Flughafen-Aufträge: Zu viel China auf Grönland?

Grönland. Bekommt China zu viel Einfluss auf Grönland? Diese Befürchtung hegen manche, seit eine chinesische Firma sich für den Bau der drei neuen grönländischen Flughäfen beworben hat. Darüber berichtete unter anderem Sermitsiaq.

Flughafen Ilulissat

Flughafen Ilulissat. Foto Thomas Christiansen

Bisher hat Grönland nur einen Flughafen, auf dem Maschinen aus Europa oder Nordamerika landen können – Kangerlussuaq. Die lange Startbahn gehörte früher zu einem amerikanischen Militärstützpunkt, ist inzwischen aber stark sanierungsbedürftig. Statt die Piste in der abgelegenen Gegend voll zu sanieren, will Grönlands Selbstverwaltung lieber ein ganz neues Konzept: Startbahnverlängerung für die Hauptstadt Nuuk und für Ilulissat, wo die Touristen gerne den Eisfjord besichtigen. Dort sollen dann auch internationale Flüge direkt landen können. Und Qaqortoq in Südgrönland soll einen Regionalflughafen mit 1500-Meter-Startbahn bekommen. Bisher kann man dort nur mit dem Helikopter landen. Straßen zwischen den Orten gibt es in Grönland nicht.

Das Projekt ist wegen seiner Kosten umstritten, aber schon kurz vor der Umsetzung. Die staatliche grönländische Flughafengesellschaft Kalaallit Airports A/S hat bereits das Vorhaben ausgeschrieben, von elf Anbietern sind sechs ausgewählt worden, die nun ein Angebot für die Anlagen abgeben dürfen. Dabei handelt es sich um zwei dänische Firmen (die Munck-Gruppe A/S und MT Høygaard A/S), eine dänisch-isländische Kooperation (Aarsleff – Ístak Joint Venture), die niederländische BAM International bv., das kanadische Pennecon Dexter Joint Venture sowie die staatliche chinesische China Communications Construction Company Ltd. (CCCC).

Grönland Flughäfen

Alte und neue Flughafen-Standorte in Grönland.
Karte mit Hilfe von stepmap

Gegen letztere richtet sich nun die Kritik. Denn Grönland ist nicht irgendeine abseits gelegene Insel voller Eis, sondern ein strategisch wichtiger Punkt der NATO mit einem amerikanischen Militärstützpunkt. Als selbstständiger Teil im Königreich Dänemark ist Grönland auch NATO-Mitglied.  „Wir sind tief besorgt. China hat in Grönland nichts zu suchen“ zitiert die Nachrichtenagentur Reuters anonym einen hohen dänischen Beamten. Dänemark habe eine große Verantwortung gegenüber seinem engsten Verbündeten, den USA. Der dänische Außenminister Anders Samuelsen bestritt allerdings laut Sermitsiaq, dass dies die Haltung der dänischen Regierung sei. Angesichts des laufenden Wahlkampfes hält sich die dänische Regierung sowieso zurück mit jeglichen Aussagen über Grönland. Am 24. April wird ein neues grönländisches Parlament (Inatsisartut) gewählt.

Nicht alle Kritiker bleiben anonym: Konteradmiral Nils Wang, Leiter der Hochschule der dänischen Streitkräfte (Forsvarsakademiet) äußert seine Warnung vor zu viel chinesischem Einfluss öffentlich gegenüber Sermitsiaq. Und es ist auch nicht das erste Mal: 2016 verhinderte der dänischen Premierminister Lars Løkke Rasmussen persönlich den Verkauf der ehemaligen Marinebasis Grønnedal an chinesische Interessenten.

Air Greenland

Air Greenland in Kangerlussuaq.
Foto Thomas Christiansen

Die grönländische Regierung (Naalakkersiusut), immer auf der Suche nach Investoren und Einnahmequellen, war bisher jedoch offen zur Zusammenarbeit mit China. Vergangenen Oktober waren Premierminister Kim Kielsen und weitere Regierungsmitglieder sogar zu Gesprächen nach China gereist. Daraufhin warnte der Nachrichtendienst des dänischen Militärs (Forsvarets Efterretningstjeneste) vor einem Einfluss Chinas auf Grönland über die Investitionen.

