Färöer: In 15 Monaten 1000 Einwohner mehr

Färöer. So viele Einwohner hatten die Färöer noch nie. Erst im April 2017 wurde die symbolträchtige 50 000 – Grenze geknackt. Und nun leben schon mehr als 51 000 Menschen auf der Inselgruppe im Nordatlantik. Das meldete die Statistikbehörde (Hagstova Føroya).

Färöer

Tórshavn wächst. Foto Thomas Christiansen

Das Ergebnis ist eine Kombination aus Geburtenüberschuss und Zuwanderung. So wurden im Zeitraum Juli 2017 bis Juni 2018 237 Kinder mehr geboren als es Todesfälle gab. Außerdem zogen in dem Zeitraum 593 mehr Leute auf die Inseln als davon weg. Am 1. Juli verzeichnete die Behörde so bereits 51 043 Einwohner.

Die Färöer sind das Land mit der höchsten Geburtenrate im Norden – mit einer durchschnittlichen Kinderzahl von 2,47 pro Frau im Jahr 2017. Dafür mag es verschiedene Gründe geben – die starke Rolle des Glaubens, das sehr restriktive Abtreibungsgesetz oder einfach die günstigen gesellschaftlichen Bedingungen.

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Doch das allein erklärt nicht das starke Bevölkerungswachstum. Das liegt daran, dass seit 2015 wieder mehr Leute auf die Inseln ziehen als auswandern – und im Zeitraum 2017/2018 besonders viele. Das war lange anders. Die neuen Zahlen sind noch nicht näher aufgeschlüsselt. Bei den „Auswanderern“ dürfte es sich vor allem um junge Leute handeln, die zur Ausbildung oder Studium nach Dänemark gehen. Und viele davon kehren anschließend zurück. Die Behörde selbst verweist darauf, dass zurzeit auf den Inseln eine große Nachfrage nach Arbeitskräften herrscht, vor allem im Baubereich, und deshalb Menschen aus dem Ausland kommen.  Ein großes Bauprojekt sind beispielsweise die Unterseetunnel nach Eysturoy und nach Sandoy. Vor allem die Hauptstadt Tórshavn und Orte auf Eysturoy wachsen – Inseln mit schlechter Anbindung verlieren dagegen.

Mehr Einwohner auf den Färöer und Island, weniger in Grönland

Die Färöer folgen damit der Entwicklung des größeren Nachbarn Island, wo die Bevölkerung ebenfalls zunimmt. Im März 2018 wurde die 350 000-Einwohner-Marke passiert. In Grönland dagegen, dem Dritten im Bunde der  Inseln im Westnordischen Rat, sind die Zahlen in den vergangenen Jahren tendenziell gesunken.  Am 1. Juli gab es dort 56 025 Einwohner. Vor sieben Jahren waren es schon einmal 56 890. An der Geburtenrate liegt es nicht: Die ist die zweithöchste im Norden mit durchschnittlich 2,0 Kindern pro Frau. Die Abwanderung ist vor allem in den kleinen Kommunen zu merken – die Hauptstadt Nuuk verzeichnet Zuwachs.

Mehr zur Bevölkerung auf den Färöer:

Färöer wieder attraktiver für Frauen – von nah und fern

 

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Der Berg spricht: Gletscherschmelze ist nicht Ok

Island. Vor vier Jahren bekam der Berg Ok seinen Titel als Gletscher aberkannt. Er ist der erste von rund 400 isländischen Gletschern, denen Ähnliches droht. Ein amerikanisches Anthropologenteam hat darüber einen Film aus einem ganz eigenen Blickwinkel gemacht – und dazu trägt auch Komiker Jón Gnarr als Oks Stimme bei.

Gletscher Ok

Ex-Gletscher Ok – Screenshot aus dem Trailer zu „Not Ok“ von Cymene Howe und Dominic Boyer, siehe unten.

Ein Gletscher ist dadurch definiert, dass sich frische Schneemassen darin durch den Druck in Eis umwandeln – und dadurch, dass er sich durch den Druck des eigenen Gewichts bewegt. Warum der Ok diese Kriterien nicht mehr erfüllt, erklärt Glaziologe Oddur Sigurðsson auf der Frageseite der Universität Island: Der Okjökull war Ende des 19. jahrhunderts 15 Quadratkilometer groß und mehr als 50 Meter dick. Da bewegte er sich noch langsam bergab. Inzwischen verteilen sich die Reste der Eisfläche auf einen Quadratkilometer und sind maximal 15 Meter dick. Der Druck reiche nicht mehr aus, um die Massen in Bewegung zu setzen.

