Grönland: Zum ersten Mal Regen statt Schnee über Summit Station

Grönland. Eine Premiere, die kein Grund zum Feiern ist: Am 14. August wurde erstmals Regen über der Summit Station in Grönland festgestellt – einer Anlage, die auf 72.58° Nord und in 3216 Metern Höhe mitten auf dem Inlandeis steht. Zum zweiten Mal in diesem Sommer zogen besonders warme Luftmassen über Grönland.

Summit Station

Summit Station auf dem höchsten Punkt des grönländischen Inlandeises. Um die Station herum gibt es noch weitere Gebäude. Foto Peter West/ NFS

Die Meldung kam zuerst vom amerikanischen National Snow and Ice Data Center (NSIDC). NSIDC gibt die Maximaltemperatur mit plus 0,48 Grad Celsius oder 33 Grad Fahrenheit an. Summit Station ist eine Einrichtung der amerikanischen National Science Foundation. Das Beweisfoto mit Regen gab es auf Twitter. Untermauert wird die Meldung auch vom dänisch-isländischen Wettermodell Harmonie, das weiträumigen Regen über Grönland sah, im Ostteil in gefrierenden Niesel und Schnee übergehend. Gleichzeitig verzeichnete das dänische Polarportal weiträumig verstärktes Schmelzen. Die Wetterlage war dabei ähnlich wie Ende Juli beim ersten großen Schmelzereignis der Saison, mit warmen Luftströmungen, die kurzfristig mehr als 14 Grad über der Durchschnittstemperatur lagen.

Drittes Schmelzereignis auf dem Summit in zehn Jahren

Situation Arktis 14. August

Situation Arktis 14. August. Quelle NSDIC

Laut Martin Stendel vom Dänischen Meteorologischen Institut (DMI) waren Schmelzereignisse im Bereich des Summit Station in der Vergangenheit extrem selten – und bisher hatte es dabei nicht geregnet. Seit 1987 wird dort das Wetter und das Eis überwacht. Schmelzereignisse gab es 2012, 2019 und in diesem Jahr. Wie Stendel berichtet, konnte man allerdings anhand von Eisbohrkernen frühere Schmelzereignisse identifizieren, da diese Spuren hinterlassen. In den vergangenen 2000 Jahren gab es welche in folgenden Jahren: 244, 753, 758, 992, 1094 und 1889 – plus die drei in den vergangenen zehn Jahren. NSIDC zählt auch  1995 dazu.

Trotz der beiden großen Schmelzereignisse hat Grönland in diesem Sommer insgesamt noch nicht so katastrophal viel Masse verloren wie beispielsweise 2012. Das zeigt die akkumulierte Massebilanz bei Polarportal. Auffällig ist allerdings, dass das jüngste Ereignis vergleichsweise spät im Jahr, zum Ende der Schmelzsaison kommt.

Das Beweisfoto von der Summit Station von Alicia Bradley:


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