Grönland/Island/Norwegen. Wie bereitet man sich darauf vor, dass der Piteraq öfter und stärker kommt als früher? Wenn der Permafrost taut? Wenn es mehr Erdrutsche und Lawinen gibt? Abgelegene arktische Siedlungen erleben längst den Klimawandel und müssen Strategien finden, um damit umzugehen. Ein Forschungsprojekt sammelt und entwickelt diese gemeinsam mit den betroffenen Kommunen. Ein besonderer Fokus liegt dabei auf Tasiilaq (Grönland), Longyearbyen (Spitzbergen, Norwegen) sowie Seyðisfjörður und Neskaupstaður (Island). Das Projekt „Sustainable and Resilient Communities in remote settlements in the Arctic in the Age of Climate Change „ wird finanziert von Nordforsk, einer Einrichtung des Nordischen Rates.

Komponenten für den Piteraq, März 2026. Das Tief wanderte später westlich. Links unten Ex-Fiona. Quelle: metoffice.gov.uk, @Crown Copyright, Contains public sector information licensed under the Open Government Licence v3.0
Der Piteraq ist ein extrem starker, kalter Fallwind, der sich bei bestimmten Bedingungen über dem Inlandeis bildet und vor allem beim ostgrönländischen Tasiilaq mit bis zu 300 km/h hinunterweht. Wie der langjährige örtliche Zivilschutzleiter Hendrik Andreassen gegenüber Sermitsiaq berichtet, ist das Zeitfenster, in dem das Phänomen normalerweise auftritt, größer geworden. Er und andere Akteure des Zivilschutzes trafen sich jüngst mit Wissenschaftlern zu einer Krisenübung, bei der die möglichen Szenarien und Strategien bei einem Piteraq zusammengetragen wurden. Wohin können die Leute bei Stromausfall gehen, und wie kommuniziert man überhaupt mit ihnen, wenn es keinen Strom gibt? Der letzte Piteraq war gerade im März gewesen.
Im Fokus: Tasiilaq, Longyearbyen, Seyðisfjörður und Neskaupstaður
Neben dem sturmerfahrenen Tasiilaq werden auch Longyearbyen (tauender Permafrost, Lawinen) sowie Seyðisfjörður und Neskaupstaður (unter anderem Lawinen) näher betrachtet. Dabei geht es unter anderem um die verschiedenen Strategien und Vorsorgemaßnahmen wie Warnsysteme, mögliche Umsiedlungen und Bereitschaft. Das Forschungsprojekt hat im vergangenen Jahr begonnen und wird noch bis 2028 dauern.
Zivilschutz-Wissen erhalten und vermitteln
Jóhanna Gísladóttir vom Universitätszentrum der Westfjorde gehört zum Forscherteam und verweist gegenüber Nordic Labour Journal auf Unterschiede in den untersuchten Siedlungen, über die Naturphänomene hinaus: Während es sich in Grönland um Inuit-Communities handele, gebe es in Longyearbyen eine hohe Fluktuation. Auch auf Island gebe es einen hohen Anteil von Zugezogenen: „Das bedeutet, dass es Menschen gibt, die nichts über das Risikomanagement wissen, daher sind die Bedürfnisse unterschiedlich. Aber all diese verschiedenen Gemeinschaften können voneinander lernen.“
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