Der Ok ist nur der Anfang: Isländische Wissenschaftler gehen davon aus, dass nur die höchsten Spitzen von Hofsjökull und Vatnajökull mehr als die nächsten 200 Jahre überleben werden.

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Das amerikanische Anthropologenteam Cymene Howe und Dominic Boyer waren ursprünglich durch Jón Gnarr nach Island gekommen. Der Komiker war 2010 überraschend zum Bürgermeister in Reykjavík gewählt worden. Nach einer Amtsperiode verzichtete er auf eine Fortsetzung und nahm einen Auftrag der Rice-Universität in Texas an, wo auch Cymene Howe und Dominic Boyer arbeiten.

Diese beiden widmen sich nun der Geschichte des Ok aus einer ganz eigenen Perspektive: Sie lassen ihn selbst erzählen, mit der Stimme Jón Gnarrs. Der habe auch den Humor hinein gebracht, erzählt Boyer bei Frettablaðið.

Die Anthropologen werfen aber nicht nur einen Blick auf den eher unbekannten Ex-Gletscher mit dem Namen, der zu Wortspielen einlädt. Sie untersuchen auch, was das schmelzende Eis aus dem Selbstverständnis der Isländer macht.

Premiere des Films war vergangenen Freitagabend auf Island. Unten ist zumindest der Trailer zu sehen. In welcher Form er einem breiteren Publikum zugänglich gemacht wird, steht noch nicht fest.

Mehr zu Gletschern im Norden:

Hier ist der Trailer zu Not Ok:

Not Ok Trailer from Cymene Howe on Vimeo.

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Ruska-Wanderer: Zwei Hütten wegen Renovierung geschlossen

Finnland.  In Nordfinnland ist es nicht mehr lange bis „Ruska“, die Zeit, in der sich die Bäume farbenprächtig verfärben – eine besonders schöne Zeit, in den Nationalparks zu wandern. Zur Übernachtung stehen dort einfache Hütten zur Verfügung – zwei davon sind allerdings zeitweise zur Renovierung geschlossen. Das kündigte die Forstbehörde (Metsähallitus) an.

Ruska

Ruska in Finnland. Foto Natalia Kollegova/pixabay

19 offene „Wildnis“-Hütten (autiotupa) bietet der Pallas-Yllästunturi-Nationalpark im Nordwesten Lapplands zur spontanen Übernachtung für diejenigen, die individuell zu Fuß oder auf Skiern unterwegs sind. Verwaltet werden diese von der staatlichen Forstbehörde. Die Übernachtung ist kostenlos, man darf höchstens zwei Tage bleiben. Sie sind alle beheizbar, bieten allerdings meist nur wenige Schlafplätze. Dazu kommen Unterstände, Hütten und geschützte Feuerplätze  für Pausen und schlechtes Wetter unterwegs. Und bei Hannukuru gibt es sogar eine Sauna (gegen Gebühr).

Zwei der älteren Übernachtungshütten werden nun für jeweils zwei Wochen wegen Renovierung geschlossen sein: Vom 22. August bis zum 7. September wird die fast 80 Jahre alte Hütte Pyhäjärvi am gleichnamigen See im Bereich der Gemeinde Kittilä überholt. Vom 10. bis 23. September ist dann die rund 60 Jahre alte Hütte Pyhäkero am Fuß des gleichnamigen Berges dran ( Gemeinde Enontekiö). Wer kein Zelt mitschleppen will, kann sich auf der Karte von exkursionmap.fi oder mit Hilfe der Liste von Metsähallitus Alternativen suchen.

Der Kern des Pallas-Yllästunturi-Nationalparks wurde bereits vor 80 Jahren unter Schutz gestellt und 2005 erweitert. Dieser und der Pyhä-Luosto-Nationalpark, ebenfalls in Lappland, waren die ersten finnischen Nationalparks überhaupt.  Im Pyhä-Luosto-Park wird noch bis zum 31. August die Tageshütte Karhunjuomalampi renoviert. Im großen Urho-Kekkonen-Nationalpark in Nordost-Lappland steht die alte Rumakuru-Tageshütte ebenfalls bis zum 31. August wegen Renovierung nicht zur Verfügung.

