Nur noch ein Internetkabel nach Spitzbergen – Reserve defekt

Spitzbergen (Norwegen). Die Internetverbindung Spitzbergens hängt aktuell nur noch an einem Kabel, buchstäblich. Seit Freitag ist das zweite Kabel defekt. Bisher funktioniert die Kommunikation noch problemlos. Der Fehler wird in größerer Tiefe vermutet, für die Reparatur wird deshalb ein hochseetaugliches Spezialschiff benötigt. Darüber berichtete der Barents Observer.

SvalSat außen

Eine der vielen Satellitenschüsseln von SvalSat. Foto Bernt Rostad/Flickr, CC BY 2.0

Die abgelegene Inselgruppe verdankt ihre gute Internetanbindung der Satellitenstation auf dem Platåberg bei Longyearbyen, SvalSat (Svalbard Satellittstasjon). Mehr als hundert Antennen nehmen hier auf, was die auf einer polaren Umlaufbahn fliegenden Satelliten senden. Früher verlief die Kommunikation mit dem Festland ebenfalls über Satellit, doch das begrenzte die Kapazität. 2003 wurden zwei Kabelstränge vom norwegischen Festland, von Harstad über Breivika auf Andøya nach Longyearbyen (Hotellneset) verlegt. Jeder Kabelstrang enthält acht Glasfaserkabelpaare plus 20 optische Repeater. Von der großen Kapazität profitieren auch die Bewohner und Wissenschaftler. Die Kabel verlaufen nicht ganz in derselben Trasse und sind unterschiedlich lang – 1375 und 1339 Kilometer von Breivika nach Hotellneset. Die doppelte Verlegung geschah zur Sicherheit, es wird jeweils nur ein Kabelstrang benutzt. Diese Redundanz zahlt sich nun aus.

Fehler liegt möglicherweise tief unten

Der Betreiber des Kabels, Space Norway, vermutet den Fehler laut Pressemeldung in einem Bereich 130 bis 230 Kilometer entfernt von Longyearbyen. Das ist ein Bereich, in dem das Kabel dem Meeresboden von 300 Metern in eine Tiefe von bis zu 2700 Metern folgt. Wie der Schaden entstand, soll noch untersucht werden. Für die Reparatur wird ein größeres, hochseetaugliches Kabelverlegungsschiff benötigt.

SvalSat wichtige Bodenstation – und umstritten

SvalSat ist eine der weltweit größten Empfangsstationen für Satelliten. Auch die ESA,  NASA , EUMETSAT und NOAA nutzen die Möglichkeit. Betreiber der Station ist Kongsberg Satellite Services (KSAT). Spitzbergen darf nach dem Spitzbergenvertrag nicht militärisch genutzt werden. Der norwegische Journalist Bård Wormdal  beschrieb 2011 in seinem Buch „Satellitkrigen“, wie über SvatSat heruntergeladene Bilder der Erde militärisch genutzt wurden, zum Beispiel im Irak-, Libyen- und im Afghanistankrieg. Nach seiner Ansicht ist dies eine Verletzung des Spitzbergenvertrags. Andere sehen diese Art von „Dual Use“ noch innerhalb des Vertrags. Die Diskussion darüber, inwieweit eigentlich kontrolliert wird, ob die ausgetauschten Informationen im Einklang mit dem rechtlichen Status der Inselgruppe in Einklang stehen, ist seitdem nicht abgerissen. Die offizielle Kontrolle hat die norwegische Kommunikationsbehörde. Die vielen Satellitenschüsseln sind auch Gegenstand des Misstrauens von russischer Seite.

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