Neu: Geo Special Norwegen

Geo SpecialSeit einigen Tagen liegt das neue Geo Special in den Ladenregalen: Ein ganzes Heft über Norwegen – mit den Lofoten auf dem Titel. Norwegen-Spezialisten sagen jetzt vielleicht: Das reicht ja gar nicht. Das Land ist so vielfältig! Aber ein Geo-Themenheft ist ja auch kein Reiseführer, sondern eher der Weg dahin oder die Ergänzung desselben. Und in diesem Rahmen bietet die Ausgabe eine große Vielfalt. Der Schwerpunkt liegt logischerweise auf der Natur und wie man da hinkommt, inklusive Tipps von Kronprinz Haakon dazu. Norwegen mit dem Wohnmobil steht bei vielen auf der Wunschliste – im Heft kann man der Autorin und ihrem Lebensgefährten bei einer einwöchigen Klassiker-Route durch Fjell und Fjord über die Schulter sehen. Zu Fuß geht es durch den Jotunheimen-Nationalpark, mit F.K. Wächter in der Tasche auf die Lofoten, und eine ziemlich realistische Nordlicht-Geschichte kommt aus Tromsø. All das natürlich mit tollen Fotos, wie man es von Geo gewohnt ist. Dazu Oslo, Architektur, Küche, Portraits von Mensch, Tier und Troll… das ist schon ganz schön viel.

Man kann natürlich nörgeln, dass man nicht viel von Norwegens faszinierendem Wintergesicht sieht. Oder dass die Kultur der Samen eigentlich nur in einem Campingtipp erwähnt ist. Aber es muss ja auch noch was für das nächste Heft „Norwegen“ übrig bleiben.

 

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Touristen verschmutzen Bade-Höhle Grjótagjá – gesperrt

Island. Den Ort so sauber verlassen, wie man ihn vorgefunden hat – in der Grjótagjá, einer Höhle mit geothermisch aufgeheiztem Wasser, haben dies nicht alle Touristen beherzigt. Die Grundbesitzer haben nun den Zugang zunächst gesperrt. Darüber berichtete Morgunblaðið.

Grjótagjá

Grjótagjá. Foto Chrisdi98/ Wikimedia, CC BY-SA 3.0

Grjótagjá liegt im Mývatn-Gebiet im Nordosten Islands, südöstlich von Reykjahlíð. In diesem Bereich driften die Kontinentalplatten auseinander, was man auch an der Oberfläche sieht. Anders als in der Silfra-Spalte in þingvellir, wo das Wasser zwar schön klar, aber eiskalt (und tief) ist, ist es in der Grjótagjá geothermisch aufgeheizt. Die Höhle  wurde in der Vergangenheit von Einheimischen und Touristen zum Baden genutzt, daher stammt die Einteilung in einen Frauenteil (Kvennagjá) und einen für Männer (Karlagjá). Während der letzten Ausbruchserie des nahen Vulkans Krafla von 1975 bis 1984 wurde das Wasser jedoch zu heiß.

Zuletzt war die Temperatur im Bereich der Kvennagjá wieder soweit gesunken, dass Baden wieder möglich war, zumindest theoretisch. Die Eigentümer hatten das Baden per Schild verboten. Besucher sprangen trotzdem ins Wasser, und nicht nur das: Sie benutzten die Höhle als Toilette, wuschen dort ihre Schuhe und Geschirr, putzen ihre Zähne und einige schliefen auch dort, so eine der Grundbesitzerinnen in Morgunblaðið. In Vísir schätzt sie die Zahl der Besucher auf einige hundert täglich im Sommer.

Grjótagjá soll wieder Badestelle werden – aber mit Konzept

Der Eingang ist nun mit einem Gitter versperrt, durch das man hindurchsehen und fotografieren kann. Das soll allerdings nur eine temporäre Lösung sein – eigentlich wollen die Eigentümer den Bedürfnissen der Touristen durchaus entgegenkommen und ein Sanitärgebäude errichten. Doch dies muss erst genehmigt werden.

Ihr Traum sei, so heißt es bei Vísir, die Höhle wieder zu einer Badestelle zu machen – dann aber mit Personal, das für Sicherheit und Ordnung sorgt.

