Moskau: Prozess gegen den Kurier aus Kirkenes beginnt

Norwegen/Russland. Heute beginnt in Moskau der Prozess gegen den 63-jährigen Norweger Frode Berg. Der Vorwurf: Spionage. Seine Anwälte hoffen auf eine politische Lösung. Dabei könnte helfen, dass Ministerpräsidentin Erna Solberg am kommenden Wochenende persönlich in Russland sein wird – beim Arktischen Forum in St. Petersburg.

Justiz

Justitia in der Moskauer U-Bahn. Foto: Eliane Meyer, Pixabay

Als Frode Berg am 5. Dezember 2017 in Moskau vom FSB verhaftet wurde, dachten die meisten an ein Missverständnis, das sich bald aufklären werde. Frode Berg kommt aus Kirkenes an der norwegisch-russischen Grenze. Bis zu seiner Pensionierung 2014 arbeitete er dort als Grenzinspektor. Die Bombe schlug dann im April 2018 ein: Über seine Anwälte, den Russen Ilja Nowikow und den Norweger Brynjulf Risnes, ging Berg mit einer Art Geständnis an die Öffentlichkeit. Er gab zu, mehrfach für den norwegischen Nachrichtendienst Aufträge als Kurier ausgeführt zu haben. Allerdings sei ihm die Tragweite dieser Aktionen nicht bewusst gewesen.

Laut der russischen Anklage sollte Berg helfen, Informationen zur Nordflotte zu beschaffen. Die mögliche Kontaktperson, Aleksej Zhitnjuk, wurde vor kurzem zu 13 Jahren Haft wegen Hochverrats verurteilt. Der ehemalige Polizist hatte für ein Sicherheitsunternehmen gearbeitet, das einen Vertrag mit der Nordflotte zur Lieferung von Elektronik hatte. Von offizieller Seite in Norwegen gab und gibt es weiterhin keine Erklärung zu Frode Berg – bis auf den Verweis, dass ihm konsularischer Beistand gewährt werde.

Hoffnung auf eine politische Lösung

Frode Berg hat 16 Monate im berüchtigten Lefortowo-Gefängnis in Moskau hinter sich. Seine beiden Anwälte Ilja Nowikow und Brynulf Risnes gehen davon aus, dass er schuldig gesprochen wird, hoffen aber auf eine politische Lösung, sodass Berg keine lange Haftstrafe in einem russischen Lager absitzen müsste. Der russische Politikwissenschaftler Andrej Manoilo, Berater des russischen Sicherheitsrates, den NRK dazu befragte, geht ebenfalls von einer solchen Variante aus.

Treffpunkt Arktisches Forum

Ob es entsprechende Verhandlungen hinter den Kulissen gibt, ist natürlich nicht bekannt. Allerdings werden sowohl Ministerpräsidentin Erna Solberg als auch Außenministerin Ine Eriksen Søreide am kommenden Wochenende zum Arctic Forum nach St. Petersburg fahren – die hochrangigste norwegische Delegation in Russland seit dem Krim-Konflikt. Sie werden dort auf Bekannte treffen: Auch Schwedens Ministerpräsident Stefan Löfven, Finnlands Präsident Sauli Niinistö und Islands Präsident Guðni T. Jóhannesson haben sich angesagt. Der russische Präsident Wladimir Putin wird dort eine Rede halten. Was er und Erna Solberg dann möglicherweise hinter verschlossenen Türen aushandeln, wird sich zeigen.

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