Was will Trump wirklich von Grönland und Island?

Grönland/Island. Donald Trump will Grönland kaufen. Seit das Wall Street Journal die Geschichte veröffentlicht hat, gibt es wohl keinen Witz mehr, der darüber nicht gemacht wurde. Interessanter ist die Frage: Was wollen die US-Politiker inklusive Trump, deren Europa-Besuche demnächst anstehen, wirklich von Grönland und Island? (Update unten)

Grönland

Grönland – nicht zu verkaufen. Foto Thomas Christiansen

#greenland war gestern ein beliebter Hashtag auf Twitter, auch wenn es diesmal nicht um einen Original-Tweet von Trump ging, sondern nur um anonyme Quellen. Auch der Postillon hatte etwas beizutragen. Der Gedanke weckte ähnlich kreative Ideen wie vergangenes Jahr #raking – Trumps Vorstellung von finnischer Forstwirtschaft.

Ein anderer Tweet zum Thema hat weniger Beachtung gefunden, er war auch nicht so lustig. Er stammt von Ólafur Ragnar Grímsson, dem ehemaligen isländischen Präsidenten, der nun Vorsitzender des Arctic Circle ist. Dabei handelt es sich um ein Netzwerk zur Entwicklung in der Arktis, das jedes Jahr im Oktober in Reykjavík eine große Konferenz abhält.  Dieser also fasste in Twitter-Kürze die vier Säulen der neuen amerikanischen Außenpolitik zusammen: Die erste war die Rede von Mike Pompeo vor dem Arktischen Rat  im Mai in Rovaniemi. Hintergrund: Erstmals wurden dort Großmachts-Interessen in einem Gremium geäußert, dessen Erfolgsrezept es bisher war, diese beiseite zu lassen und grenzübergreifend über Themen wie Umweltschutz, Wissenschaft und Notfallrettung zu verhandeln.

Arktis-Strategie der USA

Die zweite Säule sieht er in dem für 3. September angekündigten Besuch von US-Vizepräsident Mike Pence auf Island. Dort soll offenbar Islands Wert für die NATO betont werden. Man ist auch gerade dabei, die alten Hangar in Keflavik wieder fit zu machen für heutige P8-Poseidon-Flugzeuge, außerdem werden Wohnmöglichkeiten für etwa 1000 Soldaten geschaffen, die diese Flugzeuge fliegen.

Küstenwache

Islands einziges Kriegsschiff.

Säule drei ist für den Isländer der Besuch von Trump in Dänemark, wo er neben der dänischen Regierungschefin Mette Frederiksen auch den grönländischen  Premier Kim Kielsen treffen wird. Dort sollen ebenfalls arktische Themen auf der Tagesordnung stehen. Vielleicht geht es da ja um die angekündigte finanzielle Unterstützung der USA für Grönlands neue Flughäfen? Denn die amerikanischen NATO-Flieger benutzen nicht nur die Thule Airbase. Säule Nummer vier: Zum Arctic Circle-Treffen vom 10.bis 13. Oktober in der Harpa in Reykjavik ist US-Energieminister Rick Perry angekündigt.

Seit alte und neue Großmächte wieder aufrüsten, haben die Anlagen aus dem Kalten Krieg auf Island und Grönland wieder eine strategisch besonders wichtige Position für die NATO. Man könnte auch sagen: Die USA brauchen nichts kaufen – sie sind schon da.

Update 21.8.: Wie quasi überall zu lesen ist, hat Trump nun den Besuch in Grönland abgeblasen, nachdem man seine Wünsche so klar ablehnte, und sich zudem noch um Mette Fredriksens Wortwahl beklagt. Am Interesse der USA an Grönland ändert das natürlich nichts.

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2 Antworten zu Was will Trump wirklich von Grönland und Island?

  1. Josef Reis sagt:

    Mit den Aufkäufen will Herr Tramp nicht nur den ökologischen Fußabdruck Amerikas verbessern, er verucht auch an die Rohstoffe von Grönland und Island zu kommen und von dort aus ist der westliche, dicht bevölkerte Teil Russlands viel schneller und mit viel kürzerer Vorwarnzeit mit Raketen und Flugzeugen zu erreichen.

  2. Grönland hat wahrscheinlich viele Rohstoffe. Mit der Klimaerwärmung werden sie zugänglich. Wenn auch „Onkel Donald“ die Klimaerwärmung leugnet, wird sie hier halt sogar als „nützlich“ angesehen.

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