Grönland. Nicht weit entfernt vom Hof Erik des Roten in Südgrönland stehen die Ruinen einer bisher unbekannten nordischen Kirche. Das bekräftigte nun eine neue Ausgrabung, bei der ein Skelett – der dazugehörige Friedhof – gefunden wurde. Es handelt sich vermutlich um jene Kirche, die in mittelalterlichen Texten als „Kirkja undir Sólarfjöllum“, Kirche am Fuß der Sonnenberge, beschrieben ist. Das meldete die Universität Bergen.

Die roten Linien markieren die Mauer rund um den Friedhof. Foto Michael Nielsen, Grønlands Nationalmuseum og Arkiv.
Es bestand schon länger der Verdacht, dass es sich bei den Ruinen bei Qinngua nahe Narsarsuaq um eine Kirche gehandelt hatte. Typisch für eine Mittelalter-Kirche war die Steinmauer mit einem Gebäude in der Mitte. Was bisher noch als endgüliger Beweis fehlte, war der Nachweis eines Friedhofs. Das gelang bei der Ausgrabung diesen Sommer, bei der das Skelett gefunden wurde – eine Person, die auf christliche Weise nach Osten ausgerichtet begraben worden war. Dies unterscheide sich von den Begräbnisritualen der Inuit, so Konrad Smiarowski vom Universitätsmuseum Bergen, einer der Leiter des Projektes. Außerdem waren das Nationalmuseum in Dänemark, Grönlands Nationalmuseum und Archiv sowie das UNESCO – Kulturerbe Kujataa daran beteiligt.
„Kirchen waren Machtzentren“
Für Konrad Smiarowski ändert der Fund die Vorstellung, die man bisher von diesem Teil des Eiriksfjords (Tunulliarfik) hatte: „Kirchen waren nicht nur Orte der Glaubensausübung. Sie waren auch Machtzentren, und durch ihre Erforschung können wir besser verstehen, wie die nordische Gesellschaft mit klimatischen und sozialen Herausforderungen umging.“
Zuletzt wurde vor 60 Jahren eine nordische Kirche in Grönland nachgewiesen. Die früheren Funde galten Kirchen aus der Wikingerzeit, die schnell wieder aufgegeben wurden. Bei dem jetzt identifizierten Exemplar soll es sich jedoch um eine größere Kirche handeln, die im Mittelalter länger in Gebrauch gewesen war. Das macht sie für die Wissenschaft besonders interessant, denn über diese Zeit in Grönland weiß man vergleichsweise wenig. Man erhofft sich davon noch mehr Informationen über den Übergang zwischen dem Wachstum der Siedlung und dem Niedergang – ein weiteres Puzzleteil zur Lösung des Rätsels, warum die Nordeuropäer dort verschwanden.
Hinweise auf frühere Kirchen in Grönland gibt es oft in den Sagas, zum Beispiel Flateyarbók und Ívar Bárðarsons Beschreibung von Grönland. Der aktuelle Fund passt zu jener, die als „Kirkja undir Sólarfjöllum“, Kirche am Fuß der Sonnenberge, geschildert ist.
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