Restaurant Koks mit Stern: Gourmet-Destination Färöer

Färöer. Wenn Sie bei Koks zuerst an dieses weiße Pulver denken, sind Sie nicht aus der Gourmet-Branche. Koks ist das Restaurant, das 2017 als erstes und bisher einziges auf den Färöer überhaupt einen Michelin-Stern bekam. Diese Auszeichnung konnte Chefkoch Poul Andrias Ziska auch für die diesjährigen Ausgabe des Michelin Guide Nordic Countries verteidigen.

Poul Andrias Ziska

Poul Andrias Ziska. Foto Claes Bech-Poulsen/ Ehrenberg Kommunikation

Poul Andrias Ziska, gerade erst 28 geworden, stammt selbst von den Färöer. Er hat aber zeitweise auch in Sternerestaurants in Dänemark und Spanien gearbeitet, bevor er 2014 als Küchenchef ins Koks zurückkehrte und diesem zu diversen Auszeichnungen verhalf. 2015 wurde es „Restaurant des Jahres 2014 im Norden„. 2017 kam dann der Michelin-Stern und der zweite Platz für Koks im White Guide für das Königreich Dänemark. Ziska wurde dabei „Junges Kochtalent des Jahres„.

Was macht seine Küche so besonders? „Er hat eine besondere Fähigkeit, ganz einzigartige Geschmackserlebnisse hervorzurufen, ausgehend von handgeernteten lokalen Produkten. Poul ist die Gegenwart – und die Zukunft“ schreibt der White Guide über das „junge Kochtalent“. Poul Andrias Ziska gehört zu der neuen Generation von Köchen im Norden, die ihren Fokus auf regionalen Produkten haben und daraus neue Menüs kreieren.

Koks

Meeresspezialitäten. Foto Claes Bech-Poulsen/ Ehrenberg Kommunikation

Das Restaurant beschreibt das Angebot so: „Soweit möglich, benutzt Koks färöische Produkte. Was nicht vor Ort erhält ist, kommt aus anderen nordischen Ländern. Unsere Rohware stammt aus der wilden See, vom durch starke Strömungen sauber gefegten Meeresboden, von der Brandung gewaschenen Tangwäldern und steilen grünen Hügeln.“ Serviert werden Fisch, Meeresfrüchte oder Schaffleisch entweder frisch oder auf speziell färöische Weise fermentiert (ræst). Viel Gemüse wächst auf den Färöer nicht, doch es gibt wilde Beilagen, die anderswo gar nicht erhältlich sind.

Zuletzt war Koks in Kirkjubøur südlich von Tórshavn zu finden. Am 10. April hat es nun in Leynar wiedereröffnet – in einem alten Bauernhaus von 1740 in traditionellem Stil, etwa 20 Minuten Autofahrt nördlich von Tórshavn.

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Isländische Reederei kündigt wieder Jagd auf Finnwale an

Island. Nach zwei Jahren Pause will  Kristján Loftsson, Chef des Walfangunternehmens Hvalur hf, ab 10. Juni die Jagd auf Finnwale wieder aufnehmen. Das Fleisch soll nach Japan exportiert sowie für spezielle Produkte verwendet werden. Darüber berichtete zuerst Morgunblaðið. Der Finnwal gilt als bedrohte Art. Und ob es einen Markt für die Produkte gibt, ist fraglich.

Finnwale

Finnwale. Foto Janice Waite/ National Marine Mammal Laboratory

Zuletzt hatte Hvalur hf. im Jahr 2015 155 Finnwale getötet. Die Pause legte Loftsson nicht aus Gründen des Tierschutzes ein, sondern weil er das Fleisch aufgrund der strengen japanischen Importbestimmungen nicht los wurde. Islandsbloggen erinnert daran, dass der Walfang ein Verlustgeschäft ist, das Loftsson sich nur leisten kann, weil er als Aktionär des isländischen Fischereiriesen HB Grandi genug Gewinne macht.

