Norwegen. Die norwegische Sockelbehörde meldet einen neuen Ölfund in der Barentssee. Das entdeckte Vorkommen liegt im weiteren Umfeld der Johan-Castberg-Brunnen, etwa sechs Kilometer entfernt. Es umfasst 1,2 bis 1,7 Millionen Standardkubikmeter ausbeutbare Ölequivalente, was etwa 7,6 bis 10,5 Millionen Barrel entspricht. Das ist an sich nicht beeindruckend – doch die bereits vorhandene Infrastruktur, das System um das Produktionsschiff Johan Castberg, könnte eine Ausbeutung interessant machen.
Johan Castberg ist aktuell das nördlichste Ölfördergebiet auf dem norwegischen Festlandsockel, 240 Kilometer nordwestlich von Hammerfest. Es ist seit Frühjahr 2025 in Betrieb. Die Barentssee ist an dieser Stelle rund 350 Meter tief und das Land weit weg, was mehr Aufwand bedeutet. Über eine Installation am Meeresboden wird das Öl herausgeholt und nach oben auf das Produktionsschiff Johan Castberg gepumpt, täglich 220 000 Barrel. Von dort geht es direkt per Tanker an die Kunden. Das Netz umfasst insgesamt 30 Brunnen.
Fast 8 Millarden Euro Investitionskosten für Johan-Castberg-Anlage
Bisher gehen die Betreiber von insgesamt 95,4 Millionen Standardkubikmeter ausbeutbaren Öls dort aus, rund 600 Millionen Barrel. Eine zusätzliche Quelle würde die Wirtschaftlichkeit dieser Anlage für einst 86 Milliarden NOK (etwa 7,9 Milliarden Euro) Investitionskosten erhöhen und die Nutzungsmöglichkeit etwas verlängern. Neben Betreiber Equinor mit 46,3 Prozent Anteil sind auch Vår Energi (30 Prozent) und Petoro (23,7 Prozent) beteiligt.
Johan-Castberg-Vorkommen soll 30 Jahre lang ausgebeutet werden
Die Ausbeutung der Vorkommen im Johan-Castberg-Gebiet war umstritten: Equinor geht davon aus, dass das Produktionsschiff dort etwa 30 Jahr im Einsatz sein wird. Die Ausbeutung der Vorkommen wird also bis in die Zeiten dauern, in denen eigentlich gar keine fossilen Kraftstoffe mehr benutzt werden sollten, um das Klima nicht weiter anzuheizen. Und nicht nur der Verbrauch des Öls erzeugt CO2, sondern bereits die Förderung und Verarbeitung sowie der Transport. Bisher setzt Norwegen aber weiter auf die Entwicklung der Ölindustrie.
Frühere Artikel zum Thema:
- Norwegen sucht mehr Gas und Öl – und öffnet alte Brunnen
- Norwegen: 57 neue Lizenzen für Öl- und Gassuche vergeben
- Norwegens nördlichste Ölförderung jetzt in Betrieb

