Iceland-Faroe Slope Jet: Bisher unbekannter Meeresstrom entdeckt

Nordatlantik. Schon mal was vom „Iceland-Faroe Slope Jet“ gehört? Falls nicht, ist das keine Bildungslücke. Denn der Meeresstrom ist gerade erst identifiziert und getauft worden. Er spielt eine wichtige Rolle im Gesamtsystem der atlantischen Zirkulation, bei der warmes, salziges Wasser in den Norden fließt, sich abkühlt, absinkt, und in der Tiefe zurück in den Süden fließt. Die Studie zum Iceland-Faroe Slope Jet erschien gerade in Nature Communications.

Zirkulation im Nordatlantik

Zirkulation im Nordatlantik (vergrößerbar). IFSJ – Iceland-Faroe Slope Jet. Quelle Huang et. al.2020 via UiB

Einige Puzzleteile dieser atlantischen Umwälzpumpe, auch thermohaline Zirkulation genannt, sind längst bekannt. Wie genau das kalte Wasser östlich von Island zurück in den Süden kommt, war allerdings unklar. Wie die Forschungsarbeit von Stefanie Semper zeigt, nimmt es keineswegs den direkten Weg, sondern strömt entlang des Island-Färöer-Rückens um die Färöer herum. Stefanie Semper ist Doktorandin am Bjerknessenter und am Geofysisk Institutt der Universität Bergen. Ihren Bachelor hatte sie noch an der Universität Kiel gemacht und war dann nach Bergen gewechselt.

Stefanie Semper konnte dabei auf Datensätze von Kollegen bauen, die noch nicht umfänglich analysiert waren: Messungen einer US-amerikanisch-norwegischen Expedition nördlich von Island und Daten färöischer Wissenschaftler. In der Kombination zeigte sich, dass es einen kontinuierlichen Strom in der Tiefe von 800 bis 1000 Metern gibt, der von Island Richtung Färöer fließt – mit zehn bis 15 Zentimetern pro Sekunde. Durch den Färöerbankkanal geht es dann Richtung großer Ozean.

Noch viele Fragen zur Zirkulation offen

Das Verständnis der Wasserwege im System der atlantischen Umwälzzirkulation ist wichtig, um einzuschätzen, wie sich Veränderungen durch den Klimawandel auswirken können. So ist bereits bekannt, dass der Golfstrom sich abgeschwächt hat. Das Zusammenspiel vieler Faktoren um Temperatur, Salzgehalt und Strömungsverlauf im Nordatlantik ist allerdings komplex. Auch eine weitere Studie zu Wasserverläufen in der Region ist gerade erschienen. Stefanie Semper möchte als nächstes erforschen, wie das Wasser aus der Grönlandsee nach Nordisland kommt und warum es sich dort teilt, wie sie in der Pressemitteilung ihrer Universität berichtet. „Du denkst, du hast eine Frage beantwortet, aber jetzt haben wir noch mehr.“

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Golfstrom-Studien: Die Heizung des Nordens ist schwächer geworden

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