Rekord-Lieferung für den Saatgutspeicher auf Spitzbergen

Spitzbergen (Norwegen). 36 Genbanken von mehreren Kontinenten deponierten gestern Samenpakete im Saatgutspeicher auf Spitzbergen. Nie zuvor kamen so viele Institutionen gleichzeitig zu der international als Svalbard Global Seed Vault oder auch Doomsday Vault bekannten Einrichtung. Insgesamt liegen dort nun mehr als eine Million beschrifteter Pakete von 85 Instituten.

Anlieferung Saatgut

Anlieferung von Saatgut am Saatguttresor. Foto Riccardo Gangale/ Svalbard Global Seed Vault

Die Hoffnung hinter dem gewaltigen Saatgutlager im frostigen Norden ist, dass diese genetische Vielfalt helfen kann, Hungersnöte zu vermeiden – wenn Umweltbedingungen sich ändern oder die Vorräte im Lager vor Ort vernichtet wurden. Die Bewahrung der genetischen Vielfalt von Nutzpflanzen, Nutztieren und ihrer nahen wilden Verwandten ist auch ein Nachhaltigkeitsziel der UN.  Es soll dieses Jahr erfüllt werden, als ein Teilziel zur Abschaffung des Hungers. Norwegens Premierministerin Erna Solberg und ihr Amtskollege aus Ghana, Nana Addo Dankwa Akufo-Addo, leiten diese UN-Arbeitsgruppe und waren bei der großen Einlagerung auf Spitzbergen anwesend.

Svalbard Globale frøhvelv, wie es auf Norwegisch heißt, wurde 2008 eröffnet und wird finanziert vom norwegischen Landwirtschaftsministerium. Die Lagerung von Saatgut ist kostenlos. Betrieben wird es von Nordischen Zentrum für Genressourcen und dem Global Crop Diversity Trust. Zu denen, die gestern zum ersten Mal Saatgut dort deponierten, gehörten die Cherokee Nation (USA), das Institut National de la Recherche Agronomique (Marokko), das deutsche Julius Kühn Institut und Baekdudaegan National Arboretum aus Südkorea.

Nicht nur Saatgut lagert auf Spitzbergen

Das markante Gebäude am Rand von Longyearbyen hat seit seinem Umbau auch ein Besucherzentrum. Es ist allerdings nicht der einzige Ort auf Spitzbergen, wo wertvolle Dinge aufbewahrt werden. In einer stillgelegten Grube hat sich das Arctic World Archive eingerichtet. Dort werden Daten entgegengenommen, die auf PiqlFilm gespeichert sind, einer speziell für lange Zeiträume entwickelten Technologie der norwegischen Firma Piql. Das Archiv wurde im März 2017 eröffnet. Dort lagern inzwischen in digitaler Kopie eine Sammlung zum norwegischen Volksglauben, eine Dokumentation der Europäischen Raumfahrtbehörde zum ersten Weltraumstart 1991,  historische thailändische Aufzeichnungen aus der Zeit um 700 sowie Material aus der Vatikan-Bibliothek, inklusive einer Unterschrift von Galileo Galilei.

Frühere Artikel zum Thema:

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Free Julian Assange!

Aus aktuellem Anlass:

Der Prozess zur Auslieferung von Julian Assange an die USA verstößt gegen grundlegende Prinzipien der Rechtsstaatlichkeit.

Gewaltenteilung, Unabhängigkeit der Justiz, Rechtsstaatlichkeit und Pressefreiheit gehören zu den elementaren Bestandteilen eines demokratischen Systems. Der Umgang mit Julian Assange in den vergangenen Jahren lässt massive Zweifel daran aufkommen, dass wir uns in Europa bedingungslos darauf verlassen können.

Wenn die Veröffentlichung wahrer Tatbestände bestraft wird: Was kommt als Nächstes?

„His right to publish is our right to know“

  • Zur Vorgeschichte: Nils Melzer, UN-Sonderberichterstatter für Folter: „J‘ accuse“(deutsch, erstes Mal lesen kostenfrei) sowie speziell zu den Vorgängen in Schweden
  • Zum ersten Prozesstag und der dort geäußerten Vorstellung von Pressefreiheit: Craig Murray

Früherer Artikel zum Thema: Schweden stellt Ermittlungen gegen Julian Assange ein

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Barentssee: Eiskante auf Kollision mit Ölplänen

Norwegen. Wo verläuft die Eiskante in der Barentssee? Wissenschaftler haben darauf eine Antwort, die dieses Jahr noch für Sprengstoff in der Politik sorgen könnte. Denn die Antwort der Wissenschaftler kollidiert mit der aktuellen norwegischen Ölpolitik.

Eiskarte Barentssee

Der aktuelle Verlauf der Eiskante in der Barentssee (vergrößerbar) Quelle: Istjenesten Norge

Die Wissenschaftler des norwegischen Meeresforschungsinstitutes sprechen lieber von einer „Eiskantenzone“ („Iskantsonen“) als von einer Eiskante. Denn es handelt sich ja nicht um eine glatte Linie, sondern um die Übergangszone zwischen dem dichten arktischen Packeis und dem offenen Meer. Als deren südliche Grenze, als „Eiskante“ gilt, wo die Eiskonzentration nur noch 15 Prozent beträgt. Diese kann sich praktisch täglich ändern. In einer Pressemitteilung des Instituts zeigt Meeresforscherin Randi Ingvaldsen die Veränderungen im April 2019, dem Monat mit der größten Eisausdehnung. Die Unterschiede sind extrem. Die südliche Grenze reicht bis Bjørnøya und bis zu einem Gebiet, für das bereits Suchlizenzen für Öl vergeben wurde.

