Russland: Vier Forschungsschiffe für Transarktika 2019

Russland.  Kein Land hat eine längere Arktis-Küste als Russland. Und nie zuvor gab es dort so viel Betrieb. Auch dort ändert sich das Klima schneller als in den gemäßigten Breiten. Die russischen Regierung hat nun Geld bereitgestellt für das Forschungsprogramm Transarktika 2019 – vier Forschungsschiffe werden dort unterwegs sein. Das berichtete der Barents Observer nach einer Pressemeldung der Regierung.

Transdrift

Akademik Tryoschnikow vergangenen Sommer in Kiel. Foto Ingke Thomsen

Das erste Schiff ist schon unterwegs: Der Forschungseisbrecher „Akademik Tryoschnikow“ (Академик Трёшников), Heimathafen St. Petersburg, liegt bereits in Kiel und nimmt dort Geräte an Bord. bevor es weiter nach Murmansk geht. Mit demselben Schiff waren vergangenes Jahr auch deutsche Forscher unterwegs gewesen. Die Akademik Tryoschnikow soll sich auch im Eis einfrieren lassen und driften. Die „Professor Multanowskij“ soll von Wladiwostok durch die  Beringstraße die Nordostpassage nach Westen bis zur Kola-Halbinsel  durchfahren. „Michail Somow“ forscht am Rand des Arktischen Ozeans. „Professor Moltschanow“ dient als Übungs- und Ausbildungsschiff. Transarktika 2019 ist ein Programm von Roshydromet, dem russischen meteorologischen Institut. Die Summe entspricht etwa 11,6 Millionen Euro.

Mehr Verkehr – besserer Wetterdienst gefragt

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Das schrumpfende Eis kommt Russland durchaus entgegen, denn so sind Öl und Gas in der Region leichter zugänglich und einfacher abzutransportieren. Die  Flüssiggas-Anlage in Sabetta ist jetzt voll in Betrieb und liefert 16 Millionen Tonnen im Jahr. Um einen sicheren Schiffsverkehr in der Region zu gewährleistet, der auch noch wachsen soll, sei ein fortgeschrittenes System hydrometeorologischer Dienste notwendig, so der Chef von Roshydromet in einem Interview mit korabel.ru, auf das sich auch der Barents Observer bezieht. 40 Messtationen sollen modernisiert werden, außerdem 30, die schon aufgegeben waren, wieder in Betrieb genommen werden. Eine bessere Überwachung sei auch notwendig, weil alte Modelle und Prognosen die Klimaerwärmung nicht einberechnet hätten.

Eine Driftstation für’s Polareis

Nordpol

Die zukünftige russische Forschungsplattform. Foto Admiralitätswerft

Für die weitere Forschung in der Arktis wächst inzwischen in St. Petersburg „Sewernij Poljus“ (Северный полюс), zu deutsch „Nordpol“ heran – eine schwimmende Forschungsstation, die auch jahrelang im Eis driften können soll. Sie ersetzt die bisherigen Forschungsbasen auf driftenden Eisschollen, die zuletzt einfach nicht mehr lange genug hielten. 2021 soll „Sewernij Poljus“ fertig sein.

Vorher wird aber noch ein anderes Schiff durchs Polareis driften: Die deutsche Polarstern plant die Expedition Mosaic und soll ein Jahr lang mit dem Eisstrom von Ostsibirien nach Westen treiben – wie damals Nansens „Fram“, allerdings mit etwas besserer Ausrüstung und Verbindung zur restlichen Welt: Eisbrecher aus Russland, China und Schweden  sowie Flugzeuge werden sie versorgen.

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