Nach der diesjährigen Quote dürfte Hvalur hf 161 Finnwale jagen, plus 20 Prozent der im vergangenen Jahr nicht genutzten, insgesamt 191 Tiere. Wie viele Tiere es noch im Nordatlantik gibt, ist nicht genau bekannt. Nach dem IWC (International Whaling Commission) sind es mehr als 35 000, einige Gegenden seien jedoch nicht überwacht. Der Bestand wird immer noch als gefährdet angesehen.

Kaum Markt für Walfleisch

Auf Island wird Finnwal praktisch nicht gegessen. Das Unternehmen Hvalur hf rechnet sich aber offenbar nun bessere Chancen aus, wieder nach Japan zu exportieren, außerdem sollen Gelatine und Nahrungsergänzungsmittel für Personen mit Blutarmut produziert werden. „Es ist schwer zu sehen, wie sich das lohnen soll“, meint Islandsbloggen dazu, denn viele Länder erlaubten den Import von Walprodukten gar nicht. Für das Image Islands könnte sich diese Entscheidung erneut negativ auswirken: Schon früher gab es Protestaktionen gegen den isländischen Walfang.

Island ist nicht das einzige Land, das noch Walfang betreibt: Auch Norwegen, Japan und die Färöer tun das sowie die Inuit auf Grönland in kleinem Maßstab. Die Situation ist jedoch sehr unterschiedlich. Auf den Färöer wird der Pilotwal (Grindwal) gefangen, das Fleisch wird nach einem bestimmten Schlüssel unter den Einwohnern verteilt. In Norwegen wird der Minkwal (Zwergwal) gejagt. Die Nachfrage nach dem Fleisch in Norwegen sinkt allerdings, der Export nach Japan blieb begrenzt. Die Bestände von Pilotwal und Minkwal gelten aber nicht als gefährdet.

Neues Schutzgebiet erschwert Jagd auf Minkwale

 Auch in Island wurden im vergangenen Jahr noch Minkwale gefangen, von der Reederei IP-út­gerð, allerdings nur 17 Tiere und nicht die volle Quote. Das Fleisch wird hauptsächlich von Touristen gegessen. Ob die Reederei in der kommenden Saison erneut loszieht, steht noch nicht fest:Die Behörde hat zwar eine Quote von bis zu 217 Walen genehmigt. Die Erweiterung des Walschutzgebietes in der Faxaflói-Bucht im vergangenen Herbst würde die Schiffe aber zwingen, viel weiter hinaus zu fahren. Dies würde Aufwand und Kosten erhöhen. Die Reederei will, dass die Erweiterung zurückgenommen wird – danach sieht es aktuell aber nicht aus.

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Isländer türmt aus Knast und flieht nach Schweden

Island/Schweden. Seit Dienstag morgen suchte die isländische Polizei nach dem geflüchteten Gefangenen Sindri Þór Stefánsson. Später stellte sich heraus: Der Mann saß da längst in einem Flugzeug nach Schweden – in derselben Maschine wie Premierministerin Katrín Jakobsdóttir. Darüber berichteten  RÚV, Visír und Morgunblaðið.

Arlanda

In Arlanda verliert sich bisher die Spur des Flüchtigen.

Sindri Þór Stefánsson war seit dem zweiten Februar wegen der Beteiligung an einem umfangreichen Computerdiebstahl aus zwei Datenzentren in Untersuchungshaft: Bei drei Raubzügen wurden insgesamt 600 Geräte gestohlen, die speziell für Bitcoin-Mining ausgerüstet waren. Der Wert wurde auf umgerechnet 1,6 Millionen Euro geschätzt. Die Beute ist bisher nicht wieder aufgetaucht. Der Mann hatte für die Sicherheitsfirma gearbeitet.  Mit ihm war noch ein anderer Isländer festgenommen worden, die Polizei geht jedoch von internationalen Verbindungen aus. Das geschädigte Unternehmen hat bis zum 2. Mai einen Finderlohn von umgerechnet 48 000 Euro ausgesetzt.

