Show-Wale in Rente: Belugas startklar für Refugium auf Island

Island/Shanghai. Schluss mit dem Show-Business: Little White und Little Grey  aus Shanghai haben sich von ihrem Publikum verabschiedet und gehen in den Ruhestand – auf Island. Die beiden zwölfjährigen Belugas ziehen in das erste Schutzgebiet für  frühere Show-Wale in Klettsvík auf den Westmännerinseln. Darüber berichtete RÚV.

Beluga

Belugawal. Foto Greg Hume/CC BY-SA 3.0

Dass die Haltung von Walen in Aquarien nicht artgerecht ist, spricht sich langsam herum, unter Besuchern wie Veranstaltern. Der neue Besitzer der Changfeng Ocean World in Shanghai, Merlin Entertainments, möchte dort keine Wale mehr halten und hatte gemeinsam mit der Whale and Dolphin Conservation nach Alternativen für drei bereits vorhandenen Tiere gesucht. Eins ist inzwischen verstorben. Die beiden anderen sollen in den nächsten Wochen nach Klettsvík reisen.

Die Vorbereitung auf ihr neues Leben hat schon begonnen: Die Temperatur ihres Wassers war langsam heruntergekühlt worden, um sie an die Bedingungen vor Island zu gewöhnen. Arktische und subpolare Gewässer sind die natürliche Heimat der Belugas. Sie durften sich eine extra Speckschicht anfressen und wiegen inzwischen je eine Tonne, wird berichtet. Außerdem wurden sie trainiert, länger zu tauchen und mehr zu schwimmen, als sie es üblicherweise in Gefangenschaft tun. Nach Island kommen sie mit einer speziell präparierten Boing 747 Frachtmaschine, bis zur Bucht auf den Westmännerinseln kommt dann auch noch eine Fahrt mit dem LKW und einer Fähre dazu. Begleitet werden sie von Trainern und einem Tierarzt-Team.

Schon Keiko schwamm in Klettsvík

In Klettsvík werde sie die erste Zeit in einem großen Becken verbringen, das für sie vorbereitet wird. Danach sollen sie die ganze Bucht für sich haben. Dass sie dort hinkommen, haben sie nicht zuletzt ihrem Vorgänger in Klettsvík zu verdanken: Orca Keiko, Hauptdarsteller aus „Free Willy“ – die Geschichte lenkte erstmals die Aufmerksamkeit auf die Bedingungen von Walen in Gefangenschaft, später folgte die Dokumentation „Blackfish“. 

Anders als bei Keiko wird eine Auswilderung der beiden Belugas gar nicht erst angestrebt, weil vermutlich erfolglos. Der Eingang zur Bucht soll deshalb versperrt werden, weil sie sich im offenen Meer wohl nicht selbst versorgen könnten. Sie sollen aber einen schönen Lebensabend verbringen. Das können auch noch Jahrzehnte sein –  Belugas können 35 bis 50 Jahre alt werden.  Sollte ihnen die Umstellung gelingen und sie sich gut eingewöhnen, könnten weitere ehemalige Show-Belugas dazu stoßen.  Vermutlich werden die beiden auch Besuch von Touristen bekommen – ob sie noch ein paar Kunststücke zeigen wollen, ist dann allein ihre Sache.

Früherer Artikel zum Thema: Neues Leben für zwei Belugas aus Shanghai-Park in Island

 

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