Komsomolez: 30 Jahre altes U-Boot-Wrack leckt radioaktiv

Norwegen/ Russland. Feuer an Bord eines Atom-U-Bootes – das endete vergangene Woche mit dem Tod von 14 Seeleuten. Bereits vor 30 Jahren sank das russische Atom-U-Boot Komsomolez in der Barentssee aus demselben Grund. Norwegische und russische Forscher untersuchten nun gemeinsam das Wrack nach austretender Radioaktivität – und fanden auch welche.

Komsomolez

Ungefähre Lage der Komsomolez. Karte sel/stepmap

Die Komsomolez (Комсомолец) sank am 7. April 1989 westsüdwestlich der Bäreninsel, nachdem an Bord Feuer ausgebrochen war. Von der 69-köpfigen Besatzung starben 42, die anderen wurden von Fischerbooten gerettet. Es handelte sich um einen Prototyp, der danach nicht wieder gebaut wurde. Das Boot liegt auf knapp 1700 Metern Tiefe und ist schwer beschädigt. Von 1989 bis 2007 untersuchte eine russische Kommission sieben Mal das Wrack danach, ob Radioaktivität austritt. Die Gefahr droht dabei nicht nur vom Reaktor, sondern auch von den beiden Plutoniumsprengköpfen, mit denen das U-Boot ausgestattet war.

Seit 1990 untersucht Norwegen jedes Jahr das Umfeld, hatte dabei laut NRK nach 1993 aber keine Verunreinigung mehr festgestellt. Bei der diesjährigen Expedition der G.O.Sars des norwegischen Meeresforschungsinstitutes sind auch russische Forscher an Bord, und es wurde erstmals das norwegische Mini-U-Boot Ægir 6000 eingesetzt, um noch näher heranzukommen. Dabei zeigte sich, dass eine Probe eine deutlich erhöhte Radioaktivität aufwies – 100.000 Mal mehr als normales Meerwasser, 100 Becquerel  per Liter.

Keine Gefährdung für den Fisch

Wie die Expeditionsleiterin Hilde Elise Heldal bei TV2 berichtet, hatten zwei vorherige Proben des Mini-U-Boots vom selben Ort keine Verunreinigung gezeigt. Überrascht ist sie nicht: russische Forscher hatten bereits 2007 ein Leck gemeldet. Eine Vermutung ist nun, dass die  Radioaktivität in Intervallen austritt, weil durch die Kamera gleichzeitig eine Art Wolke aus dem Ventilationsloch beobachtet wurde. Sämtliche Proben müssen erst noch genau analysiert werden. Die Expeditionsleiterin erklärte, weder seien die Forscher in Gefahr, noch sei Fisch aus der Barentssee gefährlich. Gegenüber VG begründete sie dies damit, dass die Komsomolez so tief liege, dass die eventuellen Verunreinigungen sich im Meer verdünnten. Das Wrack soll aber weiter kontrolliert werden, um die Entwicklung im Auge zu behalten.

Artikel zum jüngsten U-Boot-Unglück:14 Seeleute bei Brand auf russischem U-Boot verunglückt

Aufnahmen des Mini-U-Boots Ægir 6000 des norwegischen Meeresforschungsinstitutes von der Komsomolez:

 

Dieser Beitrag wurde unter Meer, Militär, Norwegen, Russland veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.