Belugas auf Island überwintern unter Dach

Island. Die Belugas Little White und Little Grey sind zurück in ihrem geschützten Becken an Land. Dies teilte Sea Life Trust gestern mit. Nach Ansicht des Betreuerteams sind die beiden Belugas aus dem Schanghaier Vergügungspark noch nicht gut genug akklimatisiert, um den isländischen Winter im Freien in der Bucht von Klettsvík zu überstehen.

Little White and Little Grey

Little White und Little Grey. Foto: Sea Life Trust Beluga Whale Sanctuary

Seit Sommer 2019 befinden sich die ehemaligen Show-Wale Little White und Little Grey auf Island. Ziel ist, dass diese in einem abgeschlossenen Teil der Bucht Klettsvík auf Heimaey, Westmännerinseln, ein so natürliches und artgerechtes Leben wie möglich führen können. Sie sind vermutlich etwa 13 Jahre alt und haben noch Jahrzehnte vor sich – es gilt bisher aber als wenig wahrscheinlich, dass sie noch lernen, sich selbstständig zu ernähren. Da sie den größten Teil ihres Lebens in warmer, menschengemachter Umgebung gelebt haben, geht das Betreuerteam in sehr kleinen Schritten vor, um die „Auswilderung“ erfolgreich durchzuführen. Erst Anfang August dieses Jahres waren die beiden Belugas vom Becken an Land in einen Schutzbereich innerhalb der Bucht transferiert worden. Erst Ende September durften sie erstmals ihr zukünftiges Refugium Klettsvík richtig erkunden. Das Team zeigte sich positiv überrascht davon, wie Little Grey und Little White sich in ihrer neuen, natürlichen Umgebung einlebten – sie fingen lebende Fische, betrieben Hautpflege auf dem Meeresboden und interagierten mit anderen wilden Tieren.  Doch es wird befürchtet, dass die beiden noch nicht weit genug sind, um isländisches Winterwetter dort zu überstehen. Der erste Wintersturm mit Minusgraden ist bereits durchgezogen. Die beiden Belugas wurden nun für die Wintermonate zurück in ihr Becken an Land gesetzt. Die Wassertemperatur des Beckens entspricht der draußen. Im Frühjahr sollen sie zurück in die Bucht kommen.

Rückkehr in ein artgerechtes Leben – Beispiel für die Zukunft

Das Wal-Refugium auf Island ist das erste seiner Art. Gelingt die weitgehende Auswilderung der beiden Belugas, könnte dies für weitere Show-Wale den Weg in eine artgerechtere Zukunft ermöglichen. Hilfreich für die beiden Belugas aus dem Aquarium in Schanghai dürfte sein, dass sie zumindest zu zweit sind, denn Belugas sind sehr sozial. Lehrreich könnte aber auch die Geschichte von Beluga Hvaldimir an der norwegischen Küste sein. Es wird vermutet, dass dieser aus einer Trainingsanlage der russischen Marine entkommen ist, andere halten ihn für einen Therapiewal. Anfangs musste er gefüttert werden, doch inzwischen gelingt es ihm einigermaßen, sich selbst zu versorgen. Fachleute machten sich allerdings Sorgen, dass seine sozialen Bedürfnisse nicht befriedigt werden, wenn er keinen Anschluss an andere Wale finden. 

Früherer Artikel zum Thema:

Island: Belugas schwimmen erstmals in der Bucht Klettsvík

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