Dänisches Containerschiff Venta Maersk testet Nordostpassage

Russland. Die „Venta Maersk“ hat eine ungewöhnliche Reise hinter sich: Als erstes großes Containerschiff durchquerte sie gerade die Nordostpassage, teilweise mit Eisbrecher-Hilfe, und zwar von Ost nach West. Darüber berichteten Danmarks Radio (DR) und High North News.

Nordostpassage

Vom Eisbrecher aus fotografiert: Venta Maersk in der Nordostpassage. Foto Rosatom

Für die dänische A.P. Møller – Mærsk, die größte Reederei der Welt, war das Ganze erst einmal nur ein Versuch. Das nagelneue, in China gebaute Schiff ist für Reisen durch Eis verstärkt. Es ist 200 Meter lang, hat einen Tiefgang von elf Metern und kann 3600 Container aufnehmen. Auf dieser Tour hatte es russischen Fisch und Elektronik aus Südkorea geladen. Es startete am 23. August in Wladiwostok, Russland, und verließ Busan, Südkorea, am 28. August. Die Nordostpassage, russisch северный морской путь, international Northern Sea Route, begann es am 7. September.

Obwohl September  der Monat mit dem wenigsten Eis ist, gab es in diesem Jahr im östlichen Teil (Ostsibirische See) noch reichlich davon – das erwähnt auch Meereisportal in seiner jüngsten Analyse. Am 8. September traf sich die Venta Maersk mit dem russischen Atomeisbrecher „50 let Pobedy“ („50 лет Победы“), der den Weg freimachte bis in die Laptewsee. Die durchschnittliche Geschwindigkeit betrug dabei  laut Rosatom elf Knoten. In der Laptewsee wiederum, davon berichteten kürzlich schon die Forscher auf der Akademik Tryoschnikow, ist in diesem Jahr sehr wenig Eis, wie auch in Karasee und Barentssee. Das Containerschiff konnte seine Fahrt ohne Begleitung fortsetzen.

Seewege der Arktis

Seewege der Arktis. Karte Maximilian Dörrbecker, CC BY 2,5

Wie Marine Traffic zeigt, hat es inzwischen auch das Nordkapp passiert und ist auf dem Weg nach Süden. Zunächst wird es Bremerhaven anlaufen, dann durch die Ostsee nach St. Petersburg.  Ob der Versuch die Erwartungen erfüllt hat, wollte die Reederei vor Ende der Reise noch nicht sagen. Im Augenblick sehe man den nördlichen Seeweg nicht als kommerzielle Alternative zum bestehenden Netzwerk, heißt es gegenüber DR. Die Venta Maersk ist eigentlich für den Kurzstreckenverkehr in Europa gedacht und auch an die Erfordernisse der Ostsee angepasst. Dort kann es auch mal Eis geben.

Auch chinesische Reedereien testen Nordostpassage

Der Weg durch die Nordostpassage kann den Transportweg zwischen Asien und Europa deutlich abkürzen, verglichen mit der Route durch den Suezkanal oder südlich um Afrika herum. Das spart Treibstoffkosten, ist aber aufgrund des Eises weniger berechenbar – auch wenn dies aufgrund des Klimawandels immer weniger wird. Es können Gebühren für einen Eisbrecher anfallen. Dazu kommt die Frage, wie einfach Russland ausländischen Reedereien das Genehmigungsverfahren macht – aktuell sind Restriktionen im Gespräch.  Auch asiatische Reedereien interessieren sich jedoch für die Nordostpassage. Im Juli und August hatten Eisbrecher schon vier chinesische Frachtschiffe begleitet.

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