Das Ultra-Skirennen des Polarforschers Nordenskiöld

Jokkmokk.  Andreas Nygård und Emilia Lindstedt sind die diesjährigen Sieger des Nordenskiöldloppet im nordschwedischen Jokkmokk. Mit 220 Kilometern ist es das längsten Skirennen der Welt. Noch interessanter ist die Geschichte dahinter. Das erste Rennen veranstaltete nämlich der Polarforscher Adolf Erik Nordenskiöld im April 1884 – um Ergebnisse seiner Grönlandforschung zu beweisen.

Ski

Unterwegs auf Langlaufskiern (Symbolbild).

Der Finnlandschwede Nordenskiöld wurde 1832 in Helsinki geboren und zog 1858 nach Stockholm. Er machte fünf Expeditionen nach Spitzbergen, wo auch ein Gletscher nach ihm benannt ist. Bekannt wurde er für seine Entdeckung und Durchfahrung der Nordostpassage 1878 bis 1880. 1870 war er außerdem bereits an einer Grönlandexpedition beteiligt gewesen. 1883 startete er erneut nach Grönland, mit zwei Zielen: Zum einen wollte er nach Spuren der früheren nordischen Siedler auf Grönland suchen. Zum anderen gab es damals noch die Hoffnung, im grönländischen Inland könnte es hinter der Eismauer doch noch irgendwo grün sein.

Finanziert wurde die Expedition vom schwedischen Geschäftsmann und Mäzen Oscar Dickson, weshalb sie auch die „zweite Dicksonsche Expedition“ genannt wird. Zu seiner Crew gehörten zwei Samen, Anders Rossa und Pavva Lars Nilsson Tuorda als Experten für Ski- und Schlittenausrüstung.

Nordenskiöld

Der Entdecker Adolf Erik Nordenskiöld,
gemalt von Georg von Rosen.
Quelle: www.nationalmuseum.se

Auf der Suche nach Grönlands grünem Inland kam man nur langsam voran, weshalb Nordenskiöld die beiden skierfahrenen Samen zur Erkundung vorausschickte. Sie kamen noch zweieinhalb Tagen wieder und konnten nur von noch mehr Eis berichten, hatten in dieser Zeit aber 460 Kilometer zurückgelegt.

Diese Geschichte stieß bei der Rückkehr auf Kopfschütteln: Eine so lange Strecke auf Skiern könne niemand in der Zeit schaffen. Nordenskiöld glaubte seinen Crewmitgliedern allerdings und veranstaltete als Beweis ein Skirennen: Von Jokkmokk nach Kvikkjokk und zurück, insgesamt 220 Kilometer. Insgesamt 18 Teilnehmer gab es. Die Strecke war nicht gespurt, gefahren wurde Tag und Nacht, und, so vermerkt SVT, „alles mit Skiern, die zwischen 210 und 300 Zentimeter lang waren, 8 bis 12 Zentimeter breit und die etwa dreimal so viel wie heutige Wettkampfskier wogen“.

Grönlandfahrer Tuorda kam damals nach 21 Stunden und 22 Minuten ins Ziel und konnte so seine Glaubwürdigkeit untermauern. Der diesjährige Sieger, der Norweger Andreas Nygård, schaffte es nun in 13 Stunden und 25 Minuten, im Vorjahr hatte er sogar nur 11 Stunden und 45 Minuten gebraucht. Inzwischen wird die Strecke allerdings gespurt. Schnellste Frau war die Schwedin Emilia Lindstedt mit 14 Stunden und einer Minute. 

Das historische Rennen wurde nach einer Initiative des  österreichischen Langläufers Wolfgang Mehl vor drei Jahren in moderner Form wiederbelebt. Es wird in Zusammenarbeit mit dem Skiclub Jokkmokk durchgeführt, mit Red Bull als Sponsor. Insgesamt hatten sich rund 400 Langläufer angemeldet, etwa ein Drittel brach unterwegs ab, so Mehl zu SVT (alle Resultate).

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