Zu viele Rentier-Unfälle: Bahn baut Schutzzaun

Norwegen. 126 Rentiere wurden innerhalb einer Woche von Zügen südlich von Mosjøen überfahren. Das machte Schlagzeilen bis ins Ausland – und nun soll es mit der Errichtung eines Schutzzauns doch schneller gehen  als ursprünglich vorgesehen. Im kommenden Jahr soll der Bau begonnen werden, erklärte Bane NOR in einer Pressemitteilung.

Nordlandsbanen

Die Nordlandsbanen fährt von Trondheim
nach Bodø. Die Ren-Unfälle fanden südlich von Mosjøen
statt. Karte mit Hilfe von stepmap

Rene auf den Gleisen oder Straßen sind in den nördlichen Ländern nichts ungewöhnliches. Allein in Norwegen leben rund 240 000 Tiere (siehe Sápmi/Rentiere), die je nach Jahreszeit zwischen den Weideflächen wechseln. Dabei  passieren sie auch die Verkehrswege der Menschen.  Das übliche Vorgehen bei Renen in der Nähe der Bahnstrecke ist, so erklärt es Bane NOR, dass der Besitzer Bescheid gibt und ein Alarm ausgelöst wird. Züge fahren dann an der Stelle langsamer und haben die Chance zu bremsen, wenn tatsächlich Tiere auf dem Gleis sind.

Der Besitzer der nun verunglückten Rene hatte genau das getan. Trotzdem waren gleich mehrere Züge mit normaler Geschwindigkeit in seine Herde gerast (siehe Norwegen prüft: Bahn fahren bis Tromsø?/Problem Wildunfälle). Warum der Alarm nicht bei den Zugführern ankam, werde noch ermittelt, heißt es von Bane NOR.

Vorwarn-Methode reicht nicht

Dass die Vorwarn-Methode nicht ausreicht, hatte der betroffene Besitzer schon früher beklagt. Immer wieder kam es zu Unfällen auf der Strecke der Nordlandsbanen von Trondheim nach Bodø. Besonders betroffen ist ein Abschnitt südlich von Mosjøen. Der Berg daneben heißt nicht umsonst Reinfjellet – Renberg. Ein angedachter Zaunbau war immer wieder aus finanziellen Gründen verschoben worden.

Rene auf dem Gleis

Hier ging es gut aus: Die Rene klettern
den Bahndamm hinunter, während die Bahn wartet.
(Inlandsbanan, Schweden).

Nach der Unfallhäufung in der vergangenen Woche, mit heftigen Bildern in Zeitungen und Fernsehen, hatte auch der norwegische Sameting (siehe Sápmi) Druck gemacht und den Verkehrsminister zum Krisengespräch gebeten. Die Nahrungsmittelaufsicht wiederum hatte sich mit der Bahn zusammengesetzt. Trotzdem geschah gestern noch ein weiteres Unglück mit 17 toten Tieren. Inzwischen wurde für alle Züge in dem Bereich auf rund 30 Kilometern Tempo 40 angeordnet, bis die Herde das Gebiet verlassen hat, was voraussichtlich noch einige Tage dauert.

Im kommenden Jahr sollen dann an dem Abschnitt, der jetzt besonders betroffen war, 25 Kilometer Schutzzaun gezogen werden. Außerdem soll ein bereits bestehender Zaun weiter südlich verlängert werden.  Die Tiere könnten dann an einer Stelle passieren, an der die Bahn ohnehin durch einen Tunnel fährt. Kosten: umgerechnet insgesamt etwa 3,4 Millionen Euro.

Der betroffene Tierbesitzer wird von NRK damit zitiert, dass er mit dem Jubel noch warte, bis der erste Pfosten stehe.

Die häufigsten Opfer sind Elche

Rene sind aber keineswegs die einzigen Bahnopfer. In der landesweiten Statistik von Bane NOR sind die Elche Spitzenreiter: 720 Tiere fanden 2016 auf Norwegens Schienen den Tod. Besonders häufig auf dem Abschnitt der Nordlandsbanen südlich von Mosjøen bis nördlich von Mo i Rana. Dazu kommen 329 Rentiere, 398 Rehe, 333 Schafe und 236 weitere Tiere. Laut NRK wurden in diesem Jahr bereits 318 Rentiere allein im Bereich der Nordlandsbanen überfahren. Bane NOR erklärte, es würden bereits verschiedene Verfahren untersucht, um Tierunfälle zu vermeiden.

Früherer Artikel zum Thema:

Norwegen prüft: Bahn fahren bis Tromsø?

Wie Finnland Ren-Unfälle auf seinen Straßen reduzieren will:

Finnische Mobilapp soll Rentiere retten

Dieser Beitrag wurde unter Norwegen, Sápmi, Verkehr veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.