Eisbär-Alarm auf Island

Eisbär

Der Eisbär wurde im Norden der Melrakaslétta, einer Halbinsel im Nordosten Islands, gesucht. Karte mit Hilfe von stepmap.

Island. Treibt sich ein Eisbär auf Island herum? Drei  Touristen, die in einem See im Nordosten Islands angelten, glaubten jedenfalls, einen gesehen zu haben, und riefen die Polizei. Nach dem Tier wurde dann mit einem Hubschrauber gesucht, wer sich in der Gegend aufhielt, wurde per SMS gewarnt, berichten isländische Medien. Es handelt sich um den See Hraunhafnarvatn auf der Halbinsel Melrakkaslétta („Ebene der Polarfüchse“). Dass es ein Eisbär bis Island schafft, kommt immer wieder vor, zuletzt 2016. Und erst vor kurzem trieb ein Eisfeld aus Grönland nah an der nördlichen Küste vorbei, einzelne Eisberge konnte man sogar von Land aus sehen. Laut Vísir zweifelt die Polizei auch nicht an der Aussage der Touristen. Sie seien aber so mitgenommen gewesen, dass sie kein Bild von dem Tier gemacht hätten, sondern die drei Kilometer zu ihrem Auto gerannt seien. Bisher ist allerdings kein Eisbär mehr gesichtet worden. (Siehe auch: Treibeis vor Island)

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Der Brexit und das „Norway Model“

Die britische Regierung kann sich nicht darauf einigen, wie sie aus der EU aussteigen will und gerät dabei immer tiefer in die Krise.  Das Chaos in London wird auch in den Nicht-EU-Ländern Norwegen und Island genau beobachtet: Ihr Deal mit der EU heißt „EWR“ – Europäischer Wirtschaftsraum. Briten kennen es als „Norway Model“.

Vesterålen

Fischereipolitik macht Norwegen lieber ohne die EU.

In Norwegen stimmten die Bürger zweimal gegen eine Mitgliedschaft in der EU – 1972 und 1994. Das Land war aber 1960 Gründungsmitglied der Europäischen Freihandelsassoziation (EFTA), gemeinsam mit Dänemark, Schweden, Großbritannien, Portugal, Östereich und der Schweiz. Bald gehörten auch Finnland, Island und Liechtenstein dazu. Heute sind nur noch Norwegen, Island, Liechtenstein und die Schweiz in der EFTA, die anderen Länder traten früher oder später der EU bei.

Parallel zur EU-Beitrittsdiskussion Anfang der 1990er Jahre wurde das EWR-Abkommen als Option für die EFTA-Länder ausgehandelt (englisch European Economic Area (EEA), norwegisch Europeiske Økonomiske Samarbeidsområde (EØS). Norwegen, Island und Liechtenstein unterzeichneten dies. In der Schweiz fiel die Volksabstimmung dagegen aus, sodass die Schweiz nur bilaterale Verträge mit der EU schloss.  Das EWR-Abkommen ermöglicht zwar Zutritt zum gemeinsamen europäischen Markt und Kooperation auf vielen Ebenen, aber gleichzeitig eine eigenständige Landwirtschafts- und Fischereipolitik – für Norwegen und Island besonders wichtig. Die Länder sind auch nicht Teil der Zollunion und der EU-Wirtschafts- und Handelspolitik.

Mit dem EWR-Abkommen, das britische Medien gerne „Norway Model“ nennen, gäbe es ein Vorbild für eine Kooperation mit der EU, ohne Mitglied zu sein. Norwegens Premierministerin Erna Solberg war auch erst vor kurzem zu Gast bei ihrer britischen Amtskollegin Theresa May. Solberg selbst erinnerte gegenüber NRK, dass die Basis des EWR-Abkommens die vier „Grundfreiheiten“ seien – der freie Verkehr von Waren, Dienstleistungen, Kapital und Personen. Insbesondere letzteres ist von Teilen der Brexit-Befürworter aber gar nicht erwünscht.

