Island. Für Autofahrer auf Island begann das Jahr mit einer großen Veränderung: Die Kraftstoffsteuer wurde abgeschafft, stattdessen zahlen nun alle eine Gebühr pro gefahrenem Kilometer laut Tacho und abhängig vom Fahrzeuggewicht. Die Kilometergebühr gab es bisher schon für Elektroautos. Die neue Gebühr betrifft auch Touristen, die auf Island ein Auto mieten oder per Fähre mit dem eigenen kommen, auf unterschiedliche Weise.
Hintergrund der Änderung ist, dass die Einnahmen durch die Kraftstoffsteuer immer geringer wurden, da heutige Fahrzeuge sparsamer sind und auch die Zahl der Elektroautos steigt. Daraus sollte eigentlich der Unterhalt der Straßen bestritten werden. Die Kilometergebühr steigt nun an, je mehr man fährt und je schwerer das Fahrzeug ist, also analog zur Straßenabnutzung. Für einen durchschnittlichen Verbrenner-Pkw sollen die Kosten damit ungefähr gleich bleiben, da der Treibstoff billiger geworden ist. Größere Fahrzeuge, wie sie oft im ländlichen Raum benutzt werden und die meist auch viel Treibstoff verbrauchen, kommen nach den bisherigen Berechnungen sogar etwas besser weg als vorher, was als Entlastung für Einwohner im ländlichen Raum durchaus gewollt ist. Alle Verbrenner-Nutzer zahlen jedoch weiter eine CO2-Abgabe beim Tanken.
Abrechnung monatlich wie die Stromrechnung
Für ein Fahrzeug unter 3,5 Tonnen wird eine Kilometergebühr von 6, 95 ISK fällig – das entspricht 0,05 Euro. Isländer müssen sich dafür einmal auf der Plattform island.is mit dem Kilometerstand anmelden. Das Prinzip soll wie bei der Stromabrechnung funktionieren: Man zahlt monatlich eine Abschlagssumme, einmal im Jahr gibt man einen neuen Kilometerstand ein (oder öfter, wenn man möchte). Bestimmte Fahrzeuge sind von der Gebührenpflicht ausgenommen, zum Beispiel Rettungsfahrzeuge oder Traktoren.
Leihauto: Möglicherweise Mehrkosten
Bei Touristen, die ein Auto auf Island gemietet haben, kümmert sich die Verleihfirma um alles. Da die neue Gebühr erst kurz vor Weihnachten beschlossen wurde, hatten die Firmen noch keine Chance, ihre Angebote darauf einzurichten. In der Umstellungsphase kann es also sein, dass Nachforderungen wie beispielsweise eine Bearbeitungsgebühr kommen. Dafür ist der Treibstoff billiger geworden.
Eigenes Auto: Bis 30 Tage Pauschalbetrag
Für diejenigen, die mit ihrem eigenen Auto per Fähre anreisen, hängt die Lösung davon ab, wie lange sie bleiben. Wer nur bis zu 30 Tage bleibt, zahlt einen Pauschalbeitrag, gestaffelt nach Zeit und Fahrzeuggewicht.
Für ein Fahrzeug bis 3,5-Tonnen werden folgende Gebühren fällig:
- bis zu 10 Tagen: 13 900 ISK (etwa 95 Euro)
- 11-20 Tage: 20 850 ISK (etwa 142 Euro)
- ab 21 Tage: 24 325 ISK (etwa 165 Euro)
Für ein Motorrad bis 400 kg werden fällig:
- bis zu 10 Tagen: 8300 ISK (etwa 56 Euro)
- 11-20 Tage: 12 450 ISK (etwa 85 Euro)
- ab 21 Tage: 14 525 ISK (etwa 99 Euro)
Wer länger als 30 Tage am Stück bleibt, zahlt dieselben Gebühren wie die Einheimischen, allerdings mindestens so viel wie die Pauschale für 21 Tage.
- Die komplette Tabelle für alle Gewichtsklassen ist im Gesetzesentwurf einzusehen, Artikel 11 ist der für Touristen (Isländisch).
- Eine ausführliche Übersicht dazu auf Deutsch gibt auch Ursula Jäger auf ihrem Blog Island-Fan Kochbuch, inklusive Beispielrechnungen. Nach ihrer Beobachtung ist der Treibstoff auf Island seit Neujahr tatsächlich entsprechend billiger geworden.
- Zum Hintergrund der neuen Gebühr und einigen Details informiert die Website Vegir okkar allra, auch auf Englisch
Früherer Artikel zu Island:
Island: Badekultur jetzt immaterielles Kulturerbe

