Nato-Beitrittsdiskussion im Norden und eine Basis auf Andøya

Norwegen/Finnland/Schweden. Der Angriff Russlands auf die Ukraine hat die Einschätzung der Sicherheitslage bei Russlands nördlichsten Nachbarn massiv verändert. Nato-Mitglied Norwegen wird den Allianzpartnern mit Andøya in Zukunft eine feste Basis anbieten. In Finnland und Schweden geht die Debatte um einen möglichen Nato-Beitritt in die heiße Phase.

Andøya

Andøya in Nordnorwegen. Karte sel/stepmap

Der Luftwaffenstützpunkt Andøya sollte eigentlich aus finanziellen Gründen ausgemustert werden. Heute werden von dort aus Überwachungsflüge unternommen. Mit der Einführung eines neuen Flugzeugtyps (P8 Poseidon) soll diese Aktivität ab 2023 von Evenes  (der Zivilflughafen heißt Harstad-Narvik) stattfinden. Dort sind bereits die Jagdflugzeuge aus Bodø hingezogen. Nun ist klar: Andøya bleibt – als dauerhafte Basis, um dort alliierte Kräfte zeitweise unterbringen zu können, meldet NRK. Wie dies konkret aussehen soll, ist allerdings noch unklar. Die norwegischen Flugzeuge sollen aber weiter nach Evenes umziehen.

USA können Waffen in norwegischen Basen lagern

Bereits bekannt war, dass die frühere norwegische Regierung ein Abkommen mit den USA geschlossen hat, das den USA das Recht einräumt, auf vier norwegischen Basen eigene Infrastruktur aufzubauen. Dabei waren bisher die Luftwaffenstützpunkte Evenes, Rygge und Sola sowie der Militärhafen Ramsund im Gespräch. Klar ist inzwischen, dass dort nicht nur Feldlazarette, sondern auch Waffen und Munition gelagert werden sollen. Das norwegische Parlament muss dazu noch seine Zustimmung erteilen. Der parlamentarische Prozess läuft noch. Es gibt allerdings keine Anzeichen dafür, dass dieses Abkommen abgelehnt wird.

Nato-Diskussion in Finnland und Schweden

Der russische Angriff auf die Ukraine hat vor allem in Finnland, aber auch in Schweden, Erinnerungen an den finnischen Winterkrieg 1939/40 geweckt. Damals griff Stalins Sowjetarmee Finnland an. In beiden Ländern wird nun sehr konkret über einen möglichen Nato-Beitritt diskutiert. Bis vor kurzem gab es dafür weder eine Mehrheit in der Bevölkerung noch eine politische Mehrheit.

Umfragen in Finnland pro Nato

In Finnland mit seiner 1300 Kilometer langen Grenze zu Russland scheint die Stimmung aktuell besonders Nato-freundlich – mehr als 60 Prozent waren in einer Umfrage von Yle dafür. Noch im Frühjahr soll eine politische  Entscheidung dazu fallen. In Schweden ist die Tendenz ähnlich, aber nicht so stark. Bei der jüngsten Umfrage von Novus waren 47 Prozent dafür und 28 Prozent dagegen. Die Unterstützung wuchs zu Beginn des Krieges, aber zuletzt nicht mehr.

 Es gibt in beiden Ländern den Wunsch nach einem koordinierten Vorgehen beim Thema Nato, wie beim EU-Beitritt in den 1990er Jahren. Ob das so kommt, wird sich zeigen. Schweden hat es in dieser Frage weniger eilig als Finnland und außerdem Wahlen im September.

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