Viele Grönländer wünschen sich die Unabhängigkeit von Dänemark. Bisher ist die Insel jedoch finanziell von Dänemark abhängig.

Aktuell liegt die Flughafenplanung brach – die Entscheidung für einen Anbieter wird die neue Regierung treffen. Es gibt aber auch Parteien, die das ganze Paket noch einmal aufschnüren wollen. Eigentlich sollte im Oktober Baubeginn für die Startbahn in Nuuk sein.

Frühere Artikel zu den Flughäfen und den Wahlen:

 

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Yukigassen – Schneeballschlacht mit Regeln

Kemijärvi. Während in Deutschland langsam der Frühling einkehrt, hat Nordfinnland immer noch viel Schnee. Den braucht man auch, wenn man Yukigassen spielen will – eine Mischung aus Schneeballschlacht und Völkerball.

Yukigassen

Schneeballvorrat. Foto Simon Cozens, CC BY NC 2.0

Das Spiel stammt ursprünglich aus Sobetsu auf der japanischen Insel Hokkaido, wo es im Winter viel Schnee gibt. Den ersten Wettbewerb gab es dort 1989. Und weil Sobetsu die Partnerstadt des nordfinnischen Kemijärvi ist, erreichte die Idee schnell Finnland. Vergangenes Wochenende wurde dort die 23. Europameisterschaft des „Schnee-Kampfes“, so die wörtliche Übersetzung, ausgetragen.

Die Regeln: Ein Team besteht aus sieben Spielern. Zu einem Match gehören drei Spiele, die jeweils drei Minuten dauern. Man wirft Schneebälle aufeinander. Wer getroffen wird, muss das Feld verlassen. Gewonnen hat, wer am Ende die meisten Spieler übrig hat. Ein Team kann aber auch gewinnen, indem es dem Gegner die Flagge klaut.

90 Schneebälle hat jedes Team zur Verfügung, die vorher mit einem speziellen Gerät vorbereitet werden. Der Ratschlag von Yukigassen International: Gute Schneebälle brauchen eine gewisse Feuchtigkeit, um zusammenzuhalten, sie sollten aber gleich verbraucht werden, damit sie nicht zu Eis und damit gefährlich werden.

Auf dem Spielfeld gibt es kleine Schutzwälle, hinter denen man sich vor den gegnerischen Bällen verstecken kann. Sicherheitshalber spielen alle Teilnehmer mit Helm.

Mannschaftssport mit Spaßfaktor

„Das beste ist, dass Yukigassen ein Mannschaftssport ist. Gruppen von Freunden oder Klassenkameraden melden sich als Team an, eine Fußballmannschaft könnte es zum Spaß ausprobieren.  Sie haben Spaß, auch wenn sie sich an eine Reihe von Regeln halten müssen“, wirbt Ari Pöyliö, Vorsitzender des finnischen Yukigassen-Verbandes,  im Interview mit Artic Finland, für die professionelle Schneeballschlacht.

Nicht nur Finnland, auch die schneereichen Nachbarn Norwegen, Schweden und Russland haben die Sportart übernommen, außerdem eine Reihe Länder, wo der Schnee-Nachschub weniger gesichert ist. Längst wollen sich die Spieler in Kemijärvi aber auch nicht mehr auf den Winter beschränken: Sie horten Schneehaufen für eine Schneeballschlacht im Juli.

Und so sieht Yukigassen in Kemijärvi aus. „Lumisota“ ist finnisch für Schneeballschlacht.

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Luftweg wird teurer: Schweden erhebt Flugsteuer

Schweden. Bisher galt Fliegen für Schweden als ein vergleichsweise günstiges Verkehrsmittel – vor allem für die Langstrecke. Die Regierung möchte nun ein Zeichen für das Klima setzen: Seit dem 1. April gilt eine Flugsteuer pro Passagier. Dies dürfte sich auch auf die künftigen Ticketpreise niederschlagen.

