Grönland verbietet Einleitung von Scrubber-Abwässern

Grönland. Schweröl als Schiffstreibstoff ist in vieler Hinsicht problematisch – selbst wenn die Abgase gereinigt werden. Denn die Schadstoffe landen bei diesen sogenannten Scrubbersystemen zwar nicht mehr in der Luft, aber im Wasser. Das grönländische Parlament beschloss nun ein Einleitungsverbot für solche Abwässer in der gesamten Zwölf-Seemeilen-Zone und geht damit noch über die Regelung hinaus, auf die sich vergangenes Jahr die OSPAR-Länder einigten. 

Hafen Nuuk. Foto Thomas Christiansen

Scrubbersysteme wurden entwickelt, um weiter das billige Schweröl zu benutzen und trotzdem die Abgasrichtlinien für Schiffe hinsichtlich des Schwefelgehalts einhalten zu können. Dabei wird alkalisches Wasser in den Abgasstrom gesprüht und bindet das Schwefeldioxid. In der einfachen Variante wird dazu Seewasser genutzt und samt der Verunreinigungen wieder ins Meer verklappt. Damit geraten aber nicht nur die Schwefeloxide ins Meer, sondern auch Schwermetalle und andere Rückstände. Diese sogenannte Open-Loop-Methode wird laut Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie von 85 Prozent der Schiffe benutzt. Eine andere Variante sind Hybrid- und Close-Loop-Systeme, bei denen das Abwasser teilweise wiederverwertet werden kann und geringere, aber konzentriertere Mengen ins Meer geleitet werden.

Einleitung aus Open-Loop-Systemen ab 1. Juli 2027 verboten

Die Einleitung von Abwasser aus Open-Loop-Scrubbersystemen sollen nun nach dem einstimmigen Beschluss im grönländischen Parlament bereits ab dem 1. Juli 2027 verboten werden. Das Einleitungsverbot für Abwässer aus allen anderen Scrubbersystemen soll dann am 1. Juli 2029 folgen. Das heißt nicht, dass Schiffe mit dieser Technologie nicht fahren dürfen: Wenn sie statt Schweröl den schwefelarmen, aber teureren Treibstoff verwenden, brauchen sie keinen Scrubber. 

Zeitplan synchron zu OSPAR-Beschluss

Grönlands Zeitplan ist synchron zu dem der Länder, die der OSPAR-Konvention zum Meeresschutz im Nordostatlantik beigetreten sind. Diese haben vergangenes Jahr ebenfalls den stufenweisen Bann von Scrubber-Abwässern beschlossen, allerdings nur für Häfen und „innere Gewässer“. Einzelne haben dies aber bereits auf ihre  Territorialgewässer ausgeweitet, wie Dänemark, Schweden und Finnland.

Grönland geht über OSPAR-Beschluss hinaus

Grönland ist als Teil des Dänischen Königreiches auch Mitglied von OSPAR, allerdings umfasst das OSPAR-Gebiet lediglich Ostgrönland. Die grönländische Regierung hatte sich bereits im Dezember 2025 darauf verständigt, den OSPAR-Beschluss im ganzen Land und nicht nur an der Ostküste umzusetzen. Auf Antrag eines Demokraatit-Abgeordneten wird das Einleitungsverbot nun auf das komplette Hoheitsgewässer ausgeweitet. Die Grönland-eigene Reederei Royal Arctic Line fährt bereits seit einem Jahr nicht mehr mit Schweröl.

Im Bereich Spitzbergen herrscht bereits Schweröl-Verbot:

Erster Verstoß gegen Schweröl-Verbot: Hohes Bußgeld

 

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Baustopp bei Hochhaus-Hotel in Reykjavík

Reykjavík (Island). Reykjavík hat eine neue Landmarke – aber nicht so wie gedacht. Das 17-stöckige zukünftige Radisson RED-Hotel, das alle Nachbargebäude bei weitem überragt, ist nämlich noch gar nicht fertig, und es ist unklar, wann das sein wird. Seit Montag ist der Bau gestoppt. Touristen, die dort eigentlich schon hätten übernachten sollen, wurden umgebucht. Darüber berichteten unter anderem RÚV und mbl.is. 

Nicht weit vom neuen Hotel entfernt befindet sich Sólfar von ón Gunnar Árnason.

