Die Entstehung der pulsierenden Aurora – erstmals dokumentiert

Polarlichter erscheinen in verschiedenen Formen – mal als schnell veränderliche Bögen, mal als großflächige, pulsierende Areale. Japanische Wissenschaftler konnten nun erstmals die Entstehung einer solchen pulsierenden Aurora-Erscheinung direkt verfolgen und dokumentieren – und somit die bisherige Theorie dazu bestätigen. Darüber berichteten sie in Nature.

Aurora Borealis

Aurora Borealis. Foto Pixabay

„Schuld“ an den Polarlichtern ist bekanntlich die Sonne: Sie schickt uns mit dem Sonnenwind energiereiche Teilchen, die auf das Magnetfeld der Erde stoßen und entlang der Feldlinien zu den Polen geleitet werden. Erst dort geraten sie in die Atmosphäre. Sie verhelfen Sauerstoffmolekülen und -atomen vorübergehend zu einem höheren Energiezustand. Wenn diese in ihren Grundzustand zurückfalllen, setzen sie das dekorative Licht frei.

Dass die pulsierenden, flächigen Polarlichter etwas mit den sogenannten Chorwellen zu tun haben, zeigten bereits 2010 veröffentliche Forschungsergebnisse der Gruppe um Yukitoshi Nishimura (University of California/ Nagoya University). „Chorwellen“ sind vom Sonnenwind erzeugte natürliche Radiowellen der Magnetosphäre, die, über Lautsprecher abgespielt, wie zwitschernde Vögel anhören sollen. Sie „schubsen“ Elektronen Richtung Atmosphäre. Die Forscher hatten Satellitendaten der Chorwellen und die Aufzeichnungen der „All Sky Imager„(ASI), über ganz Nordamerka verteilte Kameras die Polarlichter aufnahmen, verglichen. Je intensiver die Chorwellen, desto stärker auch die pulsierenden Polarlichter (mehr auf Deutsch dazu hier).

Die Arbeitsgruppe um Satoshi Kasahara von der Universität Tokio hatte nun den japanischen Satelliten Arase am 27. März 2017 in der Nähe des Äquators auf einer Feldlinie positioniert. Seine speziell darauf ausgerichteten Instrumente entdeckten regelmäßige Pulse beschleunigter Elektronen. Bisher hatte man diese nicht von anderen Teilchen im Plasma unterscheiden können. Und das entworfene Modell erwies sich als richtig: Dort, wo man es erwartet hatte, endete die Feldlinie in der Atmosphäre und die ASI-Kamera zeichnete die Aurora auf, die im selben Takt pulsierte wie die Chorwellen, die die Elektronen losgeschickt hatten (Artikel dazu auf Deutsch auf Spektrum.de).

Zur Beobachtung von Polarlichtern siehe Tag und Nacht.

Und hier noch ein Echtzeit-Video aus Island…

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Island: Erdbeben-Schwarm bei Grímsey

Grimsey Erdbeben

Erdbebenschwarm bei Grimsey. Grüne Sterne bedeuten
Stöße stärker als 3. Quelle: Veðurstofa Íslands

Grímsey. Rund um die Insel Grímsey im Norden von Island hat es seit Mittwoch Mittag mehr als 2000 Erdbeben gegeben. Der heftigste Stoß wurde am Donnerstagabend mit Stärke 4,1 gemessen. Insgesamt waren bis Samstag Mittag 28 Beben stärker als Klasse 3. Die Serie dauert an. Grímsey, die Insel, durch die auch der Polarkreis verläuft, liegt in der Tjörnes-Bruchzone. Das Isländische Meteorologische Institut (Veðurstofa Ìslands), das auch Vulkanismus und Erdbeben überwacht, sieht den Erdbebenschwarm deshalb in Zusammenhang mit Bewegungen der Erdplatte. Erdbebenschwärme können in Nordisland die Vorboten für ein stärkeres Beben sein, müssen aber nicht. Die Serie dauert an und ist hier zu verfolgen.