In der Nähe gibt es noch eine andere Höhle mit warmem Wasser, Stóragjá. Diese ist allerdings nicht ganz so besucherfreundlich – man kommt nur über Treppen und eine Leiter hinunter ans Wasser. Bestimmte Formen von Vandalismus erledigen sich so von selbst.

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Super-Sommer – hohe Brandgefahr

Norwegen/Schweden/Finnland. Lagerfeuerromantik im Wald ist zurzeit keine gute Idee – weder in Norwegen noch in Schweden oder Finnland. Seit gestern gilt auch in der schwedischen Region Norrbotten ein Verbot für offenes Feuer, wie schon an vielen anderen Orten. In großen Teilen Skandinaviens und Finnlands herrschen seit Wochen hohe Temperaturen und wenig Niederschläge.

Wetter

Baden ja, Grillen nein: Strand in Luleå.

Badekleidung statt Regenjacke – für Touristen und Einheimische ist es ein Super-Sommer. In Südnorwegen fiel gerade wieder ein Rekord: Mitte Juli gab es in Gulsvik nordwestlich von Oslo schon den 20. „Tropentag“ mit einer Tagestemperatur über 30 Grad. In Nordnorwegen war es bisher eher anders herum, doch nun soll auch dort das schöne Wetter kommen.

Feuerwehrleute können das allerdings nicht genießen: Sie werden seit Wochen durch Gras- und Waldbrände auf Trab gehalten. In Norwegen ist besonders der Süden betroffen, dort gab es laut NRK 250 bis 300 Brände allein in der vergangenen Woche. Da helfen auch Gewitter zwischendurch nicht – Blitzeinschlag war schon der Grund für mehrere Brände.

In Schweden brennt es laut SVT gerade an rund 70 verschiedenen Orten im ganzen Land – selbst nördlich des Polarkreises. Einzelne Gegenden sind auch schon evakuiert worden. Besonders problematisch ist ein Brandgebiet in Älvdalen in Dalarna, keine 100 Kilometer von der norwegischen Grenze, wo Schwedens zweitgrößter militärischer Übungsplatz liegt. Man fürchtet, dass nicht detonierte Munition durch die Hitze nun doch losgehen kann – deshalb verbietet sich das Löschen vom Boden aus, und selbst die „Wasserbomben“ von Hubschraubern wurden ausgesetzt. Die Brände verbreiteten sich gestern Abend noch unkontrolliert, meldete SVT. Bedroht ist auch der Radiomast von Sveg.

In Finnland werden die nächsten Tage überall Temperaturen um die 30 Grad erwartet – selbst im nördlichen Lappland. Zwischenzeitlich hatte es zwar auch geregnet, doch allein in Lappland gab es laut Yle rund zehn Feuerwehreinsätze im Gelände am vergangenen Wochenende.

Hier können Sie die Brandgefahr in den einzelnen Ländern selbst nachsehen:

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Hilfe vom Himalaya auf dem Weg zum Kebnekaise

Schweden. Der Kebnekaise ist mit knapp 2100 Metern Schwedens höchster Berg und entsprechend attraktiv für Bergwanderer. Um den Weg sicherer zu machen, lässt die Region Norrbotten an besonders schwierigen Stellen Stufen anlegen. Die Arbeit machen Sherpas aus dem Himalaya – ab nächste Woche sind sie wieder vor Ort. Darüber berichtet SVT.

Kebnekaise

Wenn der Kebnekaise ruft.

Tausende von Menschen versuchen dort jedes Jahr ihr Glück, nicht immer erfolgreich. Nicht nur die Strecke selbst ist eine Herausforderung, das Wetter kann auch schnell umschlagen. Zwei Wege führen auf den Kebnekaise – der westliche (Västra Leden) ist neun Kilometer lang, von der Bergstation aus gemessen, der östliche (Östra Leden) sieben. Västra Leden gilt als anstrengende Wanderung mit insgesamt 1800 Höhenmetern, aber ohne ernsthaft gefährliche Stellen. Auch im Sommer kann es noch Stellen mit Schnee geben. Dieser Weg wird denen empfohlen, die weniger Erfahrung haben.

