Grönland: Bürgermeister wollen mehr Koordination der Kreuzfahrer

Grönland. In der Coronazeit vermisste man in Grönland die Kreuzfahrttouristen. Nun sind sie zurück, sogar mehr als zuvor. Bürgermeister rufen nun nach einer besseren Koordination der Anläufe und nach einer Obergrenze für Kreuzfahrttouristen. Unterstützung bekommen sie von der Direktorin von Visit Greenland: Die aktuellen Zustände seien „Wilder Westen“. Darüber berichtete Sermitsiaq.

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Kleineres Hurtigruten-Schiff vor Ilulissat. Foto Thomas Christiansen

Grundsätzlich heißt Grönland Touristen willkommen. Die Erfahrungen des Nachbarn Island zeigen aber, dass Massentourismus auch Schattenseiten haben kann. Der Bürgermeister von Ilulissat, Palle Jerimiassen, und die Bürgermeisterin von Kujalleq, Stine Egede, riefen in diesem Sommer bereits nach einer besseren Regelung und Koordination für den Kreuzfahrttourismus. „Wir wollen keinen Massentourismus. Das zerstört das Erlebnis für die Touristen und belastet die örtliche Gemeinschaft“, so Palle Jerimiassen zu Sermitsiaq. Ein wichtiger Teil des Erlebnisses sei die großartige Natur, aber das sei eingeschränkt, wenn die Leute übereinander stolperten. Jerimiassen ist der Meinung, dass in Ilulissat, einem Ort mit 4710 Einwohnern, nicht mehr als 1000 Kreuzfahrttouristen am Tag aussteigen sollten. Ilulissat mit dem Eisfjord, Unesco-Welterbe, ist eins von Grönlands begehrtesten Touristenzielen.

Schlechte Information, keine Koordination

Ein weiteres Welterbe gibt es mit dem Hof Erik des Roten in der Kommune Kujalleq in Südgrönland. Bürgermeisterin Stine Egede kennt das Problem mit den Kreuzfahrern: Einige Schiffe meldeten ihre Ankunft gar nicht, andere änderten sie in letzter Minute, berichtete sie Sermitsiaq. Und manche kämen gleichzeitig. Kujalleq ist Grönlands südlichste Kommune mit 6300 Einwohnern, die sich aber auf mehrere Orte verteilen. Egede will nicht selbst eine Obergrenze setzen, erinnert aber daran, dass eigentlich schon früher beschlossen worden war, eine solche zu schaffen.

Beide Bürgermeister meinen außerdem, dass die Gebühren, die die Schiffe zahlen, direkt an die Kommunen gehen sollten und nicht wie bisher an den grönländischen Staat. Dann könne man das Geld auch dafür verwenden, in die touristische Infrastruktur zu investieren.

Sehr unterschiedliche Kapazitäten für Touristen

Die fehlende Koordination der Kreuzfahrtschiffe kritisiert auch die Direktorin von Visit Greenland, Anne Nivíka Grødem, gegenüber Sermitsiaq. Zurzeit gebe es dafür gar keinen gesetzlichen Rahmen, und in der Praxis seien es die einzelnen Häfen, die darüber entschieden, wann ein Schiff einlaufen darf. Dabei gehe es um den Platz im Hafen, aber nicht darum, wie groß die Kapazität für Touristen vor Ort sei. Dies müsse für der einzelnen Ort individuell festgelegt werden – es sei beispielsweise ein Riesenunterschied zwischen Ilimanaq (52 Einwohner), Oqaatsut (33) und Ilulissat (4710).

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