Melkøya

Norwegens Gas – hier die Anlage Melkøya vor Hammerfest – geht größtenteils in die EU.

Es gibt in Norwegen Kritik am EWR- Abkommen von zwei Seiten. Manche sähen das Land gerne in der EU, weil es dann auch mitbestimmen dürfte. Anderen geht die Kooperation mit der EU zu weit. Für beide Positionen dürfte es jedoch aktuell keine Mehrheit geben, ebensowenig auf Island, wo die Pläne für eine EU-Mitgliedschaft wieder in der Schublade liegen. Das EWR-Abkommen ermöglicht den Bürgern, problemlos in anderen EU-Ländern zu wohnen, zu studieren und zu arbeiten. Norwegen und Island gehören auch zum sogenannten „Schengen-Raum„.

Sollte Großbritannien mit der EU zu Regelungen kommen, die als vorteilhafter erachtet wird als das EWR-Abkommen, könnte dies in den Ländern zu Begehrlichkeiten führen. Zunächst aber müssen sie dafür sorgen, dass ihre Interessen bei den Scheidungsverhandlungen nicht unter den Tisch fallen – Großbritannien ist ein wichtiger Handelspartner und sowohl Norweger als auch Isländer studieren oder arbeiten dort.

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Island: Besuch von zwei Handschriften zum Jubiläum

Island. Vor 100 Jahren wurde Island wieder ein selbstständiger Staat – noch unter dem Dach des dänischen Königreiches. Aus Dänemark ist dazu besonderer Besuch gekommen: Zwei alte isländische Handschriften, die normalerweise in Kopenhagen aufbewahrt werden, sind demnächst in Reykjavík zu besichtigen.

Handschriften

Alte isländische Handschrift (Symbolbild). Foto GDK/ Wikimedia Commons

Island feiert dieses Jubiläum mit einer Reihe von Veranstaltungen, zu finden auf der Seite fullveldi1918.is. Dazu gehören Konzerte und Ausstellungen, aber auch eine Einladung an alle 100-Jährigen (und älter) des Landes.

In diesem Rahmen kommen nun auch die beiden Handschriften, Reykjabók und Ormsbók, für einige Monate aus Kopenhagen auf die Insel. Dort, in der Arnamagnäanischen Sammlung, lagern noch etwa 700 isländische Handschriften.  Der aus Island stammende Professor Árni Magnússon (1663 -1730) hatte diese auf der Insel gesammelt, doch gab es damals noch keine Universität auf Island. Kopenhagen war für Island, Grönland und Färöer zuständig.   Zwischen 1971 und 1986 wurde die Sammlung geteilt und viele Handschriften kamen zurück nach Island, in ein neue geschaffene Arnamagnäanischen Sammlung  (Stofnun Árna Magnússonar á Íslandi), die eng mit dem dänischen Institut zusammenarbeitet. Beide Institute sind als Weltkulturerbe von der UNESCO anerkannt.

Als am 21. April 1971 das dänische Küstenwachschiff „Vædderen“ in Reykjavík einlief, mit Flateyarbók und dem Codex Regius der Älteren Edda an Bord, wurde es von mehr als 10 000 Menschen in Empfang genommen, berichtet RUV. Reykjabók und Ormsbók kamen nun ganz banal mit dem Flugzeug. Reykjabók enthält unter anderem die Njáls Saga,  Beide sind demnächst öffentlich zu besichtigen, als Teil der Ausstellung „Lebensblume – 100 Jahre isländische Selbständigkeit“ (Lífsblómið – Fullveldi Íslands í 100 ár) in der Nationalgalerie (Listasafn Ìslands) in Reykjavík. Der Titel bezieht sich auf Halldór Laxness‘ Roman „Sein eigener Herr“( „Sjálfstætt fólk“), der in diesem Zeitraum spielt. Die Ausstellung wird am 17. Juli eröffnet und ist bis zum 16. Dezember zu sehen.

