Finnischer Impfstoff kann weiter erprobt werden

Finnland. Alle reden von der Booster-Impfung. Und spätestens da wollen drei finnische Professoren mit ihrem Impfstoff endlich mitmischen. Sie hatten lange Probleme, für ihren „Linux der Impfstoffe“ Geld für die notwendigen Testphasen zu sichern. Mit neun Millionen Euro Finanzierung können sie die Prüfung ihrer Entwicklung nun fortsetzen. Darüber berichtete Yle nach einer Pressemitteilung der Universität Ostfinnland.

Nasenspray

Nasenspray statt Spritze? Foto Amol Sharma/ pixabay

Kalle Saksela, Professor der Virologie an der Universität Helsinki und Seppo Ylä-Herttuala und Kari Alitalo von der Universität Ostfinnland in Kuopio hatten zwar eigens eine Firma namens Rokote (=finnisch für Impfstoff) Laboratories gegründet, doch es dauerte, bis sie die notwendigen Mittel für die weitere Erprobung zusammen hatten. Gefunden haben sie nun Ferring Ventures SA, einen auf die Entwicklung von Medizinprodukten spezialisierten Investor aus der Schweiz, die Jenny und Antti Wihuri – Stiftung und den finnischen Kulturfond, die gemeinsam 3,5 Millionen Euro beisteuern. 5,5 Millionen Euro erhält Rokote Laboratories als Kredit von der staatlichen Wirtschaftsförderungsgesellschaft Business Finland. Die Mittel sollen für die Durchführung der Testphasen 1 und 2 reichen, inklusive der Herstellung des dafür nötigen Impfstoffs.  Das Projekt wird auch von weiteren Einrichtungen unterstützt, und beiden Universitäten sind beteiligt.

Nasenspray soll auch vor Weiterverbreitung schützen

Der Impfstoff der drei Professoren wird nicht mit der Spritze, sondern als Nasenspray verabreicht. Dies ist einer der Vorteile der Entwicklung. Die Technologie basiert auf einem Gentransfer. Mit einem Adenovirus als Träger wird ein geklonter DNA-Strang eingeführt und sorgt letztlich für die Immunreaktion. Die Methode wurde bereits bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs erprobt. Die Verabreichung als Nasenspray halten die Professoren beim Coronavirus schon deshalb für vorteilhafter, weil das auch eine Immunreaktion direkt in den Schleimhäuten hervorruft – und eine Weiterverbreitung über Geimpfte verhindern würde, so zumindest die Theorie.

Nutzen als „Booster“

Die fehlende Finanzierung hat dazu geführt, dass die vorgeschriebenen, wichtigen Testphasen lange nicht durchgeführt werden konnten. Bis das Mittel abschließend erprobt und zugelassen ist, dürften zumindest die Erwachsenen in Finnland alle bereits mit anderen Impfstoffen geimpft sein. Die Entwickler setzen jedoch darauf, dass es beispielsweise als dritte Impfung, als sogenannter Booster, dennoch nützlich sein kann. Da die Daten offengelegt werden – deshalb „Linux der Impfstoffe“ – könnten theoretisch auch andere das Rezept übernehmen und diesen Impfstoffe herstellen. Doch zunächst müssen alle Testphasen, auch die dritte, erfolgreich bestanden werden.

Früherer Artikel zum Thema: Scheitert der finnische Impfstoff am Geld?

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