Spitzbergen (Norwegen). Nach einem rekord-warmen Frühjahr hatte Spitzbergen nun auch einen rekord-warmen Juni. Das meldete das norwegische meteorologische Institut. Viele Stationen, darunter auch solche mit sehr langen Messreihen, verzeichneten einen bisher nie gemessenen Monatsdurchschnitt. Das hat auch Folgen für den Permafrostboden.
Ein Zeichen für den Sommer in Longyearbyen ist, wenn am Operafjell der Stiel des „Champagnerglases“ wegschmilzt – einem Schneefeld in besagter charakteristischer Form, das aufgrund der geologischen Gegebenheiten jedes Jahr zuletzt schmilzt. „Stetten har gått“, heißt es dann, und die Lokalzeitung Svalbardposten lässt jedes Jahr wetten, wann es wohl soweit sein wird. In diesem Jahr war das am 15. Juni kurz vor Mitternacht, wobei es ja im Juni auf Spitzbergen nicht dunkel wird. Früher schmolz der Stiel bisher nur 2022. Zwar gab es dieses Jahr kurz danach noch einmal einen kurzen Temperatureinbruch und Schneetreiben. Doch das änderte nichts daran, dass der Juni insgesamt ungewöhnlich warm ausfiel. Am 9. Juni maß die Station Longyeardalen Central sogar eine Höchsttemperatur von 13,8°C.
Langjährige Messstationen mit nene Rekorden
Diese Stationen haben neue höchste Juni-Durchschnittswerte gemessen:
- Akseløya, Messreihe seit 1898, alt: 4°C (2016), neu: 4,8°C
- Sørkappøya, seit 1908, alt: 3,3°C (2023), neu: 3,6°C
- Svalbard Lufthavn, seit 1898/1975, alt: 6,1°C (2024), neu: 6,4°C
- Verlegerhuken, seit 1997, alt: 2,4°C (2024), neu: 3,2°C
- außerdem: Bjørnøya (etwas südlich der eigentlichen Inselgruppe), seit 1910, alt: 5,3°C (2013), neu: 5,5°C
Die aktuelle Station Svalbard Lufthavn wurde mit dem Flughafen 1975 eingerichtet. Es liegen jedoch zahlreiche Messserien aus der Region am Isfjord vor, auf deren Grundlage Daten für den Standort rekonstruiert wurden, um einen Vergleichswert zu haben.
Obere Schicht des Permafrostbodens taut schon früh auf

Permafrost-Messung Janssonhaugen, hier: Wie tief liegt die Frostgrenze? Quelle: cryo.met.no
Auch die Frühlingsmonate waren sehr warm ausgefallen, sodass der Schnee in den tieferen Lagen schon früh schmolz. Für die Stationen Hopen (seit 1945), Svalbard Lufthavn und Ny-Ålesund (seit 1974) wurde es das wärmste Frühjahr seit Beginn ihrer Messungen.
Diese Wärme macht sich auch im Boden bemerkbar. Die Permafrost-Messstation Janssonhaugen auf 275 Metern über dem Meer verzeichnet schon jetzt einen aufgetauten Boden bis in 1,5 Meter Tiefe.
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