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Kaufpreis für Ferienhäuser in Finnland sinkt – Lappland am günstigsten

Finnland. Der Kaufpreis für Ferienhäuser in Finnland sinkt seit Jahren – fast überall. Am günstigsten kommt man in Lappland zu einem eigenen „Mökki“. Darüber berichtete nun Yle aufgrund der neuesten Behördenzahlen.

Hütte am See

Für viele ein Traum: die eigene Hütte am See.

Immobilienpreise in Finnland gingen im vergangenen Jahr nach oben – aber nicht die für Ferienhäuser. 2011 war noch ein Jahr, bei dem Verkäufer strahlten, seitdem geht es fast überall abwärts.  Der Durchschnittspreis für Hütten mit Zugang zum Wasser  sei in diesem Jahrzehnt von 110 000 Euro auf 93 000 Euro in Gebieten mit Bebauungsplan gesunken, äußert Taisto Toppinen, Chef des Katasteramtes, in der Pressemitteilung. Die Zahl der Verkäufe sei mit rund 3000 landesweit aber etwa gleich geblieben. Zu den Ursachen befragte Yle den Geschäftsführer eines Immobilienunternehmens: Die Lage und die Hütten selbst seien so ungleich in den verschiedenen Gegenden Finnlands, dass es keine eindeutige Erklärung gebe, so die Antwort.

Lage und Standard

Wer schon mal ein Ferienhaus gemietet hat, weiß um die Unterschiede: Wer eine Trockentoilette akzeptiert, keinen Strom braucht und das Wasser aus dem Brunnen pumpt, kommt natürlich günstiger weg als bei einem Objekt, dass denselben Standard hat wie die heimatliche Wohnung.

Es wird auch  niemanden wundern, dass die teuersten Mökkis im bevölkerungsreichen Süden des Landes zu finden sind. Verglichen wurden Preise für eine Hütte am Wasser auf einem Grundstück mit weniger als zwei Hektar, unterschieden nach Umfeld – innerhalb einer Siedlung mit Infrastruktur und Bebauungsplan oder abgeschieden in dünn besiedelter Gegend. In der Hauptstadtgegend musste man  dafür 2017 durchschnittlich 173 000 Euro (mit B-Plan) hinlegen, was zwar vier Prozent weniger sind als im Vorjahr, aber der Spitzenwert für ganz Finnland. Etwas abgeschiedener kostet es in der Region immer noch 159 000 Euro, was sogar sechs Prozent mehr sind als im Vorjahr.

Trockentoilette

Wer mit einer Trockentoilette zufrieden ist, spart viel Geld.

In Lappland dagegen wurde man schon für durchschnittlich 37 000 Euro zum Hüttenbesitzer, mit B-Plan für 47 500 Euro, beides billiger als 2016. Lappland ist zwar laut Yle  das am stärksten wachsende Reiseziel Finnlands (Übernachtungen plus 22 Prozent). Viele davon kommen jedoch von sehr weit her und sind keine potentiellen Ferienhaus-Käufer. Schließlich muss man in Lappland mit langen, harten Wintern rechnen, für die meisten dürfte auch der Weg einfach zu lang sein. Im nördlichen Österbotten liegt man auch noch recht günstig mit im Durchschnitt 42 250 Euro (abgelegen) und 65 000 Euro. In Kainuu sind abgelegene Mökkis mit Seezugang sogar 18 Prozent teurer geworden, was insgesamt aber auch nur 46 500 Euro heißt.

