Norwegens Langlauf-Dominanz und ein radikaler Vorschlag

Der klassische Langlauf soll aus den Wettkämpfen der Elite verschwinden. Die Konzentration auf den schnelleren Skating-Stil würde den Sport auch für andere Nationen wieder umsetzbarer und interessanter machen. So ungefähr geht die Argumentation des NRK- Sportkommentators Jan Petter Saltvedt. Was treibt ihn dazu?

Therese Johaug

Die norwegische Langläuferin Therese Johaug, hier bei einem früheren Wettkampf, war auch in Oberstdorf unschlagbar. Foto Granada/Wikimedia, CC BY-SA 4.0

Über die Langlaufwettbewerbe der Nordischen Ski-WM in Oberstdorf wurde im Gastgeberland wenig berichtet. Deutsche Sportler hatten mit den Medaillen nichts zu tun. Sechs verschiedene Langlauf-Disziplinen gab es jeweils für Frauen und Männer. Die Hälfte alle 36 möglichen Medaillen gingen nach Norwegen. Den Rest teilten sich Schweden (7), Russland (5), Finnland (2), Slowenien (2), Frankreich (1) und die Schweiz (1). Norwegen hat das beste Förderkonzept und die beste Unterstützung für seine Sportler – und das nicht erst seit gestern. Schon seit Jahren wird deshalb darüber diskutiert, dass die norwegische Dominanz den Sport langweilig macht. Vor allem in Norwegen selbst. Die Berichterstattung in Ländern, die keine Erfolge mehr verzeichnen, wendet sich einfach anderen Disziplinen zu, wo auch mal die eigene Flagge vorkommt.

Klassisch und Skate – doppelter Aufwand

Was soll sich daran ändern, wenn der klassische Stil nicht mehr im Wettbewerb gefahren wird? Saltvedts Argumentation geht so: Die Trennung der beiden Stile ist ein hoher materieller Aufwand. Man braucht verschiedene Skier, verschiedene Stiefel, und natürlich von allem nicht nur ein Paar. Alles muss zum Einsatztag passend zu den jeweiligen Verhältnissen gewachst sein. Langlaufski wachsen ist eine Wissenschaft für sich, denn sie müssen ja gleichzeitig gut gleiten, aber auch sicheren Halt beim Abstoßen geben. Und natürlich kann dort mehr Aufwand damit getrieben werden, wo mehr Mittel zur Verfügung stehen. Für Saltvedt hat der klassische Stil im Freizeitsport weiter seine Berechtigung. Doch für den Leistungssport sei eigentlich nur die schnellere Variante interessant. Skispringen werde ja auch nicht mehr im alten Stil betrieben. Mit dem Fokus auf Skating werde der Aufwand geringer und der Sport interessanter. Junge Leute, die schnell Ski laufen wollen, skaten, so Saltvedt.

Kulturgut Skifahren

Ski aus Holz

Frühe Holzskier der Samen im Museum Ájtte, Jokkmokk.

Skier und die Technik des Skifahrens sind ein Kulturgut. Skier ermöglichten es den Menschen schon vor Jahrhunderten, auch bei Tiefschnee und ohne jede Infrastruktur im Gelände voranzukommen und so zu unwirtlichen Zeiten zu überleben. Und zwar mit der diagonalen Bewegung, die heute im klassischen Langlauf und auf Tourenskiern noch gepflegt wird (es sei denn, es geht bergab). Selbstverständlich geht es in der gespurten Loipe schneller. Skating-Training ist dagegen ohne präparierte Bahn gar nicht möglich.

Saltvedts Vorschlag wird vermutlich nicht gehört werden. Vielleicht liegt das Problem aber auch woanders: Langlauf ist für viele Menschen schon deshalb nicht interessant, weil sie immer seltener Schnee vor ihrer Haustür haben.

Früherer Artikel zum Thema Skifahren:

Das Ultra-Skirennen des Polarforschers Nordenskiöld

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Bodø: Weiter grünes Licht für den Flugplatz-Umzug

Bodø. Das Megaprojekt “Ny by, ny flyplass” geht in die nächste Runde. Die Regierung versichert weiter Unterstützung für den Umzug des Flughafens von Bodø, und die Planungen werden konkreter. Durch dem Umzug soll Platz für einen neuen, grünen Stadtteil entstehen. Es gibt aber auch Kritik an dem Projekt. Darüber berichtete NRK.

Rønvikfjell

Aussicht vom Gipfel des Rønvikfjell über Bodø, dahinter ist der Flughafen sichtbar.

Im kommenden Jahr wird die norwegische Luftwaffe den Flughafen in Bodø  verlassen. Die Aufgaben sollen dann von der Station in Evenes übernommen werden. Diese Entwicklung hat sich seit langem abgezeichnet und Ideen in Gang gesetzt: Würde der Flughafen 900 Meter weiter an den Rand rutschen, könnte sich die Stadt dort weiter ausbreiten. Ein neuer Ortsteil mit kurzen Wegen zum Zentrum wäre möglich. Die Startbahn muss sowieso erneuert werden. Der Preis für den 900-Meter-Umzug beträgt nach bisherigen Berechnungen umgerechnet etwa 560 Millionen Euro. Die Kosten sollen zwischen dem Staat, der Kommune Bodø und der Flughafengesellschaft Avinor aufgeteilt werden.

Nützliches Projekt oder nicht?

Die Regierung hat vergangene Woche noch einmal ihre Unterstützung dazu bekräftigt. Das Projekt wird weiter im nationalen Transportplan geführt, und es soll dafür noch mehr Geld geben als bisher zugesagt, umgerechnet rund 300 Millionen Euro. Im vergangenen Jahr hatte es allerdings heiße Diskussionen um das Projekt gegeben, das Nordnorwegens teuerstes  landbasiertes werden könnte. Verkehrs- und Finanzministerium hatten nämlich ein Gutachten in Auftrag gegeben, das verschiedene Varianten des Umzugs prüfen sollte, während gleichzeitig schon die Planungen dafür weitergingen. Das Gutachten kam allerdings zu dem Schluss, der Flughafen-Umzug lohne sich gesamtgesellschaftlich nicht – wie auch immer man den Umzug gestalte.

Bodø Zentrum und Hafen.

Bodø Zentrum und Hafen.

Für die Kommune Bodø ist der wichtigste Punkt, dass so die Chance besteht, auf der freiwerdenden Fläche einen neuen umweltfreundlichen Stadtteil entwickeln zu können. 15 000 Wohneinheiten und Gewerbe hätten dort Platz, und lägen zentrumsnah. Besagte Gutachter sahen allerdings angesichts der Bevölkerungsentwicklung noch lange keinen Bedarf dafür. Diese Zweifel hatte es vorher auch schon gegeben. Bodø wächst, aber langsam. Aus heute 52 560 Einwohnern in der gesamten Kommune werden laut Statistikbüro im Jahr 2050 erst 55 998 geworden sein. Die Kommune hofft allerdings, dass die neuen Möglichkeiten mehr Leute anziehen. Die Planung geht von einem jährlichen Wachstum von 1,15 Prozent aus.  Und die Vorteile einer kompakten Stadt blieben auch bestehen, wenn es länger dauere, die Fläche zu füllen, so ein Stadtplaner zu NRK.

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