Hurtigruten bewirbt sich für Hurtigruten

Tromsø. Die Reederei Hurtigruten AS wird ein Angebot bei der Neuausschreibung der Küstenroute Bergen-Kirkenes abgeben – und zwar für alle drei Pakete, mit insgesamt elf Schiffen. Das erklärte Konzernchef Daniel Skjeldam am Donnerstag bei einer Pressekonferenz am Sitz des Unternehmens in Tromsø.

Hurtigruten, MS Nordnorge

Hurtigruten, MS Nordnorge

“ 125 Jahre lang waren wir der Lebensnerv entlang der norwegischen Küste, haben örtliche Reisende, Güter und Touristen transportiert. Das ist Teil von Hurtigrutens DNA. Niemand kann die norwegische Küste wie wir“, so Skjeldam in der Pressemitteilung.

Der Hintergrund: Der Vertrag der Reederei  für die Linie Bergen-Kirkenes gilt noch bis Ende 2019 und kann noch ein Jahr verlängert werden. Das Verkehrsministerium hat die Küstenroute, die den meisten nur als „Hurtigruten“ bekannt ist, für die Zeit danach nun neu ausgeschrieben, und zwar nach einem neuen Modell: Damit sich auch andere Reedereien bewerben können, wurde die Aufgabe in drei Pakete aufgeteilt.

Hinter dem neuen Modell steckt vor allem der Druck der ESA, der Überwachungsbehörde der Freihandelsorganisation EFTA (European Free Trade Association), der Norwegen angehört. Norwegen ist nicht Mitglied der EU. Für die Überwachungsbehörde ist der Zuschuss, den Norwegen für die Bedienung der Strecke zahlt (zurzeit 700 000 NOK jährlich, etwa 72 374 Euro)  unerlaubte Staatshilfe. Es fehle der Wettbewerb.

Postflagge

Noch fährt die Hurtigruten mit Postflagge.

Der soll nun mit dem neuen Modell gewährleistet sein, und zugleich, so hoffte Verkehrsminister Ketil Solvik-Olsen bei der Vorstellung  im September, sollten Reisende und der Staat nicht mehr als notwendig bezahlen müssen.

Hurtigruten hatte zuerst öffentlich Überlegungen geäußert, sich gar nicht zu bewerben und nur noch rein touristische Fahrten anzubieten. Nun hat  die Reederei als erste ihren Hut in den Ring geworfen. Skjeldam machte bei der Pressekonferenz gleichzeitig klar, worauf sich die Konkurrenten einstellen müssen: Sollte es nicht zu einem neuen Vertrag mit dem Staat kommen, werde Hurtigruten rein touristisch weiter an der norwegischen Küste unterwegs sein – dann aber mit weniger Stopp, aber dafür längeren Aufenthalten. Lokale Passagiere und Güter dürften dann aber nicht mehr mitgenommen werden. Die Reederei veranstaltet mit anderen Schiffen auch Kreuzfahrten weltweit, mit einem Schwerpunkt arktische Gebiete.

Für den neuen Anbieter dürfte erschwerend hinzu kommen, dass er seine Tour von Bergen nach Kirkenes  nicht unter dem Namen Hurtigruten vermarkten kann – diesen Namen hat sich die Reederei markenrechtlich schützen lassen und wird ihn nicht ohne Gerichtsprozess aufgeben.

Der staatliche Zuschuss verpflichtet dazu, dass auch tatsächlich alle 34 Häfen täglich angefahren werden. Damit soll der Passagierverkehr auf der ganzen Strecke und zwischen Tromsø auch der Güterverkehr garantiert werden. Hurtigruten bedient diese Strecke mit elf Schiffen. Nach dem neuen Modell könnte sich nun auch ein Unternehmen bewerben, das nur drei oder vier Schiffe zur Verfügung hat. Die Schiffe sollen  jeweils die ganze Strecke fahren, der Passagier soll nicht umsteigen müssen.  Ende der Bewerbungsfrist ist Anfang Januar 2018. Zu dem neuen Vertrag gehören auch Ausstattungs- und Umweltauflagen.  Er soll mindestens zehn Jahre gelten.

Ein früherer Artikel zum Thema findet sich hier.

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