Östra Leden ist kürzer und direkter (1400 Höhenmeter), aber auch steiler und schwieriger und wird nur erfahrenen Kletterern empfohlen. Er führt auch ein Stück über den Gletscher.

Kebnekaise Fjällstation

Kebnekaise Fjällstation (STF)

Mit dem Bau von Steinstufen wurde bereits 2016 begonnen. Es handelt sich um steile und steinige Etappen im Kitteldalen (Vänsta Leden), wo häufig Menschen stürzen – speziell auf dem Rückweg, wenn sie müde sind und frieren. 75 Meter fehlen noch, die in diesem Sommer fertig werden sollen. Alles ist Handarbeit – nur einige schwere Steine werden mit dem Hubschrauber angeflogen. Die Männer aus dem Himalaya sind Spezialisten auf diesem Gebiet und haben ihre eigene Technik, schwere Lasten zu tragen.

Schon mehr als 100 Projekte in Norwegen mit Sherpa-Hilfe

Es war ein Norweger, Geir Vetti, der kurz nach der Jahrtausendwende zunächst vergeblich nach Hilfe für den Aufbau eines Hofes in den Bergen suchte und sich schließlich an Sherpas in Nepal wandte. Seitdem sind Sherpas in den norwegischen Bergen schon für mehr als 100 Projekte angestellt worden, wie NRK berichtet – auch zum Ausbessern des Weges zum beliebten Preikestolen. Und Tromsøs Fjellheisen hat inzwischen an steilen Stellen Stufen, was die Popularität erhöht hat. Für die Sherpas ist es gutes Geld für ihr vom Erdbeben 2015 zerstörtes Land. Nun sind ihre Dienste auch in Schweden gefragt. Wanderer zeigten sich bisher dankbar und auch die Zahl der Unglücke soll laut SVT bereits abgenommen haben, seit die erste Etappe fertig war.

Mehr zum Besteigen des Kebnekaise:

Ältere Artikel rund um den Kebnekaise:

 

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Wider den Kahlschlag im finnischen Wald

Finnland. Rund 40 000 Finnen haben die Nase voll. Sie fordern ein „Ende der Kahlschlag-Praxis“ in den staatlichen Wäldern und haben die Petition „Avohakkuut historiaan“ unterschrieben, die fünf Naturschutzorganisationen gemeinsam gestartet haben. Sie fordern eine andere Forstwirtschaft.

Kahlschlag

Schnell, billig, umstritten: Kahlschlag in Finnland. Foto Jani Sipilä, Greenpeace

Finnland ist das waldreichste Land in Europa. Nach der Berechnungsmethode von Destatis sind 73,1 Prozent der Fläche bewaldet, Schweden folgt mit 68,9 Prozent. Zum Vergleich: Österreich bringt es auf 46,9, Deutschland auf 32,7 und die Schweiz auf 31,7 Prozent. 95 Prozent der finnischen Wälder werden nach Kriterien bewirtschaftet, die Nachhaltigkeit sichern sollen – 85 Prozent sind  nach Angaben der staatlichen Behörde Metsäkeskus nach PEFC zertifiziert (Programme for the Endorsement of Forest Certification), knapp zehn Prozent nach den strengeren Regeln des FSC (Forest Stewardship Council).  Im vergangenen Jahr, Finnlands 100-jährigem Bestehen als selbstständiger Staat, wurden außerdem die Schutzgebiete mit einem speziellen Programm ausgeweitet.

Kahlschlag, also das gleichzeitige Abholzen größerer Flächen, ist in Finnland immer noch übliche Praxis. Es ist die schnellste und wirtschaftlichste Methode, Holz zu ernten. Dagegen wendet sich nun die Initiative der fünf Umweltverbände mit ihrer Petition, die eine Diskussion in den Medien und in der Gesellschaft ausgelöst hat. Der finnische Naturschutzverband (Suomen luonnonsuojeluliitto), Greenpeace Finnland, Luonto-Liitto, BirdLife und Natur och Miljö propagieren statt dessen eine Forstwirtschaft, die alle zehn bis 20 Jahre gezielte Eingriffe vornimmt, die das System Wald und die Tiere darin weniger beeinträchtigen. Dadurch blieben auch die Nährstoffe im Boden erhalten, die bei Kahlschlag auswaschen. Und der Wald könne sich auf natürliche Weise verjüngen – Anpflanzungen seien nicht nötig.

