IMO: Dem Verbot von Schweröl in der Arktis ein Stück näher

Arktis.  Ab 2024 könnte das Schweröl aus der Arktis verschwinden – doch es soll bis 2029  Ausnahmen für die Anrainerstaaten geben. Auf diesen Entwurf einigte sich die  zuständige Arbeitsgruppe der Internationalen Seeschifffahrts-Organisation (International Maritime Organization, IMO) gestern auf ihrem Treffen in London. Darüber berichtete Lloyd’s List.

Nordostpassage

Die Venta Maersk war das erste Containerschiff  in der Nordostpassage – testweise. Foto Rosatom

Das Treffen begann damit, dass Kanada als vorletzter der Arktis-Anrainerstaaten seine Unterstützung für ein Schwerölverbot erklärte. Nur Russland, das Land mit der längsten arktischen Küstenlinie, widersetzte sich dem noch und verwies auf die hohen Kosten für die Versorgung seiner dort lebenden Bevölkerung.  Hintergrund für den Ruf nach einem Schwerölverbot in der Arktis ist zum einen, dass sich der Ruß auf dem Eis den Klimawandel besonders befördert. Außerdem ist diese Masse extrem zähflüssig, gesundheitsschädlich und würde  bei einem Unfall die Umwelt langfristig zerstören. Dabei steigt das Risiko für Unfälle in dem Maße, wie immer mehr Schiffsverkehr in die schmelzende Arktis vordringt. Das Schwerölverbot sollte deshalb nicht nur die Verwendung als Treibstoff verbieten, sondern auch den Transport.

Kompromiss für Anrainerstaaten

Die Arbeitsgruppe, das Sub-Comittee on Pollution Prevention and Response, fand nun diesen Kompromiss, der jetzt den Weg durch die Institution gehen wird. Danach soll ab Juli 2024 ein Schwerölverbot in der Arktis in Kraft treten. Schiffe mit der Flagge eines Arktis-Anrainerstaates haben aber noch bis 2029 Zeit, sich umzustellen. Davon profitiert nicht nur Russland. Auch die grönländische Reederei Royal Arctic Line beklagte erst jüngst Nachteile durch ein mögliches Schwerölverbot.

Hohe Schwefelemissionen seit Januar verboten

Seit dem 1. Januar darf zwar ohnehin niemand mehr mit der schwarzen Pampe im Tank einfach so herumschippern. Selbst auf offener See ist nun nur noch ein Schwefelgehalt von 0,5 Prozent erlaubt. Entweder das Schiff verfügt über Reinigungssysteme für die Abgase (Scrubber), oder es wird nun eine schwefelarme Treibstoffvariante verwendet. Profitieren werden davon vor allem Hafenstädte, denn der Schwefelausstoß der Schifffahrt führte dort zu großen Belastungen.

Schwefelarme Mischung erzeugt noch mehr Ruß

Für die Arktis ist das jedoch nur bedingt ein Fortschritt. Schiffe mit Scrubbern führen ja immer noch dieselbe dreckige Pampe im Tank, und würden bei einem Unfall eine große Verschmutzung verursachen. Und auch die neue schwefelarme Mischung, das sogenannte very low sulphur fuel oil (VLSFO), ist problematisch: Eine erst vor Kurzem von Deutschland und Finnland gemeinsam finanzierte Studie zeigte, dass diese aufgrund der genutzten aromatischen Verbindungen  Emissionen mit noch mehr Ruß ausstoßen. Insbesondere bei langsam fahrenden Schiffen, etwa hinter einem Eisbrecher, sei der Verbrennungsprozess suboptimal, berichtet High North News. Die Bemühungen um eine saubere Arktis würden so zunichtegemacht.

Freiwillige Selbstverpflichtung von Expeditionskreuzfahrern

Verglichen mit Schweröl ist selbst Marinediesel sauberer, eine andere Alternative ist Flüssiggas. In der Clean Arctic Alliance haben sich Unternehmen zusammengeschlossen, die sich selbst verpflichten, auf Schweröl und seine Verwandten zu verzichten. Auch die AECO (Association of Arctic Expedition Cruise Operators) hat dies beschlossen. Die ganz großen Kreuzfahrer sind dort allerdings nicht Mitglied.

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