Seit zehn Tagen war Sindri Þór Stefánsson in dem offenen Gefängnis Sogn  untergebracht. Diese Anstalt für nicht gewalttätige Straftäter hat nur minimale Sicherheitsvorkehrungen und liegt bei Hveragerði in Südisland. Mit Flucht rechnete offenbar niemand. Von dort war er nach dem Stand der Ermittlungen am Dienstagabend um ein Uhr nachts durch ein offenes Fenster geflohen. Sein Fehlen wurde erst gegen 8 Uhr entdeckt.

Da hatte er schon unter fremdem Namen die Maschine bestiegen, die um 7.34 Uhr nach Stockholm abhob, und befand sich über den Wolken. Wie RUV herausfand, dieselbe Maschine, mit der Premierministerin Katrín Jakobsdottir zu Treffen mit Kollegen aus dem Norden und dem indischen Premierminister flog. Er wurde im Nachhinein anhand der Videoaufzeichnungen identifiziert. Die Polizei geht inzwischen davon aus, dass er Helfer hatte, um von Sogn zum Flughafen zu kommen. Er wird nun mit einem internationalen Haftbefehl gesucht. Bisher ist aber nichts über seinen Aufenthalt in Schweden bekannt.

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Rovaniemi: Ruf des Weihnachtsmannes reicht bis China

Rovaniemi. Schnee, Polarlicht und der Weihnachtsmann – das lockt immer mehr Touristen nach Rovaniemi. 631 000 waren es im vergangenen Jahr. Die größte Gruppe unter den ausländischen Besuchern sind inzwischen Chinesen. Darüber berichtete Yle.

Weihnachtsdorf, Rovaniemi

Im Weihnachtsdorf, Rovaniemi

“ Die Chinesen haben angefangen, viel ins Ausland zu reisen, sie sind die Nummer eins der globalen Statistik. Sie sind bereit, viel Geld dafür auszugeben, um ihren Kindern die Welt zu zeigen“, sagt Tang Chao zu Yle. Dass Touristen aus China inzwischen auch in Rovaniemi die Nummer eins sind, ist auch sein Werk: Er kam vor 14 Jahren als Student dorthin. Es gefiel ihm in Lappland, und er gründete ein Unternehmen, das Besucher aus China nach Nordfinnland brachte.

Rovaniemi sorgt nach wie vor für Erstaunen bei seinen nordischen Nachbarn: Die Hauptstadt Finnisch Lapplands schafft es von allen am besten, sich mit Schnee, Weihnachten, dem Polarkreis,  Nordlicht und selbst dem 2500 Kilometer entfernten Nordpol im Paket zu vermarkten. Außerdem werden Outdoor-Aktivitäten wie Hundeschlitten- oder Schneeskooterfahren angeboten.  Im Jahr 2015 lag die Zahl der Gästeübernachtungen laut Visit Rovaniemi noch bei 470 230. Die Deutschen bildeten die größte Gruppe der ausländischen Besucher mit 24 112 Übernachtungen.  Das hat sich geändert: Nicht nur die Gesamtzahl hat zugenommen, 2017 waren darunter 30 000 Chinesen.

Jätkänkynttilä-Brücke,

Jätkänkynttilä-Brücke, Rovaniemi

Auch die Geschichte des Nova Skyland Hotels und seinen Hütten fing mit der Begeisterung für Lappland an: Tian Zhan war als Studentin nach Rovaniemi gekommen und hatte dort Besuch von Freunden aus der chinesischen Heimat bekommen. Denen gefiel es in Rovaniemi so gut, dass sie dort gerne investieren wollten. Heute ist Tian Zhang Vizechefin dieses Projektes in der Nähe des Weihnachtsdorfes, das dazu beiträgt, dass auch die zukünftigen Lappland-Freunde ein Dach über dem Kopf haben. Denn Betten sind angesichts des fortgesetzten Booms zeitweise knapp in Rovaniemi.

