Vom Kebnekaise-Gipfel zum Sonnen-Ei für Kiruna

Schweden. Für den schwedischen Stahlbaupreis werden normalerweise Bürogebäude, Brücken oder andere Zweckbauten nominiert. Der diesjährige Preisträger fällt aus dem Rahmen: Das Solar Egg des Künstlerduos Bigert&Bergström dürfte das kleinste Objekt sein, das das schwedische Stahlbauinstitut je ausgezeichnet hat. Es handelt sich dabei um eine zerlegbare, mobile Sauna, innen Holz, außen Edelstahlspiegel mit einer goldenen Titanium-Beschichtung.

Solar Egg

Solar Egg. Foto:Jean-Baptiste Béranger

Bestellt hat das Werk  Riksbyggen, eine schwedische Wohnungsbaugenossenschaft, für Kiruna. Dort baut Riksbyggen gerade neue Wohnungen.  Ungefähr 6000 Menschen aus Kirunas Zentrum müssen umziehen, weil der Boden aufgrund des Erzabbaus mittelfristig nicht mehr sicher ist (siehe Kiruna), und brauchen Ersatz. Das goldfarbene Sauna-Ei mit acht Plätzen verbindet all diese Elemente: das Material Stahl, die Form mit dem Symbol der Wiedergeburt und  die Möglichkeit zum Austausch an einem in dem kalten Klima traditionell besonders beliebten Ort. Die Künstler nennen es „soziale Skulptur“. Das Beste an dem Objekt: Es ist tatsächlich benutzbar. Zuerst stand es dieses Jahr in Kiruna am Luossavaara, dann in Björkliden mit Aussicht auf Lapporten und den Torneträsk und konnte gebucht werden.

Rettung für Schwedens höchsten Gipfel

Rettungsdecke für den Kebnekaise

Rettungsdecke für den Kebnekaise. Foto Bigert&Bergström

Das Duo Lars Bergström, Jahrgang 1962, und Mats Bigert, Jahrgang 1965 arbeitet seit 1986 zusammen. Sie leben in Stockholm. Die Installation des Eis in Kiruna war aber nicht ihr erstes künstlerischer Ausflug in den Norden des Landes. 2015 legten sie auf dem schneebedeckten Südgipfel des Kebnekaise, des höchsten schwedischen Berges, 500 Quadratmeter Rettungsdecke  aus, eine Art Geoengineering-Performance angesichts der Klimaerwärmung. Videomaterial der Gipfelaktion wurde später für die Ausstellung The Freeze verwendet.

Dabei handelte es sich nicht nur um eine symbolische Aktion:  Die Südspitze ist von einem Gletscher bedeckt, der in den vergangenen Jahrzehnten ein gutes Stück abgeschmolzen ist. 1902 wurde der Gipfel noch mit 2121 Meter gemessen. Seit 1995 stellen die Wissenschaftler ein fast kontinuierliches Abschmelzen fest.  Der niedrigste Wert lag laut der Stockholmer Universität bereits bei 2097, 1 (2016). Aufgrund des kühlen Sommers konnte sich dieses Jahr mehr Schnee halten, die Spitze wurde im August mit 2 098,5 Metern gemessen. Bereits seit Jahren wird in Schweden darüber diskutiert, wann wohl der Titel „Höchster Gipfel des Landes“ an die felsige Nordspitze  des Kebnekaise übergeht. Die misst 2 096,8 Meter über dem Meeresspiegel.

Bigert&Bergström werden auch bei der Ausstellung zum 20-jährigen Bestehen den Galerie Barbara Thumm in Berlin ab dem 14. November vertreten sein.

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