Ölförderung nur südlich der Eiskante?

In der norwegischen Politik gab es bisher den Konsens, dass nur südlich der Eiskante nach Öl gesucht werden soll. Wo die zukünftig verlaufen soll, sollten Wissenschaftler klären. 2015 änderte die Verwaltung aber bereits ihre Referenzperiode. Berücksichtigt wurde nun die Eisausdehnung der Jahre 1985 -2014, in denen sich das Klima und auch die Barentssee insgesamt erwärmt hat. Damit rückte die Grenze nördlicher als die frühere mit einer älteren Referenzperiode. Üblich ist bisher die „30-Prozent-Frequenz“, das heißt: An dieser Grenze besteht 30 Prozent Wahrscheinlichkeit, dass im April Eis liegt. So kam es zu der Ausschreibung von Suchlizenzen bis zur Höhe von Bjørnøya, nur weiter östlich – wo im April 2019 dann zeitweise Eis lag.

Forschungsinstitute vs. Ölbehörde

Eiskante April 2019

Verlauf der Eiskante im April 2019 (vergrößerbar). Quelle der Karte: Havforskningsinstituttet. Quelle der Daten: Eiskante NSIDC, Eisfrequenz Norsk Polarinstitutt, Lizenzgebiete Norsk Petroleum

Der Rat des Expertenforums wurde im vergangenen Jahr fertiggestellt und beinhaltete zunächst zwei verschiedene Berechnungsmethoden: Die 30-Prozent-Frequenz wie zuletzt schon praktiziert oder eine „maximale Eiskante“ auf einer Höhe, in der nur mit 0,5 Prozent Wahrscheinlichkeit im April Eis anzutreffen ist. Wie Aftenposten später aufklärte, waren das Meeresforschungsinstitut, das norwegische Polarinstitut und die Umweltbehörde für die maximale Eiskante. Die Grenze müsste dann weiter südlich gezogen werden als die aktuelle. Lediglich die Ölbehörde war für die Variante mit der nördlichen Eiskante. Der Unterschied beträgt 150 000 Quadratkilometer.

Die Eiskantenzone ist für die Lebewesen in der Barentssee sehr wichtig. Der Rhythmus von Vereisung und Schmelze im Frühjahr fördert unter anderem das Planktonwachstum, es handelt sich um eine biologisch sehr aktive Zone. Ölsuche und Förderung würden dies stören, ein Unfall hätte massive Folgen. Ingvaldsen und ihre Kollegen plädieren deshalb dafür, dass die Grenze auch auf dem Papier so gezogen wird, dass sich die wichtige Eiskantenzone tatsächlich nördlich davon befindet.

Barentssee wird seit 2016 kälter

Untermauert wird diese Position der „Maximalen Eiskante“ dadurch, dass die Barentssee seit 2016 kälter geworden ist und damit die Eiskantenzone wieder nach Süden wandert. Dabei handele es sich um natürliche Variationen, die beobachtet werden, seit das Institut vor 70 Jahren anfing, die Temperatur der Barentssee zu messen, erklärt Ingvaldsen. Entscheidend sei, wie viel Wärme der Atlantikstrom mit sich bringe. Dieser Ausläufer des Golfstroms heizt zuvor die norwegische Küste und sorgt dort für eisfreie Häfen, bevor er Richtung Spitzbergen zieht. Und seine Temperatur variiert.

Die politische Entscheidung, was als „Eiskante“ und damit als nördlichste Grenze für die Ölindustrie gelten soll, ist für dieses Jahr vorgesehen. Langfristig rechnen allerdings alle mit einer sich nach Norden verschiebenden maximalen Eiskante aufgrund der Klimaerwärmung.

Gegen die Ölsuche in der Barentssee haben Umweltorganisationen geklagt und auch Berufung gegen das jüngste Urteil eingelegt: Norwegen-Öl: Umweltorganisationen verlieren im Klimaprozess

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Schwedens Berge neu vermessen: Acht höher als 2000 Meter

Schweden. 200 Berggipfel in Schweden sind neu vermessen worden – und manche Berge danach deutlich gewachsen. Acht schafften es über die 2000-Meter Marke. Doch an der Spitze bleibt derselbe: Kebnekaise. Darüber berichteten SVT und P4 Jämtland.

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Sägewerk-Streik in Finnland beendet

Finnland. Beinahe vier Wochen dauerte der Streik in den finnischen Sägewerken, länger als in den Papiermühlen. Doch nun wurde ein Ergebnis erzielt auf das sich beide Seiten einigen konnten. Darüber berichtete Yle News. Zur Vorgeschichte: Finnland: 70 Papier- und Zellulosefabriken werden bestreikt

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Orca aus Island vor der Küste des Libanons gesichtet

Island/Libanon. Schwertwale sind zwar weltweit unterwegs, aber selten im Mittelmeer. Nun ist einer vor der Küste des Libanons gesichtet worden. Dieser ist sogar identifiziert: 2017 wurde er zuletzt vor Snæfellsnes, Island, fotografiert. Es handelt sich um die längste dokumentierte Strecke, die ein Orca je geschwommen ist. Das meldete Orca Guardians Iceland.  Die Walschützer machen sich allerdings Sorgen um den Gesundheitszustand.

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IMO: Dem Verbot von Schweröl in der Arktis ein Stück näher

Arktis.  Ab 2024 könnte das Schweröl aus der Arktis verschwinden – doch es soll bis 2029  Ausnahmen für die Anrainerstaaten geben. Auf diesen Entwurf einigte sich die  zuständige Arbeitsgruppe der Internationalen Seeschifffahrts-Organisation (International Maritime Organization, IMO) gestern auf ihrem Treffen in London. Darüber berichtete Lloyd’s List.

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