Kritik und Kreativität – Sápmi feiert heute seinen Nationaltag

Sápmi. Kreativ, kritisch und über die Grenzen hinaus kooperierend:  So feiern heute die Samen ihren Nationaltag. Das Urvolk des europäischen Nordens  ist auf vier Länder verteilt: Norwegen, Schweden, Finnland und Russland. Verglichen mit früheren Zeiten hat sich dessen Situation zwar deutlich verbessert – Konflikte gibt es jedoch immer wieder.

Sápmi Flagge

Die Flagge von Sápmi ist in allen vier Ländern gleich.

Der Film „Sameblod“ von Amanda Kernell, der an die Zeit massiver Diskriminierung erinnert,  bekam viel öffentliche Aufmerksamkeit und sammelte Preise. Gerichtsprozesse wie der Fall Girjas oder der des Rentierzüchters  Jovsset Ánte Sara machen landesweit Schlagzeilen. Samische Themen sind zunehmend in der Öffentlichkeit präsent. Und immer häufiger, so schreibt es Autorin Marit Lindquist in einem Beitrag für Svenska Yle, sind samische Aktivisten gleichzeitig „Artivisten“ oder umgekehrt: Kulturschaffende mit politischem Anspruch. Dabei verweist sie auch auf eine Veröffentlichung von Moa Sandström von der Universität Umeå: „Samisk Kamp. Kulturförmedlingen och Rättviserörelse.“

Das galt sicher  auch schon für die Musikerin Mari Boine (Oppskift for herrefolket, siehe auch Samische Künstler), das gilt heute auf alle Fälle für die jüngeren Kollegen wie Sofia Jannok oder Ailu Valle. Ganz junge Musiker wie  Emma Elliane Oskal Valkeapää, 17, die schon mit 11 Jahren am norwegischen Melodi Grand Prix teilnahm,  und der ebenfalls 17-jährige „DJ Ailo“ Thomassen leben ihre samische Identität ganz bewusst, aber auch selbstverständlich.

Suohpanterror

Suohpanterrors Lasso sind die sozialen Medien. Screenshot Facebook Souhpanterror

Das Künstlerkollektiv Souhpanterror (Lasso-Terror) formuliert seine Kritik auf visuelle Art und nutzt zur Verbreitung soziale Medien. “ Wir wollen die Probleme, die wir aufgreifen, in den Mittelpunkt stellen, nicht die Menschen dahinter“, erklärte Mitglied Jenni Laiti im Interview mit Subjekt.no, warum die übrigen  weiter anonym bleiben.

„Wir haben nicht zusammengehalten. Wir haben nie versucht zu handeln wie ein Volk. Heute versuchen wir zum ersten mal, die norwegischen und schwedischen Samen zusammenzubringen“ – diese Worte der Aktivistin Elsa Laula Renberg auf dem historischen Treffen in einer Kirchengemeinde am 6. Februar 1917 in Trondheim sind überliefert. Es sollte allerdings noch Jahrzehnte dauern, bis es tatsächlich zu einer politischen Anerkennung der Samen als Urvolk mit einer teilweisen Selbstverwaltung kam und auch eine länderübergreifende Zusammenarbeit begann (siehe Sápmi – das Land der Samen). Und seit 1993 wird der 6. Februar als Nationaltag in allen vier Ländern gefeiert. Frei gibt es dafür allerdings nicht.

Die samische Nationalhymne Sámi soga lávlla. Der Text stammt von Isak Saba  (1875-1921), der als erster Same ins norwegische Parlament gewählt wurde.  Vertont hat sie der norwegische Komponist Arne Sørli (1904-1969).


 

Dieser Beitrag wurde unter Finnland, Gesellschaft, Kunst, Musik, Sápmi, Schweden, Uncategorized veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.