Þingvellir

In Þingvellir wurde 1944 die Republik verkündet.

Der isländische Drang nach Selbstständigkeit endete bekanntlich nicht in der Personalunion mit Dänemark, wie sie am 1. Dezember 1918 in Kraft trat. Als das Konstrukt neu verhandelt werden sollte, im Jahr 1940, war Dänemark von den Deutschen besetzt, Island von Großbritannien, später von den USA. 1944 erkärte Island sich zu einer unabhängigen Republik. Mit Grönland und den Färöer, noch Teil des dänischen Königreiches, ist Island heute im Westnordischen Rat verbunden.

 

Mehr zur kulturellen Verbindung Dänemarks und Islands:

Uni Kopenhagen streicht Isländisch und Färöisch

 

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Zuviel Regen? Riesiger Erdrutsch auf Island

Island. Einer der größten Erdrutsche seit der Besiedelung ging gestern am Fagraskógarfjall, in einem unbewohnten Gebiet im Westen Islands nieder. Die Bergmassen verstopfen nun den Fluss Hitará. Der viele Regen der vergangenen Wochen könnte dazu beigetragen haben. Darüber berichtete RÙV.

Erdrutsch

Der rote Kreis markiert das Gebiet des Erdrutsches. Karte mit Hilfe von stepmap

Auf den Bildern und Drohnenaufnahmen sieht man die breite Schneise, die der Erdrutsch hinterlassen hat – und das Flusswasser, das sich nun staut. Nach Schätzung eines Polizisten sind Bergmassen über einen Kilometer Breite etwa eineinhalb Kilometer weit gerutscht. In dem Tal, durch das die Straße 539 verläuft, leben nur wenige Menschen, die davon nicht getroffen wurden. Das Gebiet wurde zunächst abgesperrt.

Der Hitará galt als guter Lachsfluss. Inzwischen, so berichten Medien, hat sich das Wasser einen neuen Weg gesucht – über das Bett des nahen Flusses Tálmi.

Ein Geologe sagte im isländischen Fernsehen, vermutlich habe der Regen der vergangenen Woche alle Spalten des Berges dort gefüllt und durch den Druck dazu beigetragen, dass sich die Massen lösten. Er zählt den Erdrutsch zu den größten seit der Besiedlung.

Reykjavik

Wenig Sonne gab es zuletzt in Reykjavik

Tatsächlich waren Mai und Juni in Island extrem verregnet, vor allem im Süden und Westen – die Kehrseite der Wetterlage, die  England, Deutschland und Südskandinavien seit Wochen viel Sonne beschert. In Reykjavik regnete es im Mai jeden Tag, und im Juni gab es nur 71 Sonnenstunden insgesamt. Die Theatergruppe Leikhópurinn X hatte deshalb bereits eine Unterschriftensammlung begonnen – für ein wolkenfreies Island 2019. Alternativ: Freies Flugticket für alle nach Egilsstaðir. Im Norden und Osten war das Wetter nämlich bisher deutlich besser.

(letztes Update 9.7. 11.30 Uhr)

Mehr Geologie auf Island:

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Finnland: Hängebrücken unter der Lupe

Finnland. Bei einer Hängebrücke im Repovesi-Nationalpark in Südostfinnland brach am vergangenen Sonntag ein Drahtseil. Niemand kam dabei ernsthaft zu Schaden, die Brücke ist seitdem jedoch gesperrt. Und Metsähallitus, für die Nationalparks zuständige Behörde, will nun alle anderen Hängebrücken noch einmal auf ihren Zustand untersuchen lassen. Fast die Hälfte davon befindet sich in Lappland.

