Laptewsee-Expedition: Fiebermessen in der Arktis

Russland. Jedes Klimamodell ist nur so gut wie seine Daten. Doch gerade in der Arktis, dem Gebiet, das sich am schnellsten ändert, sind diese schwer zu bekommen. Eine deutsch-russische Expedition in der Laptew-See sorgt gerade für genauere Information.

Transdrift

Akademik Tryoschnikow. Foto Ingke Thomsen

Die siebenwöchige Expedition mit dem Eisbrecher Akademik Tryoschnikow (Академик Трёшников), Heimathafen St. Petersburg, läuft unter dem Namen Transdrift XXIV. Wie der Name schon zeigt, ist es die Fortsetzung einer langen Reihe von Messfahrten in eine Region, die für die Eisbildung bedeutsam ist. Denn was in der Laptewsee zu Meereis gefriert, driftet  mit der Strömung über den Nordpol und schmilzt wieder, wenn es die Framstraße (zwischen Spitzbergen und Grönland) erreicht hat. Dieses Prinzip wollten sich einst auch Nansen und Amundsen zunutze machen, um den Nordpol zu erreichen.

Die Messreihen zeigen, dass das Meer dort bereits deutlich wärmer geworden ist. Das Projekt wurde deshalb auch schon „Fiebermessen in der Arktis“ genannt. Ein besonderes Augenmerk der Forscher gilt dem Randstrom, der in der Tiefe entlang des russischen Kontinentalschelfs und weiter rund um den Pol verläuft  und atlantische Wärme transportiert. Geriete diese in die oberen Wasserschichten, könnte sie das gesamte Meereis zum Schmelzen bringen, so Expeditionsleiterin Heidemarie Kassens vom Geomar Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel im Transdrift-Blog.

Transdrift

Aufnahme der 2015 ausgebrachten Messsysteme. Foto Heidemarie Kassens/GEOMAR

Die Geräte der deutschen Wissenschaftler hatte das Forschungsschiff Akademik Tryoschnikow schon in Kiel an Bord genommen. Die Wissenschaftler selbst stiegen in Kirkenes und Archangelsk zu. Am 18. August verließ das 133 Meter lange Spezialschiff mit Eisbrecherqualitäten Archangelsk. Inzwischen sind zum einen sieben Messsysteme  aufgenommen worden, die 2015 an verschiedenen Stellen verankert worden waren.  „Wir sind alle sehr gespannt auf diesen einzigartigen Datensatz“, so Kassens im Blog. Drei Jahre lang wurden dort Temperatur, Leitfähigkeit, Strömung, Eisdicke und weitere Parameter aufgezeichnet – in Wassertiefen von 300 bis 3000 Meter. Außerdem nahmen die Wissenschaftler an 15 Positionen Proben verschiedenster Art vom Sediment bis zur Meereschemie, um Einblick in die Funktion des Ökosystem zu bekommen. Sturm und Eis gehören zu dieser Region. „Der Eisrand ist in diesem Jahr allerdings so weit im Norden, dass das Meer sogar bei unserer nördlichsten Station (81°30 N; 125°58 E) eisfrei war“, berichtet Kassens im Expeditionsblog.

Die Expedition Transdrift XXIV ist Teil des deutsch-russischen Forschungsvorhabens „CATS – Das arktische transpolare System im Wandel„. Daran beteiligt sind insgesamt zehn deutsche und russische Institute, darunter Geomar, das Alfred-Wegener-Institut in Bremerhaven (AWI), das staatliche Institut für Arktis-und Antarktisforschung in Sankt Petersburg (AARI) und mehrere Universitäten.

Und nach der Expedition ist vor der Expedition: Das Team auf der Akademik Tryoschnikow führt auch Messungen durch und setzt Messbojen, um die Expedition der „Polarstern“ im kommenden Jahr vorzubereiten. Diese wird wiederholen, was Nansen mit der „Fram“ vor mehr als 100 Jahren zum ersten Mal versuchte: Sich vor Ostsibirien einfrieren lassen und mit dem Eis driften – diesmal aber mit modernen Messmethoden und Möglichkeiten.

Arktis

Die Meeresströmungen der Arktis. Quelle: Robert Spielhagen/AdW Mainz, GEOMAR

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