Schweden: Kommt jetzt die Küstenbahn im Norden?

Schweden. Mit der Bahn zwischen Schwedens nördlichsten Küstenstädten pendeln – das ist beim heutigen Streckenverlauf ziemlich mühsam. Auch Güter können wegen der vielen Biegungen und Steigungen nur begrenzt transportiert werden. Die Lösung heißt Norrbotniabanan – und der Bau soll noch dieses Jahr beginnen.

Norrbotniabanan

Gelb: die geplante neue Bahnstrecke an der Küste (Norrbotniabanan)

Nordschwedens Stammbahn verläuft im Landesinneren. Beim Bau vor rund 130 Jahren hielt man das offenbar für sicherer, der Verlust von Finnland an Russland war noch recht frisch. Doch die wichtigsten Städte mit großer Industrie liegen fast alle an der Küste. Über die E 4 sind es 270 Kilometer zwischen den Universitäts- und Hafenstädten Umeå und Luleå. Mit der Bahn dauert die Strecke aber vier Stunden, weil der Zug den Umweg durchs Inland macht. Schneller ist man auch mit dem Linienbus nicht, der fährt aber immerhin direkt und hält unterwegs in Skellefteå und Piteå, weiteren wichtigen Hafenstädten der Region.

Die Norrbotniabanan soll diese vier Küstenorte direkt verbinden. Die Fahrzeit zwischen Umeå und Luleå soll sich mindestens halbieren. Es wäre dann einfacher für Studenten und Berufstätige, in der Region zu pendeln. Außerdem könnten längere und schwerere Güterzüge eingesetzt werden, die Kosten sollen dadurch um ein Drittel schrumpfen. Ohnehin sind die Transportkapazitäten auf der bisherigen eingleisigen Strecke schon ziemlich am Limit, eine zweite, schnellere Strecke würde Abhilfe schaffen.

Luleå C

Bahnhof Luleå mit dem Nachtzug von Göteborg. Bis auch die Norrbotniabanan dort ankommt, wird es noch dauern.

Die Idee gibt es schon länger, doch die Umsetzung verzögerte sich immer wieder. Für dieses Jahr versprochen ist der Baubeginn für die ersten zwölf Kilometer von Umeå nach Dåva. Vergangene Woche überraschte nun der Verkehrsminister mit der Ankündigung, die Regierung stelle umgerechnet rund 680 Millionen Euro für den Weiterbau der Norrbotniabanan zur Verfügung. Darüber berichtete Sveriges Radio. Spätestens 2024 soll damit begonnen werden, die Gleise von Dåva  bis Skellefteå zu legen.

Manche halten dies zwar für ein Wahlkampfmanöver der Regierung vor dem Urnengang im September. Das Projekt ist allerdings kein parteipolitischer Zankapfel. Um der neuen Strecke auf den Weg zu helfen, haben sich die Anliegerstädte und Großfirmen auf dem Weg  zusammenschlossen. In Skellefteå steht außerdem eine große Investition bevor, das viele Arbeitskräfte anziehen wird: Dort soll eine Batteriefabrik für Elektroautos gebaut werden – „Northvolt„. Auch Siemens will sich an der Batteriefabrik beteiligen. Der Bahn-Ausbau nach Skellefteå wird auch von der EU bezuschusst. Schweden und Finnland haben außerdem die Aufnahme des „Bottnischen Korridor“ ins das trans-europäische Transportnetzwerk (TEN-T) der EU beantragt.

Bis es auf der Strecke dann tatsächlich bis  Luleå weitergeht, dauert es aber noch: Das ist erst für die Planungsperiode an 2030 vorgesehen, so SVT. Danach könnte  auch Haparanda angeschlossen werden.

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