Hängebrücke

Hängebrücke im Repovesi-Nationalpark vor dem Unfall. Foto Ohto Kokko, CC BY-SA 3.0

Die Hängebrücke im Repovesi-Nationalpark bei Kouvola ist 50 Meter lang und überquert den Lapinsalmi-See in zehn Metern Höhe an einer engen Stelle. Neun Menschen befanden sich gerade auf der Brücke, als das Drahtseil riss. Die Brücke geriet dadurch in Schieflage, blieb aber hängen. Die Menschen darauf konnten sich allein oder mit Hilfe anderer  ans Ufer retten. Die Brücke ist 30 Jahre alt und wird jährlich überprüft. Ein Vertreter von Metsähallitus verwies darauf, dass eigentlich keine neun Menschen gleichzeitig auf der Brücke hätten sein dürfen. Als Ersatz für die Brücke wurde zunächst bis Mitte August ein Bootsverkehr eingerichtet.

Der Unfall ist nun Auslöser dafür, nicht nur die Brücke in Repovesi, sondern auch die anderen Hängebrücken in finnischen Nationalparks im Laufe des Sommers noch einmal speziell unter die Lupe zu nehmen, wie Yle berichtet. Insgesamt sind es 35, 17 davon in Lappland, wo auch  die meisten und größten Nationalparks sind.

Zwei Brücken waren laut Yle schon zuvor im Blick der Behörden: Die Brücke über den Toriseno-Fluss in der Gemeinde Enontekiö an der Grenze zu Norwegen wurde früher sogar mit Quads und Schneescootern befahren. Seit Januar ist sie komplett gesperrt und soll irgendwann abgerissen werden. Und eine Hängebrücke im Urho-Kekkonen-Nationalpark in Nordostfinnland, die Kolsakosken-Brücke über den Nuorttijoki, darf nur noch von jeweils einer Person gleichzeitig begangen werden.

Hängebrücke

Lieber trocken bleiben!

Ohne die Hängebrücken in der Wildnis wäre das Wandern deutlich mühsamer: Man müsste  den Weg durch kalte und reißende Flüsse suchen und/oder Schluchten hinunter- und wieder hinaufklettern. Die Kontrolle und Wartung der abseits gelegenen Bauwerke ist jedoch aufwändig. Metsähallitus rechnet offenbar mit einem Defizit von 44 Millionen Euro bei der Pflege der Infrastruktur der 40 finnischen Nationalparks. Der Besuch soll trotzdem kostenfrei bleiben.

Mehr zu finnischen Nationalparks:

Finnlands Natur-Geschenk: 2229 Hektar mehr Wald geschützt

Mehr zu Wandern im Norden:

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Laponia-Triathlon – Ironman mit Mitternachtssonne

Gällivare. Die Skisaison in Nordschweden ist seit einigen Wochen beendet – Zeit für Sportarten ohne Schnee. Heute um Mitternacht startet in Gällivare der Laponia Triathlon mit 3860 Meter Schwimmen, 180 Kilometer Radfahren und Laufen über die Marathon-Distanz. Es ist der nördlichste Ironman der Welt – jenseits des Polarkreises.

Dundret

Dundret Ende März – da fuhr man noch Ski.

Veranstalter ist der erst vor fünf Jahren gegründete Gällivare Endurance Club, der Ausdauersportarten mit und ohne Schnee pflegt. 2016 starteten 31 Teilnehmer zum ersten Ironman im hohen Norden. Damals ging die Strecke bis in den Nationalpark Stora Sjöfallet, Teil des Welterbegebietes Laponia. Für die dritte Auflage musste man nun wegen Straßenbauarbeiten die Route ändern, wie SVT berichtet. Leichter wird es dadurch nicht: Die Laufstrecke beispielsweise führt auf den 823 Meter hohen Dundret. Belohnt wird man aber mit dem Ausblick auf das Sarek-Gebiet und den Kebnekaise. Die Veranstalter beschreiben den Wettbewerb auf ihrer Webseite selbst als  „härter als der Ironman in Kalmar, aber nicht so hart wie der Norseman“. In 18 Stunden soll alles geschafft sein.