Kahlschlag

Bis hier wieder große Bäume stehen, dauert es. Foto Jani Sipilä, Greenpeace

Auch als Naherholungsgebiet sind Kahlflächen weniger attraktiv. Ein Negativbeispiel, das Svenska Yle nennt, ist die Abholzung von 10 Hektar in Evois bei Tampere, was bei der Bevölkerung große Empörung hervorrief. Danach überarbeitete die Forstbehörde ihre Richtlinien.

Geht es nach den Umweltverbänden und ihren Unterstützern, darf dies gerne noch gründlicher geschehen. Der Staat soll mit gutem Beispiel vorangehen: Immerhin ein Drittel des finnischen Waldes ist in staatlicher Hand, vor allem in Nord- und Ostfinnland. Sorgen macht den Umweltverbänden auch, dass 2017 soviel abgeholzt wurde wie noch nie – 63 Millionen Kubikmeter Stammholz und neun Millionen Kubikmeter für Hackschnitzel und Brennholz. Dies sei auf Dauer nicht nachhaltig.

Die schonendere Methode wird bereits benutzt, allerdings nur für einen kleinen Teil des Waldes, vor allem in Lappland, wie Svenska Yle berichtet. Die Kahlschlag-Methode hat auch nicht nur aus wirtschaftlichen Gründen Befürworter: Manche Baumarten brauchten einfach viel Licht.

50 000 Unterschriften werden benötigt, damit die Petition im Parlament vorgelegt werden kann. Der Vertreter von Natur och Miljö zeigte sich im Interview optimistisch, dass dies bald erreicht ist.

Mehr zum finnischen Wald:

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Ältestes Kola-AKW soll bis 2033 laufen

Russland. Der älteste Block des AKW auf der Kola-Halbinsel feierte gerade seinen 45. Geburtstag – und erhielt eine Laufzeitverlängerung bis 2033. Darüber berichtete der Barents Observer nach einer Pressemitteilung von Rosenergoatom.

Kola AKW

Block 1 des AKW Kola. Foto Rosenergoatom

Das Atomkraftwerk Kola (Кольской АЭС), bisher das einzige jenseits des Polarkreises, besteht aus vier Blöcken vom Typ WWER 440, von denen zurzeit nur zwei am Netz sind. Es liegt am Imandra-See südlich von Murmansk, etwa 100 Kilometer von der finnischen Grenze entfernt.  Block 1, der älteste, ist gerade für eine umfangreiche Modernisierung abgeschaltet, Block 4 gilt nur noch als Reserve. Block 1 wurde 1973 kritisch und sollte eigentlich nur bis 2003 laufen, erinnerte der Barents Observer bereits im April. Und daran, dass die IAEA in einem Report von 1992 rund 100 Sicherheitsmängel an den Reaktoren des Typs WWER 440/230 feststellte. Dazu gehören die Blöcke 1 und 2 in Kola. Sie wurden damals aufgerüstet.  Inzwischen sind sie die einzigen dieses Typs, die noch in Betrieb sind, alle anderen, darunter das Kernkraftwerk in Greifswald, sind inzwischen abgeschaltet. Die aktuellen Arbeiten an Block 1 sollen die Sicherheit weiter verbessern, sodass das Werk bis 2033 laufen kann – doppelt so lange wie ursprünglich geplant.

Atomkraft am Polarkreis

Atomkraft am Polarkreis. Karte mit Hilfe von stepmap.

Atomphysiker Nils Bøhmer von der norwegischen Umweltorganisation Bellona sagte zum Barents Observer, er sei sehr besorgt über diese Laufzeitverlängerung. Auch wenn es einige Verbesserungen gebe, so werde dieser veraltete Reaktor niemals die heutigen Sicherheitsstandards erreichen können.