Mehr zu finnischen Nationalparks: Finnland: Hängebrücken unter der Lupe

Für alle Fälle: Wie benehme ich mich in einer finnischen Hütte in der Wildnis?

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Erfolgreiche Walrettung auf Island

Island. Eine Schule Pilotwale, stecken geblieben in einer Bucht, und zwei gestrandete Entenwale vor Reykjavik: Diese Woche standen gleich zwei Walrettungsaktionen in der öffentlichen Aufmerksamkeit auf Island.

Pilotwal Wal

Pilotwal (Archiv)

Am Sonntagabend war eine Schule Pilotwale mit ungefähr 60 Tieren im Kolgrafafjörður im Westen Islands gelandet. Vermutet wird, dass sie ihrer Nahrung hinterher geschwommen waren. Der Weg dort hinein führt unter einer Brücke hindurch, wo die Strömung sehr stark ist. Erst der zweite Versuch, die Tieren bei passender Tide hinaus zu geleiten, war erfolgreich. Da hatte man sie weiter aufs Meer hinaus begleitet. 25 Rettungskräfte und Polizisten waren dafür im Einsatz. Das erste Mal hatten sie zwar auch die Brücke passiert, waren aber später zurück in den Fjord geschwommen. Drei Tiere waren im Fjord gestrandet, konnten aber jeweils wieder befreit werden. (Quellen: mbl.is, RÚV, Frettablaðið, schwedisch: Islandsbloggen)

Auf den Färöer werden Pilotwale noch gejagt – diese Tiere hatten also Glück, vor Island gelandet zu sein, wo sie nicht ins Beuteschema des letzten Walfängers Kristján Loftsson passen. Der ist auf Finnwale aus.

Nur halbes Happy End für die Entenwale

Die zweite Walrettung hatte nur ein halbes Happy End. Von den beiden Entenwalen , die am Donnerstag vor Reykjavik auf der Insel Engey gestrandet waren, überlebte nur einer. Sie waren von einem Ausflugsboot entdeckt worden. Auch hier wird vermutet, dass sie Fisch hinterher schwammen und von der Ebbe überrascht wurden. Beide hatten sich bei der Strandung verletzt. Mit feuchten Tüchern, später mit einer Wasserpumpe, und unter fachlicher Anleitung einer Meeresbiologin wurden die Tiere feucht gehalten, bis die Flut wieder kam.  Das überlebende Walweibchen wurde aufgerichtet, damit kein kein Wasser durch das Atemloch in die Lunge geriet. Schließlich wurde es von einer Paddlerin auf einem Brett und einen sehr langsam fahrenden Jetski zurück ins tiefe Wasser begleitet. (Quellen: Visír, RÚV, mbl.is, deutsch: Iceland Review).

Im Interview mit RÚV zu den festsitzenden Pilotwalen erklärte Meeresbiologin Edda Elísabet Magnúsdóttir, diese Art lebe normalerweise in größeren Tiefen und ihr auf einem Echomechanismus basierendes Orientierungssystem sei daran angepasst. Im Flachwasser funktioniere dies schlechter. Auch der Entenwal lebt normalerweise in tieferen Gewässern.

Mehr zu Walen auf Island: Ende der Jagd auf Minkwale vor Island

Drohnenvideo der Aktion im Kolgrafafjörður von Sigurður Þor Helgason:

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Lofoten: Sichere Stufen für den Reinebringen

Norwegen. Der Reinebringen in den Lofoten ist wegen seiner Aussicht ein besonders beliebter Berg – tausende von Instagram-Bildern bezeugen das. Nach Regen und bei schlechter Sicht ist der Weg zum Gipfel allerdings nicht ohne Risiko, und es kam bereits zu tödlichen Unfällen. Nun lässt die Kommune dort sichere Stufen setzen – von Sherpas aus Nepal. Darüber berichtete NRK.