Andere Entwicklung in Schweden und Norwegen

So vielfältig, wie die Situation in Finnland ist, so wenig lässt sich daraus auch auf die Nachbarländer Schweden und Norwegen schließen. In Schweden waren die Immobilienpreise in den vergangenen Monaten gesunken. In der Statistik der Makler stehen Ferienhäuser aber mit einem Plus von plus neun Prozent im landesweiten Durchschnitt aus den vergangenen 12 Monaten. Zahlen aus dem vergangenen Jahr zeigen, dass auch in Schweden die Hauptstadtregion und attraktive Ziele im Süden an der Spitze liegen. Die nördlichsten Bezirke Norrbotten und Västerbotten sind jedoch nicht die billigsten.

In Norwegen gelten Hütten in den Bergen als besonders begehrt, die dann aber auch für den Skiurlaub geeignet sein müssen. Die Statistik zeigt eine unterschiedliche Entwicklung für Berg- und Seegrundstücke ohne eindeutigen Trend.

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Bodøs Flugplatz rückt beiseite – für einen neuen Stadtteil

Bodø. Die Startbahn von Bodø soll 900 Meter weiter ziehen – und Platz machen für einen komplett neuen Stadtteil. Diese Idee wird nun immer konkreter. Ein erster Vertrag zwischen Stadt, Flughafengesellschaft und Luftwaffe ist bereits unterzeichnet.

Bodø

Bodø. Foto Dagmar Hemmie

Der Flughafen von Bodø ist der zweitgrößte in Nordnorwegen mit zuletzt 1,8 Millionen Passagieren im Jahr. Seine Startbahn hat eine Länge von 2794 Metern und reicht deshalb auch für größere Flugzeuge.  Er war seit seinem Bau in den 1950er Jahren sowohl zivil als auch militärisch genutzt worden. Im Sommer 2016 gab die Luftwaffe den Betrieb  an die staatliche norwegische Flughafengesellschaft Avinor ab. Zwei NATO-Jagdflugzeuge werden dort allerdings auch noch weiter in Bereitschaft stehen, bis der neue Stützpunkt in Evenes, 300 Kilometer weiter nördlich, komplett fertig ist.

Die Startbahn müsste in den nächsten Jahren saniert werden, wie NRK berichtet, die viele zurückgelassene Anlagen werden für den rein zivilen Betrieb gar nicht benötigt. So entstand die Idee, die Startbahn 900 Meter zum Wasser hin zu verschieben – und auf diese Weise Platz für einen neuen Stadtteil freizumachen, auf norwegisch – „ny by, ny flyplass“. Bisher nahm der Flugplatz auf der Landspitze breiten Raum ein. Rund 2500 Wohnungen könnten dort gebaut werden.

Kosten für den Umzug: 500 Millionen Euro

Die Kosten für das Projekt werden bisher mit umgerechnet rund 500 Millionen Euro beziffert. Knapp die Hälfte davon, 240 Millionen Euro, wurden bereits im norwegischen Verkehrsplan dafür reserviert. Darin ist auch die Beseitigung von Umweltverunreinigungen enthalten. Der neue Flugplatz soll weiterhin mit einer Startbahn ausgestattet sein, die auch Transatlantikflüge ermöglicht, im neuen Terminal sollen 2,5 Millionen Passagiere im Jahr abgefertigt werden können.  Der neue Flugplatz soll zwischen 2024 und 2026 fertig werden.

Bodø, Hauptstadt der Region Nordland, hat aktuell rund 51 000 Einwohner. Es ist die zurzeit letzte Station des norwegischen Bahnnetzes im Norden, Anlaufstelle der Hurtigruten sowie Ausgangspunkt für lokale Schiffe zu den Lofoten.

Der Flughafen mit dem meisten Passagierverkehr in Nordnorwegen ist aktuell Tromsø 2,2 Millionen im vergangenen Jahr). Der neue Flughafen Narvik/Harstad in Evenes, der sowohl zivil als auch militärisch genutzt wird, hatte im vergangenen Jahr 754 600 zivile Passagiere.