Die Bauweise des Hotels ist ungewöhnlich: Zwar wurde vor Ort ein Fundament gegossen und  zwei Türme aus Stahlbeton für den Fahrstuhl hochgezogen. Die Wohneinheiten – 214 Zimmer – wurden jedoch als Module in Polen gefertigt. Ganz oben sollte eine Bar mit Aussichtsterrasse entstehen. Das Problem: Es gibt einen Wasserschaden an den Modulen. Laut einem der Investoren gegenüber mbl.is ist der Schaden größer als ursprünglich eingeschätzt. Die Bank habe die Finanzierung gestoppt. Eigentümer des Baus ist nicht Radisson, sondern die isländische Immobiliengesellschaft S26 Hotel ehf. Hauptgläubiger ist laut Viðskiptablaðið die isländische Arion Bank. Am Montag wurden alle Arbeiten dort gestoppt und die Bauarbeiter vom Grundstück verwiesen.

Rückschläge und verfrühter Optimismus

In der Geschichte des Baus an der Skúlagata 26  gab es schon viele Rückschläge. Es hätte eigentlich schon 2021 eröffnen sollen, aber da kam Corona dazwischen. Im Sommer schien das Ende in Sicht, und es wurden bereits Buchungen angegenommen, verfrüht, wie sich zeigt. Inzwischen ist die Website aktualisiert mit dem Hinweis, dass das Hotel noch nicht zugänglich ist. Wie RÚV berichtet, wird versucht, diejenigen, die gebucht haben, in anderen Hotels unterzubringen.

Früherer Artikel zum Thema:

Airbnb-Vermietung in Reykjavík künftig stärker beschränkt

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Prozess: Russischer Fischereiriese Norebo gegen Norwegen

Norwegen/Russland. Der russische Fischereikonzern Norebo hat den norwegischen Staat wegen der gegen ihn verhängten Sanktionen verklagt. Denn Norebo ist trotz des russisch-norwegischen Fischereiabkommens von Aktivitäten innerhalb der norwegischen ökonomischen Zone ausgeschlossen – dessen Flotte steht unter Spionageverdacht. Der Prozess begann gestern in Oslo. Darüber berichtete NRK.

Barentssee, Grense Jakobselv, Norwegen. Norebo-Schiffe dürfen die norwegische ökonomische Zone nicht befahren.

Norebo, mit Sitz in Murmansk, ist Russlands größter Fischereikonzern, und einer der größten überhaupt weltweit. Gegründet wurde er 1997 als Ocean Trawlers von dem aus Murmansk stammenden Witalij Orlow und dem Schweden Magnus Roth. Die beiden arbeiteten zuvor bei demselben Fischereiunternehmen in Drøbek, Norwegen. Orlow war eine Zeit lang auch norwegischer Staatsbürger. Heute gehören 16 Reedereien mit mehr als 40 Trawlern und Fabrikschiffen zum Konzern. Magnus Roth verkaufte seine Anteile 2016 an Orlow. Forbes schätzt Orlows Vermögen heute auf 1,2 Milliarden Dollar, 2025 waren es allerdings noch 2 Milliarden Dollar. 

EU-Sanktionen gegen Norebo JSC und Murman Seafood 2025

Die Fischereiunternehmen Norebo JSC und Murman Seafood wurden im Rahmen des 17. Sanktionspakets von der EU sanktioniert, im Mai 2025. In der Begründung heißt es unter anderem, die Schiffe der Flotte zeigten Bewegungsmuster, die nicht zu normalen wirtschaftlichen Praktiken und Fischereiaktivitäten passten. „Die Bewegungsmuster deuten auf böswillige Absichten hin, wie beispielsweise das wiederholte Aufhalten in der Nähe von oder das Herumlungern bei kritischen Infrastruktureinrichtungen und militärischen Standorten.“ Die Unternehmen stehen deshalb im Verdacht, Spionage zu betreiben. 

Norwegisch-russische Fischereizusammenarbeit

Norwegen ist bekanntlich nicht EU-Mitglied, hat sich aber den meisten Sanktionen gegen Russland angeschlossen. Als Anlieger der Barentssee betreiben Norwegen und Russland dort allerdings eine gemeinsame Fischereipolitik, bei der vor allem der Kabeljau wichtig ist. Dieser verbringt seine Lebensphasen in verschiedenen Regionen der Barentssee, zu beiden Seiten der Grenze. Für die Fischerei besonders interessant ist die  Phase, in der es den erwachsenen Kabeljau zu den Laichgebieten vor der norwegischen Küste zieht. Das Fischereiabkommen gestattet russischen Trawlern, einen Teil ihrer Quote in der norwegischen ökonomischen Zone zu fangen.

Kooperation trotz Sanktionen

Seit Norwegen die Sanktionen gegen Norebo und Murman Seafood implementiert hat und die Lizenzen nicht erneuerte, sind Schiffe dieser beiden Reedereien jedoch von der Fischerei in der norwegischen ökonomischen Zone (200-Seemeilen-Zone) ausgeschlossen, was für sie einen Verlust bedeutet.  Russland hatte deshalb schon mit dem Ende der Fischereizusammenarbeit gedroht. Letztlich kam es aber doch zu einem neuen Abkommen. 