Fliegen

Schnell, aber klimaschädlich: Fliegen

Schweden kann nur eine Steuer für Starts im eigenen Land erheben. Für Inlandsflüge und Flüge innerhalb Europas werden 60 SEK, umgerechnet 5,82 Euro pro Passagier fällig. Flugreisen bis zu 6000 Kilometer ab Stockholm (Arlanda) kosten 250 SEK (24,25 Euro), noch weitere Flüge 400 SEK (38,80 Euro). Für Kinder unter zwei Jahren sowie für Fluggäste, die nur umsteigen, wird keine Steuer erhoben. Bezahlen müssen dies die Fluggesellschaften – doch einige haben bereits angekündigt, diese Kosten an den Passagier weiterzureichen.

Schweden auf Platz 10 der günstigsten Flugländer weltweit

Bisher stand Schweden auf Platz 10 von 75 auf der Liste günstiger Flugländer der Buchungsplattform kiwi.com – wegen seiner günstigen Auslandsflüge. Diese haben seit 1990 mit 130 Prozent zugenommen, zeigt eine Untersuchung der Technischen Hochschule Chalmers in Göteborg.  Flugbenzin wird nicht besteuert. Ausgewählte Inlandsflüge werden sogar bezuschusst, um auch für abgelegene Orte, wo kommerzieller Flugverkehr nicht wirtschaftlich wäre, schnelle Verkehrsverbindungen anzubieten.

Vor allem der kleine Koalitionspartner Miljöpartiet hatte die Flugreisen-Besteuerung vorangetrieben. Ziel ist, das Reiseverhalten in eine klimafreundlichere Richtung zu steuern.  Die bürgerlichen Parteien sind dagegen, es gab bereits Ankündigungen, diese Steuer im Falle eines Wahlsieges am 9. September wieder abzuschaffen. So geschah es beim ersten Anlauf zur Flugsteuer 2006.

Flughafen Kiruna

Schwedens nördlichster Flughafen Kiruna.

Im Zuge der Steuerdiskussion thematisierten die Medien auch  die Folgen von Flugreisen für das Klima. „Der Flug ist die einzige Transportmethode, die nichts für ihre klimaschädlichen Emissionen bezahlt“, stellt SVT fest und ließ ihren Reporter eine der beliebten Thailandreisen während des schwedischen Winters in Kohlendioxid-Tonnen und geschmolzene Eis-Quadratmeter umrechnen. Umfragen im Auftrag von Dagens Nyheter und Svenska Dagbladet zeigen , dass eine Mehrheit der Schweden durchaus bereit ist, diese Steuer zu zahlen. Der Flughafen Kopenhagen rechnet allerdings zukünftig mit mehr Passagieren aus Südschweden.

Dänemark hatte eine solche Steuer schon einmal (2005-2007), hat sie aber nach einem regierungswechsel wieder abgeschafft. Deutschland und Österreich haben eine solche Abgabe seit 2011.  Auch in Finnland denken Politiker inzwischen darüber nach. Finnland ist allerdings laut kiwi.com bereits das zweitteuerste Flugland, vor allem die Inlandflüge.

Norwegen hat die Passagiersteuer 2016 eingeführt: Dies führte die Fluggesellschaft Widerøe jüngst als Grund an, warum viele Abflüge gestrichen wurden (siehe Widerøe spart: Weniger Flüge zu den Lofoten).

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Norwegen: Jagd auf Minkwale hat begonnen

Norwegen. Die Walfangsaison in Norwegen hat begonnen. Insgesamt dürfen in diesem Jahr 1278 Minkwale getötet werden.  Über den Fang der ersten Tiere vor den Lofoten  berichtete nun NRK.

Minkwal

Minkwal. Foto NOAA/Wikimedia Commons

Zwölf Schiffe haben sich in diesem Jahr angemeldet, um auf Walfang zu gehen. Die Quote ist so hoch, weil im vergangenen Jahr nur 342 gefangen worden waren. Nur der Minkwal, auch Zwergwal genannt, darf bejagt werden. Die Art gehört zu den häufigsten im Nordatlantik, nach dem norwegischen Polarinstitut gibt es gut 100 000 Exemplare. Der Bestand gilt nicht als bedroht. Der Fang sei streng reguliert und basiere auf der Bestandsermittlung nach Methoden des IWC (International Whaling Commission), heißt es auf der Internetseite des Meeresforschungsinstitutes (Havforskningsinstituttet).

