Norwegens neue Küstenroute: Havila unter Zeitdruck

Norwegen. In elf Monaten sollen auf Norwegens Küstenroute neue Zeiten anbrechen: Hurtigrutens Monopol ist Geschichte, Mitbewerber Havila Kystruten soll einen Teil der Touren von Bergen nach Kirkenes übernehmen. Doch von den vier notwendigen neuen Schiffen werden voraussichtlich nur zwei rechtzeitig fertig. Nun wird nach Alternativen gesucht. Darüber berichtete NRK.

Küstenroute

Ab 2021 fahren Hurtigruten und Havila entlang der norwegischen Küste – wie der Übergang laufen wird, ist noch unklar.

Mit vier nagelneuen, umweltfreundlichen Schiffen wollte der Havila-Konzern auf der berühmten Küstenroute von Bergen nach Kirkenes starten. Der Hauptantrieb ist LNG, sie können kurzfristig aber auch nur mit Batterie fahren – wie es ab 2026 in den Welterbefjorden verlangt wird. Zwei der Schiffe sind im Zeitplan – die, die auf der türkischen Tersan-Werft gebaut werden. Die beiden anderen wurden bei der spanischen Werft Hijos de Barreras in Auftrag gegeben. Dort liegen die Rümpfe nun seit Monaten halb fertig ohne Fortschritte. Die Werft ist in Schwierigkeiten, die Arbeiter sind seit August freigestellt. Nach der spanischen Zeitung Faro de Vigo hat die Werft die Aufträge sogar annulliert, obwohl Havila Vorschuss bezahlt hat. Ob noch andere Gründe eine Rolle spielen, ist unklar. Eine schnelle Alternativlösung ergab sich nicht. Realistisch ist das Ziel für diese beiden Neubauten nicht mehr zu erreichen, selbst wenn sich ein Käufer oder neuer Investor finden würde.

Küstenroute ist nicht nur Privileg, sondern auch Verpflichtung

Die Küstenroute wird staatlich bezuschusst, weil sie insbesondere in Nordnorwegen zur Infrastruktur beiträgt – mit der Beförderung von lokalen Fahrgästen und Gütern. Deshalb müssen auch alle 34 Häfen verpflichtend angelaufen werden, soweit das eben vom Wetter her möglich ist. Die Küstenroute zu befahren, ist also nicht nur ein Privileg, sondern auch Verpflichtung. Und zumindest in der Theorie muss Havila Kystruten Strafe zahlen, wenn der damit verbundene öffentliche Auftrag nicht erfüllt werden kann. Zwei Schiffe weniger im 11-Tage-Turnus wären eine deutliche Beschränkung der Kapazitäten. 

Suche nach Ersatzschiffen

Wie NRK berichtet, sieht sich die Reederei deshalb nun nach geeigneten Schiffen um, die vorübergehend als Ersatz benutzt werden können. Diese sind in der Regel aber bereits verplant. Zudem müssten sie auch den vorgegebenen Umweltkriterien entsprechen, was nicht viele tun. Hurtigruten, die die Linie heute mit elf Schiffen bedient, hat bereits andere Pläne für die Schiffe, die dann nicht mehr gebraucht werden.

Nur Hurtigruten darf Hurtigruten heißen

Zu der Aufteilung der Küstenroute kam es, weil die norwegische Regierung die Aufgabe erstmals in drei Teilen ausschrieb. So sollte es auch anderen Anbietern möglich sein, sich zu bewerben. Zuvor hatte es Kritik von der EFTA-Überwachungsbehörde am Hurtigruten-Monopol gegeben. Diese ist im europäischen Wirtschaftsraum, zu dem auch das Nicht-EU-Land Norwegen gehört, für die Einhaltung der Normen in der Freihandelszone zuständig. Der neue Mitbewerber Havila Kystruten darf seine Reisen allerdings nicht unter dem weltweit bekannten Namen Hurtigruten vermarkten, der für viele ein Synonym für die Strecke ist. Dieser ist von Hurtigruten als Markenname geschützt.

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