Spitzbergen (Norwegen). Spitzbergen hat 1666 Gletscher, die etwa 60 Prozent der Inselgruppe bedecken. Diese Gletscher haben sich aufgrund des Klimawandels massiv verändert. Das norwegische Polarinstitut hat deshalb nun neue topografische Karten mit den aktuellen Frontverläufen herausgebracht. Ein Nachwuchsforscher blickte stattdessen in die Vergangenheit – mit bisher unzugänglichem Material.
Auf fünf Kartenblättern im Maßstab 1:250000 ist die gesamte Inselgruppe abgebildet. Wie Kartograf Roger Hagerup auf der Website des Polarinstituts erklärt, handele es sich um die neuesten und vollständigsten Karteninformationen für Spitzbergen. Die vorherige Auflage kam 2010 heraus und basierte auf 20 Jahre alten Daten. Seitdem haben sich nicht nur die Gletscher, sondern auch einiges andere geändert, zum Beispiel wurde der Nordenskiöld Land Nationalpark erweitert und heißt nun Van Mijenfjord Nationalpark. Die neuen Karten basieren zum einen auf Luftbildern von 2008-2012, zum anderen auf Satellitendaten von 2024 bezüglich der Gletscherfronten. Sie zeigen das Terrain, Wege, Gebäude und Schutzgebietsgrenzen. Am schwierigsten sei es gewesen, die Daten für Flüsse wie Sassenelva und Reindalselva darzustellen, sodass die Karte informativ, aber trotzdem gut lesbar sei, so Kartograf Hagerup. Die neuen Karten sind über die Website des Polarinstituts, im Svalbard-Museum und in Buchhandlungen erhältlich.
Deklassifizierte Satellitenbilder aus den 1960er Jahren
Mit veränderten Gletscherfronten beschäftigte sich auch Loris Danjou in seiner Masterarbeit an der Universität Svalbard und schrieb zu diesem Thema einen Artikel für Svalbardposten. Danjou wertete Quellen aus drei verschiedenen Perioden aus und rekonstruierte Gletscherdaten aus einer Zeit, wo diese noch nicht so einfach zugänglich waren: alte Luftbilder (1936-38), bisher nicht zugängliche, inzwischen deklassifizierte frühe amerikanische Satellitenbilder (1962-63) und frühe Bilder des Satelliten Landsat (1976-78). Danach haben sich die Gletscherfronten in dieser Zeit insgesamt um einen Kilometer zurückgezogen, 26 Meter pro Jahr, was zwar in der Größenordnung liege, aber etwas weniger sei als das, was für spätere Phasen in wissenschaftlichen Untersuchungen ermittelt wurde, so Danjou. Dies könne darauf hindeuten, dass der Rückzug der Gletscher nun schneller verlaufe.
Bisher unbekannter Surge am Emmabreen
Bei der Auswertung stieß der Nachwuchswissenschaftler auch auf ein bisher unbekanntes Ereignis. Unter den Gletschern Spitzbergens gibt es besonders viele Surge-Gletscher, die in größeren Abständen plötzlich eine Zeit lang schneller fließen. So auch Emmabreen auf Nord-Spitzbergen. Bisher war nicht bekannt, dass die Gletscherfront in der Phase zwischen den Luftaufnahmen (1936-38) und den deklassifizierten US-Satellitenaufnahmen um etwa 550 Meter vorgestoßen war. Das Landsat-Bild von 1976 zeigt die Gletscherfront dann wieder auf dem Rückzug.
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