Warum auf Spitzbergen kanadische Eisbären-Felle verkauft werden

Spitzbergen/Kanada. Eisbären sind in Norwegen streng geschützt. Trotzdem gibt es beispielsweise auf Spitzbergen Eisbärenfell legal zu kaufen. Es stammt aus Kanada. Der norwegische Fotograf Ole Jørgen Liodden veröffentlicht in seinem neuesten Buch „Polar Bears & Humans“ Fakten zur Jagd. Darüber berichtete auch NRK.

Eisbär

Der Eisbär im Flughafen Longyearbyen stammt von der Inselgruppe. Foto Thomas Christiansen

Viele Jahrzehnte war das Fell des Eisbären so begehrt, dass die Jagd die Spezies fast ausrottete. In einem Abkommen einigten sich die Eisbären-Länder 1973 auf strengere Regeln zum Schutz des größten Landraubtieres. In Norwegen und der Sowjetunion/Russland wurde er total geschützt. In Grönland, Kanada und Alaska ist den Inuit die Jagd innerhalb von  festgelegten Quoten und unter bestimmten Bedingungen erlaubt.  Kanada interpretiert diese Regeln so, dass auch der internationale Verkauf des Eisbärenfells und Trophäenjagd unter bestimmten Bedingungen legal ist. So kommt es auch, dass Touristen auf der Eisbäreninsel Spitzbergen Eisbärenfelle kaufen können, die allerdings nicht von norwegischen, sondern von kanadischen Eisbären stammen. Laut den NRK-Informationen werden etwa zehn Felle pro Jahr verkauft.

Weltweit 800 bis 1000 gejagte Eisbären im Jahr

Der norwegischen Naturfotograf Ole Jørgen Liodden, der auch einen Masterabschluss in Naturverwaltung und Umweltpolitik besitzt, hat für sein neues Buch „Polar Bears & Humans“ gemeinsam mit Fachanwälten in dreijähriger Recherche den aktuellen Stand der Eisbärenjagd ermittelt – inklusive der schwer zugänglichen Jagd-Zahlen. Er kommt (laut NRK) zu dem Schluss, dass jährlich 800 bis 1000 Eisbären geschossen werden, 70 Prozent davon in Kanada. Weltweit gebe es noch etwa 23000 Eisbären. 72 Prozent der Felle würden nach China exportiert, Norwegen sei zweitgrößter Abnehmer. Die kanadische Regierung nennt die Jagd nachhaltig. Nach Lioddens Zahlen schrumpft der kanadische Bestand.

Dass die Bevölkerung trotzdem, nicht nur in Kanada, mehr Eisbären zu Gesicht bekommt, und dass es auch mehr Begegnungen mit Eisbären gebe, liegt laut Forschern gegenüber NRK daran, dass das Eis schrumpft und die Tiere deshalb den Menschen näher kommen. Der Eisbärenbestand wird von den Wissenschaftlern in 19 Untergruppen aufgeteilt. Diese entwickeln sich aufgrund der unterschiedlichen Bedingungen vor Ort auch unterschiedlich. Da Eisbären sehr mobile Tiere sind, ist der tatsächliche Bestand schwer zu erfassen. Eine aktuelle Übersicht gibt es bei der Eisbärengruppe der Weltnaturschutzorganisation.

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