Die vielen Besucher aus Fernost haben auch zu einem Schulprojekt geführt, in dem Kinder der vierten und sechsten Klassen freiwillig  eine Stunde Chinesisch in der Woche haben und etwas über die Kultur lernen. Das Projekt läuft seit einem Jahr, die Fortsetzung ist erwünscht. Vielleicht könne sie für die Touristen dolmetschen, hofft eine Schülerin im Yle-Interview.

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Hütten in Norwegen: Teilen statt neu bauen?

Norwegen. Bestehende Hütten mehr nutzen statt neue bauen: Mit diesem Vorschlag sorgt der Generalsekretär des Dachverbandes Norsk Friluftsliv, Lasse Heimdal, gerade für Diskussionen. Seine Befürchtung: Noch mehr Hüttenbau zerstört die Natur. Darüber berichtete NRK.

Hütten

Private Hütten stehen oft viel leer. Diese kleinen Hütten werden das ganze Jahr über vermietet.

Heimdal rechnet vor: In Norwegen gebe es insgesamt rund 430 000 Hütten. Diese würden im Durchschnitt nur 49 Tage im Jahr genutzt. An den übrigen Tagen sollte jemand anders die Hütte nutzen können. Dies, so hoffen Heimdal und Norsk Friluftsliv, könnte verhindern, dass jedes Jahr weitere Hütten gebaut werden und dadurch große Areale für die Zuwegung, Erschließung und Entsorgung verloren gehen. Laut NRK kommen jährlich 3000 bis 7000 neue Hütten dazu. „Vermietet eure Hütten“, fordert Heimdal die Besitzer auf.

Hintergrund der Geschichte: Eine Hütte zu besitzen, sei es für Skiferien, Sommerurlaub oder beides, hat einen hohen Stellenwert in Norwegen. Gerade erst meldete NRK, noch nie zuvor hätten so viele Norweger sich eine Hütte zugelegt. Der Boom hat auch Nebenwirkungen: Im Turufjell (Südnorwegen) ist gerade eine neue, große Anlage geplant, gegen die Menschen vor Ort und auch Norsk Friluftsliv protestieren.

Bisher gibt es nur aber wenige, die ihre Türen auch für Mieter öffnen: Dagbladet.no berichtete erst im vergangenen Herbst, nur 1,6 Prozent des Bestandes würden auch vermietet, und folgerte, Norweger täten sich immer noch schwer damit, ihre Hütte anderen gegen Geld zur Verfügung zu stellen. Dabei werde diese Ferienform in Europa immer beliebter. Etwa 60 Prozent der Gäste bei Ferienhausvermittler Novasol (1700 Hütten in Norwegen) kämen aus Deutschland.

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Kaufpreis für Ferienhäuser in Finnland sinkt – Lappland am günstigsten

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Feuer und Zorn im Vindelfjällen

Schweden. Gerechtfertigte Maßnahme gegen einen Schwarzbau im Naturreservat oder ungerechtfertigte Vernichtung einer traditionsreichen  samischen Kote? Die Regionsverwaltung von Västerbotten hatte ein Bauwerk im Naturreservat Vindelfjällen abbrennen lassen. Nach den Flammen tobt nun ein Sturm der Entrüstung über das Verfahren. Darüber berichtete SVTund Sveriges Radio.

Sápmi Flagge

Flagge von Sápmi

Nach Anita Gimvall und der Chronik bei SVT geht die Geschichte der Kote so: Ein Onkel ihres Großvaters baute sie um 1890 am See Stenträsket, Kommune Storuman. 1959 renovierten ihr Vater und ihr Bruder den Unterschlupf im weglosen Gelände. Danach verfiel er, bis Anita Gimvall das Gebäude 2010 modernisierte.

2011 bekam die Regionsverwaltung einen anonymen Hinweis. Nach ihren Unterlagen hat es dort nie ein Gebäude gegeben. Was dort nun stand, galt als Schwarzbau im Naturreservat mit geschütztem Seeufer. Anita Gimvall wurde auferlegt, den ursprünglichen Zustand wieder herzustellen.