Reinebringen Lofoten

Blick vom Reinebringen. Foto: Kajakalas / Wikimedia, CC BY-SA 4.0

Der Weg zum Gipfel des 448 Meter hohen Reinebringen ist steil. Oben angekommen, liegen einem das Fischerörtchen Reine auf der Landzunge und die angrenzenden Meeresbuchten zu Füßen, umrahmt vom typischen Lofoten-Panorama aus steilen Wänden und Meer. Laut NRK waren in den vergangenen acht Wochen bereits mehr als 9000 Menschen dort oben, viele davon haben Bilder in den sozialen Medien hinterlassen. Und das trotz der Warn- und Verbotsschilder, die die Gemeinde Moskenes inzwischen dort aufgestellt hat. 2015 verunglückte dort ein 21-jähriger amerikanischer Tourist. Er war mindestens 100 tief gestürzt. Im Mai diesen Jahres gab es ein weiteres tödliches Unglück in der Nähe. Auch eine Lofoten-Wanderseite empfiehlt diesen Weg zurzeit nicht mehr: Durch die zunehmende Nutzung habe sich der Pfad verschlechtert, an manchen Stellen sei nur noch blanker, geneigter Fels übrig, der bei feuchtem Wetter rutschig sei. Die Seite weist auch auf die Gefahr durch Steinschlag hin.

Abhilfe ist in Sicht: Steinstufen sollen den Weg hinauf wieder sicher begehbar machen. Die Arbeiten haben bereits begonnen. Zurzeit fliegen Hubschrauber das Material nach oben, wo es dann von nepalesischen Sherpas verbaut wird. Seit ein norwegischer Landwirt kurz nach der Jahrtausendwende die Fähigkeiten von Steinsetzern aus dem Nepal erstmals nutzte, wurde diese schon für viele weitere Aufträge in Norwegen und inzwischen auch in Schweden angeheuert.

Die Anziehungskraft des Reinebringen – oder zumindest des Gipfelfotos – ist so groß, dass sich Wanderer auch von Helikoptern mit Steinen über ihrem Kopf nicht abhalten lassen, wie NRK feststellte. Im kommenden Sommer sollte man dann aber sicheren Fußes hinaufsteigen können.

Mehr zu den Lofoten: Norwegen: Neuer Nationalpark Lofotodden

Mehr zu Steintreppen: Hilfe vom Himalaya auf dem Weg zum Kebnekaise

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Auf Island droht ein neuer Erdrutsch

Sprung Erdrutsch droht

Neuer Sprung am Fagraskógarfjall – ein neuer Erdrutsch droht. Foto Jens Þor Sigurðarson/ Landhelgisgæslan

Island. Das isländische meteorologische Institut (Veðurstofa Íslands) warnt davor, sich in dem Umfeld aufzuhalten, in dem am 7. Juli der riesige Erdrutsch stattgefunden hat. Wie Luftaufnahmen der Küstenwache zeigen, hat sich oberhalb der Abbruchstelle ein neuer Sprung am Berg gebildet. Die Wissenschaftler schätzen, dass dort demächst weitere 50 000 bis 150 000 Kubikmeter abbrechen dürften. Sie gehen davon aus, dass diese Massen auf den zuvor abgerutschten landen werden. Es handelt sich um eine Stelle am Fagraskógarfjall im Hítardal in Westisland. Mehr zu dem Erdrutsch Anfang Juli unter Erdrutsch auf Island hatte 10 – 20 Millionen Kubikmeter  und   Zuviel Regen? Riesiger Erdrutsch auf Island.

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Schwedischer Eisbrecher für einen Monat am Nordpol

Schweden/Nordpol. Im Winter sorgt der Eisbrecher Oden für freie Fahrt im nördlichsten Teil der Ostsee. Zurzeit befindet er sich aber im Dienste der Forschung: Vor wenigen Tagen erreichte er den Nordpol. Ein schwedisch-amerikanisches Projekt mit einem internationalen Wissenschaftlerteam will dort einen Monat lang vor allem die Wolkenbildung studieren.