Mücken, Rentiere, Bären

Die Veranstalter geben auch Tipps für alle Fälle: So empfehlen sie Mückenmittel für den Schwimmstart, weil der nachts stattfindet und möglicherweise wenig Wind ist.  Auf der Facebookseite geben sie außerdem die aktuellen Wassertemperaturen durch – der  Fluss Vassara, der sich an dieser Stelle zu einem flachen See aufweitet, wärmt sich schnell auf, kühlt sich aber auch schnell wieder ab. Gestern sollen es 15 Grad gewesen sein. Neopren ist Pflicht, auch Füßlinge sind erlaubt.

Auf der Radstrecke sei mit Rentieren zu rechnen, möglicherweise auch mit Elchen. Eine Begegnung mit Bären sei eher ungewöhnlich, „wenn du das Glück hast, einen zu sehen, dann hoffentlich in einiger Entfernung“.

Eine Besonderheit hat dieser Triathlon: Gällivare hat um diese Zeit Mitternachtssonne. Es wird also rund um die Uhr hell sein, selbst wenn sich die Scheibe mal hinter Wolken versteckt.

Mehr Sport nördlich des Polarkreises: Arctic Race of Norway – Das nördlichste Radrennen der Welt

Video vom Laponia-Triathlon 2017:

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Norwegen: Öl-Zeitalter geht in die Verlängerung

Norwegen. Der staatliche Ölkonzern hat sich zwar umbenannt und das Öl aus seinem Namen gestrichen. Norwegens Ölzeitalter ist jedoch längst nicht zu Ende: Gerade wurde  47 Suchlizenzen für neue Gebiete vergeben, vor allem in der Barentssee. Und Equinor, Ex-Statoil, kündigte Investitionen für die dritte Phase der Ausbeutung des Troll-Feldes in der Nordsee an.

Greenpeace Protest

Greenpeace-Aktivisten protestieren während der Probebohrungen von Statoil 2017 in der Barentssee. Foto Nick Cobbing/Greenpeace

Als die norwegische Regierung vor gut einem Jahr die Rekordzahl von 102 Blöcken in bisher wenig erforschten Gebieten zur Ölsuche ausschrieb, hagelte es bereits Kritik von den Umweltverbänden. 93 dieser Blöcke lagen in der Barentssee. Nun wurde das Ergebnis dieser Konzessionsrunde veröffentlicht: Für 47 dieser Blöcke wurden Suchlizenzen erteilt, 36 davon liegen in der Barentssee, neun in der Norwegischen See. Meist umfasst ein Vorhaben mehr als nur einen Block – die neue Ölsuche gliedert sich in neun Projekte in der Barentssee und drei in der Norwegischen See (Karte hier, Überblick hier). Beteiligt daran sind insgesamt elf Firmen, darunter natürlich auch Equinor. Damit sorge die Regierung für eine Weiterentwicklung dieses größten und wichtigsten Wirtschaftszweiges, so Öl- und Energieminister Terje Søviknes. Dies sei auch wichtig, um Arbeitsplätze und die Konkurrenzfähigkeit zu erhalten und den Wohlfahrtsstaat zu finanzieren.

Barentssee

Bisherige und fest geplante Förderaktivitäten in der Barentssee. Karte mit Hilfe von stepmap.

Die Kritik der Umweltverbände ( Greenpeace Norge, Natur og Ungdom, Naturvernforbundet) richtet sich zum einen gegen die Menge als ein Signal, an der klimaschädlichen Technologie noch lange festhalten zu wollen. Zum anderen geht es ganz konkret um die einzelnen Gebiete, die nun für die Ölsuche geöffnet werden sollen. Die Regierung verstoße gegen ihre eigenen Grundsätze und gegen die Ratschläge ihrer eigenen Fachleute, meinen sie –  Naturvernforbundet listet auf, dass mehr als die Hälfte der Blöcke aus Sicht der Umweltbehörde nur eingeschränkt oder überhaupt dafür geeignet seien.