Stimmen pro und contra

Walfang ist auch in Norwegen umstritten. „Es gibt überhaupt keine Notwendigkeit, Wale zu fangen. Wir wissen dagegen, dass große Meeressäuger sehr wichtig für das Ökosystem im Meer sind“, sagt beispielsweise die Vorsitzende der Tierschutzorganisation NOAH, Siri Martinsen, zu NRK. NOAH kritisiert die Harpunierung als extrem schmerzhaft und als Tierquälerei.

Es gibt aber auch Umweltschutzorganisationen, die Walfang in dem aktuellen Umfang akzeptabel finden: „Der Zwergwal hat sein ganzes Leben in Freiheit verbracht, bevor er als Nahrung für uns endet. Wenn du also nicht Veggie bist, hoffe ich, dass du Zwergwal zum Abendessen wählst, und mit gutem Gewissen.  Das Fleisch ist viel umweltfreundlicher produziert als Schwein oder Rind, und es ist außerdem Teil unserer Küstenkultur hier im Norden“, äußerte beispielsweise die frühere Vorsitzende des Naturvernforbundet der Region Troms, Silje Lundberg, 2015 angesichts einer Aktion von Sea Shepherd in Norwegen.

IWC und NAMMCO

Norwegen ist zwar Mitglied im IWC, hat sich aber ebenso wie Island gegen das 1982 beschlossene Walfangmoratorium ausgesprochen. Die Bestands- und Fangdaten werden aber ausgetauscht. Japan deklariert seine Walfänge als Forschung. Grönlands Inuit dürfen als Urvolk Wale zur Selbstversorgung fangen. Die Färöer sind nicht Mitglied im IWC. Man hält das IWC nicht für die geeignete Organisation zur Überwachung kleiner Arten wie dem Pilotwal, der auf den Färöer gefangen wird.

Die Färöer, Norwegen, Island und Grönland arbeiten allerdings in der North Atlantic Marine Mammal Commission (NAMMCO) zusammen, die auch Daten mit dem IWC austauscht.

Umweltgifte im Walfleisch

Während die einen in Norwegen noch die Tradition beschwören und den gesundheitlichen Wert von Walfleisch hervorheben, ist die Nachfrage der Verbraucher danach gesunken. Was auch daran liegen könnte, dass der heutige Wal gar nicht so gesund ist: In den großen Tieren sammeln sich die Umweltgifte aus dem Meer. Schwangeren wird bereits davon abgeraten.  Im kleinen Pilotwal, der ein Zahnwal ist und auf den Färöer gefangen wird , ist die Dosis aber höher als im größeren Minkwal, einem Bartenwal.

Mehr zum Thema Walfang:

Island: Walschutz-Gebiet ausgeweitet – für wie lange?

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Tourist riskiert sein Leben für ein Selfie mit Gletscherlagune

Island. Wieder einmal ist das unvorsichtige Verhalten eines Touristen in der Diskussion: Der Mann war auf Eisschollen auf die Gletscherlagune Jökulsárlón hinausgegangen und hatte sich selbst fotografiert. Es gelang ihm allerdings, heil wieder ans Ufer zu kommen. Darüber berichtete RÚV.

Jökulsárlón

Jökulsárlón mit Selfie-Tourist auf dem Eis. Foto: Screenshot Video Páll Jónsson/ RÚV.

Ein Betreten des Eises in der Lagune ist ausdrücklich verboten. Dieser Mann  war trotzdem hinaus gegangen, unter den Augen diverser Zuschauer. Darunter war zufällig auch der isländische Guide Páll Jónsson, der schließlich zu filmen begann (Video siehe RÚV). „Er war ziehmlich weit hinausgekommen und machte Bilder von sich selbst mit einem Selfiestick. Es war schrecklich zu sehen, wie schnell das Eis sich bewegte“, zitiert RÚV den Guide. „Wäre er hineingefallen, wäre er zwischen den Schollen zerquetscht worden und nicht wieder hochgekommen. Ein Rettungsversuch wäre aussichtslos gewesen.“

