Europawahl: Unterschiedliche Entwicklungen in Schweden und Finnland

EU/Schweden/Finnland. An der EU-Nordgrenze, in Schweden und Finnland, setzten die Wählerinnen und Wähler teilweise andere Prioritäten als in Deutschland oder Österreich – und auch im Vergleich zu den nationalen Wahlen.

Schwedische und finnische Zeit.

Die nördlichsten EU-Länder Schweden und Finnland arbeiten trotz des Zeitunterschieds an der Grenze gut zusammen (hier Haparanda-Tornio).

Wenn es demnächst im EU-Parlament eine starke grüne Partei gibt, wird auch Finnland dazu beitragen – mit einem zusätzlichen Sitz, insgesamt dreien. Die schwedische Miljöpartiet profitiert nicht von diesem Trend. Sie verlor die Hälfte ihrer Sitze und bekommt nur noch zwei, trotz der Klimafrage im Wahlkampf. Sie hatte bereits bei den nationalen Wahlen im September verloren. Wem ihre frühere Klientel nun die Stimme schenkt, ist etwas rätselhaft. Nach der Analyse von Valu sind es zu 11 Prozent die Sozialdemokraten.

Bei den nationalen Wahlen in Finnland vor sechs Wochen waren die Sozialdemokraten mit knappem Vorsprung stärkste Fraktion geworden (17,7 Prozent) und Spitzenkandidat Antti Rinne ist immer noch dabei, gemeinsam mit vier weiteren eine Mitte-Links-Regierung zu schmieden. Auf Europaebene wurde erneut die konservative Kokoomus/Samlingspartiet stärkste Gruppierung mit 20, 8 Prozent. Das Zentrum (Keskusta) verlor auch auf Europaebene, wie zuvor national. Es ist ihr verlorener Sitz, den die Grünen nun zusätzlich bekommen, alles andere bleibt gleich. Die rechtsnationalen Perussuomalaiset (Basisfinnen/Wahre Finnen) haben nur wenig zugelegt und liegen mit 13,8 Prozent unter ihrem nationalen Ergebnis von 17,5 Prozent. Das komplette Europawahl-Ergebnis für Finnland gibt es bei vaalit.fi.

Kein Grund zum Jubeln bei der schwedischen Umweltpartei

Schwedens nationale Wahl war vergangenen September, die Regierungsbildung des Sozialdemokraten Stefan Löfven zog sich hin. Die aktuelle Konstellation mit Unterstützung der beiden liberalen Parteien ist aufgrund der zahlreichen Kompromisse und Zugeständnisse wahrscheinlich für keinen der Beteiligten befriedigend. Trotzdem konnten die Sozialdemokraten bei der Europawahl all ihre fünf Sitze halten und sind stärkste Partei (23,6 Prozent). Der Koalitionspartner, die grüne Miljöpartiet, siehe oben, ist aber angeschlagen. Die konservativen Moderaterna und die rechtsnationalen Sverigedemokraterna haben beide im Vergleich zur vorherigen EU-Wahl zugelegt und jeweils einen Sitz dazugewonnen, liegen jedoch prozentual nicht höher als auf nationaler Ebene. Auch die Kristdemokraten gewannen dazu. Man kann also von einem Ruck nach rechts sprechen. Die beiden liberalen Parteien, die Stefan Löfven zur Wiederwahl verholfen haben, endeten unterschiedlich: Centerpartiet gewinnt dazu, Liberalerna verliert und schafft es gerade noch, einen Sitz zu halten.  (Ergebnisse laut SVT 0 Uhr). Die Zeiten der Fenimistiskt Initiativ sind aber offenbar vorbei: Es reichte nicht für den Wiedereinzug in den Riksdag und auch nicht mehr für das Europaparlament.

In Norwegen und Island verfolgte man zwar die Entwicklung, beide Länder sind jedoch nicht EU-Mitglied. Auch die Färinger und Grönländer durften nicht wählen. Dänemarks autonome Gebiete haben sich schon vor Jahrzehnten gegen die EU entschieden.

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