Russland hat auch weitergehende Atompläne: In Murmansk wird gerade die Akademik Lomonosov, ein schwimmendes Atomkraftwerk, fertig ausgerüstet für einen Einsatz auf der Tschuktschen-Halbinsel. Russland ist allerdings nicht das einzige Land im Norden, das weiter auf Atom setzt. Norwegen hatte nie Atomkraftwerke und will nun auch seinen Forschungsreaktor in Halden abschalten.  Schweden hat immerhin Barsebäck – gegenüber Kopenhagen – komplett vom Netz genommen, in Ringhals, Oskarshamn und Forsmark laufen aber Blöcke weiter. Und Finnland hat nicht nur alte Reaktoren in Olkiluoto und Lovisa in Betrieb, sondern auch zwei neue Projekte: Olkiluoto 3 von Areva und Siemens machte bereits wegen Verspätung, Baumängeln und erhöhter Kosten Schlagzeilen und soll voraussichtlich in 2019 in Betrieb gehen. In Pyhäjoki südlich von Oulu laufen zwar schon die vorbereitenden Bauarbeiten, mit einer Baugenehmigung für den Reaktor wird zurzeit aber erst 2020 gerechnet. Hier kooperieren finnische Unternehmen (wieder) mit Rosatom.

Mehr zu Pyhäjoki: Neues Atomkraftwerk für Finnland?

Mehr zu Russlands schwimmendem Atomkraftwerk:

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Grönländisches Dorf fürchtet Flutwelle

Grönland. Vor dem grönländischen Dorf Innaarsuit ist ein riesiger Eisberg gestrandet. Die Bewohner fürchten nun, dass Teile davon abbrechen und eine Flutwelle verursachen. Darüber berichtet KNR. Inzwischen wurde der Ort teilweise evakuiert – diejenigen, die in niedrigen Bereichen wohnen, wurden gebeten, ihre Häuser zu verlassen und fanden Schutz bei Bekannten weiter oben. Die Behörden versichern, die Situation genau zu beobachten. Innaarsuit hat rund 150 Einwohner.

Das Video von Oline Nielsen aus Innaarsuit zeigt, wie schon ein kleiner Abbruch Wellen auslöst, die bis ins Dorf kommen.

Vor einem Jahr verursachte ein Erdrutsch in Grönland einen Tsunami, der vier Menschen das Leben kostete. Zwei Dörfer sind bis heute evakuiert, weil ein weiterer Erdrutsch dort wahrscheinlich ist.

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Sommer-Norwegen: Livesendung vom Wanderpfad

Norwegen. Falls Sie demnächst in den norwegischen Bergen unterwegs sind und es kommt Ihnen ein Trupp Menschen mit auffällig vielen Kameras und merkwürdigen Rucksäcken entgegen – dann könnte es sein, dass Sie gerade der Sendung „Monsen minutt for minutt“ ins Bild laufen. Das norwegische Fernsehen (NRK) folgt seit gestern dem Outdoor-Experten Lars Monsen vier Wochen lang in vier verschiedenen Regionen.

Hardangervidda

Hardangervidda. Foto pixabay

Wandern und „friluftsliv“ gehören für die meisten Norweger einfach dazu. Diese Kultur würdigt NRK dieses Jahr mit seinem Sommerprogramm und hat mit Lars Monsen jemanden engagiert, der sich damit bestens auskennt. Der 55-jährige Norweger mit samischen Wurzeln hat nicht nur das eigene Land zu Fuß durchquert, sondern auch Kanada und Alaska, mit und ohne Kamera. Er lief auch den Nordkalottvegen durch Norwegen, Finnland und Schweden für eine Serie bei NRK. Im Winter ist er außerdem auf dem Hundeschlitten zu finden und nahm an Rennen wie dem Femundløpet und dem Finnmarksløpet teil.