Bei einer Kontrolle 2017 fand die Verwaltung ein anderes Gebäude dort vor, das mehr einer Kote ähnelte. Für Anita Gimvall war damit der frühere Zustand wieder hergestellt. Für die Behörde war es nach wie vor ein illegales neues Gebäude – ein altes hätte Bestandsschutz gehabt. Sie forderte erneut die Beseitigung. Unter Polizeischutz brannten vergangene Woche Beauftragte  der Verwaltung das Bauwerk ab.

SVTs Reporter berichtete von zehn Personen, die vor der Kote Solidarität mit Gimvall äußerten und ihren Protest gegen das Verfahren demonstrierten. Darunter auch der Vorsitzende der Partei der Jagd- und Fischerei-Samen, Håkan Jonsson, der Anita Gimvalls Version bestätigt: Der Unterschlupf sei seit Generationen von den Samen genutzt worden. Er sah darin einen Übergriff gegen jene Samen, die keine Rentiere halten.

Sveriges Radio erinnert daran, dass der schwedische Sameting, die Interessenvertretung des Urvolkes in Nordschweden, bereits 2005 gefordert hatte, dass samische Bauwerke erhalten bleiben und respektiert werden.

Gegen das Abbrennen der Kote kamen inzwischen umfangreiche Proteste aus der samischen Bevölkerung. Die Aktion wurde auch von zwei Seiten beim Justizobmann gemeldet. Ministerin Alice Bah Kuhnke (Miljöpartiet), sowohl für Kultur als auch für die Samen zuständig, äußerte, das Abbrennen sei „unverhältnismäßig“ gewesen. Die zuständige Sachbearbeiterin betonte allerdings, man habe nach geltendem Recht gehandelt. Miljöpartiet-Politiker Jonas Eriksson forderte nun, das Gesetz müsse entsprechend geändert werden.

Mehr zu samischem Leben im Norden:

Sápmi – das Land der Samen

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Aasta Hansteen: Gas aus der Tiefe für Europa

Norwegen. Ein ungewöhnliches Gefährt ist gerade an der norwegischen Küste unterwegs zum Polarkreis: Fünf Schlepper bewegen die Gasförderplattform Aasta Hansteen zu ihrem Einsatzort. Mit 70 000 Tonnen Gewicht und einer Höhe von 320 Metern, das meiste davon unter Wasser, ist die Plattform weltweit die Größte ihrer Art.

Aasta Hansteen

Aasta Hansteen auf dem Weg durch die Fjorde.
Foto Espen Rønnevik/Roar Lindefjeld/Statoil

Die stählerne Aasta Hansteen, benannt nach einer norwegischen Malerin, Autorin  und Frauenrechtsaktivistin, soll den Schatz heben, der 300 Kilometer vor Bodø unter dem Meer verborgen liegt: 51 Milliarden Standardkubikmeter Gas für das energiehungrige Europa. Die Wassertiefe beträgt dort 1300 Meter. Die Plattform wird dort verankert. Das Gas soll über eine bereits fertiggestellte Leitung (Polarled) zum knapp 500 Kilometer entfernten Gasterminal Nyhamna fließen. Hauptakteur in dem Projekt ist der staatliche norwegische Energiekonzern Statoil.

Das Unterteil und Oberteil der Plattform wurden bei Hyundai in Südkorea gebaut und haben – getrennt – bereits eine Reise um die halbe Welt hinter sich. Bei Kvaerner in Stord (auf halber Höhe zwischen Stavanger und Bergen) wurden die Teile zusammengesetzt und fertig ausgerüstet für den Einsatz in der Norwegischen See. Dorthin ist der Schleppverband nun seit Mittwoch unterwegs, anfangs noch begleitet von Schaulustigen – immerhin gab es in den engen Fjorden Fischzuchtanlagen und eine Stromleitung zu passieren. Über den Start berichtete NRK. Insgesamt zwölf Tage soll die Reise dauern.

