US-Vertreter in Grönland: Neuer Tonfall, altes Ziel

Grönland. Tonfall und Taktik haben sich geändert, doch die Grönländer wittern das eigentliche Ziel. Diese Woche sind der US-Botschafter in Dänemark, Ken Howery, und der Sondergesandte der US-Präsidenten für Grönland, Jeff Landry, in Nuuk. Unter anderem wird ein neues, großes US-Konsulat eingeweiht. Die beiden werden um Vertrauen, doch die Vorgeschichte sitzt tief. Darüber berichten Sermitsiaq, KNR und DR.

Grafik mit drei Flaggen: USA, Dänemark, Grönland

Polit-Krimi: USA, Dänemark und Grönland. Grafiken Flying Cloud Design/ Vectorportal

Heute beginnt in Nuuk die zweitägige Wirtschaftskonferenz Future Greenland, zu der sich Howery und Landry angemeldet haben. Gestern gab es kurzfristig noch ein Treffen zwischen den beiden und Grönlands Premierminister Jens-Frederik Nielsen (Demokraten) sowie dem neuen grönländischen Außenminister Múte B. Egede von der linken Partei Inuit Ataqatigiit. Egede war Regierungschef, als Donald Trump zum zweiten Mal ins Amt kam, und ist mit den damaligen Drohungen  nur zu vertraut.

„Nicht zu verkaufen“

Über den Verlauf des Gesprächs äußerten die beiden Grönländer in der Pressekonferenz nicht allzu viel, denn eine Kommunikatation über die Presse sei nicht der richtige Weg. Aber sie hätten Grönlands Botschaft klargemacht: Grönland und die grönländischen Gesellschaft seien zu respektieren. Und das Land sei nicht zu verkaufen. Kooperation dagegen sei erwünscht. Die beiden verwiesen außerdem auf die Arbeitsgruppe aus hochrangigen grönländischen, dänischen und US-Vertretern, die immer noch berate. 

Landry will „zuhören und lernen“

Sowohl Landry als auch Howery bemühten sich um einen freundschaftlichen Ton. Laut DR sagte Landry bei seiner Ankunft am Sonntag, er sei in Grönland, um zuzuhören und zu lernen. Und die Botschaft von Donald Trump sei, er solle viele Freunde gewinnen. Für Erstaunen sorgte allerdings Landrys Behauptung gegenüber Sermitsiaq, die USA hätten im Gegensatz zu den Europäern nie Imperialismus und Kolonialismus betrieben. Botschafter Howery warb in einem Debattenbeitrag in Sermitsiaq für das neue Konsulat, das „ein langfristiges Engagement in Partnerschaft mit Grönland“ widerspiegele. 

US-Arzt will Grönlands Gesundheitswesen studieren

Grönländische Politiker sind außerdem irritiert darüber, dass Landry einen Arzt mitgebracht hat, der das grönländische Gesundheitswesen studieren wolle. Man erinnere sich in diesem Zusammenhang an Donald Trumps Ankündigung, ein Lazarettschiff zu schicken. „Zutiefst problematisch“, findet das Gesundheitsministerin Anna Wangenheim, Grönländer seien keine Versuchobjekte in einem geopolitischen Projekt. Dabei hätte Landry aber einen wunden Punkt getroffen, meint Politikwissenschaftler Ulrik Pram Gad gegenüber DR, denn das grönländische Gesundheitswesen sei herausgefordert. Die Lösungen der Amerikaner seien allerdings unglaubwürdig und bizarr. 

Das Ziel ist geblieben

Schöne Worte und mitgebrachte Schokoladentaler können allerdings nicht vergessen machen, was das Ziel ist, von dem Donald Trump bisher nicht Abstand genommen hat: Grönland übernehmen. Dazu passt, was die New York Times jüngst veröffentlichte: Die USA verhandelten über das bereits vorteilhafte Militärabkommen, um sich eine ewige Präsenz zu sichern, auch wenn Grönland einmal unabhängig würde. Außerdem wollten sie sich weitgehende Mitspracherechte über das Militärische hinaus sichern.