Groß ist die Empörung insbesondere darüber, dass sogar Blöcke nahe  Bjørnøya (Bäreninsel), einem Naturschutzgebiet, zugeteilt wurden. Dort darf lediglich vom 1. April bis zum 15. August nicht gebohrt werden. Frei bleibt aufgrund des Koalitionsvertrages das Gebiet vor den Lofoten, Vesterålen und Senja.

Zuvor wurden außerdem 75 Bohrlizenzen in bereits bekannten Gebieten erteilt, in denen es bereits viel Infrastruktur zur Förderung von Öl und Gas gibt und es wahrscheinlicher ist, dass die Ausbeutung auch wirtschaftlich ist.

Troll soll noch 30 Jahre liefern

Nicht mehr suchen, sondern nur herausholen muss Equinor das Öl und Gas im Troll-Feld vor Bergen: Es ist das größte und vermutlich auch wirtschaftlichste Feld auf dem norwegischen Kontinentalsockel. Seit 1995 werden dort die Öl- und Gasvorkommen unter dem Meeresboden geleert. Equinor und seine Partner stellten nun eine Investition von umgerechnet rund 830 Millionen Euro vor, mit deren Hilfe das Feld noch bis 2050 liefern soll. Insgesamt sollen damit noch 2,2 Milliarden Barrel Öl-Äquivalent gewonnen werden können – das schon bei weniger als 10 Dollar pro Barrel wirtschaftlich wäre. Da die Gasplattform Troll A mit Landstrom betrieben wird, erzeugt die Förderung dort auch vergleichsweise wenig CO2.

So günstig wird die Bilanz aus dem Johan-Castberg-Feld nicht aussehen: Für das Vorhaben in der Barentssee, weiter nördlich als alles andere bisher in Norwegen, gab es vergangene Woche die endgültige Betriebserlaubnis.

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Kiruna-Stadtumzug: Wie lange hält die alte E 10 noch?

Kiruna. Der Bau der neuen E 10-Trasse in Kiruna hat begonnen – und offenbar keineswegs zu früh. Auf der alten E 10 mussten gerade Schäden ausgebessert werden, die sehr wahrscheinlich von Bodenbewegungen durch den Bergbau stammen. Sie sollte eigentlich noch benutzt werden, bis die neue Trasse im Herbst 2019 fertig ist.

Kiruna

Kirunas altes Rathaus innen.

Wer noch das alte Stadtzentrum von Kiruna erleben will, hat nicht mehr viel Zeit. Der „Stadtumzug“, notwendig, weil der Boden aufgrund des Bergbaus unter dem alten Zentrum nicht mehr sicher ist, wird in den nächsten Monaten sehr konkret.  Im Herbst wird die Verwaltung in das neue Rathaus umziehen. Das alte wird dann nicht mehr für die Öffentlichkeit zugänglich sein und vermutlich im Frühjahr abgerissen werden. Bis zur Schließung ist dort noch eine Ausstellung über das „Stadshuset“ selbst zu sehen – das „Iglu in Ziegel“, das „Wohnzimmer der Bewohner Kirunas“. Man findet dort auch ein Modell der Stadt. Noch ist das Rathaus unter der Woche täglich von 7.30 bis 17 Uhr geöffnet.

Dass der Umzug keineswegs zu früh kommt, zeigt sich im ganzen Umfeld. Die Brücke zur Grube, die sich nebenan befand, wurde schon vor vier Jahren abgerissen. Der „Gruvvägen“ bietet jetzt nur noch die Aussicht darauf, aber keinen Weg mehr dorthin. Auf dem verbliebenen Stück Straße, das nun nicht mehr befahren wird, sind die Sprünge deutlich zu sehen.

