Finnland: Rückbau eines alten Wasserkraftwerks angedacht

Finnland. Wasserkraft ist emissionsfrei und gut regulierbar, aber schlecht für die Fische. Denn die natürliche Wanderung endet am Damm oder im Kraftwerksrechen. In Finnland ist nun der Komplett-Rückbau einer kleinen Anlage nahe des Inarisees in der Diskussion. Zumindest in Lappland wäre dies das erste Mal. Darüber berichtete Yle.

Inarisee

Das Kraftwerk Kirakkakönkä liegt ein Stück nördlich von Ivalo.

Das Kraftwerk Kirakkakönkä stammt aus den 1950er Jahren. Es nutzt den Abfluss aus dem vom Fluss Kirakka gespeisten See Rahajärvi Richtung Inarisee. Seine Leistung beträgt ein MW, es erzeugt im Jahr etwa 4,5 GWh. Damit gehört es zu den kleinsten Anlagen in Finnland.  Betreiber ist das kommunale Unternehmen Inergia Oy. In den 1990er Jahren wurde eine Fischtreppe eingerichtet, so richtig zufrieden war man damit nicht. Der Rückbau würde die Verbindung von Fluss und Inarisee wieder richtig durchlässig machen und die Bedingungen für den Fisch-Nachwuchs deutlich verbessern. Das würde auch Angeln dort wieder attraktiver machen.

Modernisierung nicht wirtschaftlich?

Es ist nicht nur die reine Naturliebe, die den die örtlichen Verantwortlichen nun darüber nachdenken lässt. Das alte Kraftwerk müsste irgendwann modernisiert werden – eine Investition, die sich angesichts der geringen Leistung offenbar nicht mehr lohnt. Eine politische Entscheidung dazu in der Kommune ist noch nicht gefallen.

Isohaara

Kraftwerk Isohaara, Kemijoki

2018 deckte Finnland seinen Energiebedarf zu 19 Prozent aus Wasserkraft. Großlieferant an Strom sind die Kraftwerke am mächtigen Kemijoki in Lappland und seinen Nebenflüssen, die etwa ein Drittel der finnischen Gesamtleistung von rund 3000 MW an Wasserkraft stellen. Der Kemijoki mündet bei Kemi in die Ostsee. Die tatsächliche Wasserkraft-Lieferung hängt davon ab, wie viel Wasser zur Verfügung stand, deshalb variieren die Ergebnisse stark.

Kraftwerke am Pasvikfluss blockieren Weg zur Barentssee

Das kleine Kraftwerk am Kirakka ist aktuell Finnlands nördlichstes Wasserkraftwerk. Der Kirakkajoki und der Inarisee gehören zum Wassersystem des Pasvikflusses, finnisch Paatsjoki, der nach Norden fließt und über weite Strecken die Grenze zwischen Norwegen und Russland bildet. Dort betreiben sowohl Norwegen als auch Russland Wasserkraftwerke. Die dort erzeugte Energie wird auch nach Nordfinnland importiert. Bei Kirkenes mündet der Fluss in die Barentssee. Diese Wasserkraftwerke werden den Fischbestand natürlich weiter beeinträchtigen – Lachs gibt es im Pasvikfluss nicht mehr.

Mehr zum Pasvikfluss:

Norwegisch-russische Grenze um zwei Kilometer gewachsen

 

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