Finnische Bäume: Kohlenstoffsenke versus Industrie-Rohstoff

Finnland. Gehen Finnland die Bäume aus? Dort sind fünf neue Industrieprojekte geplant, die den Holzbedarf steigern würden. Gleichzeitig darf Finnland nur begrenzt fällen, wenn es Bäume als Kohlenstoffsenke nutzen will, um seine Klimaziele zu erreichen. Über das Dilemma im waldreichsten Land Europas berichtete Yle.

Bäume Finnland

Bäume sind nicht nur als Fabrikfutter wertvoll.

Gerade erst präsentierte das finnische Institut für Naturressourcen (Luonnonvarakeskus, Luke) der Regierung eine neue Rechnung: Die Abholz-Pläne für die Zukunft müssten um ein bis zwei Millionen Kubikmeter schrumpfen. In der ursprünglichen Version eines Klimaschutzplans, der der EU vorgelegt werden sollte, war die Wirkung des finnischen Waldes als Kohlenstoffsenke zu optimistisch eingeschätzt worden. Ein Holzeinschlag von 83 Millionen Kubikmeter galt da noch als nachhaltig. Doch ein Faktor war dabei nicht richtig berechnet worden. Es sind also weniger.

Die neue Rechnung kam passend zum Amtsantritt der neuen grünen Umwelt- und Klimaministerin Krista Mikkonen. Die hatte davor im Fernsehen geäußert, sie halte es nicht für wahrscheinlich, dass alle neuen Zellstoff-Projekte umgesetzt würden. Es gebe nicht genug Bäume. Finnland benötige seinen Wald auch als Kohlenstoffsenke und für die Artenvielfalt. Aus den Koalitionverhandlungen wurde bekannt, dass die Einigung darauf, was als nachhaltige Forstwirtschaft gilt, zwischen Grünen und Zentrum besonders schwierig war.

Viele neue Projekte brauchen Holz

Das scheint angesichts des waldreichen Landes zunächst schwer vorstellbar. Die Forstwirtschaft ist allerdings bereits stark, 2017 wurden 63 Millionen Kubikmeter Stammholz und neun Millionen Kubikmeter für Hackschnitzel und Brennholz gefällt.

Holztransport

Auf dem Weg zur Fabrik.

Vor kurzem hatte Yle zusammengestellt, welche holzverarbeitenden Projekte gerade geplant sind: Boreal Bioref, 0,5 Millionen Tonnen Papier und Textilien, Kemijärvi. Finnpulp, 1,2 Millionen Tonnen Zellstoff, Kuopio. Kai Cell Fibers, 0,6 Millionen Tonnen Papier und textiler Zellstoff, Kajaani. Metsä Fibre, 1,3 Millionen Tonnen Zellstoff, Kemi. Stora Enso, Umwandlung einer Papier- zur Zellstofffabrik, 0,85 Tonnen mehr Produktion, Oulu. Alle sind noch nicht endgültig genehmigt.

Die Nachfrage nach Papier sinkt zwar – deshalb sattelt Stora Enso auch um. Es steigt der Bedarf an strapazierfähigem, aber trotzdem schnell abbaubarem Verpackungsmaterial. Zellstoff soll teilweise auch Kunststoff ersetzen, wie die Pläne von Boreal Bioref zeigen. Außerdem sichern sich asiatische Firmen ihre Rohstoffe in Europa: Bei den ersten dreien Projekten sind chinesische Investoren dabei, bei Metsä Fibre japanische Miteigner.

Die neue finnische Regierung setzt auf mehr Arbeitsplätze, wozu die neuen Projekte beitragen könnten. Sie will aber auch bis 2035 CO2-neutral werden und braucht für dieses Ziel die Kohlenstoffsenken. Auf diesem Weg wird es sicher noch einige Diskussionen geben.

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1 Response to Finnische Bäume: Kohlenstoffsenke versus Industrie-Rohstoff

  1. Frank Seliger sagt:

    Vorsicht bei asiatischen Investoren bzw. Interessenten für Holz. Auf Neuseeland kann man sehen, wohin das führt. Riesige Kahlschläge!

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