Corona-Lockdown: Island auf dem Weg zur Normalität

Island. Für Isländer wird das Leben nach dem Corona-Lockdown wieder ein Stück normaler: Heute öffnen alle Schulen wieder und viele Aktivitäten sind wieder erlaubt. Dabei muss der Zwei-Meter-Abstand aber in den meisten Fällen weiterhin eingehalten werden. Die beliebten Schwimmbäder sind allerdings weiterhin geschlossen.

Island

Island vor (hoffentlich) besseren Zeiten.

So sieht die Lage bezüglich Covid-19 aktuell auf Island aus (laut covid.is): Insgesamt wurden 1799 Menschen damit diagnostiziert, nur noch 72 sind aber noch krank. Vier Personen werden noch im Krankenhaus versorgt, aber niemand liegt mehr auf der Intensivstation. Neue Erkrankungen gibt es nur noch vereinzelt. 577 befinden sich noch in Quarantäne. Zehn Menschen sind auf Island an Covid-19 gestorben.

Auf Island hatte sich das Virus anfangs schnell verbreitet. Zu den ersten Infizierten gehörte eine Gruppe, die in Ischgl gewesen war. Die ersten Maßnahmen zur Beschränkung wurden am 13. März getroffen. Dazu gehörte die Schließung der oberen Schulklassen und der Universitäten, kurz danach wurden auch diverse öffentliche Räume inklusive der Schwimmbäder geschlossen, körpernahe Leistungen wie Friseure oder Physiotherapeuten durften nicht angeboten werden. Überall sollte ein Abstand von zwei Metern eingehalten werden, es galt ein Versammlungsverbot für mehr als 20 Personen.

Mehr als 50 000 Tests durchgeführt

Mit Hilfe des isländischen Genetiklabors DeCode (inzwischen ein Teil des US-Konzerns Amgen) schaffte es Island schnell, viel zu testen, auch Menschen, die nur leichte oder gar keine Symptome aufwiesen. Inzwischen sind mehr als 50.400 Tests ausgeführt worden, das entspricht gut 13 Prozent der Bevölkerung. Wer mit nachweislich Infizierten in Kontakt war, musste in Quarantäne. 57 Prozent derjenigen, bei denen Covid-19 diagnostiziert wurde, befanden sich bereits in Quarantäne und hatten somit vermutlich niemanden mehr angesteckt.

Kitas und Grundschulen blieben offen

Kitas und Grundschulen blieben unter besonderen Auflagen offen. Einige Einrichtungen mussten anfangs vorübergehend ganz oder teilweise schließen, weil Personal erkrankt war und alle, die mit ihnen in Kontakt waren, in Quarantäne mussten. Dies betraf auch die Schule des jüngsten Sohnes von Premierministerin Katrín Jakobsdóttir. Während der Vater mit dem Sohn in Quarantäne ging, isolierte sich die Regierungschefin zunächst selbst, bis ein negatives Testergebnis vorlag.

Das Cluster in Bolungarvík

Die Erkrankung blieb keineswegs auf Reykjavík beschränkt. Ausgerechnet im abseits gelegenen Bolungarvík in den Westfjorden gab es einen Ausbruch, der auch das örtliche kleine Seniorenheim betraf – und das in einer Zeit, als übler Schneesturm herrschte und Hilfe von außen kaum zu bekommen war. In einem langen Tweet berichtete Gylfi Ólafsson, Geschäftsführer der Gesundheitseinrichtungen in den Westfjorden, wie man die Situation letztlich in den Griff bekam – mit umfangreichen Tests, Verfolgung der Infektionsketten, Isolation und Quarantäne.

„Hellere Tage kommen“

Das ändert sich nun: Heute startet der Schulbetrieb auf Island wieder, und selbst Friseure dürfen wieder öffnen. Schwimmbäder allerdings noch nicht. Versammlungen bis zu 50 Personen sind nun wieder erlaubt, sofern der Zwei-Meter-Abstand eingehalten wird. „Hellere Tage kommen“, kündigte Katrín Jakobsdóttir an. Auf der Insel wird man allerdings weiter wachsam bleiben, um das Virus klein zu halten. Touristen aus Europa dürfen zurzeit  theoretisch sogar einreisen, und die isländische Tourismusbranche wäre vermutlich dankbar. Sie müssten dann aber zwei Wochen in Quarantäne, was die Lust auf einen Islandurlaub deutlich senken dürfte.

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