Eisbrecher Oden am Nordpol

Der schwedische Forschungseisbrecher Oden am Nordpol. Foto Lars Lehnert

Der 107 Meter lange Forschungs-Eisbrecher Oden war 1991 gemeinsam mit der deutschen Polarstern als erstes Schiff mit konventionellem Antrieb am Nordpol – vorher hatten dies nur atomgetriebene Fahrzeuge geschafft. Nun ist er zum neunten Mal auf dem Dach der Welt und hat an einer Eisscholle angelegt. Die 40 Forscher an Bord werden sich nun unter verschiedenen Aspekten mit der Wolkenbildung dort beschäftigen: „Wolken spielen eine wichtige Rolle für das Klima, weil sie beeinflussen, wie viel Sonneneinstrahlung die Erdoberfläche erreicht. Sie regulieren damit die Energieströme auf der Oberfläche, die wiederum beeinflussen, wie sich Meereis bildet und schmilzt“, so die Projektvorstellung auf der Internetseite des schwedischen Polarforschungs-Sekretariats. Eine besondere Rolle spielen dabei Aerosole, die in der Arktis von Mikroorganismen im Meer und im Eis gebildet werden. Dies soll nun näher untersucht werden – auch mit Blick auf die schrumpfenden Eisflächen. Die Position des Schiffes lässt sich unter https://oden.geo.su.se/map/ verfolgen.

Wer im Geiste schon Frachtschiffrouten über den Nordpol gelegt hat, wird sich allerdings noch gedulden müssen. Wie aus dem wöchentlichen Bericht des Kapitäns hervor geht, war das Eis auf dem Weg durchaus massiv, „Verhältnisse, wie ich sie seit 2005 nicht gesehen habe“. Zuletzt war Oden 2016 am Nordpol, und da habe man von der Eiskante bis zum Ziel im Durchschnitt sechs Knoten fahren können. Diesmal sei das Eis dicker und kompakter, und man sei im Durchschnitt nur mit drei Knoten vorangekommen. Nach all den schlechten Nachrichten zum Zustand des Eises sei man über diesen Widerstand erfreut, so der Kapitän.

Oden ist allerdings nicht das erste Schiff 2018 am Nordpol: Der russische Atomeisbrecher 50 Let Pobedy (50 лет Победы) aus Murmansk hat schon fünf Kreuzfahrten mit Touristen dorthin hinter sich.  Vergangenes Jahr machte das Schiff  mit einem neuen Rekord Schlagzeilen: Da hatte dieser bis 2016 stärkste Atomeisbrecher der Welt nur 79 Stunden für die Strecke Murmansk-Nordpol gebraucht, also nur wenig mehr als drei Tage. Für die touristischen Kreuzfahrten waren jeweils elf Tage hin und zurück eingeplant.

Mehr zum Nordpol:

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Morgen startet das nördlichste Radrennen der Welt

Norwegen. Ab morgen regiert in Nordnorwegen für vier Tage das Rennrad. Die Strecke des Arctic Race of Norway geht diesmal in vier Etappen entlang der Küste der Finnmark. Zuschauer sind beim nördlichsten Radrennen der Welt nicht nur zum Klatschen eingeladen: Vor dem Zieleinlauf der Profis dürfen sie selbst die Runde in Alta testen.

Arctic Race of Norway

Etappen 2018. Quelle: Arctic Race of Norway

Die Fahrer sind bereits gestern in Kirkenes gelandet. 19 Teams mit je acht Teilnehmern sind gemeldet. Es dominieren Sportler aus Frankreich, Belgien und Norwegen. Aus Deutschland tritt nur Marcel Meisen an (Corendon-Circus), aus Österreich Bernhard Eisel (Team Dimension Data), aus der Schweiz Michael Schär und Danilo Wyss (BMC Racing Team) sowie Fabian Lienhard (Holowesco/ Citadel B/P Arapanoe Resources). Vorjahressieger Dylan Teuns (Belgien) ist nicht mehr dabei. Der Vorjahres-Vierte, der Norweger Alexander Kristoff, fuhr in diesem Jahr bei der Tour den France mit und gewann die letzte Etappe.

Organisiert wird das Rennen von Amaury Sport Organisation (ASO), die auch hinter der Tour de France stehen. Die Initiative zu dem Rennen kommt jedoch aus Nordnorwegen selbst, von Radsportbegeisterten des Sportvereins von Andørja, darunter Knut-Eirik Dybdal, der auch das diesjährige Rennen leitet. Das erste fand 2013 statt. Jedes Mal gibt es eine andere Route. Hauptsponsor ist der staatliche Ölkonzern Equinor (früher Statoil). Doch auch die drei nördlichen Regionen und die Kommunen an der Strecke beteiligen sich in der Hoffnung auf geldausgebende Zuschauer und Imagegewinn. Das Rennen wird unter anderem von Eurosport übertragen.

