Ölunfall in der russischen Arktis gerade noch verhindert

Russland. Ein Ölunfall im Eis ist ein Horrorszenario. Im November 2021 konnte ein solches gerade noch verhindert werden. Zwei Lastkähne, einer mit 7000 Tonnen Diesel und einer mit 170 Tonnen Petroleum, gerieten bei Sturm und tiefem Frost auf die Felsen vor der Insel Waigatsch (Вайгач) zwischen Barentssee und Karasee. Darüber berichtete der Barents Observer nach einer Pressemitteilung russischer Behörden.

Vereister Lastkahn nach der Ankunft in Sewerodwinsk. Foto morflot.gov.ru

Die Information über das Ereignis kommt stark verspätet. Nach den Pressemitteilungen der Behörde für Fluss- und Seetransport (Rosmorretschflot) und der Seenotrettung (Morspas)  handelte es sich um eine äußerst kritische Situation, bei der es eine Umweltkatastrophe wie bei Norilsk hätte geben können. Die Ölprodukte wurden schnell  in Sturm und Eis von den Havaristen in zwei andere Schiffe abgepumpt, damit sie keinen Schaden anrichten konnten. Erst Anfang Januar konnten aber die beiden beschädigten Lastkähne nach Sewerodwinsk geschleppt werden.

Die beiden Lastkähne wurden auf ihrer ursprünglichen Fahrt vom selben Schlepper gezogen. Anders als in den vergangenen Jahren kam der Winter diesmal früh mit Sturm, Kälte und Eisbildung. Der Seenotschlepper Beisug war nach den Medienberichten zwar schon 35 Minuten nach der Alarmierung vor Ort, da saßen die beiden Kähne aber bereits auf. Es gab Schäden an den Rümpfen. Beim Versuch, die Kähne von den Felsen herunter zu ziehen, hätten diese Schäden noch größer werden können. Stattdessen wurde umgepumpt.

Lastkähne 2

Die beiden Lastkähne. Foto morflot.gov.ru.

Die Arbeit wurde erschwert dadurch, dass die Schiffe in geringer Tiefe lagen, starker  Wind und Wellengang herrschte, außerdem minus 20 Grad. Es gab Eis auf dem Wasser und auf den Havaristen. Immer wieder musste das Eis entfernt werden, das 30 bis 50 Zentimeter dick wurde. Doch es gelang offenbar, ohne dass Öl auslief.

Mehrere Schiffe von Eisbildung überrascht

Die Havaristen an der Insel Waigatsch waren nicht die einzigen, die von dem frühen Wintereinbruch überrascht wurden. In den vergangenen Jahren war die Nordostpassage  im Herbst lange problemlos zu befahren. Zu dieser Zeit war auch nur einer der Atomeisbrecher im Einsatz, der nach der Insel benannte “Waigatsch”.

Die Nordostpassage wurde zeitweise als die schnellere Alternative zum Transport von Ost nach West und gehandelt. Die Saison 2021/2022 zeigt, dass das arktische Klima nach wie vor unberechenbar ist – und der Transport von Ölprodukten durch die arktische Wildnis eine riskante Idee, die schwere Schäden verursachen könnte.

Nordostpassage – die eisige Alternative zum Suezkanal

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Neuer Katalog: Fast 1000 Orcas in isländischen Gewässern identifiziert

Island. Auf Island Orcas gesehen? Welche? Orcas haben eine individuelle Rückenflosse, anhand der sie fast immer identifiziert werden können. Ein neuer Fotokatalog hat nun fast 1000 Schwertwale aus den Gewässern um Island dokumentiert. Das meldete Iceland Review.

Orca

Die Rückenflosse eines Orca ist individuell. Foto (Symbolbild) Skeeze/pixabay

Eine frühere Version des isländischen Orca-Katalogs erschien 2017. Darin sind bereits 322 Wale aufgelistet. Seitdem ist die Zahl der Schwertwale zwar nicht gestiegen, aber es wurden mehr Fotos gesammelt. Hinter dem neuen Katalog steht Marie-Thérèse Mrusczok, Whale-Watching-Tourguide und Gründerin des gemeinnützigen Vereins Orca Guardians Iceland. Herausgegeben wurde er in Kooperation mit Náttúrustofa Vesturlands, dem Naturforschungszentrum von Westisland. Die Bilder wurden in den vergangenen 10 Jahren gesammelt, insgesamt 330 000 Bilder von 987 verschiedenen Orcas. Sie wurden katalogisiert anhand von Kriterien, die Michael A. Bigg 1982 für Wale im Pazifik entwickelt hatte. Jede Rückenflosse ist im Katalog von links und von rechts abgebildet.

