Spionage-Vorwurf: Der Kurier aus Kirkenes packt aus

Norwegen/Russland. Seit Anfang Dezember sitzt der Norweger Frode Berg in Moskau in Untersuchungshaft. Er wird der Spionage beschuldigt. Norwegische Behörden waren in dieser Sache bisher ziemlich still. Nun machten Bergs Anwälte in Dagbladet öffentlich: Der 62-Jährige aus Kirkenes war tatsächlich als Kurier für den norwegischen Geheimdienst unterwegs – allerdings als ein ziemlich ahnungsloser.

Flughafen Kirkenes

Flughafen Kirkenes. Sowohl die finnische als auch die russische Grenze sind nah.

Die Reporter von Dagbladet trafen Bergs Anwälte Ilja Nowikow und Brynjulf Risnes in Prag, wo sie die Verteidigung ihres Klienten vorbereiteten. „Berg hat sehr wenig von dem verstanden, in das er hineingezogen wurde. Er ist fünffacher Großvater und ein Familienvater im Pensionsalter. Er hätte nie etwas getan,  bei dem er bewusst das Risiko von 20 Jahren Gefängnis eingangen wäre“, sagt Bergs russischer Anwalt Nowikow laut Dagbladet.

Frode Berg war bis zu seiner Pensionierung 2014 Inspektor an der norwegisch-russischen Grenze bei Kirkenes. Seine Aufgabe war, dafür zu sorgen, dass die Vereinbarungen dort von beiden Seiten eingehalten werden. Später engagierte er sich im Kulturbereich in Kirkenes und war bekannt als jemand, der sich für ein gutes Verhältnis zu Russland einsetzt.

Am 5. Dezember wurde er in Moskau vom russischen Inlandsgeheimdienst FSB verhaftet. Offiziell war er dort, um Freunde zu besuchen und Weihnachtseinkäufe zu machen. Bei seiner Verhaftung hatte er 3000 Euro dabei. Diese hatte er in Norwegen erhalten und sollte sie in Moskau per Post verschicken. Der FSB beschuldigt ihn, seit 2015 bereits mehrfach als Kurier für den norwegischen Geheimdienst tätig gewesen zu sein. Dabei sei es um Informationen zu Atom-U-Booten der russischen Nordflotte und die Werft in der für Ausländer geschlossenen Stadt Seweromorsk gegangen. Berg befindet sich im Moskauer Lefortowo-Gefängnis in Untersuchungshaft. Er wird der Spionage angeklagt.

Høybuktmoen Leir

Die Einfahrt zur Kaserne Høybuktmoen Leir befindet sich gleich gegenüber dem Flughafen Kirkenes.

Gegenüber Dagbladet erklärten Bergs Anwälte nun ausführlicher, wer ihrem Klienten jeweils vor Reisen Geld nach Russland mitgegeben hatte. Ein norwegischer Bekannter hatte Berg einmal einem Mann vorgestellt, der sich „Jørgen“ nannte. Nach Recherchen des Dagbladet handelte es sich dabei um einen früheren Mitarbeiter der geheimdienstlichen Einheit der Garnison in Høybuktmoen bei Kirkenes, nur wenige Kilometer von der russischen Grenze entfernt. 

VG zitiert Bergs norwegischen Anwalt Brynjulf Risnes: „Ihm war bewusst, dass es sich um den Geheimdienst handelte, aber er verstand wohl nicht den Umfang des Auftrages. Ihm war nicht klar, dass er in einem russischen Gefängnis enden könnte.“ Die Aufträge hätten ihm allerdings Sorgen bereitet: „Als er signalisierte, dass er sich davon zurückziehen wollte, fühlte er sich  starkem Druck ausgesetzt“, so Risnes laut VG.

Norwegens offizielle Stellen schweigen

Norwegens offizielle Stellen waren bisher auffallend schweigsam – und so mancher hatte das bereits als ein Zeichen gewertet, dass die Vorwürfe des FSB nicht aus der Luft gegriffen waren. Eingeräumt wurde dies bisher nicht. Die Presse wird offenbar immer nur ans Außenministerium verwiesen. Man setze sich für Frode Bergs Interessen ein, unter anderem durch praktische Unterstützung im Gefängnis, so Pressesprecher Frode Andersen laut Dagbladet. Die russischen Ermittlungen seien noch nicht abgeschlossen.

Dass die beiden Anwälte nun gemeinsam an die Öffentlichkeit gingen, dürfte ebenfalls mit dem Schweigen zu tun haben: Schon mehrfach hatte Nowikow geäußert, nur eine politische Lösung könne Berg vor einer langen Haftstrafe bewahren. Risnes sagte nun zu den Medien, Berg habe lange  überlegt, wie er mit der Situation umgehen sollte. Er habe Loyalität gegenüber den norwegischen Behörden empfunden und gehofft, sie würden sich für ihn einsetzten. „Er fühlt sich im Stich gelassen“, so Risnes zu VG.

„Der Geheimdienst hat ihn unter Druck gesetzt“

Deshalb äußerte sich nun auch die norwegische Journalistin Trine Hamran in Dagbladet, die mit Berg in verschiedenen Kulturprojekten zusammengearbeitet hatte. Sie bestätigte, man habe Berg nach dem jüngsten russischen Manöver Sapad unter Druck gesetzt, erneut als Kurier tätig zu werden, obwohl er eigentlich damit aufgehört hatte. Die Tragweite sei ihm nicht bewusst gewesen. „Frode Berg ist ein Ehrenmann. Er hat eine schlechte Entscheidung getroffen, für die er bereits teuer bezahlt hat. Das alles, weil der Geheimdienst ihn hereingelegt hat.“

Die neuen Informationen über Frode Bergs Tätigkeit für den Geheimdienst hat seine Unterstützer in Kirkenes nicht abgeschreckt: Man arbeite weiter dafür, ihn nach Hause zu bekommen, heißt es von der Gruppe in iFinnmark.

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