Ende der Jagd auf Minkwale vor Island

Island/Norwegen/Färöer. Erledigt sich das Thema Walfang in Nordeuropa von selbst? Auf Island ist die Jagd auf Minkwale nun eingestellt worden, weil sie sich als unwirtschaftlich erwiesen hat. Das berichtete Morgunblaðið.

Minkwal

Minkwal. Foto NOAA/Wikimedia Commons

Seit Anfang Juni war das Fangschiff der Reederei IP Út­gerð unterwegs gewesen. Sechs Minkwale (deutsch auch Zwergwal, isländisch hrefna) wurden dabei erlegt. IP Út­gerð hätte bis zu 262 Tiere fangen dürfen, lief aber zuletzt gar nicht mehr aus. Der Direktor des Unternehmens, Gunn­ar Berg­mann Jóns­son, sagte zu Morgunblaðið, es lohne sich nicht mehr. Da die Walschutzzone vor Reykjavik ausgeweitet wurde, müssten die Walfänger nun sehr viel weiter aufs Meer fahren. Das koste mehr Treibstoff und Personal. Versuche der Walfänger, die Schutzgebiet-Erweiterung rückgängig zu machen, hatten nicht gefruchtet. Gunn­ar Berg­mann Jóns­son denkt nun darüber nach, das Schiff für andere Zwecke umbauen zu lassen.

Wal

Der rätselhafte Wal. Foto hard to port

Das Geschäft des anderen isländischen Walfängers, Kristján Loftsson (Hvalur hf), lohnt sich schon lange nicht mehr. Kristján Loftsson lässt Finnwale jagen – in dieser Saison sind es bis jetzt 56. Vor kurzem war er international wieder in den Schlagzeilen, weil seine Männer einen Wal anschleppten, der auch ein geschützter Blauwal hätte sein können. Er erwies sich im DNA-Test als seltener Finnwal-Blauwal-Hybride – nicht geschützt. Die taz bezeichnete Loftsson jüngst als „isländischen Kapitän Ahab“. Auf Island wird Finnwalfleisch gar nicht gegessen, er will nach Japan exportieren. Es ist bekannt, dass er den Walfang mit Gewinnen aus der Fischerei subventioniert hat. Loftsson ist 75. Es ist fraglich, ob irgendjemand anders ein so schlechtes Geschäft fortführen möchte. Selbst wenn die Regierung es weiter gestattet, was noch offen ist. Doch Bilder von toten Walen sind schädlich fürs Image einer Insel, die groß auf Tourismus setzt – lebende Wale dürften mehr einbringen.

In Norwegen wurden bis jetzt 352 Minkwale gefangen

Noch gibt es eine Nachfrage nach Minkwal-Fleisch auf Island – nicht zuletzt von neugierigen Touristen. Was der einheimische Walfang nicht heranschafft, wird dann aus Norwegen importiert. Dort sind in diesem Jahr elf Schiffe auf der Jagd. Bis jetzt haben sie laut NRK 352 Tiere gefangen, was als schlechter Zwischenstand gilt. Die Saison geht noch einen Monat. Es ist absehbar, dass die Quote von 1278 Walen längst nicht ausgenutzt wird – es gibt aber offenbar auch kein Interesse von weiteren Akteuren, noch auf Walfang zu setzen.

226 tote Pilotwale auf den Färöer

Anders sieht es auf den Färöer aus. Schon deshalb, weil die Jagd auf die Pilotwale (färöisch grindahvalir) eine Gemeinschaftsaufgabe und alte Tradition ist und das Fleisch anschließend hauptsächlich unter den Teilnehmern verteilt wird. In diesem Jahr fanden bereits vier Jagden auf Pilotwale statt, bei denen insgesamt 226 Tiere erlegt wurden. Eine Gemeinschaftsjagd galt elf Weißseitendelfinen. Das Pilotwal-Fleisch ist allerdings inzwischen stark mit Schadstoffen belastet – in dem Zahnwal sammelt sich mehr an als in Minkwalen, die nur kleine Fische und Krill fressen. Kommende Generationen könnten ihre Gesundheit wichtiger finden als die Tradition.

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