Erdrutsch bei Alta schiebt acht Gebäude in den Fjord

Alta (Norwegen). Schneeschmelze und Regen haben die Böden in Norwegen durchfeuchtet. Zahlreiche Erdrutsche waren die Folge. Am schlimmsten traf es gestern Kråknes in der Kommune Alta: Von neun Gebäuden in dem Gebiet blieb nur eins stehen. Ein Hund wurde mitgerissen, konnte aber gerettet werden.

Alta Kvikkleire

Screenshot aus dem Drohnenvideo von Anders Bjordal/NVE bei NRK

Einer der Bewohner flüchtete in letzter Sekunde und filmte dann von sicherem Grund aus, wie sich die Fläche mit mehreren Hütten und Häusern darauf langsam Richtung Fjord schob. Zu sehen ist das Video bei Altaposten. Drohnenaufnahmen der zuständigen Behörde bei NRK zeigen die Abbrüche und nachfolgende Rutsche. Die Behörde (Norges Vassdrags- og Energidirektorat, NVE) stuft das Ereignis als „leirskred/Kvikkleireskred“ ein, also als einen Abrutsch von Lehm- und Quickton-Boden. Quickton ist ein spezieller Typ Lehm und hat seine Tücken: Bei Druck oder Durchfeuchtung wird das normalerweise feste, aber stark wasserhaltige Material zähflüssig. Dieser Bodentyp ist indirekt ein Produkt der jüngsten Eiszeit und kommt in Norwegen, Schweden, Finnland, Russland, Kanada und Alaska vor. Er entstand, als lehmartige Ablagerungen auf dem Meeresboden durch die postglaziale Landhebung an die Oberfläche gerieten und bindende Bestandteile durch Regen und Schmelzwasser ausgewaschen wurden. An steilen Hängen wie in Norwegen ist die fehlende Bindung besonders fatal.  1893 starben 116 Menschen beim „Verdalraset“, als sich 55 Millionen Kubikmeter im Verdal (Nord-Trøndelag) lösten.

Keine Verletzten – sogar der Hund gerettet

Für Kråknes ging es halbwegs glimpflich aus: Der Sachschaden ist zwar riesig, aber es gibt keine Anzeichen, dass Menschen zu Schaden gekommen sind. Sogar der Hund, der verschüttet wurde, überlebte: Ein Rettungshelikopter fischte ihn aus dem Fjord. Insgesamt war ein 650 Meter breites Gebiet von dem Erdrutsch betroffen. Aus dem übriggebliebenen Wohnhaus wird die Familie möglicherweise noch Eigentum retten können, sobald der Boden zur Ruhe gekommen ist – sicher ist es darin nicht mehr.

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