Während das Publikum dem vermeintlichen Helden anschließend applaudierte, wies Páll Jónsson ihn laut RÚV auf die Gefahr hin. Der Mann habe geantwortet, er sei Kanadier und Experte für Eisberge.  Er sei solche Verhältnisse aus den USA gewöhnt. Für den Isländer kein Argument, denn er sei auch nur ein Mensch: „Wäre er hineingefallen, wäre das Ergebnis das Gleiche gewesen.“

Gletschersee Jökulsárlón war schon Filmkulisse

Der Gletschersee Jökulsárlón ist in den vergangenen Jahrzehnten gewachsen, weil der Breiðamerkurjökull (Gletscher) schmilzt. Von dort stammen die bis zu 15 Meter hohen Eisberge im Wasser. Mit 248 Meters Tiefe ist es inzwischen Islands tiefster See. Seit Juli 2017 ist er Teil des Nationalparks Vatnajökull. Er diente auch schon als dekorative Kulisse für Filme, unter anderem für zwei James-Bond-Folgen und für Batman Begins.

Trotz der Verbotsschilder gibt es immer wieder Touristen, denen Ansehen oder die im Sommer angebotenen Bootstouren nicht reichen. Vergangenen November hatte die Polizei eine Hochzeitsgesellschaft mit Rufen vom Eis geholt.. In der Nachbarlagune (Fjallsárlon) waren einmal vier Leute abgetrieben, die versucht hatten, mit Tisch und Stühlen auf einer Eisscholle zu picknicken. Sie mussten auf ein Boot warten.

Dieses Youtube-Video zeigt, warum es keine gute Idee ist, das Eis von Jökulsárlón zu betreten:

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Musiker Ásgeir lädt zur Schatzsuche nach Vinyl-Unikaten

Island. Musik als Massenware bei Amazon oder Spotify?  Der isländische Singer/Songwriter Ásgeir Trausti Einarsson ging bei seinem Projekt Straight to Vinyl einen anderen Weg: Er nahm innerhalb von 24 Stunden 30 Vinyl-Singles mit unterschiedlichen Songs auf. Diese Unikate wurden per Schatzsuche verteilt – eine war sogar als Flaschenpost unterwegs und wurde jetzt gefunden.

Ásgeir Trausti

Ásgeir Trausti Einarsson.
Foto Kim Matthäi Leland/ CC BY-SA 3.0

Bei den Liedern handelte es sich vor allem um reduzierte Versionen früher veröffentlichter Songs. Der öffentliche isländische Fernsehsender (RÚV) übertrug die 24-Stunden-Session, die vergangenen Juli stattfand,  eine Zeitrafferaufnahme findet man auf Ásgeirs Webseite.

Bisher sind erst etwas mehr als die Hälfte der Scheiben unter Volk gekommen – unter anderem in Groningen, Dublin, Paris, Berlin und Brisbane. Die Diskussion darüber und Hinweise zur Schatzsuche läuft unter dem Hashtag #asgeirstraighttovinyl.

Eine der Vinylplatten erhielt eine besondere Behandlung: Sie wurde wasserdicht verpackt, mit einem GPS-Sender versehen und Anfang November 2017 ins Meer geworfen („Album in a bottle„). Da sie zuerst auf einer schwer zugänglichen Insel im Breiðafjörður gestrandet war, wurde sie erneut an anderer Stelle ausgesetzt. Dank des GPS Trackers konnte man den Weg verfolgen: Zuerst ging es Richtung Färöer, dann bis jenseits des Polarkreises östlich von Island, dann trieb das Objekt nach insgesamt fünf Monaten an der isländischen Ostküste an Land. Ein Geschwisterpaar, das die Reise verfolgt hatte, fuhr gestern hin und sammelte die besondere Flaschenpost auf.

Ásgeir Trausti, inzwischen meist nur als Ásgeir unterwegs, hat bisher zwei Alben veröffentlicht: Sein Debüt „Dýrð í dauðaþögn“ von 2012 hat angeblich jeder zehnte Isländer zu Hause stehen. Es wurde später als „In the Silence“ mit englischen Songtexten auch international vermarktet. Vergangenes Jahr erschien mit „Afterglow“ das Nachfolge-Album, mit größtenteils englischen Texten.

