Walfangsaison vor Island in Gang – eine der letzten?

Island. Die Walfangsaison vor Island ist in Gang. Es ist möglicherweise eine der letzten, denn die aktuellen Quoten gelten nur noch bis 2023. Reeder Kristján Loftsson will sie noch nutzen. Die ersten Wale sind bereits erlegt. Die deutsche Meeresschutzorganisation Hard to port dokumentiert das Anlanden und die Verarbeitung. Denn die Zerlegung der Wale findet unter freiem Himmel statt.

Finnwal Hard to port

Der erste erlegte Finnwal 2022. Foto Hard to port

Hard to port will mit seinen Bildern zeigen, was Walfang in der Praxis bedeutet. Die aktuellen Bilder von Wal Nr. 5 zeigen beispielsweise, dass der erste Harpunenschuss nicht richtig saß und eine zweite abgefeuert werden musste. Das bedeutet auch eine längere Leidenszeit für das Tier. In der Saison 2018 konnte die Organisation anhand der Bilder belegen, dass zwei erlegte Tiere keine Finnwale, sondern Finnwal-Blauwal-Hybriden waren.

Zurzeit gilt eine Quote von 161 Finnwalen für das Fanggebiet zwischen Ostgrönland und Westisland, in dem Loftssons Hvalur hf tätig ist. Da die Walfangschiffe im vergangenen Jahr aus verschiedenen Gründen gar nicht unterwegs waren, dürfen dort sogar mehr gefangen werden, laut Medien insgesamt 193 Finnwale. Theoretisch dürfen auch noch 48 Finnwale zwischen Ostisland und den Färöer gefangen werden, dort ist aber niemand unterwegs.

Kein Walfang mehr ab 2024?

Zum aktuellen Zeitpunkt ist es unklar, ob es mit dem Walfang nach 2023 weitergehen wird. Fischereiministerin Svandís Svavarsdóttir hatte zwar geäußert, dass sie keine Lizenz dafür mehr ausstellen will. Dafür hätte sie den Beifall der Tourismusindustrie. Denn Berichte über den Walfang wirkten sich negativ aus. Dass der Walfang Islands Ruf schadet, glauben auch fast zwei Drittel der Teilnehmer in einer Umfrage von Maskína, über die Frettablaðið berichtet.

Das heißt aber noch nicht, dass damit Schluss ist, denn zwei von drei Regierungsparteien, die Selbstständigkeitspartei und die Fortschrittspartei, befürworten Walfang. Und solange Kristján Loftsson noch genug Geld mit seinen Fischereianteilen verdient, gibt es auch jemanden, der ihn ausübt, obwohl es sich wirtschaftlich nicht lohnt.

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