Bilder von Touren vor Snæfellsnes

Die Bilder entstanden vor allem auf Whale-Watching-Touren vor Snæfellsnes, manche auch von Land und einige in anderen Regionen Westislands. Im Katalog wird auch der Verhaltenskodex für Schiffe erläutert, die sich Walen nähern: Nie mehr als ein Schiff auf einmal, nicht von vorn und nicht zu nah. 

Marie Mrusczok kommt ursprünglich aus Leipzig. Sie habe als Kind “Free Willy” gesehen, verriet sie der Leipziger Volkszeitung. So begann ihr Interesse für die Tiere, das sie von unbezahlten Praktikas bis zum Broterwerb und zur Forschung führte.

Die umfangreiche Sammlung von Bildern und Sichtungen der Walschützer trägt auch dazu bei, mehr über die Verhaltensmuster und Gewohnheiten der Orcas zu erfahren. Die isländische Fotodokumentation erlaubte die Identifikation eines Wals der vor dem Libanon gesichtet wurde – der längsten Strecke eines Orcas, die bisher dokumentiert wurde.

Mehr zu Orca-Dukumentation:

Orca aus Island vor der Küste des Libanons gesichtet

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“Against the Ice”: Eine historische Grönland-Expedition auf Netflix

Grönland. Netflix zieht es nach Grönland – und in die Vergangenheit. “Against the Ice” basiert auf einem Buch des dänischen Polarforschers Ejnar Mikkelsen über die Alabama-Expedition 1909-1912, die er selbst geleitet hatte. Mikkelsen wird darin von Nikolaj Coster-Waldau gespielt, der auch am Drehbuch und bei der Produktion mitwirkte. Der Film ist ab 2. März abrufbar.

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Beisfjord nach Lawine isoliert und ohne Strom

Beisfjord (Norwegen). Nach wie vor herrscht in einigen Regionen Norwegens große Lawinengefahr, vor allem im Bereich Ofoten/ Sør Troms. Am Freitagmorgen ging (erneut) eine Lawine auf der Straße nach Beisfjord nieder, einem Ort in der Nähe von Narvik. Das meldete NRK. 700 Menschen können deshalb aktuell den Ort nicht verlassen. Auch der Strom ist dort ausgefallen. Sie werden zurzeit auf dem Wasserweg über den Fjord versorgt. Es gibt allerdings keinen guten Kai, was die Übergabe erschwert.

Aktueller Stand der Straßen: Trafikkinformation

Früherer Artikel zum Thema: Lawinen: Finnmark vom Rest Norwegens abgeschnitten

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Neuer Produktionsrekord für die isländische Lachszucht

Island. Ein isländischer Wirtschaftszweig wuchs im vergangenen Jahr um 35 Prozent – die Lachszucht. Im vergangenen Jahr wurden mehr als 46 000 Tonnen des begehrten Fisches in den isländischen Fjorden produziert, wie Morgunblaðið  meldete. Das Gewerbe ist auf Island noch vergleichsweise jung – und umstritten. Aus denselben Gründen wie anderswo auch: Verschmutzung der Natur und Gefährdung des Wildbestandes.

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Seekabel des LoVeOcean-Observatoriums gefunden

Norwegen. Wo sind die 4,2 Kilometer Seekabel  des Lofoten-Vesterålen Meeresobservatoriums? Der Verlust des Kabels setzte die Datensammlung der Forschungseinrichtung unter Wasser am 3. April 2021 außer Betrieb und ließ die Küste rätseln. Inzwischen ist das fehlende Kabelstück wieder aufgetaucht. Vermutlich wurde es von einem Trawler versehentlich abgerissen. Das meldete NRK.

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Lawinen: Finnmark vom Rest Norwegens abgeschnitten

Norwegen. Nach dem Sturm ist vor dem Sturm. Nach Extremwetter Gyda ziehen neue Unwetter vom Atlantik über Norwegen hinweg – und diesmal trifft es auch die Finnmark mit umfangreichen Straßensperrungen aufgrund von Lawinengefahr. Unter anderem ist die  E6 über Kvænangsfjellet schon seit Montag aufgrund von  Lawinen geschlossen, was bedeutet: Die Finnmark ist wieder einmal vom Rest Norwegens abgeschnitten. Darüber berichtete NRK.

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