Mehr als 500 erwachsene Polarfüchse – aber Inzuchtgefahr

Norwegen/Schweden/Finnland. Der Bestand an Polarfüchsen in Skandinavien und Finnland hat sich in den vergangenen Jahren stabilisiert – nicht zuletzt dank des ausgesetzten Nachwuchses aus einem Zuchtprogramm. In diesem Winter wurde nun der 500. junge Polarfuchs aus dem Zuchtprogramm des Norwegischen Instituts für Naturforschung (NINA) ausgesetzt. Sorgen macht den überwachenden Biologen allerdings die zunehmende Inzucht in Teilbeständen. Darüber berichtete auch NRK.

Freilassung der Polarfuchs-Welpen in Reisa Nord im Winter 2026. Foto Kristine Ulvund & Craig Jackson / NINA

Der 500. Polarfuchs des Zuchtprogramms tummelt sich nun in Reisa Nord in Nordnorwegen, zusammen mit 16 anderen aus der Zuchtstation in Oppdal im Trøndelag. Acht weitere wurden auf der Varangerhalbinsel ausgesetzt. Wie NINA erklärt, erwartet man in Indre Troms und weiter nördlich ein gutes Jahr für Kleinnager, was eine wichtige Voraussetzung ist, damit die Polarfüchse auch überleben. Seit Beginn des Zuchtprogramms vor 20 Jahren wurden laut NINA 519 jungen Polarfüchse ausgesetzt. Von diesen – wie von den in der Wildnis geborenen Welpen – überleben nicht alle bis zum Erwachsenenalter.

Strategische Platzierung von Jungtieren und Futterautomaten

Reisa Nord liege außerdem strategisch günstig zwischen Indre Troms und der Varangerhalbinsel, heißt es in der NINA-Mitteilung. Dort gibt es bereits einen kleinen Bestand, und es ist Nachwuchs aus zwei Wurfhöhlen dokumentiert. Laut NINA-Wissenschaftlerin Kristine Ulvund soll dieser Bestand gestärkt werden, denn mehr Tiere führten auch zu mehr Nachwuchs. Dies ermögliche dann ein Auswandern und einen Austausch mit den anderen Beständen. Auch die Futterautomaten wurden deshalb strategisch platziert, um einen solchen Austausch zu fördern. Futterautomaten sind eine weitere Maßnahme, um den Bestand zu stabilisieren. 

Heute wieder mehr als 500 erwachsene Polarfüchse in Fennoskandien

Norwegen, Schweden und Finnland arbeiten schon lange in der Überwachung und Förderung des Polarfuchs-Bestands zusammen, mit Erfolg: Gab es im Jahr 2000 nur noch 40-60 Exemplare und in Finnland gar keinen Nachwuchs mehr, so gibt es heute schätzungsweise 526 erwachsene Tiere. Und seit 2022 gibt es auch in Finnland wieder Polarfuchs-Nachwuchs. So sah es 2025 nach der Inventur aus: 

  • Insgesamt gab es 97 Würfe mit unterschiedlich vielen Welpen in Fennoskandien, 56 in Schweden, 38 in Norwegen und 3 in Finnland. 70 dieser Würfe gab es in einem Gebiet mit grenzüberschreitendem Bestand.
  • In den meisten Regionen war 2025 kein gutes Kleinnager-Jahr. Dass es trotzdem Nachwuchs gab, wenn auch vielleicht nicht so viele Welpen in einem Wurf, zeigt die Bedeutung der Futterautomaten.  
  • Genetische Untersuchungen zeigen in mehreren Teilbeständen steigende Inzucht.

Problem Inzucht

Obwohl es heute wieder deutlich mehr Polarfüchse in Skandinavien und sogar in Finnland gibt, bezeichnet NINA das Unterstützungsprogramm bisher nur als „teilweise erfolgreich“. Denn alle heute lebenden Tiere gehen auf das genetische Erbe der wenigen Polarfüchse zurück, die es um die Jahrtausendwende gab. Entsprechend groß ist die Gefahr der Inzucht. Diesem Thema widmet sich ein Bericht aus dem vergangenen Jahr. Dokumentierte Wirkung der Inzucht sind kleinere Würfe und weniger überlebende Welpen. Um so wichtiger ist es dem NINA-Team, dass die Bestände miteinander in Kontakt sind und Tiere auf genetisch entferntere Partner treffen. Die Welpen aus dem Zuchtprogramm sollen zukünftig noch gezielter in Gebieten ausgesetzt werden, wo eine genetische Alternative besonders dringend ist.

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Warten auf die Rückkehr des Ostseewassers

275 Kubikkilometer Wasser aus der Ostsee, so hat es das Leibniz-Institut für Ostseeforschung Warnemünde ausgerechnet, sind einfach weg. Weggedrückt Richtung Nordsee durch die Hochdrucklage der vergangenen Wochen. Noch immer verzeichnen Ostsee-Anrainer östlich von Rügen Wasserstände, die bis zu 70 Zentimeter unter den mittleren Werten liegen. Das hat Folgen für die Schifffahrt, ermöglicht aber auch seltene Anblicke: Im Zentrum von Stockholm, vor Kastellholmen, kann man nun das Wrack sehen, das dort im 17. Jahrhundert versenkt wurde

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Erster europäischer Lithium-Abbau gestartet – in Finnland

Kokkola/Kaustinen (Finnland). Gestern wurde die erste Salve der neuen Grube bei Syväjärvi gesprengt – und damit ist der Abbau des Lithium-Vorkommens zwischen Kaustinen und Kokkola in Gang. Es ist das erste Projekt in Europa und geplant als integriertes System von Abbau, Anreicherung und Raffinerie in derselben Region in Mittelfinnland. Ein Problem beim Aufbau waren die hohen Investitionskosten bei fallenden Lithiumpreisen. Darüber berichtete Yle.

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Erosion bei Reynisfjara: Strand nach starkem Ostwind weggespült

Mýrdalshreppur (Island). Der berühmte und auch berüchtigte Strand Reynisfjara in Südisland ist den vergangenen Tagen massiv erodiert. Starke, vom Wind getriebene Strömungen haben eine riesige Menge Sand weggespült. Gleich hinter den Warnschildern geht es nun steil bergab, und das Meer umspült nun die Basaltformation. Darüber berichteten RÚV und Morgunblaðið.

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Erdbebenschwarm vor Reykjanes – keine Anzeichen für Eruption

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Januar 2026: Nuuk so warm wie Kopenhagen

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