E 10

Die neue E 10 wird hier angekündigt – sie geht teilweise durch ein Naherholungsgebiet.

Zwischen dem Rathaus und der abgezäunten Einsturzzone  verläuft auch noch die alte E 10 -Trasse, auf der man bisher noch die Stadt durchquert, wenn man aus Richtung Luleå kommt und weiter nach Abisko oder Narvik will. Auf Höhe des Bolagshotellets, nicht allzu weit vom Rathaus entfernt, war ein Teil der Straße über vier Metern vor kurzem abgesackt – darüber berichtete NSD. Das Loch ist inzwischen wieder gefüllt worden, die Straße ist wieder befahrbar.  Die Verkehrsbehörde (Trafikverket) und der Bergbaukonzern LKAB wollen nun aber noch genauere Untersuchungen vornehmen. Eigentlich war vorgesehen, dass die alte Straße noch so lange benutzt werden kann, bis die neue Ende 2019 fertig ist. Laut NSD soll im August eine neue Bewertung dazu vorgenommen werden. Die Bodenbewegungen werden seit Jahren über diverse Messpunkte überwacht.

Mehr zum Thema unter Kiruna – eine Stadt zieht um

Auch in Malmberget, 120 Kilometer von Kiruna entfernt, frisst der Bergbau die Stadt. Dort müssen die Bewohner in die Nachbarorte umziehen: Malmberget und Gällivare: Aus zwei mach eins

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Hilfe für den wilden Atlantik-Lachs

Nordatlantik. Der atlantische Lachs ist ein faszinierender Fisch. In seinem Lebenszyklus schwimmt er vom Fluss seiner Geburt bis in den Nordatlantik und wieder zurück. Überfischung, die Regulierung der Flüsse und weitere Faktoren habe seinen Bestand massiv schrumpfen lassen. Doch es gibt gute Nachrichten für den wilden Lachs des Nordens – von mehreren Seiten.

Lachs

Atlantiklachs. Foto William Hartley/ U.S. Fish & Wildlife Service

So haben die Schutzorganisationen  North Atlantic Salmon Fund und Atlantic Salmon Federation ein Abkommen mit der grönländischen Fischereigewerkschaft geschlossen (Kalaallit Nunaani Aalisartut Piniartullu Kattuffiat, KNAPK): Zwölf Jahre lang soll auf den kommerziellen Fang von Atlantiklachs verzichtet werden. Die Fischer erhalten dafür eine Kompensation aus Spendenmitteln. Das Gebiet zwischen Grönland und den Färöer ist besonders wichtig für die Lachse: Dort treffen sich die erwachsenen Fische aus rund 2000 Flüssen, vom amerikanischen Penobscot River ebenso wie vom isländischen Laxá, dem norwegischen Altaelva und dem Warsugafluss auf der russischen Kolahalbinsel, um sich satt zu fressen.  Was im Ozean gefangen wird, kann nicht mehr in den Heimatfluss zurückkehren und laichen. Mit der färöischen Organisation Laksaskip gibt es ein solches Abkommen bereits seit 22 Jahren, es wurde nun verlängert. So sollen noch mehr Fischgenerationen sich vermehren können.

Piteälv

Piteälv, Schweden

Der Atlantiklachs schwimmt auch durch die Ostsee zurück in seinen Fluss – sofern er denn durchkommt und ihm kein Staudamm ohne Fischtreppe den Weg versperrt.  Die Bedürfnisse der Flößerei haben früher ebenfalls zu Veränderungen der Flüsse geführt – dass das Holz an Felsen hängenblieb, war natürlich nicht erwünscht. Für den Lachs-Laich und den Lachs-Nachwuchs ist jedoch gerade eine vielfältige Flusslandschaft mit geschützten Nischen wichtig. In einem riesigen Naturschutzprojekt hat Schweden nun begonnen, 200 Flusskilometer zu renaturieren, wie SVT berichtet – nicht nur, aber auch für den Lachs. Zu den Flüssen, in denen der Lachs sich dann wieder besonders gut vermehren soll, gehören Piteälv, Råneälv und Kalixälv.