Mehr zum Flugverkehr im Norden:

Ab in den Norden – gerne mit dem Flugzeug

Die Lage von Bodø:

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Bitcoin, der isländische Stromverbrauch und der Stecker im Vulkan

Island.  Droht den Isländern Strommangel wegen Bitcoin? Manche Schlagzeilen der vergangenen Tage legen dies nahe, zum Beispiel im Spiegel. Auslöser war, dass der Sprecher des Energieunternehmens HS Orka zu AP sagte, er rechne damit, dass die Datenzentren für Kryptogeld in diesem Jahr mehr Strom verbrauchen werden als die isländischen Haushalte.

Gunnuhver

Thermalgebiet Gunnuhver mit Kraftwerk, Reykjanes

 840 Gigawattstunden für Computeroperationen – diese Zahl nannte der Sprecher gegenüber BBC – klingen  viel für eine 340 000-Einwohner-Insel und entsprechen tatsächlich dem  Verbrauch der Haushalte 2016. Doch der Privatverbrauch macht ohnehin nur einen  Bruchteil  der mehr als  18 000 Gigawattstunden Strom aus, die auf der Insel bereits erzeugt werden. Wie auch bei Morgunblaðið vor wenigen Monaten nachzulesen war, gingen 2016 allein zwei Drittel des isländischen Stroms in die drei großen Aluwerke (Alcoa, Norðurál, Rio Tinto).  Nur 1,2 Prozent (218 Gwh) verbrauchten 2016 die Datenzentren (isl. Gagnaver). Insgesamt gingen 2016 77,3 Prozent an Großverbraucher. Die restlichen 22, 7 Prozent teilten sich Privathaushalte, Landwirtschaft, kleine Unternehmen, Fischindustrie und Dienstleister.

Zwei Drittel des Stroms nur für Alu

Diese Struktur ist Folge des isländischen Industriepolitik der vergangenen Jahrzehnte. Politiker warben weltweit mit extrem günstigen Preisen aus erneuerbaren Energiequellen mit dem Ziel, Unternehmen anzuziehen und Arbeitsplätze zu schaffen. Der isländische Schriftsteller und Umweltaktivist Andri Snær Magnason schildert dies in seinem Buch „Traumland“ („Draumalandið“). Das Ergebnis war die Ansiedlung der energieintensiven Aluindustrie samt ihrer Nebenwirkungen. So kommt es, dass Island das Land mit dem höchsten Stromverbrauch pro Kopf ist. Die Energie steckt im Alu.

Þorsá

Þorsá, Búrfell, Trollkonuhlaup. Vor dem Bau
des Kraftwerks führte der Fluss mehr Wasser.

Dass der Strom auf Island zu 99,9 Prozent aus erneuerbaren Energien erzeugt wird, heißt nicht, dass dies keinen Preis hat. „Man kann nicht einfach einen Stecker in den Vulkan stecken“, sagte Magnason einmal bei einer Pressekonferenz gemeinsam mit Björk, als er für die Einrichtung eines Nationalparks im Hochland warb. Auch der Bau von Wasserkraftwerken oder Anlagen zur Geothermie greifen in die Natur ein. Besonders umstritten war der Bau des Kárahnjúkar-Staudamms.

Datenzentren sind nun offenbar „das neue Alu“. Nicht nur, dass der Strom auf Island billig ist, bei der Kühlung der Server hilft auch noch das örtliche Klima. Mit ähnlichen Argumenten hat Facebook seinen ersten Server außerhalb den USA im nordschwedischen Luleå angesiedelt.

Die Zukunft hängt von den Großen ab

Wie groß sind die  Kapazitäten der isländischen Stromerzeugung also noch?  HS Orkas Geschäftsführer sagte zu Morgunblaðið, er habe schon Leute abweisen müssen, die mit ihren Rechenzentren nach Island ziehen wollten, weil er den Strom nicht habe. Doch entscheidend dürfte sein, wie sich die großen Firmen in den nächsten Jahrzehnten entwickeln. Was, wenn eine schließen muss? Die Geschäftsführer von Landsvirkjun und von Orkuveita Reykjavíkur, zwei weiteren Energieversorgern, halten dies durchaus für möglich. Dann gäbe es plötzlich Strom im Überfluss. 