Aasta Hansteen Karte

Gasvorkommen Aasta Hansteen in der Norwegischen See. Die Plattform wird von Stord dorthin geschleppt.
Karte mit Hilfe von Stepmap

Das Gasvorkommen Aasta Hansteen wurde bereits 1997 entdeckt und besteht eigentlich aus drei Funden: Luva, Haklang und Snefrid Süd. Aufgrund der Wassertiefe, der Wetterbedingungen und der großen Entfernung zu jeglicher Infrastruktur ist die Förderung sehr aufwendig.  Laut NRK betrugen die Investitionen zur Ausbeutung des Gasfeldes inklusive Polarled-Leitung umgerechnet 5,6 Milliarden Euro. Die Plattform soll von Harstad aus bedient werden. Ein Versorgungslager wird in Sandnessjøen eingerichtet und eine Helikopterbasis in Brønnøysund. Die Produktion soll noch in diesem Jahr starten. Neben Statoil (51 Prozent) sind auch Wintershall Norge, OMV Norge und ConocoPhilips Scandinavia daran beteiligt. 

Die Plattform selbst soll eine Lebensdauer von 25 Jahren haben. Das Vorkommen, für das sie gebaut wurde, wird aber laut NRK bereits nach sechs Jahren über acht Brunnen unter Wasser geleert sein. Vorgesehen ist, dass weitere Vorkommen in der Nähe ebenfalls darüber erschlossen werden können. So soll auch Snefrid Nord dort angeschlossen werden – außerdem hofft Statoil auf neue Funde.

Mehr zur Öl und Gas in Norwegen:

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Färöer wieder attraktiver für Frauen – von nah und fern

Färöer. Mehr Frauen als Männer von den Färöer suchten in der Vergangenheit ihr Glück anderswo. Dadurch gab es einen deutlichen Männerüberschuss auf der Inselgruppe. Die neueste Statistik zeigt allerdings: Die Lücke schließt sich. Darüber berichtete KVF.

Färöer

Hauptstadt Tórshavn. Foto Thomas Christiansen

Einen leichten Jungenüberschuss bei den Geburten hat praktisch jedes Land natürlicherweise. Erst im Alter überholen die Frauen die Männer in der Statistik dank höherer Lebenserwartung. Für die langjährige Lücke auf den Färöer gab es eine andere Erklärung: Insbesondere junge Frauen kehrten nach einem Job oder  Studium im Ausland nicht wieder zurück. Veröffentlichungen zu Thema nennen die schlechten Jobchancen für Frauen auf den Inseln, aber auch eine im Vergleich zu anderen skandinavischen Ländern religiöser und konservativer geprägte Gesellschaft. Nicht zufällig gilt dort immer noch das alte dänische Abtreibungsrecht von 1956.

Doch die Dinge verändern sich auch auf den Färöer. Die Wirtschaft ist in den vergangenen Jahren gewachsen, unter anderem im Bereich des Tourismus. Die Berufschancen sind vielfältiger geworden.  Die Bevölkerung wächst und überstieg 2017 sogar die 50 000. Dazu trug bei, dass mehr Menschen zurückkehrten als neu auswanderten. Und unter den Rückkehrern seine besonders viele Frauen, so Faroeislands.fo.

Vágar Airport

Vágar Airport: Färinger wandern aus, kommen aber zunehmend auch wieder zurück.
Foto Thomas Christiansen

Der färöische Rundfunk KVF berichtete nun, die Lücke zwischen Männern und Frauen sei von 1922 im Jahr 2010 auf 1567 im Januar 2018 geschrumpft. Dafür verantwortlich sind zum einen Rückkehrerinnen und Däninnen, die nun auf die Inseln gezogen sind. Viele jüngere Männer haben sich angesichts des Frauenmangels aber auch Partnerinnen aus Thailand oder den Philippinen gesucht – darüber berichtete sogar die BBC.

Laut KVF bilden  die 149 Philippininnen bilden nun die größte Gruppe Ausländerinnen (von außerhalb der Reichsgemeinschaft/des Königreichs Dänemark), dahinter folgen 106 Thailänderinnen.  Außerdem leben 101 Grönlanderinnen und 98 Norwegerinnen auf der Insel – diese Gruppen gab es aber schon länger und sie sind  verglichen mit den Asiatinnen nicht so stark gewachsen.

