die Northguider hat laut Kystverket eine Schräglage von 17 Prozent. Es herrschten zweistellige Minusgrade, Eisbildung und Dunkelheit – um diese Zeit wird es so weit im Norden mittags höchstens ein bisschen dämmrig. Das Küstenwachschiff beleuchtete die Aktion. Außerdem musste nach Eisbären Ausschau gehalten werden. Begonnen hatte die Aktion bereits am vergangenen Mittwoch. Wegen des Sturms musste man zwischendurch aus Sicherheitsgründen pausieren. Doch nach dessen Durchzug gab es ruhigeres Wetter und am Sonntag war das Team fertig. Es habe keine Verunreinigungen gegeben, so der Kystverket-Sprecher. Insgesamt waren rund 70 Helfer bei diesem Shuttle-Verkehr im Einsatz. Anschließend wurden auch die anderen Schmierstoffe und alles, was abtreiben und die Küste verunreinigen kann, entfernt oder gesichert (Quellen: Kystverket, NRK, Teknisk Ukeblad, Sysla.no, High North News).

Bergung des Schiffes noch unklar

Der Plan zum Abpumpen wurde gemeinsam mit der niederländischen Bergungsfirma entwickelt, die die Reederei angeheuert hat. Vertreter der Firma sind auch vor Ort. Wann und wie die Northguider geborgen werden kann, ist noch unklar. Der Schaden am Rumpf ist möglicherweise so groß, dass man den Trawler nicht einfach abschleppen kann. Bleibt er länger liegen, kann er bei schlechtem Wetter oder durch Eis aber noch weiter beschädigt werden. Die Hinlopenstraße ist für starke Strömung und Eisgang bekannt. Die Rechnung für das Abpumpen sowie für die Bergung muss die Reederei der Northguider bezahlen.

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