Norwegen. Die Ankündigungen der norwegischen Stromnetz-Gesellschaft Statnett haben Nordnorwegen geschockt: Nördlich von Svartisen, also ungefähr nördlich des Polarkreises, wird es zunächst keine neuen Zusagen für größere Energielieferungen geben. In der Ostfinnmark wird die zur Verfügung stehende Summe für „gewöhnlichen Verbrauch“ sogar von 5 MW auf 1 MW gesenkt. Der Grund: Die Kapazitäten des Netzes reichen nicht für mehr. Abhilfe wird es erst ab etwa 2030 geben. Politiker und Wirtschaftsakteure sind entsetzt. Darüber berichtete unter anderem NRK.
Nordnorwegen gehört eigentlich zu den Landesteilen mit günstigen Strompreisen, große Teile des Jahres gibt es dort einen Überschuss. Doch die Netzkapazitäten reichten nicht, den Strom zu den Kunden zu bringen, wenn der Verbrauch so ansteige wie bisher, meint Statnett. Die Gesellschaft rechnet damit, dass der Stromverbrauch in den kommenden zehn Jahren noch um 60 Prozent steigen wird. Gebe es einmal zu wenig Strom, könne er mit den vorhandenen Netzkapazitäten nicht ausreichend aus Mittelnorwegen oder Schweden zugeführt werden. Der Flaschenhals in Norwegen befinde sich am Svartisen, so Statnett in der Pressemitteilung.
Bestandskunden erhalten weiter ausreichend Strom
Laut Statnett soll die Beschränkung der Versorgungssicherheit der Bestandskunden dienen. Diejenigen, die für ihre Pläne schon eine Zusage haben, würden diesen Strom auch erhalten. Darunter sind Datencenter und Hydrogen-Ammoniak-Fabriken.
Netzausbau und Kraftausbau
Das Problem soll zum einen durch einen weiteren Netzausbau gelöst werden. Geplant ist eine 420 kV-Leitung zwischen Lebesby und Skaidi sowie eine Verbindung nach Finnland. Um neue Industriebetriebe ansiedeln zu können, müsse im Norden aber auch mehr Strom erzeugt werden.
Zahlreiche Projekte stehen nun auf der Warteliste, wie NRK zeigt – darunter die Erzgrube bei Kirkenes, die wieder öffnen soll, und weitere Ausbaustufen von neuen Projekten wie Datencentern und Ammoniakfabriken.
Besondere Beschränkungen in der Ostfinnmark
Als Grenze für „normalen Verbrauch gelten weiträumig 5 MW. Für Sør-Varanger an der Grenze zu Russland gab es schon früher eine 1-MW-Grenze. Eine solche gilt nun auch für Lakselv, Adamselv, Tana Bru und Varangerbotn, alles darüber muss direkt mit Statnett abgeklärt werden. Das Netz in der Ostfinnmark sei voll ausgenutzt, so Statnett. Kunden mit einem Verbrauch von unter 1 MW werden weiter von den lokalen Netzgesellschaften bedient und sind von der Änderung nicht betroffen.
Schock vor Ort
Ein Schock waren die Ankündigungen von Statnett nicht nur für die betroffenen Firmen in der Warteschlange, sondern auch für die kommunalen Politiker. Von neuen Firmen erhoffte man sich Arbeitsplätze. Elektrifizierungen – sowohl Busse als auch Landstrom für große Schiffe – waren ein wichtiges Element der Klimaschutzmaßnahmen.
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