Covid-19-Lockdown in Norwegen: Vorsichtiger Optimismus

Norwegen. Rechtzeitiger Lockdown wirkt schnell gegen Virus – so könnte man zumindest vorsichtig optimistisch die aktuellen Zahlen aus Norwegen interpretieren. Denn dort ist die Zahl derer, die wegen Covid-19 im Krankenhaus behandelt werden müssen, in den vergangenen Tagen praktisch nicht mehr gestiegen.

Festung Vardøhus

Vardø ist bekannt für seine Festung – und hält mit Quarantäneregeln auch das Coronavirus auf Abstand. Archivfoto Dagmar Hemmie

So sahen die Zahlen für Norwegen gestern Abend aus laut VG: 316 befanden sich im Krankenhaus, 96 davon auf der Intensivstation. 50 Menschen sind an Covid-19 gestorben. 98 587 Personen wurden bereits getestet. Davon waren 5144 positiv. Norwegen hat 5,368 Millionen Einwohner. Verglichen mit Schweden, das doppelt so viele Einwohner hat, aber bereits fast sechs Mal so viele Covid-19-Tote (282), sehen die norwegischen Zahlen aktuell sehr gut aus, wenn man davon ausgeht, dass das Virus den Weg in die Länder ungefähr gleichzeitig gefunden hat. Der erste Todesfall in Norwegen war nur einen Tag nach dem ersten in Schweden. Schwedens Maßnahmen sind bekanntlich sehr viel milder.

Norwegen gehörte zu den Ländern, die sehr früh sehr massiv reagiert haben. Vor drei Wochen wurden die Schulen geschlossen, kurz darauf auch die Grenzen. Es galten schnell umfassende Quarantäneregeln für jeden, der aus dem Ausland zurückkam. Einzig für Arbeitspendler aus den Nachbarländern gibt es Ausnahmen. Damit die Leute zuhause bleiben und nicht das Gesundheitssystem in dünn besiedelten Gebieten an die Kapazitätsgrenzen bringen, wurde auch der Aufenthalt in der eigenen Hütte verboten, sofern sie nicht in der eigenen Kommune liegt.

„Søringkarantene“ für Südnorweger im Norden

71 Kommunen in Nordnorwegen reichte das nicht aus: Sie haben zusätzlich eigene Quarantäneregeln eingeführt, meist für Leute, die aus Südnorwegen kommen. Deshalb laufen diese individuellen Maßnahmen inzwischen unter dem Namen „Søringkarantene“. Am härtesten ist dabei Vardø: Dort muss jeder in Quarantäne, der sich außerhalb aufgehalten hat – mit sehr wenigen Ausnahmen. Vardø hatte bisher keinen einzigen Covid-19-Fall und man möchte, dass dies auch so bleibt. Ob dies überhaupt rechtlich zulässig ist, ist unklar, die Kommunen haben sich aber bisher von ihrem Kurs nicht abbringen lassen

Auch das Wetter isoliert Nordnorwegen

Zuletzt hat auch das Wetter dazu beigetragen, Nordnorwegen zu isolieren: Gestern war die E6 wieder einmal wegen zu viel Schnee auf dem Saltfjell gesperrt. Auf der Bahnstrecke blieb ein Güterzug im Schnee stecken. Abends begann auf der E6 der Kolonnenverkehr. Vor wenigen Tagen war die E6 über das Kvænangfjell ebenfalls wegen Schneemassen gesperrt. Es ist die einzige Straße die die Finnmark mit dem übrigen Norwegen verbindet. Als Alternative gibt es in normalen Zeiten den Weg über Kautokeino und Finnland. Doch auch Finnland hat seine Grenzen geschlossen. Flüge gibt es kaum noch, Hurtigruten hat nur noch zwei Schiffe an der Küste in Betrieb, um Güter zu liefern.

Was kommt nach dem Lockdown?

Zumindest nach den gestrigen Zahlen sieht es so aus, als könne Norwegen die Zahl der Erkrankten und Todesopfer von Covid-19 vergleichsweise niedrig halten. Wie überall sind aber durch den Lockdown Firmen in die Krise geraten und Menschen freigestellt oder arbeitslos geworden. Und wie fast überall ist noch unklar, wie lange die Maßnahmen andauern sollen und was danach kommt.

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