Wenn das Eis geht: Neue Inseln in der Arktis

Norwegen/Russland. In der Arktis weicht das Eis. Und verschafft Wissenschaftlern neue Erkenntnisse. Denn unter dem weißen Panzer sieht es gar nicht immer so aus, wie man bisher dachte. Das zeigen die Entwicklungen auf Spitzbergen und in der russischen Arktis – neue Inseln erscheinen.

Spitzbergen

Gletscher auf Spitzbergen. Foto Thomas Christiansen

Die jüngste Erkenntnis in diesem Bereich stammt von polnischen Wissenschaftlern, berichtet der Barents Observer. Polen betreibt seit 1957 eine Forschungsstation am Hornsund auf Spitzbergen. Dieser gilt bisher als südlichster Fjord der Hauptinsel Spitzbergen. Tatsächlich könnte er jedoch Teil einer Durchfahrt sein: Bei einer Radaruntersuchung im Gebiet der Gletscher Hornbreen und Hambergbreen habe sich gezeigt, dass das Bett der Gletscher unterhalb der Meeresoberfläche liege, so ein Forscher zum Barents Observer.  Bei vollständigem Abtauen der Gletscher werde die Südspitze zu einer echten Insel. Heute trennen noch sechs Kilometer den Hornsund von der Barentssee. Doch das Eis am Hornsund schrumpft, der Fjord breite sich jedes Jahr um drei Quadratkilometer weiter aus. Die Südspitze ist Sør-Spitsbergen Nationalpark.

Auf Spitzbergen ist der Klimawandel längst zu spüren

Auf Spitzbergen ist der Klimawandel bereits deutlich spürbar. Permafrostboden taut, was zu massiven Problemen in dem eigentlich für die Ewigkeit gedachten Saatgutspeicher geführt hat. Häuser müssen abgerissen werden, weil ihr Standort neuerdings lawinengefährdet ist, zwei Todesopfer gab es schon. Im vergangenen Winter verhungerten rund 200 Rentiere, weil gefrorener Regen ihnen den Zugang zu Nahrung versperrte. Eisbären suchen an Land nach Futter, weil es immer weniger Meereis gibt.

Überraschungen wie die polnischen Forschungsergebnisse vom Hornsund gibt es auch an anderer Stelle: Norwegische Forscher stellten bei der Auswertung von Satellitendaten fest, dass die Halbinsel Brageneset im Süden von Nordaustlandet in Wirklichkeit eine Insel ist, berichtete NRK. Der Gletscher dazwischen ist inzwischen soweit getaut, dass man sehen kann, dass dort gar keine Landverbindung ist.

Russische Inseln erscheinen und verschwinden

Solche Entdeckungen gibt es in der russischen Arktis zuhauf. Erst vor kurzem wurden fünf neue Inseln vor der Ostküste von Nowaja Semlja am Wylki/Nansen-Gletscher gemeldet. Die Hydrografen der Nordflotte kartieren die Küstenlinie gerade neu und haben zwischen 2015 und 2018  schon 30 neue Buchten, Inseln und Kaps identifiziert.

Doch es gibt auch seltsame Überraschungen: So berichtet der Barents Observer von einer kleinen, kreisrunden Insel im Franz-Josef-Archipel, die früher vergletschert war und nun komplett verschwunden ist – vermutlich aufgrund von Erosion.

Früherer Artikel zum Thema:

Anzeige
Dieser Beitrag wurde unter Arktis, Geologie, Klima, Meer, Norwegen, Russland veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.