Atomkraftwerk Hanhikivi verspätet sich um vier Jahre

Finnland. Der Baubeginn des Atomkraftwerks Hanhikivi bei Pyhäjoki südlich von Oulu  verzögert sich weiter. Der russische Anlagenlieferant RAOS, eine Tochterfirma von Rosatom, hat nun einen neuen Zeitplan vorgelegt, meldet Betreiber Fennovoima.  Danach soll das Kraftwerk ab 2028 Strom liefern – vier Jahre später als geplant.

Hanhikivi

Die Baugenehmigung für das Kraftwerk steht noch aus. Trotzdem ist auf der Halbinsel Hanhikivi schon viel passiert. Foto Fennovoima

Grund der Verzögerungen sind unter anderem unterschiedliche Vorstellungen davon, wie schon während des Planungsprozesses Sicherheitsprobleme berücksichtigt werden sollen, hieß es immer wieder in den finnischen Medien. Die finnische Strahlenschutzbehörde STUK will Pannen wie beim Bau von Olkiluoto 3 von vornherein vermeiden und betont auch immer wieder, man stelle höchste Anforderungen an die Sicherheit. Denen konnten die Betreiberfirma Fennovoima und ihr russische Anlagenlieferant bisher offenbar nicht ausreichend genügen.

Zu den Details, die vorab geklärt werden müssen, gehört beispielsweise die Ausführung des Reaktor-Druckbehälters, berichtete jüngst Kaleva.fi. Dieser benötigt fast vier Jahre in der Herstellung, deshalb sollte dies eigentlich schon längst begonnen haben. Doch die Strahlenschutzbehörde hatte Nachbesserungen bei den Konstruktionsplänen verlangt. 

Reaktortyp läuft schon bei St. Petersburg

In Hanhikivi ist der Einsatz eines Druckwasserreaktors vom Typ WWER 1200 geplant. Frühere Typen dieser russischen Reaktorentwicklung sind in Finnland in Loviisa in Betrieb. Die neue Version WWER 1200 läuft seit März 2018 im russischen Kernkraftwerk Leningrad/Sosnowy Bor  rund 70 Kilometer entfernt von St. Petersburg. Im Zuge des Genehmigungsverfahrens in Finnland sollen auch Erfahrungen aus  dem Betrieb in Russland genutzt werden. Das Kraftwerk soll schlüsselfertig 7 Milliarden Euro kosten. 

Pyhäjoki

Lage der Halbinsel Hanhikivi bei Pyhöjoki am Bottnischen Meerbusen. Clipart CC/Eigene Bearbeitung

Fennovoima hatte sich für den russischen Partner entschieden, nachdem die deutsche EON 2012 abgesprungen war. Es gibt zwar eine Grundsatzentscheidung für den Bau des Kernkraftwerks, aber noch keine Baugenehmigung für den Kraftwerksteil. Trotzdem wird auf der Halbinsel Hanhikivi schon seit einem Jahr gebaut. Für die Infrastruktur des Geländes und die Nebengebäude liegt die Genehmigung bereits vor. Protest gegen das Vorhaben gibt es sowohl in Finnland als auch in Schweden – Skellefteå ist Luftlinie nicht einmal 200 Kilometer entfernt.

Die finnische Strahlenschutzbehörde ist Verspätungen gewohnt. Vor Kurzem wurde wieder einmal der Start von Olkiluoto 3 in Südfinnland verschoben, auf Januar 2020. Das sind mehr als zehn Jahre nach dem ursprünglichen Termin, und das Projekt wird voraussichtlich auch dreimal so teuer- fast neun Milliarden Euro. Für die Verzögerungen werden die Lieferanten Areva und Siemens Strafe zahlen müssen.

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