Auch Krankheiten machten und machen dem Atlantiklachs zu schaffen, zum Beispiel der Parasit Gyrodactylus Salaris. Er kam auf importierten Lachsen und Regenbogenforellen nach Norwegen, verbreitete sich in 48 Flüssen und ist meist tödlich für den Fischbestand.  Besonders schlimm war dies im nordnorwegischen Fluss Vefsna. Dort herrschte der Parasit fast 40 Jahre lang. Ab 2012 bekämpfe die Behörde ihn mit Gift (Rotenon). Seit vergangenem Herbst gilt der Fluss als parasitenfrei, und man hofft nun wieder auf Lachs dort, berichtet NRK.

Lachszucht

Lachszucht in Nordnorwegen. Foto Dagmar Hemmie

Viele Menschen sehen Lachs nicht nur gerne im Fluss, sondern auch auf dem Teller. Wildlachs-Fang könnte die aktuelle Nachfrage allerdings nicht befriedigen, Zuchtlachs ist aus mehreren Gründen umstritten: Die Tiere leben enger zusammen als in Freiheit, was die Verbreitung von Krankheiten erleichtert, Medikamente gelangen ins Meer und flüchtige Tiere gefährden den wildlebenden Bestand. Die Umweltorganisation  Natur og Ungdom fordern deshalb strengere Standards, der WWF versucht solche durch Kooperation mit Firmen umzusetzen, Greenpeace rät von Atlantiklachs generell ab.

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Neue Buchungsplattform für die Färöer

Färöer/Island. Wer auf die Färöer reisen will, hat nun eine weitere Möglichkeit, sich zu informieren und Aktivitäten direkt im Internet zu buchen. Gut 50 Veranstalter haben sich zusammengeschlossen und die Buchungsplattform Guide to Faroe Islands eingerichtet.

Färöer

Färöer-Attraktion Steilküste. Foto Thomas Christiansen

Das Prinzip ähnelt der bereits erfolgreich laufenden Plattform Guide to Iceland, die 2012 gegründet wurde. Auch Design und Aufbau der Seite erinnern daran. Inzwischen wird dort Service auf neun Sprachen angeboten, Exkursionen ebenso wie Fahrzeugvermietung oder Übernachtungen. Dazu gibt es reichlich Lesestoff zu Wissenswertem über Island allgemein, das das ergänzt, was man auf der offiziellen Tourismusseite Inspired by Iceland findet.

Die neue färöische Buchungsplattform gibt es zunächst nur auf Englisch.  Die Preise für Wandertouren oder Bootsausflüge lassen sich in vier verschiedenen Währungen abrufen. Für Unterkünfte wird man zurzeit noch auf externe Seiten weiterverwiesen. Auch einige informative Artikel gibt es bereits. In dieser Hinsicht ist die offizielle Tourismusseite Visit Faroe Islands aber noch informativer und hat in der Vergangenheit auch mit witzigen Aktionen wie „Google Sheep View“ oder „Faroe Islands Translate“ die Inselgruppe ins Gespräch gebracht.

Unterkünfte auf den Färöer finden sich auch über die üblichen Buchungsportale. Wie fast überall wächst das Angebot über AirBnB sehr stark. Auf Island wird dies bereits für den engen Wohnungsmarkt in der Hauptstadt verantwortlich gemacht, und die Regierung verfolgt inzwischen stärker jene, die über die erlaubten 90 Tage hinaus ohne Anmeldung vermieten. In Dänemark gibt es inzwischen eine 70-Tage-Grenze, die auf 100 Tage angehoben werden kann. Außerdem kooperiert AirBnB seit neuestem direkt mit der dänischen Finanzbehörde. Die färöische Regierung scheint laut vp.fo Ähnliches anzustreben.

 

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