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Golfstrom-Studien: Die Heizung des Nordens ist schwächer geworden

Nordatlantik. Warum ist Norwegens Küste auch im Winter eisfrei – selbst nördlich des Polarkreises? Warum hat Island ein für seine Lage so gemäßigtes Klima? Die Lösung ist das Golfstrom-System, das warmes Wasser bis weit in den Norden transportiert. Dieses System hat sich jedoch gegenüber früher um etwa 15 Prozent abgeschwächt, zeigen zwei Studien, die gerade in Nature veröffentlicht wurden.

Golfstrom

Das Umwälzsystem im Atlantik.
Quelle: Caesar/PIK

Leit-Autorin der einen Studie – „Observed fingerprint of a weakening Atlantic Ocean overturning circulation “ –  ist Levke Caesar vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK), wo es auch eine Zusammenfassung auf Deutsch als Pressemitteilung gibt. Die Studie basiert auf Temperaturmessungen der Meeresoberflächen. „Wir haben ein spezielles Muster entdeckt – eine Abkühlung des Ozeans südlich von Grönland und eine ungewöhnliche Erwärmung vor der US-Küste“, erklärt die Wissenschaftlerin in der Pressemitteilung. Dieses Muster sei wie ein Fingerabdruck einer langsamer werdenden Meeresströmung. dadurch werde nicht mehr so viel Wärme in den Norden transportiert, was zur Abkühlung des Nordatlantik führe. Dies sei weltweit die einzige Meeresregion, die sich trotz der globalen Erwärmung abgekühlt habe. Verfügbare Daten der Meeresoberfläche gibt es seit Ende des 19. jahrhunderts.

So funktioniert das Golfstrom-System: Wenn das warme und damit leichtere Wasser von Süden nach Norden fließt, wird es kälter und damit dichter und schwerer – es sinkt in tiefere Meeresschichten und fließt zurück in den Süden. Diese Antriebskraft schwächelt: „Mit der globalen Erwärmung, verstärkten Regenfällen, Schmelzwasser aus dem arktischen Meereis und Grönlandeis wird das Wasser des Nordatlantiks verdünnt, sein Salzgehalt sinkt. Weniger salzhaltiges Wasser ist weniger dicht und damit weniger schwer – was es für das Wasser schwieriger macht, von der Oberfläche in die Tiefe zu sinken“, erklärt Alexander Robinson von der Universität Madrid, der die Studie mitverfasst hat. 

Karibik

Im Süden aufgeheiztes Wasser…

Nach den Messungen dieses Wissenschaftlerteams hat die Abschwächung bereits Mitte des vergangenen Jahrhunderts begonnen. Die Messungen bestätigen dabei frühere Computersimulationen. Das Team dieser Studie sieht einen Zusammenhang mit der menschengemachten Klimaerwärmung.

In der gleichen Ausgabe von Nature wird auch die Studie eines Teams um David Thornalley vom University College London vorgestellt: „Anomalously weak Labrador Sea convection and Atlantic overturning during the past 150 years„. Dieses Team hat das Golfstrom-System mit Hilfe von Ablagerungen auf dem Meeresboden über die vergangen 1600 Jahre rekonstruiert. Ihr Ergebnis: Das Systems sei vom Jahr 400 bis 1850 sehr stabil gewesen, aber begann zu Beginn der Industrialisierung zu schwächeln. Damals endete auch gerade die „kleine Eiszeit“. Auch dieses Team bilanziert, dass die Strömung heute etwa 15 Prozent langsamer fließt. Sie sehen die Ursache ebenfalls in der darin, dass Schmelzwasser das salzhaltige Wasser verdünnt.   Dieses Team vermutet die Ursache im Schmelzwasser nach Ende der kleinen Eiszeit. 

