Island: Covid-19 und die Ischgl-Connection, massives Testen

Island. 240 bestätigte Infektionen, 2230 in Quarantäne, drei im Krankenhaus. Auch auf der abgelegenen Vulkaninsel Island hat Covid-19 kräftig zugeschlagen. Die ersten Maßnahmen sind nun in Kraft. Außerdem wird massiv getestet – dank einheimischer Expertise. Update für Färöer und Grönland unten. Update 20 Uhr: Zweiter Fall in Grönland.

Hallgrímskirkja

Die meisten Corona-Fälle gibt es im Bereich der Hauptstadt Reykjavík. Archivfoto der Hallgrímskirkja aus besseren Zeiten.

Gestern gab es auf Island den ersten Toten, bei dem Covid-19 nachgewiesen wurde. Dabei handelte es sich um einen Touristen aus Australien um die 40 Jahre. Er suchte ärztliche Hilfe in Húsavík und starb kurz darauf. Seine Symptome waren allerdings nicht typisch für Covid-19 – zurzeit ist es deshalb fraglich, ob der Mann daran gestorben ist, und der Todesfall erscheint nicht in der Corona-Statistik. Seine ebenfalls infizierte Ehefrau wurde unter Quarantäne gestellt. Der Fall zeigt aber exemplarisch, warum Corona-Infizierte nicht in normale Notaufnahmen gehen sollten. 22 Angestellte des kleinen Krankenhauses in Húsavík waren mit den Infizierten in Kontakt und sitzen nun in Quarantäne.

Es waren allerdings nicht die Ausländer, die Sars-CoV-2 nach Island brachten, sondern Isländer, die in Österreich und Norditalien zum Skifahren gewesen waren. Besonders „erfolgreich“ war eine Reisegruppe, die zuvor in Ischgl gewesen war – 14 Infizierte. Isländische Behörden hatten sich daraufhin bereits am 5. März mit dem österreichischen Skiort in Verbindung gesetzt, doch da wimmelte man sie zunächst ab, wie unter anderem der Standard berichtete. Auch viele norwegische, schwedische und dänische Infektionen gehen darauf zurück, wie man inzwischen weiß. Inzwischen müssen Isländer, die aus Hochrisikogebieten zurückkommen, in Quarantäne. Dazu zählen sämtliche Skigebiete in den Alpen und ganz Deutschland.  Es herrscht ein Verbot für Veranstaltungen mit mehr als 100 Personen. Bei denen, die stattfinden, müssen die Teilnehmer zwei Meter Abstand halten.

Touristen müssen nicht in Quarantäne und die Grenze ist auch nicht geschlossen. Es ist aber kein guter Zeitpunkt, nach Island zu reisen. Sie müssen sich ebenfalls an lokale Maßnahmen halten, und die Fähre Norrøna nimmt keine Passagiere mit.

Genforschungslabor deCode will 1000 Tests am Tag schaffen

Während viele Länder aufgrund fehlender Ressourcen nur begrenzt ausgewählte Personen testen (können), setzt Island massiv auf einen Überblick über die Ausbreitung und kann sich dabei auf einheimische Expertise stützen. Beim isländischen Genforschungslabor deCode können sich alle screenen lassen, die den Verdacht haben. Die schweren Fälle mit Symptomen werden in den Krankenhäusern getestet. deCode hat am Freitag damit begonnen und will demnächst 1000 Tests am Tag schaffen. Die Teilnahme ist freiwillig, doch das Labor wird überrannt von Anfragen. Gestern haben sich laut RÚV bereits 2640 Menschen testen lassen, 22 davon waren infiziert.

Die Lage auf den Nachbarinseln:

Färöer: Inzwischen 58 Infizierte . Die angekündigten Maßnahmen (u.a.Quarantäne, geschlossene Schulen, eingeschränkte Einreise, Versammlungsverbot mit mehr als 50 Menschen) sind in Kraft.

Grönland: Heute die zweite bestätigte Infektion. Beim ersten Fall der am Montag gemeldet wurde, handelte es sich klar um eine Person, die sich im Ausland angesteckt hatte. Bei dem neuen Fall, „aus der Universitätswelt“, ist der Ansteckungsweg nicht so klar. Dazu wird nun ermittelt. Beide befinden sich in Nuuk. Nuuk wird nun für drei Wochen komplett abgeriegelt. Es gilt ein Versammlungsverbot für mehr als zehn Personen.

In Grönland hat man besonders Angst um das schwache Gesundheitssystem und versucht, sich möglichst abzuschotten. Wer im Ausland war, muss in Quarantäne. Flüge werden gestrichen. Das wichtigste Hunderennen, Avannaata Qimussersua, wurde abgesagt. Weil die Eltern aus Sorge ihre Kinder ohnehin nicht mehr in die Schule schicken, werden diese nun geschlossen.

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