Sechste Auflage des Arctic Race of Norway

Das sind die Etappen der sechsten Auflage:  16. 8. Vadsø – Kirkenes, 190,5 Kilometer, 17.8.  Tana – Kjøllefjord, 195 Kilometer und mit den meisten Steigungen, 18.8. Honningsvåg – Hammerfest, 201 Kilometer und 19.8. Kvalsund – Alta, 145 Kilometer. Es gibt zeitweise Straßensperrungen.

Nicht nur die Profis dürfen an diesen Tagen in den Sattel steigen – schon die ganz Kleinen können bei Kinderrennen in Kirkenes, Kjøllefjord, Hammerfest und Alta auf den Geschmack kommen. Am 18. August tritt in Hammerfest der sportliche Nachwuchs an, 17- und 18-jährige Jungen und Mädchen. Vor dem Zieleinlauf der Profis in Alta am 19. August darf jeder auf die Runde gehen – je nach Kondition über 10, 30 oder 60 Kilometer.

Früherer Artikel zum Thema: Arctic Race of Norway – Das nördlichste Radrennen der Welt

So sah es im vergangenen Jahr aus – neben Bildern von Radfahrern und Publikum gibt es auch viel nordnorwegische Landschaft zu sehen.

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Mehr Flüssiggas aus Russlands Arktis unterwegs

Russland. Nun kommt noch mehr russisches Erdgas auf den Markt – aber nicht aus einer Pipeline, sondern als Flüssiggas (LNG). In Sabetta, Nordsibirien ist gerade die zweite Produktionsstraße der Flüssiggasanlage von Yamal LNG in Betrieb gegangen. Tanker mit Eisklasse bringen das verflüssigte Gas zu europäischen Häfen oder direkt über die Nordostpassage nach Asien. Darüber berichtete der Barents Observer.

Sabetta

Der Hafen Sabetta liegt auf der Halbinsel Yamal im Autonomen Bezirk Yamal-Nenetz

Der erste Tanker mit 170 000 Tonnen LNG aus der neuen Produktionsstraße der Yamal LNG fährt bereits an der norwegischen Küste entlang  nach Montoir, Frankreich.  Seit der Eröffnung im vergangenen Dezember sind laut Yamal LNG bereits 47 Tankladungen mit insgesamt 3,5 Millionen Tonnen Flüssiggas von Sabetta aus nach Ost und West verschifft worden. Das Gas stammt aus dem bereits in den 1970er Jahren entdeckten Feld Süd-Tambey (Южно-Тамбейское газовое месторождение). Die Ausbeutung ist ein multinationales Projekt: Hinter der Yamal LNG stehen die russische Firma Nowatek (50,1 Prozent), die französische Total (20 Prozent), China National Petroleum Corporation (20 Prozent) und der staatliche chinesische Silk Road Fund (9,9 Prozent).

Für das Projekt musste an den Ufern des Ob eine völlig neue Infrastruktur aus dem Boden gestampft werden. Die erste Ausbaustufe sollte bereits 5,5 Millionen Tonnen Flüssiggas bringen, mit der zweiten wächst die mögliche Produktion auf das Doppelte an. Die Partner zeigten sich stolz darauf, dass die zweite Produktionsstraße sogar schneller als vorgesehen fertiggestellt wurde. Laut High North News hat die Anlage bei der Verflüssigung des Gases auch von den niedrigen Umgebungstemperaturen im Winter profitiert. Eine dritte Stufe ist in Planung, aber auch ein zweites Projekt in der Region.

Flüssiggas-Tanker Christophe de Margerie

Christophe de Margerie. Foto Sovcomflot

Mit ihrer Investition in der Arktis setzen die Partner auch auf den Klimawandel: Je weniger Eis in der Nordostpassage, desto öfter können die Tanker die Ziele in Asien direkt anlaufen, was kürzer ist und enorm Kosten sparen würde. Denn dort sitzen die meisten Kunden. Zurzeit läuft noch viel über europäische Häfen, vor allem Rotterdam und Montoir. Dort wird das LNG von den teuren Eisklasse-Tankern umgeladen auf Schiffe, deren Betrieb günstiger ist, berichtet hellenicshippingnews.Die europäischen Häfen profitierten davon.