Hammerfest

…wärmt auch den Hafen von Hammerfest im Januar

Die beiden Studien kommen also zur selben Diagnose, was den Ist-Zustand betrifft, liegen im Beginn des Phänomens jedoch um 100 Jahre auseinander – und suchen damit auch nach unterschiedlichen Ursachen.  Nature-Autorin Summer K. Praetorius sieht die Gründe für die zeitliche Lücke in den sehr unterschiedlichen Ansätzen der Vergangenheitsrekonstruktion – „von oben“ und „von unten“. 

 Grönlands Gletscher sind weiter auf dem Rückzug. Dies dürfte auch  weiter zur Verdünnung des salzigen Wassers aus dem Süden beitragen. Wie sich das Golfstrom-System in Zukunft entwickelt und unter welchen Bedingungen der immer noch mächtige Golfstrom möglicherweise irgendwann komplett  stoppen könnte, wird Gegenstand weitere Forschungen sein.

Wer jetzt die dramatischen Bilder von Roland Emmerichs Katastrophenfilm „The  Day after tomorrow“ im Kopf hat: „So wird es bestimmt nicht werden“, sagt Levke Caesar bei SVT. In dem Film stoppte der Strom von einem Tag auf den anderen und die Nordhalbkugel bekam einen Eispanzer. „Es würde wahrscheinlich nicht einmal kälter werden als heute. Die globale Erwärmung dürfte übernehmen“, vermutet Johan Nilsson,  Professor an der Stockholmer Universität, im selben Beitrag.

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Island will seine Naturattraktionen besser schützen

Island. Der Tourismus auf Island ist in den vergangenen Jahren stark gewachsen. Doch er verteilt sich nicht gleichmäßig auf der Insel voller Naturschönheiten. Ein neuer Bericht zeigt: Für einige Ziele ist die Grenze bereits erreicht. Nun soll ein nachhaltiges Konzept entwickelt werden.

Krysuvik

Geothermalgebiet Krysuvík, Reykjanes

Die meisten kommen wegen der spektakulären Natur nach Island. An vielen Orten kann man sie tatsächlich noch in Ruhe genießen – doch gemeinsam mit zahlreichen anderen am Geysir oder Skógafoss zu stehen, ist vermutlich nicht genau das, was man sich vorgestellt hat. Die vielen Füße schädigen außerdem die empfindliche Natur. Zurzeit sind sowohl die Schlucht Fjaðrárgljúfur als auch das Reykjadalur mit seinen heißen Quellen gesperrt, damit sich die Vegetation erholen kann.

Wie der Bericht noch einmal aufführt, ist der Tourismus auf Island sehr schnell gewachsen: Im Jahr 2007 kamen nicht einmal eine halbe Million ausländische Reisende auf die Insel. Zehn Jahre später waren es bereits mehr als zwei Millionen. Fast alle besuchen Reykjavik und Umgebung, viele auch Ziele im Süden. Die früher ausreichende Infrastruktur stieß an ihre Grenzen.

Allmannagjá

Ziel Nummer 1: Þingvellir, hier Allmannagjá

Laut dem Bericht ist die Grenze dessen, was ein Gebiet an Besuchern aufnehmen kann, beim Geysir, Skógafoss, Reykjanesfólkvangur, den geschützten Gebiete an Mývatn und Laxá und zwei weitere Zielen bereits erreicht. Gullfoss, Dettifoss, Dyrhólaey und eine Reihe weiterer Attraktionen haben nicht mehr viel Luft.

Ein Problem bei dem Versuch, die Lage zu verbessern, nennt Tourismus-Ministerin Þórdís Kolbrún Gylfadóttir bei RÚV: Die Zuständigkeiten für die Gebiete sind ganz unterschiedlich. Mal sind es das Land, mal die Kommune, mal handelt es sich um Privatbesitz, mal um geschützte Gebiete mit besonderen Regeln.

Die Autoren des Berichts gehen davon aus, dass die Zahl der Touristen noch zunehmen wird, vor allem aus Asien. Umso wichtiger sei es, nun ein nachhaltiges Konzept zu erarbeiten, das die Naturattraktionen schützt, aber den Reisenden trotzdem ein positives Erlebnis ermöglicht.

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