Monsen und sein Team starteten gestern von der Dyranut Turisthytte zu einer vier Tage langen Tour über die Hardangervidda.  Die größte Herausforderung hatte das NRK-Team da schon hinter sich: die übliche Studioausrüstung für diese Livesendung derart schrumpfen, dass sie von einer Person auf dem Rücken getragen werden kann. Mit dieser Mini-Version, die NRK  auf seiner Webseite vorstellt, soll sich der Entwickler zum Test auch unter die Dusche gestellt haben, damit sie auch für den „norwegischen Sommer“ taugt. Am ersten Tag herrschte allerdings schönstes Wetter. Der Träger dürfte mit den 32 Kilogramm auf dem Rücken aber etwas neidisch auf Mitwandernde mit „normalen Rucksäcken“ geblickt haben.

Lars Monsen

Lars Monsen. Foto Eirik Helland Urke/ CC BY-SA 2.0

Nach der Hardangervidda-Tour geht es weiter durch Jotunheimen, Skandinaviens höchstes Gebirge, mit Start am 18. Juli  an der Bøvertun Skystation. Diese Strecke wird fünf Tage dauern. Danach verlagert sich der Fokus in den hohen Norden: Vom 25. bis 28. Juli gehen Monsen und das Team einzelne Etappen in den Vesterålen, vom 1. bis zum 5. August wandern sie vom Rostadalen im Inland von Troms bis zum Gálgojávri.

Wer mitwandern will, ist herzlich eingeladen, trägt aber selbst die Verantwortung für Ausrüstung und Sicherheit. Im Zuge des Programms geht es natürlich auch um alles rund um das Bergwandern. Die wichtigsten Tipps zur Ausrüstung von Monsen: eine winddichte Jacke – und den Rucksack nicht zu schwer werden lassen.

Mehr zu Wandern in Norwegen:

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Rätselhafter Wal auf Island gefangen

Island. Seit bekannt ist, dass in diesem Jahr wieder Finnwale gefangen werden sollen, steht Island unter besonderer Beobachtung von Tierschutzorganisationen. Bilder von hard to port zeigen: Der neueste Fang war gar kein Finnwal, sondern entweder ein geschützter Blauwal oder ein seltener Hybride.

Walfang

Blauwal oder Hybrid? Foto hard to port

Insgesamt 22 Finnwale haben die beiden Fangboote der Hvalur hf von Kristján Loftsson in den ersten drei Wochen gefangen, wie mbl.is berichtet. Sie werden in einer speziell dafür gebauten Station am Hvalfjörður an Land gezogen und zerlegt. Dies geschieht unter freiem Himmel  – Sea Shepherd hat eine solche Aktion mit einer Drohne gefilmt und ins Netz gestellt.

Auch hard to port, eine Organisation aus Emden, Niedersachsen, die sich aus Protest gegen den isländischen Walfang gegründet hat, verfolgt das Geschehen dort und machte nun darauf aufmerksam, dass Wal Nummer 22 kein Finnwal ist, sondern entweder ein Blauwal, der geschützt wäre, oder einer der sehr seltenen Blauwal-Finnwal-Hybriden (die nicht geschützt sind).

Isländische Medien nahmen das auf.  Nach den Bildern handele es sich um einen Hybriden, aber ein endgültiges Ergebnis könne nur ein DNA-Test bringen, so ein Biologe bei mbl.is. Das isländische Meeresforschungsinstitut war bereits informiert worden.  Von allen gefangenen Walen werden DNA-Proben entnommen, die üblicherweise erst am Ende der Saison ausgewertet werden. Von dem Ergebnis dürfte abhängen, welche Folgen der Fang des „falschen“ Wals für Loftsson hat.

Kein Markt für Finnwal-Fleisch

Insgesamt darf Hvalur hf 191 Finnwale fangen. Es gibt allerdings gar keinen Markt für dieses Walfleisch – auf Island wird höchstens Minkwal gegessen. Loftsson glaubt, er könne es nach Japan verkaufen. Japan hatte in der Vergangenheit schon isländisches Walfleisch abgelehnt. Loftsson, so berichteten Medien in der Vergangenheit, finanziere die Walfängerei bisher durch seine Gewinne beim Fischerei-Riesen HB Grandi. Seine Anteile daran hat er allerdings dieses Jahr verkauft.