Vor einem Jahr, Anfang August 2017,  durchquerte bereits der erste speziell für das Yamal-Projekt gebaute russische Tanker Christophe de Margerie ohne Eisbrecher und in einer Rekordzeit von 19 Tagen von Hammerfest nach Südkorea. Für die eigentliche Nordostpassage benötigte das Schiff mit der höchsten Eisklasse für Handelschiffe nur 6,5 Tage. Zu anderen Jahreszeiten dauert es allerdings immer noch deutlich länger und birgt mehr Risiko – auch für die Umwelt.

Früherer Artikel  zum Thema:

Flüssiggas auf der Nordostpassage – dank Klimawandel

 

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Island: Große Gruppen bald tabu im Schutzgebiet Hornstrandir

Island. 200 Passagiere eines Kreuzfahrtschiffes gleichzeitig an Land im Naturschutzgebiet Hornstrandir – das soll in Zukunft nicht mehr möglich sein. Die Umweltbehörde arbeitet an einem Katalog mit strengeren Regeln für das sensible Gebiet. Er wird voraussichtlich im Herbst in Kraft treten. Das berichtete RÚV.

Hornstrandir

Die Hornstrandir sind Islands Spitze im Nordwesten. Karte mit Hilfe von stepmap

Nicht zum ersten Mal ankerte vergangene Woche ein Kreuzfahrtschiff vor Islands nordwestlicher Spitze, den Hornstrandir. Keins von den großen, sondern der Typ Expeditionsschiff, der populär geworden ist auf Island. Sie können in kleineren Häfen oder Buchten anlegen und bieten mehr Gelegenheit, an Land zu gehen. Laut einer der Rangerin vor Ort kamen 150 bis 200 Touristen per Zodiac ans Ufer. Zurzeit ist das auch noch völlig legal, aber schon länger umstritten.

Zu den Hornstrandir gibt es keine Straße, und schon in den 1950er Jahren haben sich die letzten Bewohner in Gebiete mit besserer Infrastruktur aufgemacht. Ihre Nachkommen nutzen ihr Eigentum nur noch im Sommer. Und bereits seit 1975 sind die Hornstrandir Naturschutzgebiet.  Hier ist der Polarfuchs zuhause, und unzählige Vögel. Die ursprüngliche Vegetation soll bewahrt werden, fremde Arten sind nicht willkommen. Die einzig erlaubte Fortbewegungsart ist zu Fuß. Die wenigen Wanderer, die sich in das abgelegene Gebiet wagen (auch sie müssen erst einmal mit dem Boot dorthin übersetzen), dürfen auf festgelegten Plätzen ihr Zelt aufschlagen.

Hornstrandir

Hornstrandir. Foto Steenaire, San Francisco/ Wikimedia, CC BY 2.0

Dass zunehmend Kreuzfahrtschiffe die Hornstrandir anlaufen und sich dann plötzlich viele Menschen auf einmal  in dem sensiblen Gebiet mit wenig Infrastruktur aufhalten, sieht inzwischen auch die Umwelbehörde kritisch – insbesondere, wenn es viel geregnet hat, Pfade matschig werden und die Leute Umwege suchen. Dieses Problem gibt es auch an anderen Stellen, so musste im Frühjahr die beliebte Schlucht Fjaðrárgljúfur gesperrt werden, damit sich der Bodenbewuchs erholen konnte.

Bisher konnte die Behörde nur an die Veranstalter appellieren, die Gruppen klein zu halten. Doch mit dem neuen Betriebs- und Schutzplan, bisher noch ein Entwurf, soll sich das ändern. Mehr als 50 Personen auf einmal dürfen nicht von Bord gehen. In einzelnen Gegenden sind die Begrenzungen sogar noch strenger. Im Bergzug Miðfell dürfen Gruppen nicht größer als zehn Personen sein.

Mit Maßnahmen wie diesen wird auf Island versuchte, die Auswirkungen des gewachsenen Tourismus zu begrenzen. Nach Jahren ständigen Wachstums gehen die Besucherzahlen in einigen Bereichen aber schon wieder nach unten – dazu dürfte nicht zuletzt das Preisniveau beigetragen haben.

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