Norwegens Küstenroute 2021: Neustart mit halber Kraft?

Norwegen. Für Liebhaber von Schiffsreisen war und ist 2020 kein gutes Jahr. Selbst der Norwegen-Klassiker, Hurtigrutens Tour von Bergen nach Kirkenes, verkehrt noch immer nicht wieder täglich. Für Havila Kystruten, die ab 2021 einen Teil der Abfahrten übernehmen will, ist das kein guter Start. Aber bisher ist auch noch keins der vier neuen Schiffe fertig. Sicher planen kann angesichts der Lage ohnehin niemand.

So sollen die vier Havila-Schiffe aussehen, hier Havila Capella. Quelle Havila

Bisher hat Havila extrem Pech gehabt: Die spanische Werft, die zwei der Schiffe bauen sollte, ging in Konkurs. Die türkische Werft, die die beiden anderen Schiffe bauen sollte, war im Zeitplan, bis Corona kam. Sie sollen nun um den Jahreswechsel fertig werden, berichtet NRK. Die türkische Werft wird dann auch die beiden anderen Schiffe fertigstellen.  In dem elftägigen Rhythmus der Küstenroute, die in Deutschland meist als Postschiffroute vermarktet wird, sollte Havila ab 1. Januar vier Abfahrten übernehmen und Hurtigruten sieben. Havila hat bereits zwei Schiffe gechartert, um damit übergangsweise die Strecke bedienen zu können. Unklar ist, welche Reiserestriktionen im Januar noch in Kraft sind und welche Nachfrage dann herrschen wird. Havila setzt auf Flüssiggas und Batterieantrieb und wird damit auch dann in die Welterbe-Fjorde einfahren können, wenn dort ab 2026 die härtesten Abgasbestimmungen in Kraft treten.

Havila-Einstieg unter erschwerten Bedingungen

Die Havila Holding ist die Muttergesellschaft vieler Unternehmen aus dem Transport- , Offshore- und Tourismussektor mit Sitz in Norwegen und bis heute im Besitz der Familie Sævik. Als die norwegische Regierung 2017 den Betrieb der Küstenroute Bergen-Kirkenes in drei Teilen ausschrieb, geschah dies mit dem Ziel, das Monopol von Hurtigruten zu brechen, mehr Wettbewerb auf dieser Strecke zu bekommen und Kosten zu senken. Die norwegische Regierung bezuschusst den Betrieb als öffentlichen Nahverkehr an der Küste und als zusätzliche Frachtmöglichkeit im infrastrukturschwachen Norden des Landes. Zum Vertrag gehören nicht nur die Verpflichtung zum Betrieb und dem Anlauf aller 34 Häfen, sondern auch hohe Umweltauflagen. Für Havila war die aufgeteilte Ausschreibung die Möglichkeit, in die prestigeträchtige Route einzusteigen. Nun wird der Start voraussichtlich immer noch unter Corona-Bedingungen stattfinden.

Platzhirsch Hurtigruten mit Problemen

MS Lofoten

Die geschichtsträchtige MS Lofoten, hier 2019 in Bodø, gehört zu den Schiffen, die aktuell nicht in Betrieb sind. Sie wird auch ab 2021 nicht mehr auf der Küstenroute eingesetzt.

Platzhirsch Hurtigruten hatte bereits ambitionierte Pläne, wofür die Schiffe eingesetzt werden sollten, die dann auf der Küstenroute nicht mehr gebraucht werden: Sie sollten alternative Touren an der norwegischen Küste fahren. Mit den Hybridschiffen Roald Amundsen und Fridtjof Nansen wollte Hurtigruten auch sein internationales Expeditions-Kreuzfahrt-Geschäft ausbauen. Statt Expansion backt die Reederei aktuell ganz kleine Brötchen. Die internationalen Fahrten sind nach dem Corona-Ausbruch auf der Roald Amundsen für die nächsten Monate abgesagt. Auf der Küstenroute verkehren aktuell sechs Schiffe statt elf, mit halber Belegung. Eine Ausweitung des Angebots ist nicht in Sicht, seit für Touristen aus Deutschland und Großbritannien Quarantänepflicht gilt – daher kamen die meisten Gäste. Ein Großteil der Crew ist immer noch freigestellt. Sicher planen kann aktuell niemand.

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