Nordkap-Profite bleiben privat

Nordkapp (Norwegen).  Wer darf vom Nordkap, norwegisch Nordkapp, profitieren? Lange hatte die Kommune Nordkapp ein größeres Stück vom Kuchen gefordert. Nun sieht es so aus, als würde der bisherige private Betreiber  auf dem symbolträchtigen Felsplateau seinen Vertrag verlängert bekommen. In den lokalen Medien tobt die Diskussion.

Nordkap

Nordkap. Foto Caroline Maybach, CC BY-SA 3.0

„Teuer, aber trotzdem sehenswert“, ist ein häufiges Touristenurteil zum Nordkap beispielsweise bei Trip Advisor.  Wer zu Fuß oder mit dem Rad am Nordkap ankommt, hat freien Eintritt. Alle anderen zahlen. In diesem Jahr sind es 180 norwegische Kronen für den einfachen Zugang zum Globus und 285 Kronen für den vollen Zugang zu allen Angeboten. Es gibt Kritiker, die sehen darin den Verstoß gegen das norwegische Jedermannsrecht. Dazu kommen Erlöse aus Gastronomie und Souvenirshop. Bei etwa 260.000 Besuchern jährlich kommt da einiges zusammen. Und der Profit, so die Meinung vieler, sollte doch noch mehr vor Ort bleiben und nicht bei großen Hotelketten landen.

So sieht die Situation aktuell aus: Grundeigentümer ist Finnmarkseiendommen (FeFo), eine 2005 gegründete spezielle staatseigene Institution, die den öffentlichen Grund in der Region Finnmark verwaltet. Die Plateau-Anlage ist aber schon lange an Rica Eiendom verpachtet, die sie wiederum von Scandic betreiben lassen. Und lange schien es, als warte die Kommune nur auf das Vertragsende, um selbst tätig zu werden. Die Kommune war bereits dabei, die gesamte Nordkaphalbinsel neu zu überplanen. Das Ziel: die Entwicklung des touristischen Ziels Nordkap, so, dass die Region möglichst viel davon hat.

Geheime Treffen mit Rica und Scandic

Der Entwurf wurde allerdings mehrfach geändert, und in der jüngsten Version ist nicht mehr die Rede davon, dass früher private Anlagen zukünftig öffentlich betrieben werden. Für einen Gebietsplan war dieser Ansatz offenbar auch juristisch nicht korrekt. Zu lesen ist jetzt, der Betrieb der Anlage sei eine anspruchsvolle Aufgabe, für die es einen weitsichtigen Akteur mit Kompetenz und Kapital brauche.

Gebäude am Nordkap. Foto Balou46/Wikimedia, CC BY-SA 4.0

Was nun heiße Diskussionen hervorruft, ist die Enthüllung von Klassekampen, es habe vor der Änderung mehrere geheime Treffen zwischen Vertretern der Kommune und Vertretern von Rica und Scandic gegeben, und der Inhalt dieser Treffen sei nicht dokumentiert. Kritiker sehen in dem Planentwurf nun die Basis dafür, dass Rica/Scandic dort weiterhin das Monopol haben werden.

Die Bürgermeisterin wies in einem Debattenbeitrag die Kritik zurück. Die Kommune könne nur sagen, wie das Gelände am Nordkap genutzt werden soll, nicht, von wem. Wer die Anlage weiter betreibe, bestimme der Grundeigentümer Finnmarkseiendommen, nicht die Kommune.

Nicht zufrieden mit der Entwicklung dürfte aber auch Hurtigruten sein. Die Reederei hatte Investitionen in Honningsvåg in Aussicht gestellt, allerdings gekoppelt an einen Hotelbau direkt am Nordkap. Das ist allerdings nicht erwünscht. Es darf zwar ein weiteres Gebäude dort entstehen, regulären Hotelbetrieb soll es aber weiterhin nicht geben.

Der Plan sieht außerdem eine Umstrukturierung des Parkplatzes vor.

Die Kommune entscheidet endgültig am 20. Juni über den neuen Gebietsplan.

Update 19.30 Uhr: In der öffentlichen Debatte hat sich nun auch die Aufsichtsratsvorsitzende des Nordkap-Grundeigentümers Finnmarkseiendommen (FeFo) mit einem Beitrag zu Wort gemeldet. Sie verweist darauf, dass FeFo den Pachtvertrag vom Vorbesitzer Statsskog übernommen habe, und dieser sichere dem Pächter eine Verlängerung zu. FeFo dürfe allerdings neue Bedingungen und einen neuen Preis verhandeln. Dabei lege man Wert darauf, dass die Anlage positive Effekte für die Region habe – genau wie die Kommune Nordkapp.

 

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