Norwegens größtes Erdbeben war in der Finnmark – vor 6300 Jahren

Norwegen. Vergangenen Sommer kam in Norwegen ein Katastrophenfilm in die Kinos: „Skjelvet“, „Das Beben“ spielt durch, wie sich das Erdbeben von 1904 im heutigen Oslo noch stärker wiederholt. Norwegens stärkstes Erdbeben überhaupt fand allerdings nicht in Oslo statt, sondern in der Finnmark, und hatte eine Stärke zwischen 7 und 8 auf der Richter-Skala.  Forscher haben nun auch das Datum: Es war vor 6300 Jahren. Darüber berichtete NRK.

Stuoragurra

Stuoragurra-Verwefung bei Masi (nicht maßstabsgetreu). Karte sel/stepmap

Die Folgen dieses Erdbebens sind bis heute sichtbar: Es handelt sich um die Stuoragurra-Verwerfung, etwa 80 Kilometer lang und bis zu sieben meter hoch, in der Nähe von Masi in der inneren Finnmark. Bisher war man davon ausgegangen, dass diese vor 9300 Jahren entstanden war, als Folge des Eis-Rückgangs. Der Eispanzer hatte das Land dort tief in den Mantel gedrückt, nach seinem Abschmelzen hob es sich und es kam zu Verwerfungen, so die alte Theorie, wie sie noch vor wenigen Monaten zum Filmstart von „Skjelvet“ berichtet wurde. Diese Theorie bedeutete allerdings auch, dass man sich vor einem Erdbeben dieser Stärke in Norwegen nicht fürchten musste, denn den Anlass gab es ja nicht mehr.

Region der Stuoragurra-Verwerfung weiterhin bewegt

Die Karbondatierung von Material aus der Verwerfung, das bei Ausgrabungen im vergangenen Jahr sichergestellt wurde, stellt die Forscher nun vor eine unangenehme Erkenntnis: Das Mega-Erdbeben, das damals die Finnmark heimsuchte, ist erst rund 6300 Jahre alt. Das heißt, dass es nicht ausgeschlossen werden kann, dass sich entlang der Störzone entlang der Stuoragurra-Verwerfung  die Spannungen in der Erdkruste erneut in derartiger Stärke entladen könnten. In der vergangenheit sind dort immer wieder kleine Beben aufgezeichnet worden. Im Januar 1996 kam es in Masi nachts zu einem Erdstoß der Stärke 3,6, der die Menschen aufweckte und Sprunge in den Kellermauern hinterließ.

Finnmark

In der inneren Finnmark.

Für einen Katastrophenfilm wäre ein Szenario in der dünn besiedelten inneren Finnmark vermutlich recht langweilig – es gibt einfach keine Hochhäuser, die dramatisch zusammenstürzen können. Für die Menschen vor Ort, hauptsächlich Samen, wäre es natürlich trotzdem verheerend. Und nicht weit entfernt von Masi findet sich der einst heftig umkämpfte Alta-Staudamm. Sein Bruch hätte Folgen für die gleichnamige Stadt flussabwärts.

Das Beben ist Oslo 1904 hatte laut forskning.no eine Stärke von 5,4 auf der Richter-Skala. Noch etwas stärker, 5,8, war im Spätsommer 1819 das Beben im äußeren Teil des Ranafjords an der Küste Helgelands. Die Folge waren Erdrutsche ins Wasser und hohe Wellen im Fjord und man spürte es noch in weiter Entfernung. Verletzte gab es offenbar nicht, weil die Menschen bei der Ernte waren.

Hier der Trailer zu „Skjelvet“ , auch als „The Quake“ vermarktet. Es handelt sich dabei um die Fortsetzung von „Bølgen“( „The Wave“), wo der Geiranger-Fjord von einem Tsunami heimgesucht wird.

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