Pläne für neue kleine und mittlere Kraftwerke sind in der Entwicklung, ob sie tatsächlich umgesetzt werden, wird letztlich eine politische Entscheidung sein. Ebenso, wie Unternehmen wie Bitcoin dazu herangezogen werden können, auch etwas für Island zu leisten, wie Piraten-Politiker Smári McCarthy in einer Serie  Tweets darlegte. Das isländische Wort für Kryptogeld heißt übrigens „rafmynt“- etwa: „Strom-Münze“.

Nachtrag: Andri Snær Magnason auf Twitter zu Bitcoin:

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Island: Gemeinde sagt Nein zu Luxushotel am Nationalpark Þingvellir

Island. Fünf-Sterne-Hotel, 18-Loch-Golfplatz, Angestelltenunterkünfte  und Restaurant. Plus günstiges Hotel, Infozentrum und Campingplatz. Diese Idee war dem Gemeinderat von Bláskógabyggð am See Þingvallavatn zu groß. Die Umsetzung war zwar nicht  im Gebiet des Nationalparks Þingvellir geplant, aber direkt daneben am westlichen Ufer des Sees. Darüber berichtete unter anderem RÚV.

Þingvellir

Þingvellir

Täglich besuchen zahlreiche Touristen den Nationalpark Þingvellir – der historischen Örtlichkeit und der dramatischen Geologie wegen. Seit das Hotel Valhöll 2009 abbrannte, gibt es aber kein Hotel mehr in der Gegend, nur einen Campingplatz. Die Nachfrage wäre also da.  Dieses Projekt passe aber nicht in die Landschaft und nicht in die Nähe des Nationalparks, erklärte des Vorsitzende des Gemeinderats, Helgi Kjartansson, den Reportern von RÚV.

Die Gemeinde will die Tür aber nicht komplett zuschlagen und könnte sich gegenüber einem kleineren Projekt durchaus offen zeigen. Allerdings müsse vorher geklärt werden, ob auf der angedachten Fläche  überhaupt gebaut werden dürfe, da sie im Wasserschutzgebiet liegt. Man habe den Eignern geraten, sich zuerst an die Umweltbehörde zu wenden, so der Vorsitzende. Hinter den Hotelplänen stand ein isländisches Paar.

Allmannagjá

Allmannagjá

Þingvellir ist Islands ältester Nationalpark (seit 1928) und auch UNESCO-Welterbe (seit 1972). Zum einen ist es der Platz, wo die Isländer sich nach der Landnahme zur Volksversammlung trafen, sowohl, um Gesetze zu schaffen, als auch, um Gericht zu halten. Das „Alþingi“ gehörte zu den ältesten Parlamenten der Welt. Es wurde später von den Dänen aufgelöst.

Der geschichtsträchtige Ort befindet sich an einer auch geologisch interessanten Stelle: Dort driften die amerikanische und die eurasische Erdplatte auseinander. Spuren davon kann man im ganzen Gebiet sehen. Die Allmannagjá (Allmännerschlucht) ist besonders auffällig. In der Silfra-Spalte kann man in eiskaltem, aber klarem Wasser im Trockenanzug „zwischen den Platten“ tauchen oder schnorcheln.

Mehr zu isländischen Nationalparks:

Island: Kommt der Nationalpark Hochland?

 

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Rekord-Minus für das Januar-Eis in der Arktis

Noch wächst das arktische Eis wieder Monat für Monat – schließlich ist es Winter. Das Maximum wird üblicherweise im März erreicht. Das Dänische Meteorologische Institut (DMI) meldet nun einen Zwischenstand: Noch nie seit Beginn der Satellitenüberwachung 1979 gab es im Januar weniger Eis.