So klingt Ásgeir auf Isländisch:

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Eisdrift-Plattform statt Scholle für russische Forscher

Russland/Arktis. Über Jahrzehnte bauten russische Arktisforscher ihre Stationen auf einer Eisscholle auf und sammelten Daten während der Drift. Doch es wird immer schwieriger, dafür geeignete Schollen zu finden. Deshalb entwickelt Russland nun eine Forschungsplattform, die sich drei Jahre lang autonom in der Arktis bewegen kann. Darüber berichtete der Barents Observer.

Nordpol

Eis am Nordpol. Foto NOAA

Die erste Eisdriftstation, „Nordpol 1“ („Северный Полюс-1“) wurde bereits 1937 in der Nähe des Nordpols eingerichtet. Sie driftete in 274 Tagen 2500 Kilometer weit. Die Forscher brachten wichtige Ergebnisse wie Daten zur Oberflächenströmung und die erste Tiefenmessung des nördlichen Eismeeres mit, mussten jedoch öfter umziehen.

Nach 1950 wurde die Idee wieder aufgenommen und es gab regelmäßig Eisdriftstationen, mit denen die Strömungen in der Arktis kartiert und Daten über lange Zeit gewonnen werden konnten. 2007 war auch ein deutscher Wissenschaftler des Alfred -Wegner- Institutes mit dabei. Zuletzt war es jedoch offenbar immer schwieriger geworden, den passenden Untergrund für die Anlagen zu finden.

Die Entwicklung einer Plattform zur weiteren Forschung in der Arktis hatte nun Minister Sergej Donskoi bei Ria Nowosti angekündigt. Dabei sollen umgerechnet 98 Millionen Euro investiert werden. Die Entwicklung soll noch vor Mitte dieses Jahres beginnen, 2019 soll der Bau starten. Damit sollen sichere Arbeitsbedingungen für die Forscher geschaffen werden, so Donskoi.  An dem Projekt beteiligt ist der russische Wetterdienst Roshydromet (Росгидромет).

Auch diese Technik hat eine lange Tradition: Der norwegische Forscher Fridtjof Nansen hatte sich und seine Crew für seine Nordpolexpedition (Start 1893) in einem extra dafür konstruierten Schiff, der Fram, im Eis einfrieren lassen. Seine Hoffnung war, damit über den Nordpol zu driften. Die Fram driftete jedoch südlich daran vorbei. Das französische Forschungsschiff Tara nutze für seine Expedition 2006 – 2008 dieselbe Technik.

Weiterhin auf Eisschollen setzt das Camp Barneo, das Expeditionszentrum der russischen geografischen Gesellschaft. Dort können sich auch Touristen einmieten und zur Nordpol-Expedition starten. Es wird allerdings auch jeweils nur einen Monat (ab Ende März oder Anfang April) betrieben. Das diesjährige Camp wird laut  Facebookseite gerade vorbereitet.

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Speedskate-Rekord auf Luleås Natur-Eisbahn

Luleå.  Der Holländer Kjeld Nuis hat zwar gerade in Pyeongchang zwei Goldmedaillen im Eisschnelllauf gewonnen, über 1000 und 1500 Meter. Doch er wollte einmal richtig schnell fahren: Auf der Natur-Eisbahn vor Luleå schaffte er eine Spitzengeschwindigkeit von 93 Kilometern pro Stunde – Weltrekord.

Eisbahn

Normaler Eisläufer auf der Bahn in Luleå.

Das Wasser der Bottenwiek, der nördlichsten Spitze der Ostsee, enthält nur wenig Salz. Mächtige Flüsse wie der Luleälv und der Torneälv münden dort und transportieren ständig Süßwasser ins Meer. Dies und die tiefen Temperaturen sorgen für stabiles Eis vor der Küste. Die Stadt Luleå richtet darauf jeden Winter eine Eisbahn für ihre Bürger ein: Der Schnee wird geräumt, es gibt unterwegs Sitzmöglichkeiten zum Ausruhen mit Windschutz, eine weniger rutschige Spur ist für Spaziergänger vorgesehen und sogar an Entsorgungsmöglichkeiten für Hundedreck ist gedacht. Wer nicht mit Schlittschuhen auf die Bahn will, kann gratis Tretschlitten ausleihen, diese sind allerdings sehr begeht. Die Strecke führt in großem Bogen um eine Halbinsel herum (von Södra Hamn nach Norra Hamn), aber auch in gerade Strecke zur Insel Gråsjälören.