Frühere Artikel zum Thema:

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Letzter Sommer für Besucherzentrum von Andøya Space

Andøya (Norwegen). Das Besucherzentrum von Andøya Space auf den Vesterålen öffnet heute nach der Winterpause zu seiner letzten Saison. Bis Ende September kann man dort noch täglich das virtuelle Raumschiff Aurora und den Escape Room besuchen. Ende September ist endgültig Schluss: Ein wirtschaftlicher Betrieb sei nicht ohne Investitionen möglich, und Andøya Space wolle sich auf seine Kernaufgaben konzentrieren, teilte das Unternehmen mit

Spaceship Aurora. Foto Andøya Space

Das Besucherzentrum wurde 2014 eingerichtet, mit dem Ziel, Begeisterung für die Raumfahrt zu wecken. Im virtuellen Raumschiff Aurora gibt es eine interaktive Ausstellung für alle Altersgruppen mit Raketen basteln, Astronautentraining und „Nordlyskabinett“ zur Nordlichtforschung. Im Escape Room (Escape 42) geht es um nichts weniger als die Welt zu retten.  

Kerngeschäft Raketenstarts

Das Kerngeschäft von Andøya Space ist dagegen seit sechs Jahrzehnten, echte Raketen ins All zu schießen – von Beginn an Höhenforschungsraketen und Forschungsballone, seit Neuestem auch Orbitalraketen mit Kleinsatelliten. Der erste erfolgreiche Flug hätte dieses Frühjahr stattfinden sollen. Die Raketenfirma Isar Aeropace hatte den Start letztlich abgebrochen und ist noch dabei, einen erkannten Fehler zu beseitigen. Aber die technischen Möglichkeiten vor Ort sind bereit.

Wachsende Aktivitäten

Weitere Geschäftsfelder von Andøya Space sind Techniktests zu militärischen Zwecken und seit einiger Zeit auch Drohnen. 90 Prozent der Einrichtung gehören dem norwegischen Staat, zehn Prozent dem norwegischen Rüstungsunternehmen Kongsberg Defence & Aerospace. Aktuell wachsen diese Aktivitäten, das Unternehmen arbeite eng mit norwegischen und internationalen Partnern in den Bereichen Raumfahrt, Luftfahrt, Verteidigung und öffentlicher Sicherheit zusammen, schreibt Bladet Vesterålen. Deswegen habe Andøya Space nun Räume in Bodø angemietet, zusätzlich zu Büros in Oslo und Tromsø. Diese Büros seien auch wichtig, um die Verbindungen zu Behörden, Wirtschaft und Forschung zu pflegen, so Geschäftsführer Ketil Olsen zu dem Medium.  

Zu den jüngsten Raketenstart-Versuchen:

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Neues Waffengesetz für Grönland – unter Vorbehalt

Grönland. Das grönländische Parlament hat ein neues Waffengesetz beschlossen. Es gibt nun neue Altersgrenzen und Vorschriften, wie Waffen und Munition aufzubewahren sind. Das Gesetz kann aber noch nicht in Kraft treten: Grönland hat dieses Sachgebiet noch nicht übernommen, und deshalb muss nun auch der Folketing in Kopenhagen darüber abstimmen. Darüber berichteten Sermitsiaq und KNR.

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Vor 100 Jahren: Mit dem Luftschiff zum Nordpol

Norwegen. Das Luftschiff „Norge“ brauchte im Mai 1926 72 Stunden, um von Ny Ålesund auf Spitzbergen nach Teller in Alaska zu fliegen. Am 12. Mai überquerte es dabei den Nordpol. Polarforscher Roald Amundsen, Luftschiffkonstrukteur Umberto Nobile, Finanzier Lincoln Ellsworth und ihre Crew waren vermutlich die Ersten, diesen Punkt erreichten. An diese erfolgreiche Fahrt erinnern in Vadsø und Ny Ålesund noch die Masten, an denen das Luftschiff festgemacht war. Vor kurzem wurde auch dem Mast in Vadsø nun unter Denkmalschutz gestellt.