Norebo bestreitet die Vorwürfe und hat nun also gegen die Sanktionierung in Norwegen geklagt. Im Januar 2026 hatte das Amtsgericht in Oslo Norebos Antrag abgelehnt, die Sanktionierung bis zum Urteil im Hauptverfahren auszusetzen. 

Norebo verklagte auch den Barents Observer

Norebo hat auch das norwegische Online-Medium Barents Observer verklagt, das mehrfach über Norebo berichtet hatte – in London. Norebo meint, dabei habe es sich um Verleumdung gehandelt. Sollte es zu einem Prozess kommen, würde dies die finanziellen Möglichkeiten des Mediums aus Kirkenes, das auf Englisch und Russisch veröffentlicht, voraussichtlich an seine Grenzen bringen.

Frühere Artikel zum Thema:

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Shithouse Country? Visit Norway weiß zu kontern

Norwegen. US-Präsident Donald Trump ist nicht zufrieden mit Norwegen, da er auch dieses Jahr nicht den Friedensnobelpreis bekommen hat. „Norway sucks. Norway has become a shithouse country“, sagte er bei einer Wahlkampfrede in Michigan. Eine Beleidigung? Nein, eine Steilvorlage, nicht zuletzt für Visit Norway, das nun (nicht nur) in den USA für die Designertoiletten in der norwegischen Landschaft wirbt. Darüber berichtete auch NRK.

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Die Nordlichtsaison ist in Gang – aber Sonnenzyklus 25 flaut ab

Die Nordlichtsaison ist nun schon eine Weile in Gang und hat schöne Erlebnisse geliefert. Übermorgen wird erneut etwas stärkere Aktivität erwartet. Der Sonnenzyklus 25 hat seinen Höhepunkt allerdings hinter sich, und man muss damit rechnen, dass die Anzahl großer Ereignisse in den nächsten Jahren weiter abnimmt. 

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Neue Bilder in der Galerie: Herbst in Troms, Norwegen

Sommarøy. Foto Céline Lalubie

Die Blätter sind runter und alles ist bereit für den ersten Schnee, aber noch ist es nicht soweit – eine gute Zeit für Wanderungen. Céline Lalubie war in der Region Troms unterwegs, von der Küste bis auf die Gipfel: Sommarøy, Nordtinden und Johanfjell. Die Bilder sind den ganzen November über in der neuen Galerie zu sehen.

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Gletscherschmelze: Harbardsbreen jetzt zweigeteilt

Norwegen. Auf Karten sieht der norwegische Gletscher Harbardsbreen noch aus, als handele es sich um ein zusammenhängendes Stück Eispanzer. Doch das ist nicht mehr die Realität. Wie die norwegische Wasser- und Energiebehörde (NVE) mitteilte, ist der im Fylke Vestland gelegene Gletscher diesen Sommer so weit abgeschmolzen, dass er inzwischen zweigeteilt ist. 

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Finnlands nationale Nachrichtenagentur STT soll eingestellt werden

Finnland. Die finnische nationale Nachrichtenagentur STT hat angekündigt, Ende März sämtliche journalistischen Aktivitäten einzustellen. Seit September wird dort über Umstrukturierungen verhandelt – das ist das Ergebnis. Damit endet der Betrieb kurz vor den finnischen Parlamentswahlen am 18. April 2027. Internationale Medien müssen sich nach neuen Ansprechpartnern umsehen. Darüber berichtete auch Yle.

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Ab Januar „Besuchsbeitrag“ in Tromsø und Vågan

Norwegen. Das Gesetz zum sogenannten Besuchsbeitrag in Norwegen ist zwar schon seit Juni in Kraft. Aber erst jetzt wird klar, welche Kommunen diesen überhaupt kassieren dürfen. Tromsø, Vågan und Stranda haben dies beantragt und erhielten die Genehmigung dafür. Darüber berichtete NRK.

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Neuer Flughafen: Ilulissat jetzt auch direkt aus Europa erreichbar

Ilulissat (Grönland). Heute eröffnet Ilulissats neuer Flughafen, der auch für Transatlantikmaschinen nutzbar ist. Um 11.40 Ortszeit (14.40 MEZ) soll dort der erste Direktflug aus Kopenhagen aufsetzen und zwei Stunden später wieder dorthin abheben. Anfangs wird es nur wöchentliche Direktflüge nach Kopenhagen geben. Im Frühjahr soll der internationale Verkehr ausgeweitet werden.

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