Eis in der Arktis

Wasser statt Eis: Je röter, desto stärker
ist die Abweichung vom Vergleichswert.
Quelle: DMI

Minus 20 Grad am Nordpol klinge zwar kalt, sei aber zehn Grad wärmer als der Durchschnittswert der früheren Vergleichsperiode.  „Wenn es in der Arktis warm ist, wie es das vergangene halbe Jahr war, hat das Eis schlechte Wachstumsbedingungen. Das bedeutet, dass die Fläche klein ist, aber auch, dass das Eis dünn ist“, erklärt Rasmus Tonboe, Eisforscher am DMI, auf der Internetseite des Instituts.

13,58 Millionen Quadratkilometer Eis maßen die Wissenschaftler Ende Januar. Tonboe bezweifelt, ob es noch reicht, um das durchschnittliche  Wintermaximum von 15 Millionen Quadratmetern im März zu erreichen.

Die Temperaturveränderungen sind dabei ungleich verteilt: Vor allem in der Barentssee und in der Beringsee fehle das Eis im Verhältnis zu einem normalen Jahr. Dünner sei es außerdem in der Beaufortsee nördlich von Kanada und Alaska.

Meer Eis

Meereis, Januar 2018. Quelle NSIDC

Tonboes Kollegen vom amerikanischen National Snow and Ice Data Center kommen zum selben Ergebnis. Der Winter hatte schon zögerlich angefangen: Ende November war die Tschuktschensee, das Meer nördlich der Beringstraße, noch offen.

Dass auf der Barentssee das Eis fehlt, merkt man auf Spitzbergen: Dort setzt sich der Trend zu wärmeren Temperaturen fort. Im Januar betrug der Durchschnittswert nach den Aufzeichnungen des norwegischen Wetterdienstes Yr -5,5 Grad – an einem Ort knapp unterhalb des 80. Breitengrades, in einem Monat, wo die Sonne gar nicht über den Horizont kommt. Erst am 15. Februar erscheint sie wieder. Trotzdem stieg das Thermometer im Januar auf bis zu sechs Plusgrade, der tiefste Wert lag bei -19,2 Grad. Wetteraufzeichnungen für die Inselgruppe reichen mehr als 100 Jahre zurück. Vor 2004 lagen die monatlichen Durchschnittstemperaturen für Januar nur selten im einstelligen Bereich. Das hat sich deutlich geändert.

Während es auf Spitzbergen jetzt öfter regnet statt friert und Eisbären Probleme bekommen, sich mit Nahrung zu versorgen, sind sinkende Wintertemperaturen in Osteuropa und den mittleren Breiten Asiens beobachtet worden. Wissenschaftliche Studien sehen einen Zusammenhang mit zunehmenden Anomalien des Polarwirbels, also des Bandes von starken Westwinden in der Stratosphäre um die Arktis, zu denen auch Faktoren wie weniger Meereis im Bereich der Barentssee und Karasee beigetragen haben könnten.

 

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Saubere Luft dank fossilfreiem Schweden-Stahl?

Schweden. Der schwedische Stahlhersteller SSAB ist der größte Luftverschmutzer des Landes. Gemeinsam mit dem Bergbauunternehmen LKAB und dem Energieriesen Vattenfall hat SSAB jedoch ein neues Verfahren erarbeitet, mit dem der komplette Prozess ohne fossile Energieträger auskommen würde. Dadurch würde der CO2-Ausstoss von Schweden um zehn Prozent und der von Finnland um sieben Prozent sinken.

Hochofen

Hochofen. Foto Hugo Lejon/SSAB

580 000 Tonnen Kohle, antransportiert aus Ländern wie Australien,  verbraucht SSAB jährlich für die Produktion in den Hochöfen von Luleå, Oxelösund (Schweden) und Raahe (Finnland), wie SVT berichtet. Sie wird als Reduktionsmittel benötigt, als Abfallprodukt entsteht CO2 – weshalb SSAB trotz ständiger Neuerungen immer noch allein für zehn Prozent des CO2-Ausstoßes des Landes verantwortlich ist.

