Schon wieder: 80 Rentiere von Bahn überfahren

Norwegen. Die Unglücksserie an der Nordlandsbahn zwischen Trondheim und Bodø in Norwegen reißt nicht ab. Zwei Wochen nach der Unfallserie südlich von Mosjøen mit insgesamt rund 120 toten Rentieren starben gestern südlich von Lønsdal im Saltdalen 80 Tiere auf den Schienen. Darüber berichtete NRK.

Unfall

80 Tiere starben am Sonntag auf den Schienen
südlich von Lønsdal. Karte mit Hilfe von stepmap.

Gebietsdirektor Thor Brækkan von Bane NOR bedauert den Unfall. Die Bahn sei diesmal nicht gewarnt worden: „Wir sind abhängig davon, dass wir von der Rentierhalter-Kooperative informiert werden, wo die Tiere sind, um solche Unfälle verhindern“, heißt es in der Pressemitteilung von Bane NOR. Wie schon bei den vorherigen Kollisionen  mit vielen Tieren (siehe hier und hier) fuhr der Zug mit normaler Geschwindigkeit. Dabei hat der Lokführer keine Chance, rechtzeitig zu bremsen. Ist die Bahn dagegen vom Besitzer vorgewarnt, fährt der Zug in dem betreffenden Abschnitt langsamer – sofern die Warnung auch den Lokführer erreicht hat. Dies war bei den Fällen vor zwei Wochen nicht geschehen.

Inzwischen wird auf insgesamt 50 Kilometern wegen Rentieren in der Gegend langsamer gefahren, was zu Verspätungen führt. Betroffen sind sowohl Güter- als auch Personenzüge.

Die Renherden sind auf dem Weg zur Winterweide an der Küste. Dabei müssen sie auch die Verkehrswege der Menschen queren.

Der neue Unfallort liegt im Bereich des Saltfjellet. Dort stehen bereits Schutzzäune, der letzte Abschnitt war erst im Sommer errichtet worden – allerdings einige Kilometer südlich der Stelle, wo nun 80 Tiere totgefahren wurden.

Zäune sind der beste Schutz

In der Pressemitteilung von Bane NOR heißt es, man überarbeite gerade den Plan für die Maßnahmen, die die Zahl der Unfälle mit Rentieren auf der Strecke verhindern sollen. Auf alle Fälle sollen im kommenden Jahr 25 Kilometer neuer Schutzzaun südlich von Mosjøen gebaut werden.

Nötig wären aber wohl noch viel mehr. Ein Gutachten des Norwegischen Instituts für Naturforschung, das vergangenes Jahr von der Bahn in Auftrag gegeben wurde, kommt zu dem Schluss, dass Schutzzäune die effektivste Maßnahme sind. Insgesamt kamen die dafür befragten Rentierhalter an der Strecke auf 295 von insgesamt 729 Kilometern, wo ihrer Meinung nach Zaun nötig wäre.

Nach der Untersuchung hat die Unfallhäufigkeit auch zugenommen: In den 1990er Jahren habe es im Durchschnitt noch „nur“ 198 toten Rene im Jahr gegeben, zwischen 2010 und 2015 schon 380. Führt man die Statistik von NRK weiter fort, die vor zwei Wochen noch bei 318 Fällen waren, liegt das Jahr 2017 schon darüber. Andere Tiere wie Elche sind dabei noch gar nicht mitgezählt.

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