Lofoten, Vesterålen und Senja bleiben für Ölsuche tabu

Norwegen. Der Koalitionsvertrag der zukünftigen norwegischen Regierung bot eine Überraschung: Die Lofoten, Vesterålen und Senja sollen für weitere vier Jahre tabu sein für jegliche Untersuchungen, die eine künftige Ölforderung zum Ziel haben. Damit kamen die beiden großen Partner Høyre und Fremskrittspartiet der 4,4-Prozent-Fraktion der sozialliberalen Venstre entgegen.

Vesterålen

Bleiben ölfrei: Lofoten, Vesterålen, Senja.

Sowohl Høyre (konservativ) als auch  Fremskrittspartiet (rechts-national) waren eigentlich dafür gewesen, diese Gebiet ebenfalls für die Ölsuche zu öffnen. Nach Schätzungen der norwegischen Ölbehörde liegen dort etwa 1,3 Milliarden Fass Ölequivalent, davon 64 Prozent Öl, der Rest Gas.

Zumindest für eine Teilfläche südlich der Lofoten hätte es auch ohne Venstre sogar eine Mehrheit im Parlament gegeben: In diesem Bereich hätte auch die sozialdemokratische Arbeiderpartiet, die größte Fraktion, weitere Untersuchungen zum Zweck der Ölförderungen zugelassen. Andere Gebiete wollte sie schützen. Alle anderen Parteien im Storting sind seit Jahren gegen jegliche Schritte in Richtung Ölsuche im Bereich der Lofoten, Vesterålen und Senja.

Wichtig für den Fisch-Nachwuchs

Dafür gibt es gute Gründe: Die  Inselgruppen sind ein wichtiges Laichgebiet und Kinderstube für zahlreiche Fischarten. Rund 70 Prozent des Fischs, der später aus der Barentssee oder aus der Norwegischen See gezogen wird, hat dort seine ersten Lebensmonate verbracht, so das norwegische Meeresforschungsinstitut  (Havforskningsinstituttet) in einer Veröffentlichung.  Das kalte Klima, die Dunkelheit im Winter und der an dieser Stelle nur schmale Kontinentalsockel führten zu einer räumlichen und zeitlichen Konzentration der Fortpflanzung. Eine Störung dieses Systems hätte massive Folgen für den Fischbestand. Dazu kommt, dass dort Wale und Robben  leben und es große Vorkommen von Kaltwasserkorallen gibt. Das Institut spricht sich klar gegen jede Öl-Aktivitäten dort aus – ebenso wie diverse andere Einrichtungen und Verbände, von Umweltschützern und Fischern bis zu den Tourismusorganisationen.

Statoil will verstärkt in der Barentssee suchen

Die Bürgerinitiative Ölfreie Lofoten, Vesterålen und Senja lädt vor Freude zur Party ein. Der staatliche Energiekonzern Statoil kündigte an, statt dessen anderswo verstärkt Probebohrungen durchzuführen, um den Nachschub zu sichern – beispielsweise in der Barentssee. Die Ölbehörde hat für die nächste Konzessionsrunde Angebote von elf Unternehmen vorliegen, die Öl suchen wollen – vor allem im Norden.

Melkøya

Gasanlage Melkøya vor Hammerfest

Öl und Gas werden Norwegen und Statoil aber so schnell nicht ausgehen. Neben der bereits laufenden Produktion wie dem Gasfeld  Snøhvit in der Barentssee, das direkt in die Anlage Melkøya bei Hammerfest liefert, sind auch neue Projekte kurz vor dem Start: Ende 2019 beginnt erst die Ausbeutung des Feldes Johan Sverdrup in der Nordsee vor Stavanger. Es gehört mit  zwei bis drei Milliarden Fass Ölequivalent zu den größten Vorkommen auf dem norwegischen Kontinentalsockel überhaupt und soll 50 Jahre lang in Betrieb sein.

Für die Ausbeutung des Gasfeldes Aasta Hansteen 300 Kilometer vor der Küste in der Norwegischen See ist fast alles vorbereitet, noch in diesem Jahr sollen die Bohrungen beginnen.

Für das Feld Johan Castberg in der Barentssee sind gerade die ersten Aufträge vergeben worden. 2022 soll das erste Öl fließen.

Mehr zur neuen norwegischen Regierungskonstellation:

Norwegen bekommt eine Drei-Parteien-Minderheitsregierung

Mehr zur Ölförderung in Nordnorwegen:

 

Dieser Beitrag wurde unter Norwegen, Öl und Gas, Politik veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Ein Kommentar zu Lofoten, Vesterålen und Senja bleiben für Ölsuche tabu

  1. Frank Seliger sagt:

    Keine Versuche zur Ölförderung vor den Lofoten ist eine kluge Entscheidung, die Alternative in der Zukunft wäre wohl weniger oder gar keine eßbaren Fische mehr. Aber der Beschluß sollte nicht nur für vier Jahre gelten , sondern für alle Zeiten. Der Wermutstropfen bei der Nachricht sind weitere Bohrungen in der Barentsee.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.