Das soll sich ändern: Die drei Unternehmen haben gemeinsam ein neues Verfahren entwickelt, mit dem die Kohle bei der Reduktion durch Wasserstoff ersetzt werden soll. Der Wasserstoff soll mit Hilfe erneuerbarer Energien erzeugt werden, wie es sie in Nordschweden bereits gibt und noch ausgebaut werden soll (Wasserkraft, Windkraft). Als Abfallprodukt würde dann nur Wasser entstehen.

In diesem Jahr sollen die Arbeiten für Pilotanlagen in Luleå sowie rund 250 Kilometer nordwestlich davon, im Erzabbaugebiet („Malmfälten“) beginnen, heißt es in Pressemitteilungen sowohl von SSAB als auch von LKAB. Umgerechnet rund 2 Millionen Euro soll die Umsetzung kosten. Die Hälfte davon übernimmt die schwedische Energiebehörde, den Rest teilen sich die Firmen. Das Projekt heißt HYBRIT  (Hydrogen Breakthrough Ironmaking Technology)

Stahl

Stahlherstellung. Foto Karoliina Krook/SSAB

„Fossilfreie Stahlproduktion beginnt schon im Bergwerk. Aktuell arbeiten wir intensiv daran, wie die nächste Generation von Pelletanlagen aussehen wird, und ebenso, wie ein zukünftiges elektrifiziertes und noch stärker automatisiertes Bergwerk gestaltet werden sollte“ so Jan Moström, Geschäftsführer von LKAB, Europas größtem Erzabbau-Unternehmen.

Die Erprobung der neuartigen Stahlherstellung und die Umstellung der Gesamtproduktion  wird einige Jahre in Anspruch nehmen. Die HYBRIT-Gesellschafter rechnen mit fossilfreiem Stahl ab 2045. Schon vorher soll aber der CO2-Ausstoß der drei Hochöfen verringert werden. Das Projekt ist ein wichtiger Baustein bei Schwedens Bemühungen, die in Paris festgelegten Klimaziele zu erreichen.

Das fossilfreie Produkt, darauf weisen die Unternehmen hin, werde bei den heutigen Preisen etwa 20 bis 30 Prozent teurer sein. Sie setzen allerdings auf sinkende Strompreise und steigende Kosten für CO2-Emissionen. Eine Vorstudie hatte gezeigt, dass die fossilfreie Stahl-Variante wettbewerbsfähig sein würde. SSAB-Chef Martin Lindquist hät es für eine Zukunftstechnologie. Zurzeit gehen allein sieben Prozent der CO2-Emissionen weltweit auf die Stahlherstellung zurück.

So soll es funktionieren – die Werbung für HYBRIT:

 

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Filmmusik-Komponist Jóhann Jóhannsson gestorben

Island/Berlin. Der isländische Komponist Jóhann Jóhannsson ist am Freitag tot in seiner Wohnung in Berlin gefunden worden. Das machte sein Manager öffentlich.  Jóhannsson war erst 48 Jahre alt.  Er komponierte zunächst Musik für isländische Filme. Dann wurde er auch international damit erfolgreich und erhielt unter anderem einen Golden Globe für den Soundtrack zu „Die Entdeckung der Unendlichkeit“. Jóhann Jóhannsson war auch für die Musik von „Trapped – Gefangen in Island“ verantwortlich, die in vielen Ländern, darunter  Deutschland, ausgestrahlte Thriller-Serie seines Landsmannes Baltasar Kormákur. Die Polizei ermittelt in dem Fall.