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Nach Jahrhunderten: Manuskripte als Leihgabe zurück auf Island

Reykjavík (Island).  Das Árni-Magnússon-Institut in Reykjavík, das alte isländischen Handschriften aufbewahrt und ausstellt, hat Besuch. Fünf historische Handschriften, die die vergangenen Jahrhunderte auf dem Kontinent verbracht haben, sind für ein halbes Jahr zurück auf Island, darunter eins der vier Hauptbücher der Snorra-Edda. Dieses Manuskript und ein weiteres haben die Zeit in der Universitätsbibliotek von Uppsala überdauert, drei weitere stammen aus der Königlichen Bibliothek in Stockholm. Darüber berichtete unter anderem mbl.is.

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Fluglotsen vor Ort: Wieder mehr Landungen in Nuuk erlaubt

Nuuk (Grönland). Seit dem Herbst ist die Anzahl von Starts und Landungen pro Stunde auf dem Flughafen Nuuk aus Sicherheitsgründen stark eingeschränkt. Doch nun hat die Aufsichtsbehörde Nuuks lokales Fluglotsenkonzept genehmigt. Diese sind ab heute im Einsatz. Damit darf die Frequenz nun schrittweise erhöht werden. Darüber berichtete Sermitsiaq.

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„Norwegisches Northvolt“ Morrow hat Involvenz angemeldet

Arendal (Norwegen). Das nächste skandinavische Batterie-Start-up hat Insolvenz angemeldet: Morrow aus dem südnorwegischen Arendal. Das Unternehmen war oft als „norwegisches Northvolt“ bezeichnet worden, hatte aber einen deutlich vorsichtigeren Ansatz und auch ein etwas anderes technisches Portfolio. Trotzdem hat es nicht gereicht: Nur wenige Wochen nach dem verkündeten Start der kommerziellen Produktion war das Geld aus. Darüber berichteten NRK und Energy Storage.

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Weniger Toiletten und Feuerholz an finnischen Wanderwegen

Finnland. Gut markierte Wanderwege, Rastplätze und Übernachtungshütten mit Trockentoiletten machen es in Finnland einfach, sich für kürzere oder längere Zeit hinaus in die Natur zu begeben. Doch das Budget der Forstbehörde (Metsähallitus) für den Unterhalt dieser Infrastruktur wurde massiv gekürzt. Um Geld zu sparen, werden nun etwa acht Prozent der Serviceleistungen eingespart – Hütten und Toiletten geschlossen und Grillplätze nicht mehr mit Feuerholz beliefert. Zur Planung einer Route kann man sich vorab auf luontoon.fi über die aktuelle Situation informieren. 

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Kirunas neues Schwimmbad ist jetzt in Betrieb

Kiruna (Schweden). Ein weiterer Meilenstein in Kiruna ist erreicht: Gestern wurde nach wiederholten Verzögerungen das neue Schwimmbad, genannt Midnattssolbadet, eröffnet. Die Bewohner kamen zahlreich, um es zu testen. Bleibt nur noch ein Problem: Die Rechnung von insgesamt 1,37 Milliarden SEK (130 Millionen Euro). 

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Mit dem Zug nach Oslo – Optionen 2026 und 2028

Die deutsche, dänische und norwegische Bahn kündigten gestern eine neue Direktverbindung an: Berlin-Oslo, über Hamburg, Kopenhagen, Malmö und Göteborg. Der Zug soll tagsüber fahren. Der Beginn ist für 2028 geplant. Schon diesen Sommer, am 15. Juni, startet dagegen die Oslo-Verbindung von Snälltåget, angeschlossen an den Nachtzug nach Schweden.

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