Diese Möglichkeit einer geraden Strecke nutzte nun auch der Olympiasieger für seinen Weltrekord. Dass er es tatsächlich auf 93 Kilometer pro Stunde brachte, liegt allerdings auch an einem „Hilfsmittel“: Kjeld Nuis fuhr im Windschatten eines speziell dafür gebauten Schirms hinter einem Auto her. Wie er im Video unten erzählt, wurde der Schirm mit Unterstützung der Technischen Universität Eindhoven entwickelt. Er benutzte auch verlängerte Kufen und einen speziellen Schutzanzug. „Es fühlte sich an, als würde ich über das Eis fliegen“, sagte Nuis hinterher laut Red Bulls Webseite. Die Schlittschuhe seien allerdings bei 93 Kilometern pro Stunde durchaus schwer zu kontrollieren gewesen.

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Schönste der Welt? Toilette mit Blick auf die Lofoten

Norwegen. Toiletten dann, wenn man sie braucht, und in einem sauberen Zustand – nicht  immer passen Wunsch und Wirklichkeit zusammen. Norwegen arbeitet aber daran: Zum Sommer sollen fünf neue Rastplätze eröffnen. Und eine neue öffentliche Toilette mit Blick auf die Lofoten wurde bereits vom englischen Telegraph zur schönsten der Welt gekürt.

Toilette

Neue Toilette am Ureddplassen.
Foto Lars Grimsy/ Statens Vegvesen

Bei besagtem Objekt handelt es sich um die Toilette des neu gestalteten Ureddplassen, einem Aussichts- und Gedenkort am Fylkesveien 17 nördlich des Polarkreises, westlich von Mevik. Dort wurden neue Parkplätze, eine Galerie und Stufen zum Strand hinunter angelegt. Der Ort liegt an der sogenannten Helgelandskysten-Route, eine von 18 Landschaftsrouten, die Norwegen Touristen besonders empfiehlt. Er sei besonders geeignet zum Beobachten von Mitternachtssonne oder Polarlicht, meint Steinar Skaar, bei der staatlichen Straßenbaubehörde (Statens Vegvesen) zuständig für diese Route, in einer Pressemitteilung. Man sieht von dort nach Fugløya und Lofotodden.

Das wellenförmige Toilettengebäude, das  auch nach außen leuchtet, kann bereits benutzt werden und wurde von den Architekten Haugen/Zohar gezeichnet. Die gesamte Umgestaltung der Anlage wurde von Inge Dahlmann (Landskapsfabrikken AS) konzipiert und  kostete rund 1,5 Millionen Euro.

Uredd-Denkmal auf neuem Sockel

Zur Umgestaltung gehörte auch ein neuer Sockel und ein neuer Platz für das Uredd-Denkmal. Es erinnert an 42 verstorbenen Besatzungsmitglieder des norwegischen U-Bootes „Uredd“ (Furchtlos“), das im Zweiten Weltkrieg im Fugløyfjord auf eine Mine gelaufen war.

Mit dem Landschaftsrouten-Konzept (original „nasjonale turistveger“) werden seit den 1990er Jahren ausgewählte Strecken mit verbesserter und individuell zum Ort passender Infrastruktur versehen. Die Strecke der Helgelandskysten geht von Holm bis kurz vor Bodø  und ist rund 400 Kilometer lang. Auch die Roten durch Ryfylke, die Hardangervidda, Andøya und die Lofoten erhalten zur Saison neue Rastplätze mit Toiletten.

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Neue Bilder in der Galerie: „Vårvinter“

Noch ein bisschen Schnee zu Ostern. Aber mit viel Sonne – Bilder vom „Vårvinter“  – „Frühlings-Winter“ – im hohen Norden jetzt neu in der Galerie.

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