Wenn Bürokratie die Wissenschaft ausbremst

Grönland. Wer in der Arktis zum Klima forschen will, braucht Daten von dort. Auch von Stellen, die schwer zugänglich sind, wie beispielsweise Nordostgrönland. Die Villum Research Station bietet solche Möglichkeiten. Doch nun haben ausländische Forscher ein Problem: Sie kommen nicht mehr hin. Schuld ist das Schengen-Abkommen. Darüber berichtete Sermitsiaq.

Nordatlantik

Der kürzeste Weg nach Nordostgrönland führt über Spitzbergen. Karte auf Basis von Google Earth, Bilder US Geological Survey, IBCAO, Landsat/Copernicus, Data SIO, NOAA, US Navy, NGA, Gebco

Villum Research Station liegt in der Nähe des dänischen Militärstützpunktes Station Nord auf der Prinzessin-Ingeborg-Halbinsel im nördlichen Nordostgrönland. Die Forschungsstation wurde 2014  mit Mitteln der privaten dänischen Villum-Stiftung eingerichtet. Sie gehört der grönländischen Regierung und wird betrieben von der Universität Aarhus und dem Arktischen Kommando. Wissenschaftler finden dort alles, was sie als Basis für Forschung dort brauchen – von verschiedenen Laboren bis zu Polarkleidung und  Schneescooter. Billig ist es nicht, sich dort einzumieten, aber dafür befindet man sich in einer wissenschaftlich wichtigen Region. Auch deutsche Wissenschaftler waren in diesem Jahr dort. Das Projekt befasste sich mit den Zusammenhängen von Meereis-Eigenschaften, Aerosolen und Wolkenbildung.

Die Forschungsstation kooperierte bisher mit einer norwegischen Fluggesellschaft, die die Wissenschaftler bei Bedarf vom 720 Kilometer entfernten Longyearbyen auf Spitzbergen aus einflog. Das ist der kürzeste und sinnvollste Weg. Der nächste grönländische Ort ist Ittoqqortoormiit, 1250 Kilometer weiter südlich. Doch nun hat die Polizei festgestellt: Das ist gar nicht erlaubt. Denn weder Longyearbyen noch die Militärpiste der Station Nord sind anerkannte Schengen-Flughäfen. Grönland ist zwar gar nicht dem Schengen-Abkommen beigetreten. Aber die dänischen Regierung hat sich verpflichtet, Grönlands Grenzen entsprechend zu kontrollieren.

Problem Schengen

Bisher wurden die nach Grönland reisenden Wissenschaftler bereits in Oslo oder Tromsø kontrolliert. Spitzbergen ist aufgrund seines Sonderstatusses nicht Teil des Schengen-Gebietes. In der Station Nord gibt es zurzeit niemanden, der die Reisenden formell korrekt empfangen kann – für Passkontrollen ist die Polizei zuständig, nicht das Militär.

In Sermitsiaq erklärt der zuständige Logistiker, warum es eigentlich keine Alternativen zu Longyearbyen gibt: Der Weg über einen anerkannten Schengen-Flughafen auf Island und Nerlerit Inaat bei Ittoqqortoormiit in Ostgrönland zur Station Nord sei einfach zu weit. Das Flugzeug müsse dann viel Treibstoff mitnehmen und könne weniger Nutzlast laden. Damit werde ein Flug enorm teuer. Dann würden ausländische Wissenschaftler sich doch für eine andere Station entscheiden. Für den Stationsleiter Henrik Skov steht damit die wichtige Forschung dort auf dem Spiel. Er hat für 2019 eine Ausnahmegenehmigung beantragt, die Sache wird noch untersucht.

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Das ist die Station:

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