Viking Sky: Ursache gefunden – Diskussion geht weiter

Norwegen. Niedriger Öldruck – und infolge dessen zuwenig Schmierung bei den hohen Wellen und automatische Abschaltung. Das war die Ursache, warum bei der Viking Sky am vergangenen Samstag die Motoren ausfielen und das 228 Meter lange Kreuzfahrtschiff beinahe strandete.  Dies teilte gestern das norwegische Sjøfahrtsdirektorat mit.

Viking Sky

Viking Sky (Archivbild). Foto Pjotr Mahhonin, CC BY-SA 4.0

Die Behördenvertreter hatten gemeinsam mit der Klassifizierungsgesellschaft Lloyd’s das Schiff untersucht. Die Viking Sky ist erst seit 2017 im Einsatz. Der Ölstand, so ergaben die Ermittlungen, sei zwar noch innerhalb der erlaubten Grenzen gewesen. Ein Ölstandsalarm sei installiert, habe aber nicht ausgelöst. Die schwere See in der Hustadvika vor Møre og Romsdal habe vermutlich für große Bewegungen in dem Öltank  gesorgt. Daraufhin wurde offenbar die Pumpen nicht richtig versorgt – und es kam zur automatischen Abschaltung.

Das Sjøfahrtsdirektorat hat eine Sicherheitsmeldung herausgegeben, um Seeleute, Reedereien und Motorhersteller auf das Problem aufmerksam zu machen. Die Reederei Viking Cruises kündigte eine Untersuchung der Schwesterschiffe an, um eine Wiederholung zu vermeiden.

Die Viking Sky hatte 1373 Menschen an Bord und war nur noch 100 Meter von einer Strandung entfernt gewesen, als man den ersten Motor wieder zum Laufen brachte. Aufgrund des Seegangs konnten Passagiere nur mit Hubschraubern evakuiert werden. Fast 500 wurden ausgeflogen. Die übrigen konnten in Molde von Bord gehen, nachdem das Wetter sich gebessert hatte und das Schiff dorthin geschleppt worden war.

Weniger Hubschrauber in Nordnorwegen und auf Spitzbergen

Das Unglück sorgte in Norwegen für Diskussionen. Einige kritisierten, dass das Schiff überhaupt  bei der Wettervorhersage ausgelaufen war – doch ein Schiff dieser Größe und Breite, so hieß es  von den beteiligten Lotsen, habe damit normalerweise keine Probleme.  Der Verbund Norwegische Seeoffiziere bemängelte, Möbel und Gegenstände seien nicht gut genug gesichert gewesen. Damit reagierten sie auf das Video eines Passagiers.

Mit dem Unglücksort hatte die Viking Sky aber wohl eher Glück, denn es waren genug Hubschrauber in der Nähe für einen solchen Einsatz. Zwei wurden zwischenzeitlich auch noch bei einem anderen Havaristen in der Nähe gebraucht, wo eine neunköpfige Besatzung evakuiert werden musste. Politiker und Einsatzkräfte aus Nordnorwegen bemängeln schon länger, dass ihr Landesteil weniger Helikopter zur Verfügung hat. Zudem werden gerade Modelle ausgetauscht und umverteilt. Nach einer Berechnung von NRK bleiben 18 Maschinen im Norden, im Süden wird es 41 geben.  Viking Sky hatte auch  Tromsø angelaufen. Das Nordkapp ist ebenfalls ein beliebtes Kreuzfahrer-Ziel.

Auch die Bereitschaft auf Spitzbergen ist wieder in der Diskussion. Vor drei Monaten war dort ein Fischereifahrzeug auf Grund gelaufen, die Crew wurde mit Hubschraubern ausgeflogen. Im Sommer wird die Inselgruppe aber auch von vielen Kreuzfahrern angelaufen. Selbst Ministerpräsidentin Erna Solberg gibt zu, dass man mit einem Unglück wie nun vor Møre og Romsdal weiter nördlich oder auf Spitzbergen wohl nicht so gut hätten umgehen können, schreibt VG.

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