Die isländische Bevölkerung steht dem Walfang gespalten gegenüber, wie jüngst eine Umfrage zeigte. „Ohne die Unterstützung unserer isländischen Freunde wäre unsere Arbeit nicht möglich“, schreibt  hard to port auf Facebook. Isländische Whale-Watching-Organisationen zeigen deutlich Flagge gegen den Walfang und appellieren auch an die Touristen, auf der Insel kein Walfleisch zu essen: „Meet us, don’t eat us“.

Das Walfleisch, das in manchen Restaurants angeboten wird, stammt vom Minkwal (Zwergwal). Der wird dieses Jahr ebenfalls wieder gejagt, von der Reederei IP Útgerð. Bisher wurden laut RÚV sechs Tiere erlegt. Das neue Walschutzgebiet erschwert den Fang.

Mehr zu Walfang und Walschutz auf Island:

 

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Kiruna: Sprünge im Boden – See ohne Wasser

Kiruna. Das Wetter ist zurzeit durchaus sommerlich in Nordschweden. Dass der See Yli Lombolo in Kiruna größtenteils trocken liegt, hat aber nicht mit der Wärme zu tun. Sein Zufluss ist durch Bergbau-Schäden gestört. Nun will das Grubenunternehmen LKAB diesen komplett verrohren und mehr Wasser dort hineinpumpen. Darüber berichteten SVT und Norrbottens Media.

See Modell

Die orange Grenze auf diesem Modell markiert, welche Teile von Kiruna künftig von den Schäden betroffen sind. Im roten Kreis: der See Yli Lombolo.

Der Yli Lombolo ist kein großer oder auffälliger See. Man kann ihn allerdings von der E 10 aus sehen, schräg dahinter befindet sich noch das Feuerwehrgerätehaus. Er ist fast ganz von Bäumen und Büschen umgeben und bietet Lebensraum für viele Vogelarten. Nun ist er fast leer, als hätte jemand den Stöpsel gezogen, und so ähnlich ist es auch. Das Zufluss -Wasser verschwindet vorher in Sprüngen im Boden, entstanden durch den Abbau des Erzes darunter – der Grund, weshalb in Kiruna auch bereits an einem Umzug des Stadtzentrums gearbeitet wird. Der wasserlose See ist nur ein weiteres Kapitel dieser komplizierten Geschichte.

Einen natürlichen Zufluss hat der Yli Lombolo schon lange nicht mehr: Der kam urspünglich vom großen See Luossajärvi über den Bach Luossajokki. Doch der südliche Teil des Luossajärvi wurde in den vergangenen Jahrzehnten trockengelegt, damit man das Erz darunter abbauen konnte. Das Wasser, inklusive Oberflächenwasser der Umgebung,  fließt nun teils durch ein Rohr, auf dem letzten Stück durch einen offenen Graben weiter zum Yli Lombolo. LKAB will nun auch dieses letzte Stück verrohren, damit das Wasser nicht mehr verloren geht.

Blick über den See

Blick über den Yli Lombolo auf Kiruna (Archivbild).

Dass der kleine See früher oder später ebenfalls von den Bergbauschäden betroffen sein würde, ist unter anderem in der Umweltfolgenabschätzung zum inzwischen beschlossenen Bebauungsplan „Gruvstadsparken II“ detailiert dargestellt. Dort wird empfohlen, dass sein Wasserspiegel so lange wie möglich erhalten werden soll. Zum einen der Vögel wegen, zum anderen, weil sich aus dem Yli Lombolo wiederum ein Zufluss für den großen Ala Lombolo speist. Selbst wenn der noch Wasser hat, ist er als Badesee nicht zu empfehlen: Dort befinden sich nicht nur große Mengen Quecksilber aus einem früheren LKAB-Labor im Sediment, wie in den 1990er Jahren entdeckt wurde. In den 1950er Jahren wurde auch noch Munition darin entsorgt. Der Ala Lombolo gilt als Norrbottens verschmutztester See. Ein Sanierung ist geplant.

Sauberes Wasser und unberührte Natur gibt es dann einige Kilometer weiter wieder – Richtung Berge.

Hintergrund: Kiruna – eine Stadt zieht um

Bilder – auch zu Kirunas schönen Seiten: Bildergalerien Kiruna

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