Freispruch für die samischen „Fisch-Rebellen“ vom Deatnu

Finnland/Norwegen. Wer darf wie und wieviel aus dem Deatnu fischen? Darüber wird seit Jahren gestritten. Drei finnische Saminnen und ein Jugendlicher haben sich selbst wegen illegalen Fischens angezeigt – sie wurden nun aufgrund des finnischen Grundgesetzes freigesprochen. Darüber berichtete Yle.

Deatnu

Deatnu-Tenojoki-Tanaelva -zwischen Finnland und Norwegen. Foto Karl Brodowsky, CC BY-SA 3.0

Wenn Ihnen der Name des Flusses nicht bekannt vorkommt: Deatnu heißt er auf Nordsamisch, die Finnen nennen ihn Tenojoki, die Norweger Tanaelva. Über 256 Kilometer bildet er die Grenze zwischen den beiden Ländern und mündet bei Tana bru, Norwegen, in die Barentssee. Hauptzuflüsse sind der Kárášjohka und der Anárjohka (finnisch Inarijoki). Deatnu und seine Zuflüsse gelten als eins der besten Reviere für atlantischen Wildlachs überhaupt.

So viele Lachse wie früher gibt es dort allerdings nicht mehr, jedenfalls nicht überall – Überfischung. Dort fischen traditionell die Samen, aber auch Angeltouristen und finnische Hüttenbesitzer. Mit einem Abkommen zwischen Norwegen und Finnland sollte geregelt werden, dass die Bestände nicht weiter schrumpfen. Dagegen gab es massiven Protest insbesondere von ortsansässigen Samen zu beiden Seiten, die sich in ihren Rechten beschnitten sahen, auch deshalb, weil ihre im Deatnu ausgeübte Garnfischerei stark beschränkt wurde.  Es wurden sogar Flussinseln besetzt und zum Ausnahmegebiet erklärt. Eingeschränkt wurde allerdings auch die Zahl der Angelkarten, die maximal verkauft werden darf.

Gericht: Fischen gehört zur samischen Kultur

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Die Aktion von Anne Nuorgam, Heidi Eriksen und Kati Eriksen sowie Katis Sohn Erke brachte das Thema erneut ins Gespräch – und weil das beide Seiten betrifft, wird in Norwegen ebenfalls ausführlich darüber  berichtet. Sie angelten demonstrativ ohne Angelkarte im Fluss vor ihrer Tür, dem Vetsijoki, der ebenfalls zum Deatnu-Flussystem gehört. Anschließend zeigten sie sich selbst an. Und das Gericht in Lappland sprach sie frei – weil die Fischerei zu ihrer samischen Kultur gehört, die durch das finnische Grundgesetz geschützt sei. Auch ein samischer Mann, der „zur falschen Zeit“ mit Garn fischte, wurde freigesprochen.

Änderungen im Fischereigesetz wurden im zuständigen Ausschuss des finnisches Parlaments gerade besprochen. Danach sollen die Bürger der nordfinnischen Kommunen Enontekiö, Utsjoki und Inari eine persönliche Saison-Genehmigung erhalten. Damit soll den Samen und der übrigen Lokalbevölkerung die Bewahrung der Fischereikultur ermöglicht werden.

Mehr zum Wildlachs:

Hilfe für den wilden Atlantik-Lachs

So begründen die Aktivisten ihre Aktion:

Creating Justice – Why We Fight from SamiHumanRights.org on Vimeo.

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