Neues MOSAiC-Team unterwegs in die Arktis

Der nächste Teamwechsel der Expedition MOSAiC steht bevor – und der gestaltet sich aufgrund der Corona-Krise extrem aufwendig. Die Polarstern hat ihre Eisscholle nun verlassen, um den beiden Forschungsschiffen Sonne und Maria S. Merian entgegenzufahren. Sie ist bisher schneller gedriftet als erwartet.

MOSAiC Maria S. Merian

Die Maria S. Merian in Bremenhaven kurz vor der Abfahrt. Foto Esther Horvath/AWI

Zwei Wochen lang befand sich das zukünftige Team in Bremerhaven in Quarantäne. Alle Teilnehmer wurden drei Mal auf Covid-19 getestet – alle negativ, wie das Alfred-Wegener-Institut mitteilte. Gestern Vormittag verließen die Sonne und die Maria S. Merian Bremerhaven Richtung Spitzbergen.

Auch die Polarstern ist nun nach mehr als fünf Monaten Eisdrift wieder mit Maschinenkraft unterwegs. Ein Großteil der Messanlagen auf der Scholle wurde abgebaut, einige autonome Systeme sind vor Ort geblieben. Mit dem Abbau kam das Team außerdem einem Sturm zuvor, der die Eisschollen um das Schiff in Bewegung setzte und teilte. Der Austausch von Personal, Proviant und Gerät soll in geschütztem Gewässer vor Spitzbergen stattfinden.

Rekord-Drift der Polarstern – weil das Eis so dünn ist

Dass die Polarstern schon so weit südlich ist (83°18 ‚ Nord), ist für den Teamaustausch nun ganz praktisch. Die ursprünglich angedachte Variante per Flugzeug über Spitzbergen fiel bekanntlich aus. Hinter dieser schnellen Drift stecken aber beunruhigende Ursachen. Die Polarstern ist schneller gedriftet als in allen Modellberechnungen. Diese beruhten auf den Messdaten der Eisdrift der vergangenen zehn Jahre, erstellt vom Norwegischen Meteorologischen Institut. Von Mitte März bis Anfang April driftete das Schiff zeitweise mit bis zu 0,5 km/h. Im Beitrag für Meereisportal führen die norwegischen Wissenschaftler dies darauf zurück, dass die dünnere arktische Eisdecke stärker von den Wind- und Meeresströmungen beeinflusst wird als das dicke, mehrjährige Packeis früherer Zeiten.

MOSAiC und Twin Otter

Polarstern und zwei Twin Otters im Eis. Foto Christian Rohleder

Nansens Fram brauchte für die Expedition fast drei Jahre (1893–1896) – die Polarstern hat das schrumpfende arktische Eis in weniger als einem durchquert. Das Team hatte im MOSAiC-Blog auch immer wieder über die starken Veränderungen auf dem Eis berichtet. Die Ski-Expedition von Børge Ousland und Mike Horn war ebenfalls auf überraschend dünnes Eis gestoßen. Dass auch weniger dickes Eis problematisch sein kann, wenn es sich zu Presseisrücken auftürmt, erlebte der russische Eisbrecher Kapitan Dranitsyn beim vorherigen Teamwechsel.

Früherer Artikel zum Thema:

Polarstern soll Sonne und Maria S. Merian bei Spitzbergen treffen

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