Der 270 Jahre alte “Lappekodisill” kommt ins Samische Archiv

Kautokeino (Norwegen). Das Leben der Samen war über Jahrhunderten davon abhängig, wo es den Rentieren gut ging. Als die Staatsgrenze zwischen den Königreichen Dänemark-Norwegen und Schweden (mit Finnland) festgelegt wurde, wurde dies berücksichtigt: Der “Lappekodisill” von 1751 legte fest, dass die Samen mit ihren Herden die Grenzen überqueren dürfen. Dieses historische Dokument gilt bis heute. Das Original wurde nun an das samische Archiv in Kautokeino zur Aufbewahrung übergeben. Darüber berichtete NRK.

Übergabe Lappekodisillen

Staatsekretärin Gry Haugsbakken (rechts) übergibt das historische Dokument an Sametingspräsidentin Aili Keskitalo. Foto Åse M.P. Pulk/Sametinget

Bisher wurde das historische Dokument im staatlichen Archiv in Oslo gelagert. Die Übergabe geschah vor der Eröffnung des neugewählten Sametings. Für die scheidende Sametingspräsidentin Aili Keskitalo war ihre letzte Amtshandlung. Anwesend war auch König Harald.

“Die Aushandlung des Lappekodisill 1751 war eine Anerkennung dessen, dass die Samen ein Volk sind. Ein Volk, das in mehreren Staaten lebt, unter anderem mit dem Recht, über die norwegisch-schwedische Grenze hinweg Rentierzucht zu betreiben”, so Aili Keskitalo in ihrer Rede.

“Lappekodisill” bis heute gültig

Der “Lappekodisill” (schwedisch lappkodicill) ist nicht nur ein wichtiges historisches Dokument. Da sich Norwegen und Schweden bisher nicht auf etwas Besseres einigen konnten, regelt er bis heute die Rechte von Rentierhaltern auf beiden Seiten der Grenze. 1972 gab es einmal einen neuen Vertrag, der aber 2005 ausgelaufen ist. Das Recht der Rentierhalter auf Grenzüberschreitung galt auch in Coronazeiten. Und erst vor kurzem gewann das schwedische Saarivuoma Sameby einen Prozess vor dem norwegischen Obersten Gericht, das ihm das Recht auf Nutzung seiner traditionellen Flächen zusprach.

Seit 25 Jahren Samisches Archiv in Kautokeino

Die Übergabe dieses zentralen Dokuments an das samische Archiv in Kautokeino folgt der Logik, dass es bei den Menschen sein soll, um die es geht. Das samische Archiv in Kautokeino (samisch Guovdageaidnu) gibt es seit 25 Jahren. Es bietet inzwischen die richtigen Bedingungen, um auch dieses wertvolle Dokument fachgerecht zu lagern. Zunehmend werden auch Gegenstände aus den Museen in den Hauptstädten an samische Museen übergeben.

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Gericht: Schwedisches Sameby darf Weideflächen in Norwegen nutzen

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