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Das Mädchen Alex und das isländische Namensrecht

Island. Die restriktive Praxis der isländischen Namensbehörde macht gerade wieder Schlagzeilen auf der Insel. Ein Elternpaar will  vor Gericht ziehen, weil ihre inzwischen vierjährige Tochter nicht Alex Emma heißen darf. Zurzeit ist sie bei den Behörden als „stúlka“ („Mädchen“) eingetragen. Darüber berichtete Morgunblaðið.

Namensbehörde

Screenshot aus der Liste zulässiger Namen.
Quelle Mannanafnanefnd

Die Namensbehörde (Mannanafnanefnd) hatte den Namen Alex für ein Mädchen abgelehnt, weil dieser auf Island als Jungenname etabliert sei. Alexa, Alexis und sogar Alexstrasa wären erlaubt. Wer seinem Kind einen Namen geben will, der noch nicht im Verzeichnis der Behörde aufgenommen worden ist, muss dies extra beantragen. Beurteilt wird unter anderem, ob der Name sich nach den isländischen Grammatikregeln beugen lässt und ob er eindeutig einem Geschlecht zugeordnet werden kann. An ersterem scheiterte vor einigen Jahren eine Harriet, an letzterem nun die Eltern mit dem Mädchen Alex.

Die Namensbehörde musste sich aber schon früher Gerichtsurteilen beugen, auch wenn dies von den Eltern einen langen Atem verlangt, wie Islandsbloggen in Erinnerung ruft: Nach langem Rechtsstreit bekam das Mädchen Blær Bjarkardóttir, inzwischen 15, einen Ausweis mit eben diesem Namen, der bisher nur für Jungen galt. Sogar eine weibliche Figur aus Halldór Laxness´“Fischkonzert“ musste als Argument herangezogen werden. Die bisherigen Mädchennamen Auður und Elía dürfen inzwischen auch für Jungen genutzt werden.

Die Kinder Harriet und Duncan aus eine britisch-isländischen Familie habe inzwischen auch ihre Pässe mit richtigen Vornamen – in die Liste aufgenommen wurden diese aber nicht.

Jón Gnarr

Jón Gnarr. Foto Dontworry/CC BY-SA 30

Auch um Nachnamen gibt es immer wieder Ärger. Prominentester Streiter war Jón Gnarr, unter diesem Namen bekannt als Komiker und als Bürgermeister von Reykjavík. Gnarr war aber offiziell nur sein Mittelname. Anders als in den meisten anderen Ländern gibt es auf Island keine Familiennamen: Ein Kind erhält einen Vornamen und bekommt dann einen Nachnamen, indem an den Vornamen von Vater oder/und Mutter -son oder -dottir angehängt wird (Patronym oder/und Matronym). Bei ausländischen Behörden kann es zu Verwirrung führen, wenn Eltern und Kinder komplett unterschiedlich heißen. Nur Ausländer und Familien, in denen der Familienname einer historischen Tradition entstammt, tragen Nachnamen, wie sie anderswo auch üblich sind.

Gnarr wollte seinen Vatersnamen Kristinsson auch offiziell loswerden und seinen Kindern Gnarr als Familiennamen geben. Neue Familiennamen sind auf Island aber nicht erlaubt. Gnarr änderte seinen Namen dann während eines Auslandsaufenthaltes der Familie in den USA. Doch es dauerte, bis dies auch die isländische Behörde anerkannte.

Anläufe, die Gesetz für diese restriktive Praxis zu ändern, gab es in den vergangenen Jahren schon. Doch die jüngsten Regierungen hielten alle nicht lange, seit den letzten regulären Wahlen 2013 waren die Isländer noch zweimal zu den Urnen gerufen worden. Seit dem vergangenen November ist nun Katrín Jakobsdóttir Premierministerin. Möglicherweise beschleunigt die Diskussion um „Alex“, die zuletzt sogar im Parlament geführt wurde,  die Umsetzung  der früheren Pläne.

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