Tag und Nacht

Bergwandern um Mitternacht? Kein Problem, wenn man im Sommer jenseits des Polarkreises (etwa auf 66,5 Grad Nord) unterwegs ist – und nicht zu müde. Die Sonne versinkt nicht hinter dem Horizont. Je nördlicher man sich befindet, desto länger dauert diese Phase der Mitternachtssonne. Im Winter ist es dafür länger dunkel, als einem manchmal lieb ist. Nur in der Dunkelheit kann man aber die schönen Polarlichter sehen.

Nächtliche Sonne in Kiruna.

Nächtliche Sonne in Kiruna.

Schuld an der Mitternachtssonne ist die schräge Stellung der Erdachse. Im Nord-Sommer ist die nördliche Spitze der Erdachse der Sonne stärker zugeneigt und wird deshalb länger beschienen als Gebiete am Äquator. Das Ganze funktioniert natürlich entsprechend umgekehrt für die Südhalbkugel.

Die Sonne steht dabei allerdings trotzdem nicht sehr hoch: In Kirkenes beispielsweise auf 69° 44′ N schafft sie es zur Sommersonnwende, am 21. Juni, mittags im Süden auf 43,7 Grad – nur knapp die Hälfte bis zum Zenit. Um Mitternacht steht sie dann im Norden knapp über dem Horizont. Sie beschreibt also aus Sicht des Betrachters eher einen flachen Bogen – aber dafür rundherum.

Kirkenes Nebel

Hier verhindern Nebel und ein Berg den Blick
auf die Mitternachtssonne (Kirkenes).

Wer die Sonnenscheibe nachts sehen oder fotografieren will, hat es nicht immer einfach: Oft stehen Gebäude oder Berge im Weg. Man muss sich also selbst einen möglichst erhöhten Aussichtspunkt mit Blick nach Norden suchen. Auch Wolkenbänke oder aufziehender Nebel können einem dann noch das Erlebnis vermiesen.

Zu beachten ist dann noch die richtige Zeit, denn was die Uhr am Handgelenk oder auf dem Handy verkündet, passt nur begrenzt zu den astronomischen  Gegebenheiten. In Kirkenes  stimmt die Zeit im Sommer fast genau (dank der Sommerzeit), in Tromsø, zwölf Grad weiter westlich, finden der wahre Mittag bzw. Mitternacht im Sommer rund 50 Minuten später statt. Im Winter verschieben sich diese sogenannten Sonnenzeiten noch einmal.

Alle Daten zu Sonnenzeiten, Sonnenstand und Phasen der Mitternachtssonne: https://www.timeanddate.de/sonne/

Lapporten Winter

Hier schafft es die Sonne noch nicht ganz über den Horizont. Lapporten, Abisko, Schweden.

Im Winter bekommt man dann die Kehrseite der Erdachsenlage zu spüren – im wörtlichen Sinne. Die Tage werden immer kürzer, die langen Dämmerungsphasen können farblich allerdings sehr ansprechend sein. Um die Wintersonnwende herum reicht die Sonne dann einfach nicht mehr in die von ihr abgewandte Polarregion. Aus Sicht des Betrachters: Sie kommt phasenweise nicht über den Horizont. Es herrscht Polarnacht. Je näher dem Pol, desto länger dauert diese Zeit.  Dass der ganze Tag komplett dunkel bleibt, kommt aber erst ungefähr ab dem 79. Breitengrad vor. Dort, wo die Sonne nur wenig unter dem Horizont steht, wird es mittags durchaus hell oder zumindest dämmrig.

Dekorative Physik: Polarlichter

Nordlicht in Abisko.

Nordlicht in Abisko.

Sobald die Nächte wieder richtig dunkel werden, hat man dafür Chancen auf ein besonders faszinierendes Lichtphänomen: das Polarlicht. Ursache dafür sind elektrisch geladene Teilchen aus der Sonne, die auf die Erdatmosphäre treffen. Das Magnetfeld spielt auch noch eine Rolle. Schöner kann Physik nicht sein. Je stärker die Magnetfeld-Störung, desto toller die Show, und desto weiter südlicher ist etwas davon zu sehen.

Voraussetzung für die Beobachtung von Polarlichtern ist ein klarer dunkler Himmel, möglichst wenig störende Lichtquellen und eine Portion Glück. Denn die Aktivitäten auf der Sonne folgen keinem Schema. Vorhersagen helfen, die Chancen zu erkennen, sind aber nicht komplett zuverlässig.

Vorwarnung: Wer zuvor viele Bilder und Bücher studiert hat, wird möglicherweise nach grell-grünen Streifen Ausschau halten. Das menschliche Auge nimmt aber Farben unterschiedlich wahr – und auf dem Weg durch die Linse verändern diese sich ebenfalls. Möglicherweise ist aber gerade der anfangs etwas unscheinbar wirkende weiße Streifen  der Anfang einer faszinierenden Light-Show.

Fotos von Polarlichtern sind eine tolle Erinnerung, können das Erlebte aber nur unvollständig wiedergeben. Allerdings sieht man die Farben darauf noch stärker. Ein richtig gutes Bild hinzubekommen ist aber nicht einfach. Für Anfänger: Man braucht ein Stativ wegen der langen Belichtungszeiten. Den Autofokus stellt man am besten aus, weil er sein Ziel in der Dunkelheit nicht findet,  und stellt die Schärfe mit der Hand ein (meist unendlich). Mit weit offener Blende und Zeitautomatik (A)  gibt es dann zumindest ein Bild, auf dem man etwas sieht. Profis geben gerne noch ausführlichere Tipps.

Links zur Polarlicht-Vorhersage:

Es gibt inzwischen auch eine Reihe von kostenlosen Apps fürs Handy, die einen sogar warnen, wenn die Aktivität am Aufenthaltsort aussichtsreich ist, beispielsweise diese Polarlicht-Vorhersage.

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